Das Neueste ...

Wolfgang Kreta<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchgemeinde.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>53</div><div class='bid' style='display:none;'>14406</div><div class='usr' style='display:none;'>157</div>

Ulrike im Strandbad<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchgemeinde.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>53</div><div class='bid' style='display:none;'>14486</div><div class='usr' style='display:none;'>157</div>

Ulrike Kreta<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchgemeinde.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>53</div><div class='bid' style='display:none;'>14405</div><div class='usr' style='display:none;'>157</div>

                                 Sie  kennen  ... ... uns beide kaum oder noch gar nicht? Dann sind Sie auf unserer Willkommen-Seite am rechten Ort.
Dort erhalten Sie erste Informationen zu uns, unserer Arbeit, unserem Leben – aber auch zu unseren Tätigkeiten und Freunden. Von dieser Seite aus finden Sie gut zu allen weiteren Hinweisen.

... Ulrike Bittner noch nicht und wollen mehr über sie wissen? Dann führt sie diese Seite weiter.

... Wolfgang J. Bittner noch nicht und möchten sich über ihn informieren? Dann klicken Sie hier.

... bereits uns beide?! Dann ist diese Seite mit den untenstehenden Neuigkeiten wahrscheinlich das Richtige für Sie. Lesen und Blättern Sie doch. Sie erfahren dabei, wo und wozu wir in letzter Zeit unterwegs waren.
Auf  dieser  Seite  ... ... informieren wir Sie in der Form eines Journals über Neuigkeiten, die es bei uns bzw. in unserem beruflichen Umfeld gibt: was wir erleben, was uns auffällt, was wir beobachten und was uns fragend macht. Interessiert? Echos freuen uns. Schreiben Sie an ulrike.bittner@bluewin.ch oder an wbittner@bluewin.ch. Wir antworten gerne und so schnell wir können.

Immer  wieder  Neues  ... Dienstag, 17. Juli 2018
Ulrike schreibt: Wolfgang und ich sind im August beim Langen Wochenende der Künste (16. - 19. August 2018) im Tessin. Hier finden Sie den Flyer: LWdK. Es gibt noch einige freie Plätze. Als Thema ist vorgegeben: Der empathische Blick. Wolfgang und ich haben gestern angedacht, was wir als Impulse mitbringen wollen. Im ersten Vortrag wollen wir zur Klärung anregen:

Empathie – Sympathie – Liebe
Unsere These: Empathie ist sowohl Fähigkeit als auch Handeln, Sympathie enthält eine Stellungnahme, und Liebe geht von einer Verpflichtung aus. Anhand von Beispielen klären wir die Begriffe und kommen uns selbst auf die Spur: Was ist ein empathischer Mensch, was ist ein empathischer Blick? Und warum Empathie Ich-Stärke zur Voraussetzung hat.

Das bieten wir an, in einem Workshop zu vertiefen: Empathie, Sympathie und Liebe setzen Ich-Identität voraus. Das Gegenteil ist die symbiotische Verschmelzung. Wie taucht diese Unterscheidung zwischen mir und dem Anderen in unserem Umgang miteinander und im künstlerischen Schaffen auf?

Wenn das Kunstwerk etwas von mir weiss
– über den Unterschied von Erinnerung und Vergegenwärtigung

Wie kommt es, dass ich mich von einem Kunstwerk gesehen, gemeint, zutiefst verstanden fühle? Dass ein Kunstwerk mich nicht nur an etwas erinnert, sondern für mich zum Ereignis wird? Wir thematisieren den Unterschied von Erinnerung und Vergegenwärtigung in der religiösen Bildwelt. Haben Bilder einen Verweischarakter oder wird das Ereignis im Bild zur Gegenwart?

Es macht mir Freude, an unseren eigenen Vorgaben weiterzudenken. Ich glaube, dass Empathie ein persönliches und ein gesellschaftliches Thema ist. Gesellschaftlich: Warum haben sich so viele Menschen in die Situation der eingeschlossenen Jungen in Thailand eingefühlt und warum tun das so wenige in Bezug auf die Kinder, die in Booten das Mittelmeer überqueren und dann in Lagern siechen? Persönlich: In wen und was kann ich mich einfühlen? In wen und was will ich mich einfühlen? Verfolgt mich das, was ich wahrnehme? Fühle ich mich zuständig/ schuldig/ hilflos? Was sind gesunde Grenzen meines Ichs?


Montag, 16. Juli 2018
Wolfgang schreibt: Die neue Homepage der Fritz Blanke Gesellschaft ist seit gut einem Monat online. Leider ist sie über die Suchfunktionen des Internet noch nicht auffindbar. Das soll sich bald ändern. Sie finden die Seite unter https://ourserver.ch. Neben Texten, einer Einladung für den Oktober-Studientag und verschiedenen Audio-Dateien finden Sie dort bereits zwei Kurz-Videos zur Frage nach «Mann und Frau» in den Schöpfungserzählungen der Bibel. Diese Reihe wird fortgesetzt. An jedem Monats-Anfang wird ein neues Kurz-Video hochgeschaltet. Die nächste Folge finden Sie anfangs August. Wir hoffen, dass diese Reihe auf Ihr Interesse stösst. Vielleicht machen Sie ja Ihre Freunde auf diese Seite aufmerksam. Es würde uns freuen. — Weitere Text-Dateien und Audio-Dateien finden Sie hier auf unserer Seite unter DOWNLOADS-Texte bzw. DOWNLOADS-Audio. In nächster Zeit wird es auch eine Reihe von Video-Beiträgen geben. Sie hören von uns.


Sonntag, 15. Juli 2018
Ulrike schreibt: Wir wünschen euch einen gesegneten Sonntag! Wolfgang und ich hatten in der letzten Woche mehrmals Besuch. Gestern Abend haben wir mit Freunden auf der Terrasse gesessen: wir haben gut gegessen - Wolfgang kocht immer noch kretische Gerichte nach 😀 - und miteinander in der Bibel gelesen. Der Brunnen plätschert (dank neuer Pumpe) und die Abendkühle ist angenehm.

Ich habe in den letzten Tagen Menschen in unserer Gemeinde besucht. Da kann ich nicht viel von erzählen. Ich empfinde es als ein grosses Privileg, dass ich als Pfarrerin so viel Vertrauen geniesse. Und ich habe mich mit ehrenamtichen Mitarbeiterinnen/ Mitarbeitern zur Vorbereitung getroffen. ... Ein Bibelgesprächskreis möchte zum Beispiel in der zweiten Jahreshälfte ‹Vergeben lernen› als Thema nehmen und mit den Heften von Kerstin Hack einsteigen. Schöne Idee.

Weil ich ab Mitte September im Studienurlaub bin, bin ich jetzt schon mit Absprachen fürs Jahresende, zum Beispiel für den Heilig Abend Gottesdienst befasst. Man glaubt es ja nicht, aber es ist so. Für den Studienurlaub wird es eine eigene Website geben: ich werde einen Blog für Freunde schreiben, die ‹mitgehen› möchten: zu Menschen in kleinen christlichen Gemeinden in nicht-christlichen Gesellschaften. Meine Frage ist, ob ich weiterhin auf ‹deutsch› schreibe oder ins Englische wechsle. Deutsch ist keine Sprache, in der man länderübergreifend theologischen Austausch und Freundschaften pflegen kann.


Montag, 9. Juli 2018
Ulrike schreibt: Gestern Abend waren Wolfgang und ich auf der Abendsmatt in Lampenberg. Das ist nicht weit von Liestal entfernt und ziemlich einsam. Der Gasthof - obwohl etwas heruntergekommen - fasziniert mich. Er hatte einmal eine grosse Bedeutung für die evangelische Theologie. Karl Barth und viele andere Theologen waren hier regelmässig zu Gast. Ein kleines Stück weiter haben wir uns auf eine Bank gesetzt und den Sonnenuntergang angeschaut. Wolfgang erinnert das Gedicht ‹Abendrot› von Joseph von Eichendorff:





Sonntag, 8. Juli 2018
Wolfgang schreibt: Die angekündigte heutige Predigt über Johannes 21,1-14 in der Stadtkirche Liestal können Sie gleich hier anhören: »Vergebung am Kohlenfeuer«. Es ist schon eindrücklich, was man dabei über den sorgsamen und weisen Umgang Jesu mit seinen Jüngern erfahren kann. Die Verleugnung des Petrus wird nicht verdrängt, wird nicht verschwiegen. Aber Jesus beschämt ihn auch nicht. Das seltsame 'Kohlenfeuer' (wer entzündet am Ufer eines Sees schon ein Kohlenfeuer?) vergegenwärtigt das Kohlenfeuer im Hof des Hohenpriesters. Es ist die Erinnerung an das schwere Versagen der Verleugnung ... Das aber verstehen neben Jesus nur der Lieblingsjünger und Petrus. Die beiden aber verstehen sofort, was damit gemeint ist …
Sie können die Predigt gleich hier anhören:



Die Aufnahme kann man auch herunterladen. Für einen DOWNLOAD finden Sie diese Aufnahme auf der Seite DOWNLOADS: AUDIO und dort unter der Rubrik "VORTRÄGE UND PREDIGTEN". Zum Downloaden gehen Sie bitte auf dieser Seite ganz nach unten. Wenn die Schrift auf dem Bildschirm blau wird, sind Sie richtig. Dort - alphabetisch angeordnet - finden Sie die Aufnahme dieses Abends unter dem Namen "2018-07-08-Kohlenfeuer" (MP3-Datei: 29'20 Minuten; 10,07 MB)


Samstag, 7. Juli 2018
Ulrike schreibt: In der Predigt morgen hören wir auf eine Geschichte aus Johannes 21, 1-14. Die Situation: Petrus hatte über Jesus - über den, der er liebt! - gesagt: «Ich kenne ihn nicht.» Das war der letzte persönliche Kontakt zwischen ihm und Jesus. ... Und nun hören wir wie der auferstandene Jesus mit Petrus umgeht. Dieser war an den See Genezareth zurückgekehrt und die ‹ersten› Jünger von damals sind mitgegangen. ... Es sind drei Punkte für die Predigt:

I Jesus inszeniert die erste Begegnung mit Petrus ein zweites Mal. Er lässt Petrus noch einmal erleben, wie er ihn damals, vor etwa zwei Jahren, am See Genezareth gefunden hat (siehe Lukas 5,1-11).

II Eins aber ist anders: das Kohlenfeuer! «Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot.» (Johannes 21,9) Das Kohlenfeuer kommt in der Bibel nur an einer einzigen anderen Stelle vor: als Petrus an einem Kohlenfeuer im Hof des Hohenpriesters steht und Jesus verleugnet. Jesus ist der behutsamste Seelsorger, den man sich vorstellen kann. Für Jesus ist alles wieder gut.

III Jesus erneuert den Auftrag. Er stellt Petrus die Frage nach seiner Liebe: «Liebst du mich?» - «Ja, Herr, du weisst, dass ich dich lieb habe.» Petrus wird den Auftrag in anderer Weise erfüllen, als er es bisher getan hat. Nicht mehr als einer, der führt, sondern als einer, der sich führen lässt (Johannes 21,18).


Freitag, 6. Juli 2018
Ulrike schreibt: Ich mache zur Zeit Besuche, die ich Menschen einmal versprochen, aber bisher nicht gemacht habe. Dazu haben wir selbst den einen und anderen Besuch bei uns Zuhause. Heute Abend bin ich mit dem Kreis für Menschen in schweren Lebenslagen zur Vernissage einer Ausstellung in Rheinfelden. Franz Zimmerli stellt in der Johanniterkapelle aus, und eigentlich kenne ich seine Bilder alle 😃. Aber es ist schön, gemeinsam etwas zu unternehmen, Freunde von Franz Zimmerli kennenzulernen usw.. Ausserdem macht es Freude, bei dem schönen Wetter - jetzt am Abend kommt die Sonne heraus - mit dem Motorroller über Land zu fahren.


Immer noch Montag, 2. Juli 2018
Ulrike schreibt: Ich habe mir Fotos von unserer Kreta-Woche im Juni angeschaut. Dabei ist mir aufgefallen, dass wir vor genau zehn Jahren zum ersten Mal dort waren. Hier sind ein paar Bilder aus den letzten zehn Jahren - in chronologischer Reihenfolge.





Montag, 2. Juli 2018
Ulrike schreibt: Wir sind gestern vom Kurswochenende in Moscia im Tessin zurück gekommen. Ich habe Wolfgang heute gefragt, ob er noch an den Kurs denkt, und er sagte: «Nein, aber an die Menschen, die da waren.» Das war ein wirklich gutes Zusammensein, in das jeder sein eigenes Leben mitgebracht hat. Gestern Vormittag haben wir über Johannes 21,1-14 gesprochen - die Geschichte werde ich als Grundlage für die Predigt am kommenden Sonntag (8. Juli, 9.30 Uhr, Stadtkirche Liestal) nehmen. Es geht um die Erfahrung von Vergebung im eigenen Leben: wie Jesus mit Petrus umgeht und wie er ihn nicht beschämt.

Moscia ist durch den direkten Anschluss an den Lago Maggiore etwas Besonderes. Man schaut immer auf den See und immer in die Berge. Da ist ständig etwas in Bewegung. Rasa - das andere Kurs-Zentrum der VBG - ist da ganz anders: da bewegt sich nichts. Kaum Menschen, nur Berge und ein paar Häuser aus Stein.

Im August finden Schweige-Exerzitien mit Wolfgang in Rasa statt. Thema ist: Schuld und Neubeginn .... - und wie das Wirklichkeit wird. Wolfgang wird mit den Teilnehmenden in kleinen Schritten Psalm 51 betrachten. Wer noch teilnehmen möchte, kann sich gern an Wolfgang wenden (wbittner@bluewin.ch). Die Zeiten sind: 20. – 30. August (zehn Tage), oder 20. – 25. August (fünf Tage) oder 25. – 30. August (fünf Tage). Mehr Angaben finden Sie links unter Rasa - Schweigen im Tessin


Mittwoch, 27. Juni 2018
Ulrike schreibt: Der Bibel-Salon am Montag war wunderschön. Wir haben über das Doppel-Gebot der Liebe (Markus 12) gelernt - da war auch für mich viel Neues dabei. Dann haben wir miteinander den sommerlichen Abend genossen und gut gegessen. Das müssen wir öfter machen.

