POSAUNE — SCHOFAR

POSAUNE - SCHOFAR
Was bedeuten die Posaunen in der Bibel und in der jüdischen Tradition?
Wie sehen sie aus? Wie klingen sie?
POSAUNE  und  SCHOFAR DIE POSAUNE – DER SCHOFAR
Zur Posaune: Dabei handelt es sich um ein Blasinstrument, das man bis heute „Schofar“ (der oder das Schofar; Mehrzahl: „Schofarim“) nennt. Es gibt sie auf jedem Markt in Israel und auch über das Internet. Angeboten werden kleine Exemplare des Schaf- oder Widderhorns bis hin zu grossen gewundenen Hörnern des Kudu (südafrikanische Antilope). Wegen der Erinnerung an das goldene Kalb werden keine Kuhhörner verwendet.

ALS SIGNALHORN
Der Schofar ist ein Signalhorn. Die Menschen sollen ihre Alltagsverrichtung unterbrechen und darauf hören, was mit dem Signal gemeint ist. »Wird etwa in der Stadt der Schofar geblasen, und erschrickt das Volk dann nicht? Geschieht etwa ein Unglück in der Stadt …« (Amos 3,6).

ALS TEIL DES KRIEGSZUGS
Für den Schofar gibt es mehrere Verwendungsbereiche. Immer handelt es sich um markante Ereignisse. „Schofarim“ sind Signalhörner in der militärischen Auseinandersetzung. Bei der Einnahme Jerichos hatten sie eine bedeutende Rolle gespielt (siehe Josua 6,20).

ALS ANKÜNDIGUNG DES GERICHTS
Bei Jesaja kündigt der Klang des Schofar das hereinbrechende Gericht an: „»Erhebe deine Stimme wie ein Schofar und eröffne meinem Volk ihre Verfehlungen und dem Haus Jakob seine Sünden« (Jesaja 58,1).

ALS SIGNAL DES GROSSEN ERLASSES
Anders ist es im sogenannten „Jubeljahr“ (Halljahr; jeweils das 50. Jahr), in dem es um einen grossen Erlass geht. Schuldsklaven wurden wieder frei und die Schulden wurden auf Null abgeschrieben. Der Beginn dieses Jahres mit dem jüdischen Neujahrsfest wurde durch das Blasen der „Schofarim“ angekündigt. Vgl. dazu 3. Mose 25,9-10).

ALS SIGNAL JÜDISCHER FESTE
Damit sind wir bei dem Gebrauch von Schofarim, der bis heute unter Juden eine wichtige Rolle spielt. Mit dem Blasen des Schofar beginnen grosse, heilige Feste. Wie erwähnt wird das Neujahrsfest (Rosch ha-Schanah; im Spätsommer) damit eingeleitet. Dieses Fest wird darum auch „Tag des Schofarblasens“ genannt (3. Mose 23,23-25; 4. Mose 29,1-6). Als Signalhorn für die Heiligkeit Gottes, den Jubel der Menschen und als Aufruf zur Umkehr erklingt es an jedem Tag des Monats Elul, der dem Neujahrsfest vorausgeht (ausser wenn das Neujahrsfest auf einen Sabbat fällt). Bedeutend ist der Ton des Schofar am sogenannten grossen Versöhnungstages (Jom Kippur). „Glücklich ist das Volk, das den schluchzenden Ton des Schofars kennt (Psalm 89,16). Im chassidischen Umfeld rechnet man damit, dass die Ankunft des Messias durch das Blasen des Schofar angezeigt wird.


VIER VERSCHIEDENE SIGNALTÖNE
Beim Blasen des Schofar unterscheidet man im Judentum vier verschiedene Signaltöne:
„Teki‘a“ — bestehend aus einem langen Ton: „der König kommt“
„Schewarim“ — drei Kurze Töne: „Gott erbarme dich (Bitte um Gnade)“
„Teru‘a“ — neun bis zwölf sehr kurze Töne (klingt wie Weinen): „gebrochenes Herz“
„Teki‘a gedolah“ — ein ganz langer Ton (bis einem die Luft ausgeht): „der Herr kommt wieder“
Eine hilfreiche Einführung in das jüdische Verständnis des Schofar-Blasens findet man unter Einführung


WIE EIN SCHOFAR KLINGT
Bei YouTube gibt es zahlreiche Aufnahmen. Sehr schön klingt es z.B. auf Posaune

Eine sorgfältige jüdische Anleitung zum Schofar-Blasen findet man hier: Schofar-Blasen - 1. Etwas einfacher und praktischer ist Schofar-Blasen - 2 oder Schofar-Blasen - 3

Die vier verschiedenen Grundtöne hört man deutlich auf vier Grundtöne - 1 (ab 0“42); siehe auch vier Grundtöne - 2 (ab ca. 4“15)

In manchen charismatischen christlichen Gemeinden wird heute der Schofar ‚wieder‘ entdeckt. Siehe das oben stehende Video. Gegenüber der Behauptung eines sogenannt geistlichen Kampfes, bei dem der Schofar eine Rolle spielen soll, sind wir äusserst skeptisch.




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