Diese Woche haben wir jeden Tag verschiedene Planungs-Sitzungen in der Kirchgemeinde. Ich bin auch viel mit Schreibtischarbeit beschäftigt. Gestern habe ich zum Beispiel den Artikel fürs Liestal Aktuell - das monatliche Mitteilungsblatt unserer politischen Gemeinde - geschrieben. Ich habe viel telefoniert und Angebote für eine Broschüre der Stadt Liestal formuliert. Die Zusammenarbeit mit den anderen Kirchen und Freikirchen in Liestal und mit der Stadt empfinde ich als sehr konstruktiv. Das hat man nicht überall. Unsere katholische Nachbargemeinde macht diesen Sommer über etwas Gutes: Sie nennen das Jurten-Sommer und öffnen ihr Grundstück mitsamt einem (preiswerten) Bistro, einer Spielothek für die Kinder, einem sehr schönen Gebetszelt und viel grünen Flächen zum sich-Treffen und Ausruhen. Die Lage zwischen Bahnhof und Krankenhaus ist optimal. ... Auch wir als reformierte Kirchgemeinde sind dran, mehr Orte für Begegnung zu schaffen. Ich persönlich würde mir einen Co-Working-Space in unserem Kirchgemeindehaus wünschen 😀 - dass wir Menschen einen Arbeitsort geben, Tür an Tür mit unserer Kirche.

Heute Abend treffen wir uns zum ‹Kreis für Menschen in schweren Lebenslagen›, morgen sind nochmals Sitzungen, und dann starten Wolfgang und ich ins Wochenende. Wir sind mit einem Biographiekurs in Moscia im Tessin. Die Gruppe ist klein (14 Personen), aber für das Miteinander und Gespräche wird das sehr schön werden.


Samstag, 23. Juni 2018
Ulrike schreibt: Heute ist unser letzter Abend auf Kreta. Wir wollen nachher in eine Dorf-Taverne im Nachbarort gehen, in der Live-Musik gespielt wird. Vielleicht fahren wir aber auch wieder ans Meer nach Almeryda; das ist besonders schön, am Strand zu essen. Neulich war ich übrigens im Meer schwimmen und ein paar hundert Meter weiter tauchte plötzlich ein U-Boot auf. Es war sehr unauffällig, kurz vor der Halbinsel Akrotiri, die einen Militärstützpunkt hat. Ich glaube, das Boot hat ausser mir keiner gesehen, jedenfalls hat am Ufer niemand reagiert. ... Morgen fliegen wir von Heraklion aus zurück. Im Sommer ist der Flughafen eine Katastrophe, vollkommen überlastet. Ich hoffe, dass es morgen gut geordnet zugeht. 😀

Am Montag Abend - also übermorgen - haben wir den letzten Bibelsalon vor den Sommerferien. BEGINN: Diesmal bereits um 19:00 Uhr. Wir laden zu uns zum Abendessen an den Küngelbrunnenweg 1 ein. Das Bibelgespräch zu Markus 12 wird deswegen ein bisschen kürzer als sonst. Dafür haben wir mehr Zeit für einander. ... Im September wird der Bibelsalon dann neu starten: WER/ WAS kommt auf uns zu? Jesu Rede vom Ende der Welt: 2018-BIBEL-SALON-ENDZEIT .... Wer neu mit einsteigen möchte, kann das gerne tun. Welcome!


Freitag 22. Juni 2018
Ulrike schreibt: Wir sind jetzt eine Woche auf Kreta. In zwei Tagen geht es wieder zurück nach Hause. Das ist schon merkwürdig, wenn man jeden Tag 13 Stunden Sonne hat. Die Leute sind freundlich, das Essen in den Tavernen ist auffallend gut. Wolfgang kocht ja Zuhause manches nach und ist dann neugierig, welche Zutaten, welchen Käse usw. sie hier für Lamm in Käsesauce oder fürs Boureki nehmen.

Gestern waren wir in Frangokastello - also an der Südküste von Kreta, am Libyschen Meer. Das ist eine gute Stunde Fahrt durch die Berge von unserem Dorf an der Nordküste aus. Die Südküste ist einfach wunderschön, ich laufe gern am Strand entlang (Sand und Felsen) und gehe baden. Wolfgang wartet derweil in einer Taverne am Meer. ... Ich staune immer wieder darüber, wie wild die Landschaft ist. Gestern haben wir das erste Mal einen Abstecher ins privat geführte Kriegsmuseum in Askifou gemacht. Viele Orte auf Kreta sind von der deutschen Wehrmacht überfallen und vollständig zerstört worden. Das Museum ist klein und man ist auf Führung/ Erklärung durch die Familie angewiesen. Es ist merkwürdig, nicht nur die Waffen, sondern auch die Gebrauchsgegenstände von damals vor sich liegen zu sehen. Es scheint nicht lange her zu sein, dass Menschen das alles im täglichen Leben benutzt haben.

Wolfgang und ich unterhalten uns viel über die Veränderungen der Umwelt und über das politische Geschehen. Es ist, als ob jetzt schlagartig zutage tritt, was sich lange unter der Oberfläche Raum geschaffen hat. Ich selbst frage mich, ob es unter den jungen Menschen genügend Einzelne gibt, die ein demokratisches Denken und Leben eingeübt haben. Und die nicht verführbar sind, was Beteiligung an wirtschaftlichem Gewinn und die Versprechen sozialer Anerkennung betrifft. Eigentlich sind die Schweiz und Griechenland Grundfesten demokratischen Lebens. ... Was mir in diesen Tagen neu deutlich wird: das Ziel von Gottes Handeln ist nicht die Kirche. Es ist ‹die Welt›. Die Welt soll bekannt gemacht werden mit Gottes versöhnendem und richtendem (= zurecht bringendem) Handeln. An uns als Kirche - an unseren Gemeinden - soll anschaubar werden, wie ein solches neues Miteinander aussehen kann.

Wolfgang und ich lesen gerade das 2. Buch Samuel. David wird erst zum König über das Südreich Juda (in Hebron) gesalbt, etwa sieben Jahre später zum König über das Nordreich und damit über ganz Israel. Ich finde es faszinierend, wie klar David in seinem Handeln ist. Er lässt sich trotzdem nie verführen, die Dinge vorzeitig oder kurzerhand zu seinen Gunsten selbst zu entscheiden. Das ist interessant, wie er sein Handeln und sein Kämpfen als Teil eines grösseren Weges, den Gott selbst gestaltet, sieht.


Montag 18. Juni 2018
Ulrike schreibt: Wir sind in einem kleinen Dorf im Nord-Westen von Kreta. Das Haus, das wir gemietet haben - eine alte Ölmühle - , liegt verborgen hinter hohen Hecken und Mauern. Vom Hof aus öffnet sich der Blick in die Olivengärten und in die Berge - wunderschön. Wir kennen das Haus bereits, es war einer der Gründe, wieder hierher zu kommen.

Die Fritz-Blanke-Gesellschaft, für die Wolfgang arbeitet, hat seit letzter Woche eine eigene Homepage. Wegen ihrer dienenden Funktion - ‹Understanding and Nurturing Faith and Society› - haben wir ihr den Namen Server gegeben. Hier gibt es regelmässig Videos, Audio-Dateien und schriftliche Beiträge) in denen Wolfgang Bittner den christlichen Glauben mit den Hörerinnen und Hörern durchdenkt. Die Videos, die hier erscheinen [regelmässig einmal pro Monat zum Monatsanfang], sind neu und bisher unveröffentlicht. Mittelfristig möchten wir auch Vorträge von anderen Referentinnen und Referenten zur Verfügung stellen, von denen wir meinen, dass sie Glauben und gesellschaftliche Entwicklungen in guter und biblischer Weise reflektieren. Schauen Sie doch auf die Seite https://ourserver.ch. Vor allem: Teilen Sie Ihren Freunden mit, dass es den ‹Server› gibt. Die Seite lebt davon, dass sie in Anspruch genommen wird.

Normalerweise reden wir kaum darüber, aber auch die Arbeit der Fritz-Blanke-Gesellschaft und damit Wolfgangs Arbeit braucht Menschen, die sie finanzieren. Wenn auch Sie unseren Weg, Glauben und Denken zu verbinden, mittragen und fördern möchten, dann unterstützen Sie bitte die Fritz-Blanke-Gesellschaft. Die Bankverbindung ist diese: Konto 70-216-5 bei der Graubündner Kantonalbank, 7002 Chur; Empfänger: Fritz Blanke Gesellschaft, Tellstrasse 2, Zürich, IBAN: CH38 0077 4155 1163 6550 0. Ihre Spenden sind steuerbefreit. Spendenquittungen werden ausgestellt. .... Ein herzliches Danke an diejenigen, die schon ‹dabei› sind! In einigen Tagen kommt übrigens der neue Freundesbrief der Fritz Blanke Gesellschaft. Beilage ist ein Vortrag von Wolfgang Bittner, den wir verschriftlicht haben (‹Wo wohnt Gott?›). Sie können den Freundesbrief der Fritz-Blanke-Gesellschaft auch gern dann beziehen, wenn Sie den Verein nicht unterstützen. Über Freunde und Interessierte freuen wir uns sehr. Wer den Freundesbrief bekommen möchte, maile bitte an Marco Würgler: marco.wuergler@nidelbad.ch.

Und nun fahre ich ans Meer, ein bisschen schwimmen ... Bevor die ganzen Touris kommen 😎


Freitag, 15. Juni 2018
Ulrike schreibt: Wir sind auf dem Weg nach Kreta. Wie ich mich auf die Sonne, das Meer, die Zeit miteinander, die uns bekannten Menschen freue!! Für Morgen habe ich unserer Lieblings-Töpferin gemailt, dass wir kommen. ... Am Flughafen Zürich haben wir nach der AirBerlin Pleite keinen Zugang mehr zum Priority Check In, zur Fast Lane usw.. Wir fliegen jetzt mit Swiss. Wenn Wolfgang angehumpelt kommt, dann winken ihn die Angestellten von sich aus nach vorne. Finde ich gut! Ich bin von der Aufmerksamkeit der Schweizerinnen und Schweizer angenehm berührt.

Mittwoch, 13. Juni 2018
Ulrike schreibt: Ich bin gerade vom Abendessen mit einem Bibelgesprächskreis zurück gekommen. Schön war es! Morgen treffen wir uns als Pastoren aller christlichen Gemeinden in Liestal zum Mittagessen. Im Anschluss daran arbeiten wir miteinander am Entwurf für einen gemeinsamen Abendmahlsgottesdienst.

Am Nachmittag bin ich im Altenpflegeheim Brunnmatt zum Gottesdienst. Und am Abend haben wir Kirchenpflegesitzung. Für die Sitzung bereite ich einen inhaltlichen Teil vor, nämlich eine Einführung ins Abendmahl. Was ist das Abendmahl, was geschieht in der Feier? Am Freitag - also übermorgen - fliegen Wolfgang und ich für eine gute Woche in die Ferien. Darauf freue ich mich natürlich besonders. Flug, Mietwagen und Haus für die ersten Tage sind gebucht.


Sonntag, 10. Juni 2018
Wolfgang schreibt: Das waren schon intensive und gleichzeitig gute Tage. Gestern traf ich mich mit einer Gruppe, die sich seit 20 Jahren in der Kirche Neumünster Zürich zum kontemplativen Gebet trifft. Wir kennen uns schon seit vielen Jahren. Neben unseren konkreten Gebetsübungen in schweigender Stille haben wir uns auf Grundfragen besonnen: Welche Bedeutung hat das Üben auf unserem geistlichen Weg: Ist es ein Üben, um etwas zu erwerben - oder ist es ein Üben, um das von Gott aus Gnaden Geschenkte zu bewahren? — Was bedeutet eigentlich 'Kontemplation' (Übereinstimmungen und Differenzen im Verständnis von Kontemplation)? — Drei Grundweisen christlicher Spiritualität: Betrachtung, Herzensgebet (Jesusgebet), Schweigegebet. — Der Weg betrachtenden Gebets zur Kontemplation (lectio divina). — Die Rolle des schweigenden (unthematischen) Gebets in der christlichen Tradition. … Ganz schön viel Stoff für einen einzige Tag, an dem wir ja auch und vor allem unser kontemplatives Gebet üben wollten. Es war eine sehr schöne Begegnung mit den Menschen dieser Gruppe. Danke vielmal.

Am Abend waren wir dann noch in einem kleinen Freundeskreis zusammen zum Austausch über unseren Glauben, unser Leben und die Entwicklungen unserer Gesellschaft. Inhaltlich schlossen wir dann noch ein Gespräch an über die Bedeutung der Taufe (Römer 6,1-10): Was mit Christus geschehen ist (gekreuzigt, gestorben, begraben, auferstanden, …) das wird mir in der Taufe 'juristisch' zugeeignet sowie in der Verkündigung wie im seelsorgerlichen Zuspruch zugesprochen: «Ihr seid MIT/IN CHRISTUS …». In einer kleinen Übung haben wir versucht, uns das auch gestalthaft deutlich zu machen. Dass ich gestorben bzw. auferstanden bin erfahre ich nicht, wenn ich auf mich sehe und es an mir selbst feststellen will. Damit greife ich immer zu kurz. Das heisst: Die Analyse meiner Selbsterfahrung zeigt mir immer nur das, was MIT/IN MIR feststellbar ist. Im Glauben aber bin ich immer mehr und anderes als das, was ich an und in mir selbst erfahre. Die Taufe ist Übereignung und Zuspruch dessen, was mir MIT/IN Christus gegeben ist.

Heute Abend war dann noch die Abendfeier in der Stadtkirche Liestal. Ulrike hat darüber schon ausführlich geschrieben. Es ist gut, gemeinsam geistliche Entdeckungen zu machen, miteinander in der Stille hinzuhören, zu feiern, zu singen, zu beten und das Abendmahl zu feiern – und in all dem auch einander zu begegnen.

Morgen, Montag 11. Juni, treffen wir uns zum vorläufig vorletzten Bibelsalon, diesmal bei Frau Lena Röthlisberger, Zirkelirain 15a in Liestal. Beginn um 20.00 Uhr. Herzlich willkommen, auch wenn Sie neu dazu kommen möchten. Wir lesen und besprechen gemeinsam das 11. Kapitel des Markusevangeliums. Dabei hören wir manches vom historischen, religiösen und kulturellen Hintergrund, den man von sich aus kaum kennen kann: Warum singen die Menschen den Psalm 118 beim Einzug Jesu in Jerusalem? — Warum sucht Jesus Frucht an einem Feigenbaum, obwohl es gar nicht Zeit für Früchte ist? — Warum und wozu gibt es Händler und Geldwechsler im Tempel? — Soll man durch Glauben und Gebet Berge ins Meer versetzen können? — Welche Rolle spielen die jüdischen Oberen, die Jesus nach seiner Vollmacht fragen? Was bedeutet diese Frage? Und was bedeutet es, dass Jesus die Antwort verweigert? — Im September wird es weitergehen. Hinweise auf der Unterseite BIBEL-SALON. Flyer dazu finden Sie hier: 2018-BIBEL-SALON-ENDZEIT bzw. 2018-BIBEL-SALON-WEIHNACHTEN

Bibelsalon am 25. Juni: In zwei Wochen treffen wir uns bereits eine Stunde früher, also um 19.00 Uhr bei uns am Küngelbrunnenweg 1. Wir feiern den Abschluss des ersten Durchgangs unseres Bibelsalons mit einem geselligen Beisammensein in Haus und Garten mit einer Besinnung zu Markus 12, bei Gesprächen, Getränken, Imbiss und … Auch dazu bereits jetzt: Herzlich willkommen!


Samstag, 9. Juni 2018
Ulrike schreibt: Ich habe Wolfgang heute sehr früh zum Bahnhof in Liestal gebracht. Er ist heute in einer Kirchgemeinde in Zürich, um einen Einkehrtag zu leiten. Am frühen Abend treffen wir uns dann mit Freunden in Winterthur zum Abendessen und Bibelgespräch.

Ich möchte Sie als Leserinnen und Leser unserer Seite auf zwei Dinge aufmerksam machen. Das eine ist das neue Buch von Manfred Lütz: Der Skandal der Skandale, 2018. Wir alle kennen die tiefsitzenden Vorurteile gegenüber dem christlichen Glauben und vor allem gegenüber dem Handeln der Kirchen: Der Monotheismus sei für Kriege verantwortlich - der christliche Glaube sei nicht tolerant, sondern intolerant - die Geschichte der Kirche sei eine Geschichte von Hexenverfolgungen und Kreuzzügen usw.. Manfred Lütz geht diesen Vorurteilen einzeln nach; und zwar aus der Sicht eines Historikers. Er fragt: Wie war es denn wirklich? Lütz will aufklären, so wie es Tradition in unserer westlichen Kultur ist. Das Buch ist gut zu lesen, mit einer gewissen Leichtigkeit geschrieben. Ich empfehle, es zu lesen.

Ein Kollege schreibt mir: «Den Lütz habe ich bereits gelesen und arbeite damit im Religionsunterricht in Klasse 8 und 9, um genauer auf Kirchengeschichte zu schauen. Als Hintergrund habe ich mir auch Toleranz und Gewalt von Arnold Angenendt gekauft, um es schmackhaft für Facharbeiten in Klasse 9 zu machen. Es macht unheimlich Spass, mit Vorurteilen und Faked News unserer Zeit genauer umzugehen. Den Angenendt werde ich wohl erst in den Ferien lesen können, da wir in der Schule im Schlussspurt sind und vor allem in ... die Luft brennt.»

Meine andere Empfehlung gilt dem Youtube-Kanal einer jungen Frau. Sie betreibt den Kanal erst seit wenigen Monaten - und ist richtig, richtig gut. Jana Highholder ist Medizinstudentin und Poetryslammerin. Ihre Art, von sich, von Gott, vom Leben zu erzählen, ist wirklich gut, und eigentlich sollte man sie kennen. Einen Überblick über Janas Videos finden Sie hier: www.youtube.com/channel/UC8bIqnUJRVWArAW8X3u7iJA/videos.


Freitag, 8. Juni 2018
Ulrike schreibt: Für diesen Sonntag lade ich Sie herzlich zur Abendfeier in die Stadtkirche Liestal ein (18 Uhr). Wir sind immer noch mit dem Jahresthema ‹Wo Gott wohnt - von Orten drinnen und draussen› unterwegs. Ich habe für Sonntag die Worte Jesu an seine Freunde in Matthäus 28 ausgesucht:

«Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach:
Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.
Darum gehet hin und lehret alle Völker:
Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.
Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.»

(1) In der Begegnung mit Fremden zeigt sich, dass Gott tatsächlich Gott ist
Mich hat schon immer fasziniert, dass Jesus sein ‹Da-sein› den Jüngern verspricht, die hingehen. Nicht denjenigen, die Zuhause bleiben. Die Jünger sollen sich aus dem, was ihnen vertraut ist, was sie selbst sind, heraus bewegen. Sie sollen zu fremden Menschen mit fremden Lebensformen an fremden Orten gehen. In der Begegnung mit Menschen, die uns fremd sind, wird Jesus sich als HERR für Alle erweisen. Er ist ja nicht nur mein Gott und nicht nur für Menschen Gott, die genauso ‹gestrickt› sind wie ich. Meiner Meinung nach muss ich sogar hinaus gehen, wenn Gott nicht zu einem ‹Hausgott› verkommen soll. Erst am Anderen sehe ich, dass Gott tatsächlich gross ist und mit Menschen umgeht, mit denen ich vielleicht gar nicht umgehen kann. In die Fremde gehen heisst heute nicht unbedingt nach Indonesien usw. zu gehen. Schon die Jugendlichen sind eine eigene Welt, eine eigene Kultur.

Wolfgang ergänzt: Was macht ein Mensch, der im wörtlichen Sinn gar nicht «hingehen» kann, erst recht nicht «in alle Welt»? Natürlich haben missionarische Bewegungen ihr Recht. Grundlegend aber ist die innere Fähigkeit, über die eigene kulturelle und religiöse Prägung hinaus zu sehen, sie immer wieder zu hinterfragen und über sie hinaus zu gehen. Wer das ernsthaft versucht weiss ja, dass das keineswegs einfach ist. Die «Welt» beginnt direkt neben mir. Oder eher: Die «Welt» beginnt direkt in mir selbst. … …Und nun schreibt Ulrike weiter …

(2) Nicht Ich muss jemanden überzeugen
Man könnte es für eine unangenehme Erfahrung halten, auf fremde Menschen zuzugehen. Es ist dann unangenehm, wenn ‹ich› etwas vom Anderen wollen soll. Wenn ich ihn für meinen Weg und meine christlichen Einsichten gewinnen soll ... Ich denke, dass hier das tiefe Unbehagen vieler Christinnen und Christen an der Mission seinen Grund hat: Sie meinen, dass sie andere von ihrem Weg und ihrem Glauben überzeugen müssten. ... Das ist nicht so. Ich muss niemanden überzeugen und niemanden gewinnen. Es ist Jesus, der Christus, der den Auftrag hat, bis an die Enden der Erde zu gehen und ein Licht für alle Völker zu sein (Jesaja 49,6). Nur weil Jesus hingeht, darum gehen auch seine Freunde hin. Es ist sein Auftrag, in den sie einstimmen. Indem wir hingehen, geht Jesus selbst zu den Menschen hin.

(3) «Mir ist gegeben alle Gewalt»
Das sagt Jesus von sich selbst. Jesus führt keinen Kampf - nicht gegen Menschen und nicht gegen Mächte. Der Kampf liegt hinter ihm und damit auch hinter uns. Kämpfen kann ich höchstens noch gegen mich selbst: meine Trägheit und mein Desinteresse. Jesus ruft und sammelt Menschen, in denen er Glauben findet. Wir gehen hin und schauen hin, bei wem wir Glauben finden. Das finde ich persönlich sehr interessant. Ich soll nicht ‹überzeugen› oder ‹kämpfen›, sondern ‹finden›!


Mittwoch, 6. Juni 2018
Ulrike schreibt: Seit gestern Abend bin ich Zuhause in Liestal. Am Flughafen in Berlin habe ich mir einen neuen Lippenstift gekauft und es sehr genossen, die Farben von Dior, Lancȏme, Esthée Lauder und so weiter auszuprobieren. Das hat Spass gemacht. An der Kasse denke ich, jetzt spendiere ich mir noch einen Sekt und stelle eine kleine Flasche auf's Band. Ich frage den Mann an der Kasse, ob sie den Sekt auch in kalt haben. Er: „Sie wollen den gleich trinken?“ Ich: „Ja“. Er: „Dann spendiere ich Ihnen einen.“ Er geht in einen andern Laden hinüber und bringt mir von dort ein Glas kalten Sekt. ... Es muss der neue Lippenstift sein ....💄😃. Ich steige als erste hinten in's Flugzeug ein, bin unten an der Treppe. Die anderen Passagiere stehen an der vorderen Treppe an. Jemand aus der Cabin Crew macht mir ein Zeichen, dass ich unten warten soll. O.k., ich warte. Er kommt herunter, nimmt mir meinen Koffer ab (Handgepäck) und trägt ihn für mich die Treppe hoch. Im Flugzeug grinst er und sagt, das sei jetzt nicht Teil des EasyJet Service gewesen.💄 ... In Basel holt mich Wolfgang mit dem Auto vom Flughafen ab. Wir wechseln die Plätze und ich fahre. Die Autobahnzufahrt ist gesperrt. Es gibt nur einen Weg durch die Stadt, der sich schliesslich auf eine einzige Spur verengt. Keine Ahnung, warum das so ist, bis ich es sehe: Die Polizei macht eine flächendeckende Alkoholkontrolle. Jeder Autofahrer muss kurz anhalten und einmal in das hingehaltene Gerät pusten. ... Eigentlich finde ich solche Kontrollen sehr gut, aber mir fällt sofort mein Glas Sekt ein. Die Polizistin winkt uns weiter, ich bin erleichtert.😅

Runder Tisch Evangelisation
Ich will etwas von den letzten Tagen in Berlin erzählen. Nach der Fortbildung der Pfarrer/innen und Gemeindepädagoginnen in Meissen ist Wolfgang für den Bibelsalon nach Liestal zurück gefahren. Ich selbst bin für den Runden Tisch Evangelisation der Lausanner Bewegung nach Berlin gefahren. Es ist zehn Jahre her, dass ich das letzte Mal dabei gewesen bin. Damals hatte ich den Eindruck, dass junge Menschen kaum wahrgenommen und beteiligt wurden. Die Tagung hatte einigen profilierten Christen eine Plattform geboten, für ihre eigenen, bereits fest formulierten Anliegen und Aktivitäten zu werben.

Erfahrungen von Aufbruch
Das war diesmal anders. Erstaunlich viele - etwa 80 - jüngere Menschen sind der Einladung von Roland Werner nach Berlin gefolgt. Die meisten von ihnen sind in einem Werk oder einer Bewegung evangelistisch unterwegs. ... Inhalt der beiden Tage war, einander an Erfahrungen von Aufbruch teilzugeben. Dazu hatten die Teilnehmer/innen, die das tun wollten, jeweils fünf Minuten Zeit. ... Für mich war interessant, was die Anderen unter einem Aufbruch verstehen. Die meisten haben einfach von sich und ihrer Arbeit erzählt. ... Für mich hat ein Aufbruch damit zu tun, dass man merkt, dass sich etwas, was man tut, verändert hat. Dass das Evangelium an einer Stelle plötzlich offene Türen findet. Und dann beginne ich zu fragen, warum das so ist. Und ich schaue mit Anderen hin und bete dafür, weil Gott hier ja offensichtlich am Wirken ist. .... Für mich war interessant, was der Evangeliumsrundfunk (ERF) erzählt hat. Ich hatte in einer Tischgruppe bereits einen Mitarbeiter des ERF gefragt, ob ich es richtig wahrnehme, dass der ERF an Popularität und Reichweite gewonnen hat. Er hat das sofort bejaht und mir ein paar Gründe dafür genannt. Darüber hätte ich im Plenum gern noch mehr gehört. Und ich hätte gern ein paar eigene Beobachtungen dazu angefügt.

Mehr Vernetzung mit der Stadt
Es gibt noch ein paar kleine Impulse, die ich mitnehme. Dadurch, dass ich viel in fremden Städten unterwegs bin, sind mir Co-Working Räume vertraut. Menschen, die kurzfristig einen Arbeitsplatz brauchen, können sich für eine selbst gewählte Zeit dort einmieten und die Infrastruktur (Tisch, wlan, Getränke) nutzen. .... Unsere Kirchgemeinde in Liestal ist gerade mit Fragen der Raumnutzung und -gestaltung befasst. Wir müssen renovieren und schauen darum genau hin, was wir brauchen und was zukunftsfähig ist. Ich finde das eine echte Frage, ob wir Teile unseres Gemeindehauses (grosszügig und bahnhofsnah) nicht auch als Co-Working Space einrichten. Das würde einen guten Link zu Menschen herstellen, die in und für Liestal arbeiten, aber kein eigenes Büro haben. Meines Wissens gibt es noch keine Kirchgemeinden, die solches Co-Working in ihr eigenes evangelistisches Konzept einbeziehen. Falls doch, würde ich solche Konzepte gern einmal kennenlernen.


Samstag, 2. Juni 2018
Wolfgang schreibt: Die guten Tage in Sachsen liegen hinter uns. Wir finden es überaus spannend, wie verschieden solche Kurse mit Pfarrerinnen, Pfarrern und kirchlichen Mitarbeitern sein können. Schön war diesmal, wie offen wir über die eigene Praxis von Gebet und Bibellese austauschen konnten. Thema waren verschiedenartige Hilfen, die in der christlichen Tradition liegen und uns helfen können, von der Müdigkeit gegenüber Gebet und Bibellese wieder frei zu werden. Also: Wie kann Gebet, wie kann Bibellese aussehen, damit sie für uns wieder spannend werden? — Für Ulrike und mich war es also ein sehr schönes Zusammensein, das auch uns sehr gut getan hat.

Die Evangelischen Räte
Am Ende (Freitag Vormittag) war von den Veranstaltern noch ein Vortrag zu den sogenannten "Evangelischen Räten" — Armut, Ehelosigkeit, Gehorsam — gewünscht worden. Mich verwundert eigentlich, dass das eher selten von uns erwartet wird, obwohl ich selbst dieses Thema als spannend und auch sehr hilfreich empfinde. Die drei evangelischen Räte haben das kirchliche und geistliche Leben über viele Jahrhunderte hinweg sehr stark geprägt. Vor allem liegen sie der Unterscheidung zwischen "Laien" und "Geistlichen" zugrunde [die m.E. von Jesus radikal aufgehoben worden ist. Auch in den evangelischen Kirche sind Pfarrerinnen und Pfarrer Laien und keine Geistlichen]. — Die drei evangelischen Räte wurden als notwendige Hilfen zu einem Weg der "Vollkommenheit" gröblich missverstanden. Auf diese Weise aber haben sie vor allem das Verständnis des Weges innerhalb der verschiedenen Orden geprägt. Aber das ist ein weites Feld.

In meinem Vortrag ersetze ich den Begriff "Ehelosigkeit" durch den Begriff "Keuschheit". Dahinter stehen verschiedene Beobachtungen. Martin Luther z.B. hat dazu ermahnt, man solle innerhalb der Ehe "keusch" sein. Damit meinte er also gewiss keinen Verzicht auf Erotik und Sexualität. Ihm ging es gerade in diesem Bereich um "Keuschheit", also um liebende Sorgsamkeit. Was also ist unter "Keuschheit" zu verstehen? Vor einiger Zeit habe ich über die drei Evangelischen Räte einen kleinen Aufsatz geschrieben [siehe hier: Macht Besitz Beliebtheit: Was uns treibt und was uns hält]. Der Abschnitt über "Keuschheit" gefällt mir auch heute noch. Leicht revidiert lautet er:

Keuschheit
Ich erlaube mir, den Rat zum Zölibat, zur Enthaltsamkeit, als Rat zur Keuschheit zu verstehen. Das tue ich in der Überzeugung, dass genau das ursprünglich gemeint war. Eine bloße sexuelle Enthaltsamkeit führt noch lange nicht zu einer inneren Kultur der Keuschheit. Leider scheint es für die positive Ausrichtung, die damit gemeint ist, kein wirklich passendes deutsches Wort zu geben. Keuschheit ist die Achtung vor dem Geheimnis, das jeder Mensch besitzt und ist. Es meint die Haltung einer verlässlichen Zurückhaltung: Auf das innerste Geheimnis, das ein Mensch mir von sich zeigt, werde ich nicht zugreifen, werde es nicht gewaltsam öffnen. Vor allem: Ich werde es nie 'benützen'.

Beobachten kann man das im Umgang mit Kindern. Haben sie einen lieb gewonnen, dann kann es dazu kommen, dass sie scheu und doch ganz offen sich selbst in ihrem Geheimnis zeigen. Sie tun es, indem sie etwas von sich erzählen bzw. etwas von ihrem Besitz zeigen, was sonst niemand weiß. Das muss überhaupt nichts Großes, nichts Besonderes sein. Wichtig ist, dass sich darin etwas von diesem Menschen widerspiegelt. Und ebenso wichtig ist, dass nur sie selbst es einem öffnen können. Keuschheit ist die Art und Weise meines Umganges damit: Ich öffne dieses Geheimnis nicht von mir aus, fordere es nicht, dringe nicht darin ein. Ich bleibe ehrfürchtig und beschenkt davor stehen. Ich werde dieses Geheimnis nicht an die Öffentlichkeit ziehen, es auch nie benützen. Ich bin beschenkt, weil jemand mich an dem Geheimnis, das er ist, teilnehmen lässt.

Keuschheit hat also zunächst nichts mit Sexualität zu tun. Allerdings gilt, dass sie gerade auf dem Gebiet von Erotik und Sexualität die Qualität einer Beziehung entscheidend prägt. Keuschheit ist dabei gerade nicht eine Form der Enthaltsamkeit. Sie ist eine Form der Achtung. Kaum je offenbart man sich einem Menschen so wie auf dem Gebiet liebender Erotik. Wer sich einem anderen Menschen öffnet, der macht sich gleichzeitig tief verletzbar. Er tut es jedoch in der Erwartung, dass das, was er dem anderen zeigt, von diesem nicht ‚benützt’ wird, weder gegenüber anderen noch irgendwann einmal gegen ihn selbst: „Ich erwarte, dass du mein Geheimnis achtest, ein staunend und dankbar empfangender, ja ein liebend hinsehender Mensch bist, ohne darauf zuzugreifen, ohne mein Geheimnis zu stören, ohne es formen oder gar manipulieren zu wollen. Mein Geheimnis bleibt immer mein Geheimnis. Es wird nie dir gehören. Ich lade dich jedoch ausdrücklich dazu ein, es liebend anzusehen. Nur so kannst du wissen wer ich bin.“



Donnerstag, 31. Mai 2018
Ulrike schreibt: Bis morgen geht die Tagung, das Zusammensein, mit den Kolleginnen und Kollegen aus Sachsen. Wolfgang fliegt dann nach Hause zurück: vor allem für den Bibelsalon, am Montag, dem 4. Juni, bei uns in Liestal. Vorbereitend können Sie Markus 9,30 bis 10,52 lesen. Schwerpunkt wird die Frage nach der Bedeutung der Leiden Jesu sein. Was hat es mit seinem Leiden auf sich? Warum soll sein Leiden eine Hilfe für mich und Andere sein? Herzliche Einladung zum miteinander Hören, miteinander Diskutieren!

Ich werde am Montag und Dienstag nächster Woche in Berlin sein - beim Runden Tisch Evangelisation der Lausanner Bewegung. Mein recht persönlicher Grund, an diesem Austausch teilzunehmen, ist, dass ich mich im Herbst einer Studienreise mit Dr. Roland Werner anschliessen darf. Die Reise wird Teil meines Studienurlaubs sein, in dem ich christliche Minderheiten in verschiedenen Ländern/ Orten besuche. Ich will hinschauen und lernen, wie sich Minderheiten in einer anders orientierten Gesellschaft beteiligen und auf gute Weise zur Sprache bringen können. ... Es ist doch einiges, was ich dafür vorbereiten muss.


Dienstag, 29. Mai 2018
Ulrike schreibt: Es ist Abend geworden, und es sind immer noch 30 Grad!! 💦 Ich könnte in jedem zweiten Satz sagen: „Man, ist das warm!!!“ Wir sind mit Pfarrern und Pfarrerinnen, Gemeindepädagoginnen und Organisten bei einem Kurs im Pastoralkolleg in Meissen. Das ist das Haus der evangelischen Kirche in Sachsen, wo kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich weiterbilden. Wir waren früher schon ein paarmal hier. Heute hatten wir den Umgang mit der eigenen Biografie als Thema. Begonnen haben wir mit der Erzählung von Abigail und Nabal in 1. Samuel 25. Beide erzählen, was sie an David sehen - und es sind völlig verschiedene Dinge. Nabal erzählt destruktiv und verächtlich. Abigail erkennt das Verdienst Davids um die Schafe Nabals an und sie sieht zudem, dass David die Zukunft gehört.

Wir haben gefragt, wer in unserem Leben eine Abigail und ein Nabal war. Und ob wir selbst die Tendenz haben, andere Menschen auf das hin anzusehen, was bei Ihnen problematisch ist. Und ob wir Interesse an anderen Menschen und ihrem Geheimnis haben. ... Man kann es lernen, einander auf gute Weise anzusehen und Gutes übereinander auszusprechen.

Sonntag, 27. Mai 2018
Ulrike schreibt: Einen schönen und gesegneten Sonntag wünschen wir euch. Der Studientag gestern zur Unterscheidung der Geister war - glaube ich - sehr in Ordnung. Damit meine ich das Miteinander, die Stimmung, und dass Einzelne sich gefreut haben, dass sie etwas "verstanden" haben. Wolfgang uns ich haben Freude daran, mit Euch und Ihnen unterwegs zu sein! Das ist eigentlich das Schönste: das Gefühl, dass wir zusammen gehören und miteinander unterwegs sind.

Heute war ich im Gottesdienst unserer Kirchgemeinde und in der anschliessenden Kirchgemeindeversammlung. Heute Abend fliegen Wolfgang und ich von Basel aus nach Dresden. Wir sind von einem Pfarrkonvent nach Meißen eingeladen, um mit ihnen Fortbildungstage durchzuführen. Wolfgang ist gern bei den Menschen dort und kennt viele, und auch ich freue mich auf die kommenden Tage. Heute Nacht sind wir bei einem befreundeten Arzt-Ehepaar in Dresden. ... Ich werde hier immer einmal wieder ein bisschen erzählen.


Donnerstag, 24. Mai 2018
Ulrike schreibt: In der Kirchgemeinde und im Pfarrkapitel hatten wir in den letzten Tagen recht viele Sitzungen - heute waren es zum Beispiel ein Mitarbeitertreffen in der Kirchgemeinde und ein Treffen der Pfarrkolleginnen und -kollegen unserer Region. Daneben habe ich an verschiedenen Bibelgesprächskreisen und Vorbereitungen teilgenommen. Heute Abend bin ich zum Beispiel bei einem ‹Stille Kreis› in Liestal dabei. Da treffen sich einige Menschen aus unserer Gemeinde, um miteinander zu schweigen und zu hören. Ich freue mich darauf.

Am Samstag - also übermorgen - ist Studientag der FBG (Fritz Blanke Gesellschaft). Wolfgang und ich werden anleiten, was man über die ‹Unterscheidung der Geister› wissen kann. Es geht beim ‹Unterscheiden› um einen Klärungsprozess. Woher weiss ich, welche Stimmen in einer konkreten Situation von Gott her kommen und welche nicht? Auf welche - inneren und äusseren - Stimmen soll ich hören und warum soll ich das tun? Wichtig ist die Fähigkeit zum Unterscheiden jedes Mal, wenn ich eine Entscheidung im Leben zu treffen habe. Geradezu unabdingbar ist sie, wenn es sich um folgenschwere Entscheidungen handelt.

Wolfgang wird zeigen, welche Hilfen es innerhalb der Bibel gibt um zu unterscheiden, was von Gott her kommt und was nicht. Ich werde zeigen, wie innerhalb der kirchlichen Tradition - besonders der jesuitischen und der karmelitanischen Spiritualität - das Unterscheiden der Geister geübt wird. Herzliche Einladung, am Studientag teilzunehmen. Mehr Infos finden Sie links, wenn Sie nächste Studientage anklicken.

Wer Zeit und Geduld hat, einen guten Vortrag zum Thema zu hören, dem empfehle ich die Videos vom Theresianischen Karmel. Hier ist der erste Teil eines Vortrags von Dr. Christoph Benke/Wien. Teil 2 und 3 sollte man allerdings auch noch hören. Es lohnt sich!

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Sonntag, 20. Mai 2018:
Wolfgang schreibt: Herzliche Pfingstgrüsse an Sie, an Euch alle aus dem Westerwald. Hier ist bereits der letzte Abend der guten Pfingstkonferenz "Akademikon" mit einem Konzert im Gang. Morgen halten wir noch den dritten und letzten Teil unseres Workshops "Quellen des Glaubens" zum Thema "Glauben, Beten und Einheit." Dabei wird es um die Frage nach der Einheit mit sich selbst, mit Menschen und mit Gott gehen. Im Neuen Testament ist solcher Einheit sehr viel versprochen. "Wenn zwei von Euch auf Erden darin übereinstimmen werden, irgendeine Sache zu erbitten so wird sie ihnen zuteil werden von meinem Vater in den Himmeln" (Mt 18,19). Was Jesus da sagt gehört gewiss nicht zur Normal-Erfahrung betender Menschen. Was hat Jesus gemeint? Dem also gehen wir morgen nach. — Anschliessend findet als Abschluss der Tagung ein Gottesdienst mit Abendmahl statt. Die Begegnung mit jungen und sehr wachen glaubenden Menschen ist für uns sehr erquickend.

Gerne erinnere ich an den Studientag "UNTERSCHEIDEN LERNEN …" am kommenden Samstag im Nidelbad/Rüschlikon. Den Flyer kann man gleich hier ansehen: STUDIENTAG 2018 UNTERSCHEIDEN. Wir freuen uns auf diesen spannenden und vom Thema her wichtigen Studientag.

Nun stehen auch Themen und Daten der nächsten Studientage fest: "KLAR DENKEN. BIBLISCH DENKEN?" am 20. Oktober 2018 (siehe 2018-Flyer-STUDIENTAG-DENKEN) sowie "THEMA GERICHT: vom HIN-richten und vom HER-richten" am 02. Februar 2019. Weitere Studientage finden 2019 am 11. Mai sowie am 19. Oktober statt.

Nähere Informationen auf der Seite NÄCHSTE STUDIENTAGE

Hier gleich noch ein weiterer Hinweis. Vom 16. bis 19. August 2018 findet in Rasa das "Lange Wochenende der Künste" statt. Ein reichhaltiges und vielfältiges Programm erwartet alle Teilnehmenden. Eingeladen sind Künstler und alle Kunst-Interessenten. Thematischer Schwerpunkt: DER EMPATHISCHE BLICK — KUNST ALS SCHULE DER MITMENSCHLICHKEIT. Den Flyer dazu findet man gleich hier: 2018-KUNST-WOCHENENDE-Flyer. Ulrike und ich gehören mit zu den Referierenden.

Wer möchte kann mit uns gleich oben in Rasa bleiben. Ab Montag 20. August finden die diesjährigen Sommer-Schweige-Exerzitien statt: entweder 10 Tage vom 20. bis 30. August oder sonst die ersten bzw. die zweiten fünf Tage. Thema: SCHULD — NEUBEGINN … und wie das Wirklichkeit wird. "Neubeginn" ist kein blosses Wort. Auch angesichts tiefer Verstrickungen, von Scheitern usw. ist ein Neubeginn möglich. Psalm 51 gehört zu den ganz grossen Texten der Menschheitsgeschichte. Einen Flyer zu den Schweigetagen finden Sie gleich hier: RASA-FLYER-2018/2019

Noch vorher findet in Moscia im Tessin das Kurswochenende "Meine geistliche Biografie" statt: 29. Juni bis 01. Juli 2018. Den Flyer dazu findet man gleich hier: 2018-Biografie-Moscia. Anmeldung direkt in Moscia www.casamoscia.ch


Donnerstag, 17. Mai 2018
Ulrike schreibt: Heute bin ich für einen Geburtstagsbesuch und für Sitzungen in der Kirchgemeinde unterwegs. Morgen früh fahren Wolfgang und ich zu einer Pfingsttagung - der Akademikon. Ja, Namen gibt's ... 😀. Veranstalterin ist die Studentmission in Deutschland (SMD). Wolfgang und ich teilen uns den ersten Vortrag morgen Abend und leiten in der Folge drei Workshops miteinander. Das ist schön ‹aus einem Guss›, das mag ich.

Die Workshops heissen ‹Glauben und Beten›, ‹Glauben und Reifen› und ‹Glauben und Eins-sein›. Für den Workshop über das ‹Reifen› haben Wolfgang und ich uns viel unterhalten. Wolfgang hat mir Lesehinweise gegeben und ein paar eigene Fragen aufgeschrieben. Die Zwischenüberschriften sind von mir. Den genannten Artikel finden Sie hier: www.zeit.de/wissen/2018-05/psychologie-persoenlichkeit-entwicklung-alter-forschung


Man kann das eigene Reifen nicht vorwegnehmen und nicht beschleunigen
Wolfgang schreibt: Mich beeindruckt der Beitrag ‹Die Persönlichkeitsentwicklung ist niemals fertig›| ZEIT ONLINE vom 12. Mai 2018. Da geht es aus psychologischer und grundlegender Sicht um das Thema Reifung … Es entspricht meiner Überzeugung, dass sich die Aufgabe der Reifung in jedem Alter, d.h. in jedem Entwicklungsstadium eines Menschen noch einmal neu stellt. Man kann ein reifer 50-jähriger Mensch sein - und muss doch mit 60 oder mit 70 - oder auch noch mit 80 Jahren - erneut reif werden. Aufgaben, die sich einem mit 50 stellen, sind im Alter von 30 noch nicht aktuell. Und auch mit 60 Jahren hat man keine Aufgaben zu lösen, die erst die Aufgabe eines 70- oder eines 80-jährigen sind. Ich finde diesen entwicklungspsychologischen Ansatz zum Thema Reifung hilfreich und auch grundlegend.

Ich darf nicht festhalten wollen, was ich loslassen muss
Johannes vom Kreuz mit seinen Bildern würde wohl auch sagen: Ein ‹Anfänger›/ eine ‹Anfängerin› im Glauben darf und kann ohne Schaden reiche geistliche Erfahrungen machen. Wenn sie/ er aber über das Stadium der Anfängerin hinaus wächst und diese erste Stufe nicht hinter sich lassen kann, wird es für sie problematisch. (Ulrike ergänzt: Johannes vom Kreuz geht davon aus, dass ein glaubender Mensch von Gott in Zeiten geführt wird, in denen er keine oder kaum mehr Erfahrungen mit Gott macht. Das muss sein und dient dazu, dass sein Glaube an Gott sich vertieft. Er soll nicht mehr an bestimmte Erlebnisse gebunden sein und muss nicht mehr durch sie vergewissert werden.)

Wolfgang fährt fort: Reifung ist also eine Aufgabe, die sich mit jedem Entwicklungsschritt erneut stellt: hinweg über die gegenwärtige Stufe und hin in die nächste Stufe. — Anders ausgedrückt: Man kann auf der Stufe der ‹Anfängerin› mit seinem dringenden Wunsch nach starken geistlichen Erfahrungen durchaus eine ‹reife Anfängerin› sein. Nichts ist dagegen einzuwenden.

Konkret also: Was Reifung ist, lässt sich nur für jeweils eine Entwicklungsstufe bestimmen, nie aber allgemein. Auch als 80-Jährige muss man noch nicht 90 oder 100 sein. Die Aufgabe der Reifung ist also nie wirklich abgeschlossen.

Wichtig erscheint mir aber: Was ist, wenn jemand vorangehende notwendige Entwicklungsschritte zur Reifung nie gegangen ist? Also: Wenn jemand 50 ist, aber den Schritt von den Zwanziger- zu den Dreissiger- und den Vierziger-Jahren nicht geschafft hat, sie/er also in gewisser Weise immer noch ein unreifer 28-jähriger Mensch geblieben ist? …

Kann man in der Liebe zu Gott wachsen/ reifen, wenn man als Mensch nicht wächst/ reift?
Die Fragen zum Thema Reifung gehen also mit mir. Ich finde sie überaus wichtig. Nicht ganz klar ist mir, ob und wie sich eine entwicklungspsychologische Sichtweise mit einer geistlichen Sichtweise verbinden lässt. Kann also ein psychologisch gesehen unreifer Mensch gleichzeitig ein geistlich reifer Mensch sein? Im Moment denke ich, dass das nicht möglich ist. Täusche ich mich da? Kann man ein menschlich unreifer und gleichzeitig ein geistlich reifer Mensch sein? Ich glaube nicht, dass sich auf diese Weise die menschliche und die geistliche Ebene von einander trennen lassen.

Vielleicht ist das auch die Schwierigkeit bei Kindern oder Jugendlichen, die von einem vereinsamten Elternteil als Partnerersatz angesprochen werden. Wahrscheinlich kann man als Kind oder als Jugendlicher durchaus Fähigkeiten haben (vorweg nehmen?), die der eigenen Entwicklungsstufe gar noch nicht angemessen sind. Man wird sehr schnell einmal ‹altklug›. Könnte es sein, dass eine solche vorgetäuschte bzw. zu früh eingeforderte Reife der echten persönlichen Reifung viel eher schadet als nützt? Es sieht nach Reife aus - aber dahinter steht keine Reifung. Reifung ist, wie es der Begriff ja auch sagt, das Ergebnis eines Reifungsprozesses. Prozesse aber benötigen die ihnen angemessene Zeit. Wie aber sollte es Reife geben, hinter der kein Reifungsprozess steht?


Dienstag, 15. Mai 2018
Ulrike schreibt: Jetzt, im Mai und im Juni, sind Wolfgang und ich als Redner für verschiedene Tagungen und Fortbildungen unterwegs. Ich empfinde den Wechsel zwischen ‹in der Gemeinde sein› und ‹Unterwegs sein› als sehr schön. Ich lerne in der Gemeinde vieles, was sich dann in den Vorträgen verdichtet.

Heute Abend bin ich in Bubendorf für eine Podiumsdiskussion über die Ars Moriendi - die Kunst des Sterbens - eingeladen. Ich habe auf Youtube reingehört, was normalerweise bei solchen Diskussionen gesagt wird. Ich bin gespannt auf den Abend und freue mich. Wenn jemand kommen möchte - hier ist der Link zur Einladung: https://refbl.ch/refbl-wAssets/docs/Kirchgemeinden-Veranstaltungen/2018_05/Podiumsgespra-ch-1.pdf

Es gibt von mir eine Predigt darüber, wie Jesus gestorben ist. Ich habe eine Menge an dieser Erzählung in Lukas 23, 32-46 gelernt:

ZULASSEN: Jesus ist einer, der zulässt, dass er sterben wird. Er lässt auch zu, dass Andere ihn nicht verstehen und über ihn spotten.
LOSLASSEN: Jesus entlässt die Menschen aus dem, was sie ihm angetan haben. ("Vater, vergib ihnen ...")
SICH ÜBERLASSEN: Jesus gibt sich in die Hände eines Anderen - seines Vaters. Er gibt die Kontrolle über sich ab. ("Vater, ich übergebe meinen Geist in deine Hände")

Diese drei Vorgänge sind meines Erachtens für jedes Sterben von Bedeutung: das Zulassen, das Loslassen, das sich Überlassen. Vielleicht nennt es mancher anders. Und natürlich kommen sie in früheren Lebensphasen immer wieder einmal vor. Als Kind, als Teenager, als junge Frau usw. muss ich immer wieder lernen, zuzulassen, loszulassen, mich zu überlassen. Das ist teil unseres ganz normalen menschlichen Reifens.

Was ist nun für Christinnen und Christen das Besondere an diesen Vorgängen? (1) Glaubende Menschen lassen zu, weil sie erwarten, dass Gott sie auch jetzt - in dem, was sie sich nicht selbst ausgesucht haben - führt. (2) Sie lassen los, weil sie wissen, dass das Urteil über andere Menschen nicht von ihnen gesprochen wird. Gott ist derjenige ist, der richtet - uns und andere. (3) Sie überlassen sich nicht einem ungewissen Schicksal. Sie überlassen sich ihrem himmlischen Vater. .... Die Predigt finden Sie unter Downloads Audio, wenn Sie hinunter scrollen zu LASSEN ... [Lukas 23,33-46] .


Montag, 14. Mai 2018
Wolfgang schreibt: Heute Abend treffen wir uns wieder zum Bibelsalon und zwar bei Eva und Pavel Kraus an der Seltisbergerstrasse 18. Neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind herzlich willkommen.

Zum Programm von heute Abend (Markus 8,27-9,29): (1) Wir sehen uns zunächst die Landkarte von Galiläa an, um dadurch mit den verwickelten politischen Verhältnissen dieser Gegend zur Zeit Jesu vertraut zu werden. Dabei entdeckt man auch, dass es so etwas wie einen 'offiziellen' Teil der Wege Jesu gibt, ebenso aber auch eine 'privaten' Teil. Es ist nicht unwichtig, die einzelnen Berichte der Evangelien auf diesem Hintergrund zu lesen.

(2) In einem kurzen Teil beschäftigen wir uns mit dem kleinen Wörtchen "muss" in den Evangelien - bzw. mit der Frage, wie man aus Ehrfurcht vermeiden kann, den Namen Gottes auszusprechen.

(3) Dazu gibt es eine Einführung in die Frage: Warum hat Jesus so sehr auf das Bekenntnis des Petrus gewartet? Es war für ihn ja so etwas wie ein Signal, sich jetzt entschlossen auf den Weg nach Jerusalem, hin zu Leiden, Sterben und Auferstehen zu machen. Warum hatte ausgerechnet das Bekenntnis des Petrus diese Signalwirkung? Was hat Jesus daran erkannt?

(4) Die Leidensankündigung Jesu wird in den folgenden Kapiteln noch zweimal wiederholt. Jede dieser Ankündigungen ist verbunden mit Hinweisen auf die Ernsthaftigkeit und den 'Preis' der Jüngerschaft. Darauf gehen wir an einem der nächsten Abende näher ein.

(5) Diesmal lesen und betrachten wir miteinander die Geschichte der Verklärung/Verwandlung Jesu. Jesus nimmt drei seiner Jünger mit sich auf einen Berg, wird verwandelt und unterhält sich mit Mose und Elia. Was haben sie miteinander besprochen? Und warum trifft er Mose und Elia und nicht Abraham, Jakob, Josef oder David?

Wer den letzten Bibelsalon verpasst hat, kann ihn in Auszügen noch einmal anhören. Siehe der letzte Eintrag vom 11. Mai. Die erwähnten Landkarten von Galiläa kann man auf der Seite zum Bibelsalon [dort unter 'Arbeitshilfen'] herunter laden.


Freitag, 11. Mai 2018
Wolfgang schreibt: Ulrike hat gestern eine Aufnahme des vergangenen Bibelsalons angekündigt. Themen: unsere bisherigen Leseerfahrungen (Lesetradition); was bedeutet der Ausdruck "Zeichen"?; das Nicht-Verstehen der Jünger; die Spannung zwischen Wollen und Können …

Sie können diese Aufnahme gleich hier anhören:



Ein detailliertes Inhaltsverzeichnis dieser Aufnahme mit Zeitangaben finden Sie gleich hier: 2018-BIBELSALON-Lesetradition … Zeitplan.

Die Aufnahme kann man auch herunterladen. Für einen DOWNLOAD finden Sie diese Aufnahme auf der Seite DOWNLOADS: AUDIO und dort unter der Rubrik "VORTRÄGE UND PREDIGTEN". Zum Downloaden gehen Sie bitte auf dieser Seite ganz nach unten. Wenn die Schrift auf dem Bildschirm blau wird, sind Sie richtig. Dort - alphabetisch angeordnet - finden Sie die Aufnahme dieses Abends unter dem Namen "2018-BIBELSALON-Lesetradition-Wollen+Können" (MP3-Datei: 69 Minuten; 23,77 MB)


Donnerstag, 10. Mai 2018
Ulrike schreibt: Ich habe in den letzten Tagen viele schöne Dinge erlebt. An denen freue ich mich immer noch.

○ Im Garten grünt und wächst alles. Der Flieder ist schon verblüht, die Rosen haben bereits zu blühen begonnen.
○ Ich habe beim Trödler ein Ölbild gesehen und gekauft: eine Sommerlandschaft. Ich wüsste gern, von wem das Bild ist, kann aber die Signatur nicht zuordnen.
○ Ich habe in den letzten Tagen Besuche in der Gemeinde und im Altenpflegeheim gemacht, und jeder von ihnen war schön. Das ist wirklich ein Vorrecht des Pfarramts, dass man ‹einfach so› Menschen besuchen kann und meist willkommen ist.
○ Wolfgang und ich waren im Stadttheater Basel in Romulus der Grosse von Friedrich Dürrenmatt. Es war gut gespielt und erschreckend aktuell. Man sieht dem Kaiser Romulus und seinem schon arg geschrumpften Haus zu, wie das weströmische Reich auf sein Ende zugeht. Die Germanen stehen mit ihrem Heerführer Odoaker vor Rom. Kaiser Romulus tut nichts, um den Angriff des Gegeners abzuwehren. Im Gegenteil: er erwartet ihn sehnsüchtig. Denn Romulus meint, dass das weströmische Reich an seiner Brutalität schon längst irreparablen Schaden genommen hat. Was schon verloren ist, lässt sich durch einen letzten Widerstand nicht aufhalten. Romulus ist aber der einzige, der diesen Blick auf das Ende hat. Seine Frau Julia würde gerne weiter regieren. Der Hosenfabrikant Cäsar Rupf möchte in die kaiserliche Familie einheiraten und das römische Reich mit seinem Geld retten. Alle reden vom Vaterland, das es zu retten gilt. Nur Romulus widerspricht: Das römische Reich als Vaterland sei nur noch eine abstrakte Idee und längst schon keine Wirklichkeit mehr.

.... Schliesslich - in der Schlussszene - trifft der germanische Heerführer Odoaker ein. Überraschenderweise hält auch er nicht viel von seinem eigenen Reich. Er sieht bereits die Dynamiken der Macht, die in seinem Heer aufkommende Brutalität. Er will diese zerstörerische Dynamik aufhalten und lieber sich und sein Reich dem römischen Kaiser unterwerfen. Romulus will sich ebenfalls unterwerfen. Keiner von Beiden traut seinem eigenen Reich eine Zukunft zu. Odoaker und Romulus sind beide hilflos. So gleitet das germanische Reich in den Strudel von Machtgebaren und Brutalität, in dem das römische Reich gerade versunken ist.

○ Den Auffahrtsgottesdienst mit dem Jodlerchor ‹jutz› heute habe ich als eindrücklich erlebt. Es war wirklich ein Lob-Gottesdienst! Am Sonntag geht es weiter (9.30 Uhr in der Stadtkirche und 11 Uhr in Selisberg). Auf die Predigt (‹Liebe Gott!›) freue ich mich selbst.
○ Der letzte Bibel-Salon zu Markus 8 war für mich ein grosses Erlebnis. Ich habe Wolfgang gebeten, dass er seinen Beitrag schneidet und auf unsere Seite hochlädt. Sie dürfen den Beitrag erwarten.


Sonntag, 6. Mai 2018
Ulrike schreibt: Ich frage mich manchmal, woran ich den Erfolg meines Handelns messen kann. Ich bin nicht Joyce Meyer und nicht Billy Graham. In den biblischen Geschichten kommt der Erfolgsgedanke zudem gar nicht vor. Es geht vielmehr um Menschen, die Frucht bringen. «So bringt jeder gute Baum gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt schlechte Früchte», sagt Jesus in der Bergpredigt, in Matthäus 7.

Was ist Erfolg?
Ich habe einen wunderbaren Artikel über den Wiener Psychologen Josef Grünberger gelesen. Er therapiert ausschliesslich schwerstkriminelle Menschen und arbeitet dafür an einer Sonderhaftanstalt, der Justizstrafanstalt Mittersteig. Seit 1975 werden hier «zurechnungsfähige, geistig abnorme Rechtsbrecher» untergebracht.

Josef Grünberger ist 88 Jahre alt, Jude und Überlebender des Holocaust. Grünberger hat bis zu seiner Pensionierung an der Uni Klinik Wien gearbeitet und bis heute mehr als 400 wissenschaftliche Arbeiten publiziert. Die Neue Zürcher Zeitung hat ein Interview mit Grünberger geführt. Man kann sich kostenlos bei der NZZ anmelden: es lohnt sich, das Interview zu lesen: https://nzzas.nzz.ch/wissen/nur-ein-wort-menschlichkeit-wie-josef-gruenberger-schwerstkriminelle-therapiert-ld.1383160 (Regula Freuler, Menschlichkeit genügt, 5. Mai 2018)


Täter? Patienten? Schüler!
Josef Grünberger nennt die Häftlinge, die zu ihm kommen, seine ‹Schüler›. Das finde ich schon einmal interessant. Das heisst ja, dass sie von ihm lernen und an ihm wachsen dürfen. Die Journalistin schreibt über Grünberger:

«Was ihm immer geholfen habe, sei sein Glaube. Jeden Tag steht er um halb sechs Uhr auf, wäscht sich, frühstückt, geht in die Synagoge und anschliessend zu seinen «Schülern». «Es gibt keine genetische Veranlagung zum Bösen, das haben wir wissenschaftlich bewiesen», betont er mehrmals. «Jeder Mensch kann sich zu jedem Zeitpunkt seines Lebens verändern.» Natürlich könne man gewisse Triebrichtungen wie Pädophilie nicht ändern, aber die Triebstärke und das Verhalten sehr wohl.

Dazu hat Grünberger ein forensisches Therapiemodell entwickelt, die «Konfrontationsanalyse ethischer Defizite». Im positiven Fall gehen die Delinquenten durch fünf Phasen. In diesem bisweilen jahrelangen Prozess begleitet der Psychologe sie. Es beginnt damit, dass der «Schüler» seine «Ich-Schwäche» erkennt. In den weiteren Phasen soll er «Ich-Stärke» entwickeln, sich an Regeln halten und Kritikfähigkeit lernen – und auch verzeihen, sich und anderen. «Der Mittersteig ist eine Gelegenheit für diese Menschen, zu sich selbst zurückzukehren, bevor sie in die Gesellschaft zurückkehren», sagt Grünberger.»


«Ich habe nie jemanden weggeschickt»
Die Journalistin fragt einen Vollzugsbeamten, ob er Grünbergers Ansicht teile, dass jeder Mensch jederzeit veränderbar ist. Der antwortet:

«Veränderbar schon, aber nicht in einem solchen Masse, dass man sie entlassen kann», sagt er. «Es kommt zwar nur ganz selten vor, aber es kommt vor. Die psychische Störung dieser Klientel ist so tiefgreifend, dass man diese Menschen nicht von ihrer gefährlichen Gedankenwelt abbringen kann. Sie können guten Willens sein, wenn man sie entlässt, aber sie schaffen es einfach nicht. Und wenn dann alles zusammenpasst, werden sie wieder tätlich.»

Josef Grünberger nickt: «Das sehe ich auch so, aber Sie sprechen von einer anderen Ebene. Als Therapeut muss ich immer versuchen, etwas zu ändern. Ich habe auch noch nie einen Schüler weggeschickt in der Ansicht, es sei hoffnungslos.» Kommandant Karl wiegt den Kopf hin und her: «Gegen einen Versuch ist ja nichts einzuwenden, aber ich sag’s einmal so: Manche Leute brauchen so lange, dass weder sie selber noch der Therapeut das Ende der Therapie erleben.» (Ende des Zitats)

Das beeindruckt mich sehr. Josef Grünberger behandelt jeden seiner Schüler als einen Menschen. Dem Täter menschlich zu begegnen, heisst, in ihn zu investieren. Mit ihm zu reden, Zeit zu verbringen, ihn ernst zu nehmen. Und zwar auch dann, wenn die Entwicklung bzw. das Wachstum seines Schülers nicht ausreicht, dass dieser in ein ‹normales› Leben entlassen werden kann. Die Kategorie des Erfolgs würde hier nur sehr begrenzt greifen.

Auch die österreichische Zeitung Der Standard hat ein Interview mit Josef Grünberger geführt.

«‹Es zählen immer die Taten›, sagt er. Genau das ist das Potenzial, das er seine Schüler entdecken lassen will. Das Gefängnis und die dortigen Regeln sind also eine Art Teststation für seine Schüler. Der Umgang mit anderen, die Arbeit, die Therapie: Wer das schafft, bekommt ‹gute Führung› attestiert, Haftlockerungen, vielleicht sogar Freigang und im besten Fall eines Tages die Freiheit. Aber in der Freiheit gibt es ein Regelwerk und immer die Möglichkeit, sich für oder gegen etwas zu entscheiden.


Vorbilder, Zugeneigtheit und Dranbleiben
‹Die Welt drinnen, ist wie die Welt draussen›, sagt Grünberger, und im besten Fall schaffen seine Schüler es wieder, mit Regeln zurechtzukommen. Und was ist mit Straftätern, die rückfällig werden? ‹Da haben wir eben nicht genug Geduld gehabt›, sagt er mit einem verzeihenden Lächeln. Der Satz: ‹Tu das ja nicht mehr›, führe jedenfalls sicher ins Nichts. Vorbilder, Zugeneigtheit und Dranbleiben sei erwiesenermassen die bessere Strategie. ‹Menschlichkeit muss man auch aushalten können›, so etwas Grosses sagt er ganz beiläufig.» (Quelle: Der Standard, Was ist ein guter Mensch, Herr Grünberger? von Karin Pollack, erschienen am 1. Januar 2018)


Noch ein Hinweis: Ich habe gerade ein interessantes Buch gelesen: Mister Weniger (2018) von Andrew Sean Greer. Wen es interessiert, der kann bei ‹Bücher, die wir lesen› klicken.😃



Freitag, 4. Mai 2018
Ulrike schreibt: Heute bin ich wieder in Liestal. Ich bin gut vorbereitet für die nächste Woche. Übermorgen ist Abendfeier (18 Uhr), am Auffahrtstag gibt es eine Homilie (eine Satz-für-Satz Auslegung) der Himmelfahrtsgeschichte in Apostelgeschichte 1.

Und am nächsten Sonntag - dem Beginn unserer Predigtreihe „Kirche sein!“ - eine Predigt zum Thema „liebe Gott!“, also über unsere Fähigkeit zum Gott-Lieben und zum Lieben überhaupt. In zwei von drei Gottesdiensten singen Chöre. Es wird schön!

In Berlin war ich übrigens im Gottesdienst des REFO (ein Gemeinde-Gründungsprojekt) und beim 1. Mai Community-Fest dieser Initiative. Beides war wirklich gut, abwechslungsreich. Ich hatte ein paar gute Begegnungen mit Menschen aus der Community - dem Wohnprojekt dort. Interessant war auch die Begegnung mit dem jungen Musikwissenschaftler Mark Porter. Er forscht über die sozio-religiöse Dimension verschiedener Musikstile im Gottesdienst. Ich beobachte ja auch, wie und warum eine Predigt, eine Stille, ein Lied „funktioniert“ - oder nicht. Im Wissen darum, dass das Eigentliche - das Hören-Können - von Gott gegeben wird. Das schliesst aber nicht aus, dass wir es einander „leicht“ machen sollen, sich zu beteiligen.

Für Wolfgang habe ich aus Berlin eine neue Pfeife mitgebracht. Ich bin extra zu einem Laden in Steglitz gefahren, der eine grosse Auswahl hat. Der junge Besitzer ist überhaupt kein Verkaufstalent, war aber sehr sympathisch. Die teuren Pfeifen seien im Gebrauch nicht besser als die billigen, meinte er. „Sie sehen halt schöner aus und Sie zahlen den Namen mit.“ Das war erfrischend, jemand mit Liebe zu Pfeifen und Tabak zu erleben, der mich aber von nichts überzeugen wollte. Ich hätte ihm eine Menge geglaubt 😌.

Dazu: Ich lese gerade über die Exerzitien von Ignatius von Loyola. Das ist mir nicht neu. Ich habe über zwanzig Jahre selbst an solchen - evangelisch verkürzten - Einkehrzeiten teilgenommen und selbst Einkehrzeiten geleitet. Ignatius sagt, dass man einem Menschen jedes notwendige Wissen zur Verfügung stellen muss. Dass man aber keinen Einfluss auf ihn nehmen, ihn nicht für die eigene Sicht, für die eigenen Wege gewinnen soll. Es ist Gott, der mit dem suchenden Menschen reden muss. Nicht wir sollen das tun. Wolfgang sagt das bei seinen Schweige-Exerzitien auch immer: dass Gott mit den Teilnehmenden reden wird. Er stellt nur Hilfen dafür zur Verfügung.


Donnerstag, 3. Mai 2018
Wolfgang schreibt: Bibel-Salon: ES GEHT WEITER …
Einmal: Nach einer längeren Pause freuen wir uns auf das nächste Treffen am kommenden Montag (7. Mai). Das Thema ist spannender, als es zunächst scheinen mag. Mit der Frage Jesu, für wen seine Jünger ihn halten, sowie mit dem sogenannten 'Petrus-Bekenntnis' wendet sich der Weg Jesu. Von jetzt an geht er bewusst nach Jerusalem und damit ebenso bewusst auf sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung zu. Wie aber hängt diese für das Evangelium entscheidende Wende des Weges Jesu mit dem Bekenntnis des Petrus zusammen? Es scheint, dass Jesus auf genau dieses Bekenntnis gewartet hat. Sie war für ihn das entscheidende Signal. Woher aber hatte er das? Und: Woher hatte Petrus diese Einsicht, dass Jesus der Messias sein muss? - Das also und noch mehr werden die Fragen sein, die uns am kommenden Montag beschäftigen werden. Herzlich eingeladen. Wir treffen uns bei Stephanie und Lukas Mattmüller an der Rütschetenstrasse 5.

Und dann: Inzwischen haben wir zusammen mit Ehepaar Friedli weiter geplant. Es geht im Herbst weiter. September/Oktober drei Abende zur Frage WER/WAS KOMMT AUF UNS ZU? - über Jesu Rede vom Ende der Welt. Den Flyer dazu erhalten Sie gleich hier: 2018-BIBEL-SALON-ENDZEIT.

Und Oktober/November noch einmal drei Abende zu WEIHNACHTEN - WAS WISSEN WIR WIRKLICH? Sind die Weihnachtsgeschichten mehr als erbauliche Erzählungen? Was steht wirklich da? Vor allem: Was kann man darüber wirklich wissen? Den Flyer dazu erhalten Sie gleich hier: 2018-BIBEL-SALON-WEIHNACHTEN.

Nähere Informationen zum Bibel-Salon wie immer unter BIBEL-SALON


Sonntag, 29. April 2018
Ulrike schreibt: Letzten Sonntag war ich in der ICF (International Christian Fellowship) Sissach im Gottesdienst. Das ist eine evangelische Freikirche, die sich in einem Gewerbegebiet in Sissach trifft. Ich höre immer wieder einmal von ihnen, kenne einige von ihnen, und deshalb dachte ich, ich gehe hin. Der Gottesdienst war gut besucht mit jungen Leuten bis etwa Mitte dreissig. Die Atmosphäre war freundlich und die Predigt war auch gut. Ein Mitglied der Gemeinde - jung, weiblich, Lehrerin - hat in der Reihe ‹Alltagshelden› das Handeln der Königin Esther - aus dem biblischen Buch Esther - betrachtet. Ich kann mich nicht erinnern, in den letzten Monaten irgendwo eine ähnlich gute Predigt gehört zu haben. ... Wobei: Doch! Die Impulse unseres Abendfeier-Teams - das ebenfalls aus Menschen mit nicht-kirchlichen Berufen besteht - sind auch gut. Heisst: verständlich, lebensnah, biblisch 😀. By the way: Die nächste Abendfeier ist am Sonntag, dem 6. Mai um 18 Uhr!

Heute Abend gehe ich mit einer Freundin in den Gottesdienst der REFO Moabit (REFO = Reformationskirche). Die Kirche liegt nur wenige hundert Meter von unserer Berliner Wohnung entfernt. Junge Christinnen und Christen haben sich vor einigen Jahren zusammen getan, um miteinander zu leben, zu arbeiten und Kirche zu sein. Hier ist ihre Selbstbeschreibung: «Neues Leben in alten Gemäuern. So könnte man die REFO auf den Punkt bringen. 2009 hat sich eine Gruppe von jungen Christen auf die Suche nach einem Ort gemacht, wo sie Kirche abseits klassischer Strukturen neu denken, Leben und Arbeiten miteinander verknüpfen und gemeinschaftlich Verantwortung tragen können.» ... Morgen Abend ist das Quartier zum Abendessen und zum Tanz in den Mai eingeladen. Ab 18 Uhr wird in der REFO miteinander gekocht: Zehn Haushalte öffnen ihre Küche und man kann mit vorbereiten. Ab 20 Uhr sind alle zum Essen eingeladen. Das klingt gut ... Wenn ich hingehe, erzähle ich euch davon.

Ich fühle mich solchen Bewegungen und jungen Gemeinden verbunden, seitdem ich selbst ‹dabei› bin - also seitdem ich Christin bin. Denn Kirche ist vor allem eine Weggemeinschaft! Wir sind mit Jesus und miteinander unterwegs. Wir teilen unser Leben miteinander und finden dafür Orte und Formen, die es auch anderen Menschen möglich machen, dass sie dabei sind.


Samstag 28. April 2018
Ulrike schreibt: Ich finde Wolfgangs Wildberg-Angebot (siehe den Eintrag von gestern) richtig gut. Welche Rollen spielen Unsicherheiten und Ängste in unserem Glauben, und welche Rolle dürfen sie spielen? Müssen Unsicherheiten und Ängste erst überwunden werden, bevor wir Gottes Wege mit gehen können?

Wolfgang und ich haben Freude am gemeinsamen Unterwegssein und am Austausch mit Ihnen/ mit euch. Möglichkeiten dafür sind:

6. Mai, 18 Uhr: Abendfeier in der Stadtkirche Liestal
7. Mai, 20 Uhr: Bibel-Salon in Liestal
26. Mai, 9.30-16.30: Studientag der Fritz-Blanke-Gesellschaft in Nidelbad Rüschlikon. Wolfgang und ich werden dem nachgehen, was mit Unterscheidung der Geister gemeint ist. Wie können wir zuordnen, was wir sehen/ was wir erleben?

An Auffahrt (10. Mai 2018) und am Sonntag darauf (13. Mai) feiere ich Gottesdienste mit unserer Gemeinde. Wir beteiligen uns an Auffahrt am Europäischen Jugendchor Festival und haben einen jungen Jodler-Chor im Gottesdienst zu Gast. Am Pfingstwochenende sind Wolfgang und ich unterwegs, nämlich zur AKADEMIKON, zu der die SMD (entspricht der schweizerischen VBG) einädt.

Ich bin seit gestern in Berlin. Mein Vater hat heute Geburtstag. Die Stadt ist unglaublich voll und es sind viele junge Menschen aus aller Welt. Ich finde immer, dass eine einzige Fahrt von einem Berliner Flughafen aus nach Hause Stoff genug für mehrere Kurzgeschichten bietet. Egal ob mit dem Taxi oder mit den Öffentlichen. Auf den Bahnhöfen sitzen, liegen, betteln viele verwahrloste Menschen. Es ist sehr interessant und oft auch berührend zu sehen, wer etwas gibt. Ich habe mich in der U-Bahn neben eine etwa gleichalte Muslima gesetzt. Sie las in einer App den Koran, auf deutsch und arabisch. Kommt ein Rollstuhlfahrer und fragt nach "etwas zu essen oder 20 oder 30 Cent". Die Frau schaut kurz auf, kramt in ihrer Handtasche und holt eine kleine Tüte Chips heraus. Die gibt sie ihm und liest weiter. Fünf Minuten später betritt eine sehr dünne Frau den Waggon und hält eine ziemlich schrille Bettelrede. Als sie bei uns vorbei kommt, sieht die Lesende kurz auf, kramt wieder in ihrer Tasche und zieht einen Frühstücksbeutel mit Banane heraus. Den gibt sie der Frau und liest weiter. ... Ich hätte die Frau gern kennengelernt.


Donnerstag, 26. April 2018
Wolfgang schreibt: Anfang November findet das diesjährige Stille-Wochenende in Wildberg ZH statt. Dabei wird es um die Frage gehen, welche Rolle unsere Unsicherheiten und unsere Ängste in unserem Glauben spielen bzw. spielen dürfen. Müssen wir sie zuerst überwinden, damit Gott uns dann brauchen kann? Oder braucht uns Gott gerade mit unseren Unsicherheiten?

Die Bibel erzählt uns ausführlich vom Richter Gideon (Buch Richter, Kapitel 6 bis 8). Israel wurde immer wieder von den Midianitern überfallen und beraubt. Es war zum Verzweifeln. Warum Gott gerade Gideon auswählte, um seinem Volk aus dieser Bedrängnis zu helfen, ist und bleibt ein Rätsel. Wahrscheinlich gibt es in der Bibel keinen zweiten Menschen, der derart von Zweifel und Unsicherheit umgetrieben war. Trotzdem ruft Gott ihn und schenkt durch ihn seine Hilfe. Wie geht Gott mit dem unglaublichen Zögern dieses Boten um? Sind die Gideon-Geschichten geradezu ein Lehrstück für Gottes Umgang mit unseren Unsicherheiten?

An dem Wochenende vom 2. bis 4. November werden wir auf diese Berichte genau hinhören. Nähere Informationen findet man auf der Seite WILDBERG. Den Flyer für diese Tage der Stille erhält man gleich hier: 2018-WILDBERG-FLYER


Sonntag, 22. April 2018
Ulrike schreibt: Einen schönen und gesegneten Sonntag wünschen wir euch! Gestern haben Wolfgang und ich mit unserem Besuch einen Ausflug nach Colmar gemacht. Das ist von Liestal aus nicht weit - eine Autostunde - und ist immer schön. In einem Café neben der Kathedrale zu sitzen oder durch die Altstadt zu bummlen tut gut. Es waren ein bisschen viele Touristen, aber das war bei dem Sonnenwetter zu erwarten.

Heute werden wir den Gottesdienst der ICF in Sissach mitfeiern. Das hatte ich mir schon lange einmal vorgenommen. Mich interessieren Gemeindeneugründungen und ihre Entwicklung. Und wir haben als Gemeinden dasselbe ‹Einzugsgebiet›. Am Nachmittag sind Wolfgang und ich und unsere Gäste zum Grillen bei einem Freund eingeladen. Wolfgang hat gestern - als wir es in Colmar so gut hatten - einen Spruch aus dem Talmud erinnert. Da heisst es sinngemäss, dass wir uns im Gericht vor Gott verantworten müssen für jeden Genuss, den wir ohne Grund abgelehnt haben .... 😃


Donnerstag, 19. April 2018
Ulrike schreibt: Für den Besuch einer Gruppe von Vikarinnen und Vikaren bereite ich ein kleines Thesenpapier vor. Sie sind mit der Bitte auf mich zugekommen: «Wir wollen dir in die Karten schauen in deinem eigenen Suchen, Lernen und Gestalten in den vielen Jahren deines Pfarrerinnen-Seins.» Das ist interessant für mich: mich selbst zu fragen, was ich richtig gemacht habe und an welchen Stellen ich mich verrannt oder geirrt habe. ... Ich finde mein persönliches Thesenpapier selbst sehr anregend 😀.

Im Juni geht die erste Etappe des Bibel-Salons in Liestal zu Ende - mit einer kleinen Haus- und Gartenparty bei uns im Küngelbrunnenweg. Wir dachten, dass es gut ist, wenn die Teilnehmenden ein bisschen mehr Zeit miteinander verbringen können. Wer es sich eintragen mag: Es ist der Termin des letzten Bibel-Salons, der 25. Juni, und bereits um 19 Uhr.... Wir werden im September 2018 mit einer zweiten Etappe des Bibel-Salons einsetzen. Die haben wir gestern mit einigen Freunden vorbereitet.

Heute bin ich für einen Kollegen, der erkrankt ist, für einen Gottesdienst im Altenpflegeheim Brunnmatt. Ich sehe zu, dass ich vorher und nachher Besuche bei Gemeindemitgliedern im Heim machen kann. Morgen feiere ich eine Abdankung und am Nachmittag bekommen wir Wochenend-Besuch.


Dienstag, 17. April 2018
Ulrike schreibt: Kleine Szenen aus dem Alltag: Heute habe ich ein Gemeindemitglied besucht. Ich habe ein grosses Bund Tulpen gekauft und wollte das Bund 50:50 zwischen mir und der Besuchten teilen. Kaum bin ich in der Wohnung führt sie mich in die Küche und zeigt auf einen Strauss Tulpen. Den hat sie gerade für mich im Garten geschnitten. Wir haben dann alle durchmischt und geteilt. 🐾🌷🌾

Das Wetter ist wunderbar sonnig und ich fahre wieder mit dem Motorroller. Steht ein etwa sechsjähriges Mädchen mit Schulranzen vor unserer Garage. Sie beobachtet geduldig, wie ich den Roller parat mache und mir den Helm aufsetze. Ich sage zu ihr: "Ich habe es gut, nicht wahr? Du musst laufen und ich darf fahren." Sie sagt: "Wenn ich nicht mehr in die Schule muss, dann fahre ich auch!! 😃😃😃

Ich arbeite immer mal wieder ein halbes Stündchen in unserem Garten, und zwar im Teil, der zur Strasse hin liegt. Das führt zu interessanten Gesprächen, weil ziemlich jeder, der zu Fuss unterwegs ist, stehen bleibt und meine Bemühungen kommentiert. Das hat teilweise philosophische Qualität. Sagt jemand mit Blick auf den moosbefreiten Rasen: "Na, ob sich das überhaupt lohnt?" ... Fast hätte ich zurückgefragt, ob es sich denn lohnen würde, in sein Leben zu investieren. Das habe ich aber nicht gemacht. Ich habe beim weiteren Unkraut zupfen und Büsche zurückschneiden darüber nachgedacht: Ab wann lohnt es sich, in einen Garten, in einen Menschen, in eine Beziehung zu investieren? ... Aufwand und Ertrag miteinander zu verrechnen, ist ein Grundzug unserer Zeit geworden. Alles muss lohnen. ... Das absichtslose Handeln ist eher selten geworden.🎁


Freitag, 13. April 2018
Ulrike schreibt: Für Sonntag sind Sie herzlich in die Abendfeier in die Stadtkirche Liestal eingeladen (18 Uhr). Ich werde Impulse zu Jesaja 58, 1-8 geben. Das ist ein unglaubliches Kapitel. Gott sagt durch den Propheten, dass sein «Heil» (wörtlich: seine «Jeschua») nahe ist, dass sie kommt. Worin zeigt sich diese Jeschua?

Menschen, die von sich gedacht haben, dass sie nicht zur Familie Gottes dazu gehören können, die werden von Gott in sein Haus aufgenommen. Ihnen wird ein Denkmal und ein Name (wörtlich «Jadwaschem») gegeben. Die beiden Persongruppen, die exemplarisch genannt sind, sind die «Fremden», die sich zu Gott halten. Und es sind die «Verschnittenen» - Männer, die aus beruflichen Gründen keine Familie gründen durften. «Verschnittene» sind Menschen, die keine Kinder und damit keine Zukunft haben. An die niemand mehr denken wird.


(1) Was ist mit mir? Die Frage ist beantwortet!
Vielleicht habe ich die Frage, ob ich von Gott gemeint bin. Dass ‹Andere› sich Gott zugehörig fühlen, sehe ich ja. Aber wie ist es mit mir? Bin ich überhaupt dabei, wenn Gott sein Volk sammelt? Was ist mit mir? Bin ich zu anders? Bin ich zu weit weg? Zu dumm? ... Jesaja sagt, dass diese Frage mit dem Kommen der bzw. des Jeschua ein für alle mal beantwortet ist! Gott fügt Menschen zu seinem Volk hinzu, die es nicht von sich dachten.


(2) Im Hause Gottes aufgehoben
Gott gibt den Fremden einen Ort - bei sich selbst. Hier sind sie aufgehoben, hier werden sie erinnert. Gottes Handeln ist über die Massen grosszügig:

«Denn so spricht der HERR: Den Verschnittenen, die meine Sabbate halten und erwählen, was mir wohlgefällt, und an meinem Bund festhalten, denen will ich in meinem Hause und in meinen Mauern ein Denkmal und einen Namen geben; das ist besser als Söhne und Töchter. Einen ewigen Namen will ich ihnen geben, der nicht vergehen soll. Und die Fremden, die sich dem HERRN zugewandt haben, ihm zu dienen und seinen Namen zu lieben, (...) die will ich zu meinem heiligen Berge bringen und will sie erfreuen in meinem Bethaus, (...); denn mein Haus wird ein Bethaus heissen für alle Völker.


(3) Die Grosszügigkeit Gottes bezeugen
Jesaja sagt: Die Fremden und die Verschnittenen wollen den Bund mit Gott halten. Sie wollen Sabbate halten. Man muss sie nicht erst überreden für einen Lebensstil, der die Liebe zu Gott spiegelt. Wo uns solche Menschen begegnen, in denen Gott offensichtlich am Werk ist, dürfen wir nicht ‹klein› von Gott reden. Gott nimmt sie auf, wie er uns aufnimmt. Er gibt ihnen und uns einen Namen und einen Ort bei sich. Was es heisst, einen Namen und einen Ort im Gedächtnis Gottes zu bekommen, hören wir am Sonntag ...😀


Sonntag, 8. April 2018
Ulrike schreibt: Für morgen, Montag Abend, laden wir in den Bibel-Salon in Liestal ein. Wer sich vorbereiten möchte, liest Markus 7,1-8,10. Thematische Schwerpunkte morgen sind: Gottes Gebote — der «Zaun um die Tora»; die Frage nach dem Sabbat; ‹Reinheit› und ‹Unreinheit›. Zum thematischen Umfeld lesen wir gemeinsam einen kurzen Text aus der jüdischen Mischna (Pirke Aboth I,1-3), der uns in die Atmosphäre und die Fragen der Rabbinen um die Zeit Jesu hinein nimmt. Wer möchte kann sich den Text schon vorher herunterladen und ansehen: ABOTHI,1-5 Wir treffen uns um 20 Uhr bei Cornelia und Fritz Friedli, Sichternstrasse 51. Herzliche Einladung!

Die letzte Woche war voll - was Gemeindeaktivitäten und Persönliches betrifft. Heute Vormittag habe ich mit der Gemeinde in Liestal Gottesdienst gefeiert und über Kolosser 2 gepredigt. Wir haben mit Ilja Voellmy einen grossartigen Organisten - er hat auf der Orgel improvisiert, wie die «Mächte und Gewalten» im Triumphzug gefangen geführt werden. Man hat das schwere Stampfen der Krieger gehört und den langen Zug der Gefangenen vor Augen gesehen. Und dann wurde die Musik schliesslich ganz leicht und hell: «Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und über sie triumphiert in Christus.» (Kolosser 2,15)

Drei Tage war ich in Berlin. Ein bisschen kurz für die verschiedenen Verabredungen und Erledigungen, aber trotzdem sehr schön. Wenn man in Berlin ankommt und am Flughafen Schönefeld in den Bus steigen will, sind erst einmal die Fahrkartenautomaten alle (!) kaputt. Dann fährt man ein paar Stationen U-Bahn, kommt aber nicht weit, weil man in den Schienen-Ersatzverkehr wechseln soll. Ich bin dann zu Fuss durch die Stadt gelaufen, was ich sehr mag. Zum Ankommen war ich in einem meiner Lieblingskinos, im Sputnik, und habe den Film The Florida Project gesehen. Wenn der Film bei Ihnen läuft: unbedingt anschauen, er ist grossartig. Der Film erzählt von der achtjährigen Moonie, die mit ihrer Mutter in einem Motel in Florida lebt. Hier ist der Trailer in deutsch:



Wolfgang schreibt: Ulrike hat oben ihren Gottesdienst über Kolosser 2,9-15 erwähnt. Sie können diese Predigt gleich hier anhören. Dazu jedoch eine Vorbemerkung. Mir begegnet bei Gemeindegliedern und auch bei Kolleginnen und Kollegen oftmals die stillschweigende Voraussetzung, eine Predigt müsse einfach und unmittelbar praktisch sein. Ich verstehe die Abwehr gegen eine Verkündigung, die bloss ästhetisch und gebildet daher kommt, mir selbst aber für mein Leben nichts gibt. Das also verstehe ich. Aber das ist nicht alles. Im Evangelium geht es nicht nur einfach zu. Da stehen auch grosse Fragen auf dem Spiel: Wie steht es mit Gott und den Mächten dieser Welt? Und wie steht es dann zwischen uns und diesen Mächten? Das fordert durchaus auch unser Denken heraus. Das Evangelium besteht nicht bloss in einfachen Ratschlägen des täglichen Lebens - obwohl es das ja durchaus auch ist. Das Evangelium fordert uns genau so zum Denken und damit zum anspruchsvollen Unterscheiden heraus. Evangelium ist nicht nur Lebenshilfe. Es ist auch ernsthafte Bildung. Ein Predigttext wie der von heute (Kolosser 2,9-15) lässt sich nicht auf das Niveau einfacher Lebensregeln herunter brechen. Ulrike zeigt in ihrer Predigt, wie man Bildung zugänglich macht, ohne sie zu vereinfachen. Das allein ist schon sehr viel. Die weitere Arbeit - was bedeutet ein solcher Text jetzt für meine praktischen Lebensvollzüge? - ist meine Arbeit als Hörerin und Hörer.

Hier also die Predigt zu Kolosser 2,9-15, die Ulrike heute in der Stadtkirche in Liestal gehalten hat. Sie können Sie gleich hier anhören:



Für einen DOWNLOAD finden Sie diese Predigt auf der Seite DOWNLOADS: AUDIO und dort unter der Rubrik "VORTRÄGE UND PREDIGTEN". Zum Downloaden gehen Sie bitte auf dieser Seite ganz nach unten. Wenn die Schrift auf dem Bildschirm blau wird, sind Sie richtig. Dort - alphabetisch angeordnet - finden Sie die Aufnahme der Predigt unter dem Namen "2018-04-Kolosser 2,9f" (MP3-Datei: 28,12 Minuten; 10,1 MB)

Unser grossartiger Organist Ilya Voellmy-Kudrjavtsev hat nach der Predigt eine aussergewöhnliche freie Improvisation zu Kolosser 2,15 gespielt. Man hört die überwundenen Mächte und Gewalten, die Christus im Triumphzug mit sich herumführt. Es lohnt sich überhaupt, unserem Stadtorganisten zuzuhören. Die freie Improvisation von heute können Sie gleich hier anhören:



Für einen DOWNLOAD finden Sie diese Orgelimprovisation auf der Seite DOWNLOADS: AUDIO und dort unter der Rubrik "VORTRÄGE UND PREDIGTEN". Zum Downloaden gehen Sie bitte auf dieser Seite ganz nach unten. Wenn die Schrift auf dem Bildschirm blau wird, sind Sie richtig. Dort - alphabetisch angeordnet - finden Sie die Aufnahme unter dem Namen "ORGEL: ILYA VOELLMY freie Improvisation zu Kolosser 2,15" (MP3-Datei: 9,15 Minuten; 8,47 MB)



Samstag, 31. März 2018
Ulrike schreibt: Ich bin heute am Vorbereiten und Dekorieren für die Osternacht. Beginn ist Morgen um 5.30 Uhr in der Stadtkirche. Das Vorbereiten hat für mich etwas Meditatives und ich mache es gern. Bis zu dem Zeitpunkt heute früh, wo ich in der Migros einkaufen war und jemand im Parkhaus seine Autotür gegen mein Auto gestossen hat, um seine Sachen einzuräumen. Die Frau sagt aber nicht «Das tut mir leid», sondern: «Sie haben schräg eingeparkt.»🤔 Ich habe noch einen Kaffee getrunken und bin dann wieder gut in meine Ruhe zurück gekommen😍

Wie die Zeit vor Ostern gestalten? Hier ein Auszug aus dem Mail eines Freundes: «Bei uns Zuhause haben wir mit den Kindern – nach der Gründonnerstagsandacht – Lamm gegessen und nochmals das Brot gebrochen und den Kelch des Heils erhoben. Das war sehr schön, das machen wir schon seit 20 Jahren in der Familie. Die Zeit zwischen Palmsonntag und Ostern ist so dicht und intensiv-schön… so empfinde ich das… als lebendige Geschichte des Eintauchens in die Wirklichkeit Jesu. Und Du hast Psalm 22 wunderbar als GANZES geschaut… und auf Jesu Tod bezogen… Danke für alles befruchtende Anteilgeben - das tut gut.

Heute, am Karfreitag, werden wir im Gottesdienst vor allem schauen - staunen - aufsehen zu Jesus. Die Lichter ausblasen, um zu sehen. Leben ist Schatten und Licht. ER ist in allem. ... In unserer Kirche gibt es keine Karfreitagspredigt, sondern nur Sitzen in der Stille mit Blick aufs Kreuz. Ich finde ich spannend.»

Vielleicht ist das eine Anregung für manchen von Ihnen: Dass wir uns heute eine kleine Zeit nehmen, in der wir nichts denken, sondern nur sitzen und Jesus anschauen. Draussen auf der Terrasse, in unserer Kirche, im Lieblingssessel in der Wohnung ...


Donnerstag, 29. März 2018
Wolfgang schreibt: Hier also die vierte Andacht zu Psalm 22, die Ulrike heute in der Stadtkirche in Liestal gehalten hat. Sie zeigt, wie wichtig es ist, den GANZEN Psalm 22 und nicht nur die bekannten Anfangsworte zu hören. Der Beter ruft in seiner Not »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« Auf diesen Ruf aber folgt kein Schweigen Gottes. Es folgt Gottes Antwort. Und darauf folgt der Lobgesang des Beters, in den hinein die ganze Welt eingeladen ist. So können auch wir bereits jetzt einstimmen. Wer das tut, der hat heute schon Anteil am Ganzen. Die vierte Andacht PSALM 22 - TEIL 4 können Sie gleich hier anhören:



Für einen DOWNLOAD finden Sie diese Predigt auf der Seite DOWNLOADS: AUDIO und dort unter der Rubrik "VORTRÄGE UND PREDIGTEN". Zum Downloaden gehen Sie bitte auf dieser Seite ganz nach unten. Wenn die Schrift auf dem Bildschirm blau wird, sind Sie richtig. Dort - alphabetisch angeordnet - finden Sie die Aufnahme der Passionsandacht unter dem Namen "PSALM22-TEIL4" (MP3-Datei: 12'06 Minuten; 11.08 MB)


Wolfgang schreibt: Die Tage in Rasa liegen bereits eine gute Woche zurück. Aber etwas von meinem Inneren ist immer noch da. Selten ist mir die Vorbereitung auf einen Psalm derart schwer gefallen wie diesmal auf Psalm 116 - trotz allen guten Hilfsmitteln, die mir zur Verfügung stehen. Eigentlich hatte ich mit allen Einzelheiten keine Schwierigkeit. Der Psalm ist sprachlich und theologisch sehr zugänglich. Ich aber habe nicht verstanden, wie die einzelnen Aussagen des Psalmes zusammen hängen. Erst in Rasa selbst habe ich von einem Halbtag zum nächsten den Zusammenhang gesehen. Das war schon eine besondere Erfahrung für mich. Es lohnt schon, sich um das Verstehen biblischer Texte zu bemühen.

Nun sitze ich bereits an den Vorbereitungen für die Schweigetage im Sommer. Diesmal wird uns Psalm 51 beschäftigen. Es ist der wohl eindrücklichste Busspsalm in der Bibel. Zurück geführt wird er auf den Ehebruch Davids mit Batseba.Vor einigen Tagen rief mich jemand an. Er würde gerne zu der Schweige-Einkehr in Rasa kommen. Das Thema mache es ihm jedoch schwer … Was soll man dazu sagen? Ist »Busse«, also die Bitte um Vergebung, ein niederdrückendes Thema? Ich glaube, dass das Gegenteil davon zutrifft. Unsere Bitte um Vergebung ist nicht die Voraussetzung, DAMIT es Gnade gibt, sondern sie ist möglich, WEIL es die Gnade, weil es Gottes grosse Barmherzigkeit gibt. Bei der Bitte um Vergebung im Unser Vater darf man wissen: Diese Bitte ist wenn wir sie beten eine immer schon erhörte Bitte. Was das bedeutet kann man wahrscheinlich immer nur erahnen. Die Einleitung zu Psalm 51 nimmt uns auf den Weg des Verstehens gut mit. »Ein Psalm Davids als der Prophet Natan zu ihm kam, nachdem er sich mt Batseba vergangen.« Der Ehebruch und dann noch der Mord am Mann Batsebas stand gewiss nicht in Gottes Plan. Gibt es dafür so einfach Vergebung? Wer die Geschichte Davids bis zum Ende kennt, der kommt zum Staunen. Das zweite gemeinsame Kind von David und Batseba ist Salomo und damit der Nachfolger Davids auf dem Königsthron. Ja, Gott richtet seinen Weg zum Heil der Menschen auf diese Schuldgeschichte hin aus. Ausgerechnet über David und Batseba läuft die Linie der Familie, aus der später Jesus von Nazareth, also der von Gott versprochene Messias, kommen wird bzw. gekommen ist (vgl. Mt 1,6). Gott geht seinen Weg zum Heil der Welt über diese menschliche Schuldgeschichte und nicht an ihr vorbei. Wenn wir heute Psalm 51 beten, dann tun wir es im Wissen, dass Gott diesen Weg mit David gegangen ist. Wahrscheinlich werden wir im Sommer anhand von Psalm 51 sehen, dass es sich dabei um einen ganz grossen Gnadenpsalm der Bibel handelt. Weil es Gottes Gnade gibt, darum - und erst darum - können wir getrost um Vergebung bitten, um Gottes Vergebung wissen.


nochmals am Mittwoch, 28. März 2018
Wolfgang schreibt: Hier können Sie nun die dritte Andacht zu Psalm 22 hören, die Ulrike heute in der Stadtkirche in Liestal gehalten hat. So hat Jesus sich auf sein Sterben vorbereitet. Und so hat ihn dieser Psalm ins Sterben und durch den Tod hindurch begleitet. Es folgt noch eine Andacht: morgen Donnerstag 29. März, in der Stadtkirche Liestal. Beginn um 18:00 Uhr. Mitwirkung von Ilya Völlmy an der Orgel. Die dritte Andacht PSALM 22 - TEIL 3 können Sie gleich hier anhören:



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Mittwoch, 28. März 2018
Wolfgang schreibt: Hier können Sie die zweite Andacht zu Psalm 22 hören, die Ulrike gestern in der Stadtkirche in Liestal gehalten hat. Es ist spannend, den Psalm 22 aus der Perspektive Jesu zu hören. So hat er sich auf sein Sterben vorbereitet. Und so hat ihn dieser Psalm ins Sterben und durch den Tod hindurch begleitet. Es folgen noch zwei Andachten: heute Mittwoch 28. März und morgen Donnerstag 29. März, jeweils in der Stadtkirche Liestal. Beginn um 18:00 Uhr. Immer mit Mitwirkung von Ilya Völlmy an der Orgel. Die zweite Andacht PSALM 22 - TEIL 2 können Sie gleich hier anhören:



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Dienstag, 27. März 2018
Wolfgang schreibt: Gestern hat Ulrike begonnen, in der Stadtkirche die jährlichen Passionsandachten zu halten. Dieses Jahr betrachtet sie den Psalm 22. Dieser Psalm muss Jesus zur Vorbereitung auf sein Sterben begleitet haben. Bis hin zu seinen letzten Worten am Kreuz war er ihm gegenwärtig. Die erste Andacht PSALM 22 - TEIL 1 können Sie gleich hier anhören:



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Sonntag, 25. März 2018
Ulrike schreibt: In den Schweige-Exerzitien in Rasa hat Wolfgang mit den Teilnehmenden den Psalm 116 betrachtet. Im ersten Vers heisst es: «Ich liebe, denn gehört hat Jahwe auf meine Stimme, mein Flehen.» (Psalm 116,1) Hier wird ein Zusammenhang genannt: Der Betende entdeckt in sich die Fähigkeit zum Lieben. Liebe ist die Fähigkeit, absichtslos zu handeln und sich dem Anderen zu schenken. Der Psalmbeter weiss, wie es dazu gekommen ist, dass er liebt. Er sagt: Denn Gott hat meine Stimme gehört. ... Eine Teilnehmerin der Exerzitien hat einen Text über die Erfahrung des Gehörtwerdens geschrieben. Ich finde ihn unglaublich gut.


Du hast mich gehört
und ich habe meine Stimme gefunden
und in meiner Stimme die Welt.
Ich habe die Dinge bei ihrem Namen genannt.
Ich konnte den Dingen ihren Namen geben.
Ich wusste einen Namen, ein Wort
für mich und für dich und für die Dinge.
Und alles war richtig.
Ich ging durch die Strassen
und habe geliebt,
den Himmel,
die Enten im Fluss,
die Menschen
wie schön sie waren
jeder und jede und jedes
war so kostbar
und ich hatte meine Freude
daran, an allem.
Voll Freude.
Ich habe geliebt.
Ich habe die Liebe gekannt,
weil du meine Stimme gehört hast
und ich in deinem Hören meine Stimme gefunden habe.

Claudia Knepper


Freitag, 23. März 2018
Ulrike schreibt: Wir hatten wirklich gute und auch herrlich sonnige Tage in Rasa. Seit gestern sind wir zurück in Liestal, wo es glücklicherweise auch einigermassen sonnig ist ☀️🌱. Ich habe heute Besuche gemacht - im Krankenhaus und im Altenpflegeheim. Heute Nachmittag bin ich mit Hinterbliebenen für ein Beerdigungsgespräch verabredet, denn ich bin in den Osterwochen in Liestal und Seltisberg für Beerdigungen zuständig.

Mit den Besuchen ist es merkwürdig. Mit jedem Besuch, den ich mache, wird meine innere Liste nicht kürzer sondern länger. Denn mit jedem Besuch treffe ich auf ein, zwei Menschen, die ich ebenfalls kenne oder die mich ansprechen, und die auch gerne Besuch hätten. ... Ich hoffe sehr, dass wir bald wieder einen Besuchsdienstkreis in unserer Kirchgemeinde beginnen können. ... Auch an den Abenden ist allerlei los. Ich bin in den Bibelgesprächskreisen, bin bei einem Nachtreffen des Kinderferienlagers unserer Liestaler Zahnärztinnen und anderes.

Am Montag, 26. März, ist Bibel-Salon bei Bittners. Herzliche Einladung zu uns in den Küngelbrunnenweg 1. Es geht darum, was unter Nachfolge, Jüngerschaft und dem Zwölferkreis zu verstehen ist. Die Abende sind so gut besucht, dass ich gern auch in Seltisberg mit Bibel-Salons beginnen würde.


Dienstag, 20. März 2018
Ulrike schreibt: Heute früh ist die Sonne strahlend über dem Schnee aufgegangen - wunderbar. Ich höre mit einem Ohr auf die Psalmauslegung von Wolfgang (Psalm 116). Mit dem anderen Ohr höre ich auf Psalm 22. Den werde ich an vier Abenden der Karwoche mit der Gemeinde betrachten. An manchen Versen habe ich grosse Freude:

"Denn er hat nicht verachtet noch verabscheut das Elend des Elenden
noch sein Angesicht vor ihm verborgen,
und als er zu ihm schrie, hörte er." (Psalm 22, 25)

Menschen neigen dazu, sich vom Elend abzuwenden und damit auch von dem, den das Elend getroffen hat. Gott wendet sich nicht ab. Er wendet sich dem Menschen im Elend zu, zeigt sein Angesicht. Ab morgen werden Bilder von Rut Bischler im Dichter- und Stadtmuseum in Liestal gezeigt. Ihre Bilder gehören zur Art Brut. Die Vernissage der Ausstellung ist heute um 18 Uhr. Ich freue mich sehr über die Ehrung von Rut Bischler als Künstlerin. Dem Museumsleiter Dr. Stefan Hess ist da viel zu verdanken, auch der Katalog zur Ausstellung hier

Rut Bischler war einer der ersten Menschen, die ich in Liestal kennen gelernt habe. Die Bekanntschaft mit ihr war Anlass dafür, dass ich vor einigen Jahren in unserer Kirchgemeinde den Kreis für Menschen mit Depression begonnen habe. Der Kreis leitet sich heute weitgehend selbst und ist ein guter Ort. Wen Elend getroffen hat, der muss sich nicht verstecken. Er bleibt ein angesehener Mensch.


Sonntag, 18. März 2018
Ulrike schreibt: Gestern haben die Schweige-Exerzitien in Rasa/ Tessin begonnen. Es sind sechzehn Teilnehmende, also diesmal eine kleine Gruppe. Hier oben in Rasa ist es ganz still und es schneit in dicken Flocken. Draussen liegt Schnee und drinnen ist wohlige Holzofen-Wärme. Ich fand den Einstieg in Psalm 116 gestern grossartig. Wolfgang hat vorgestellt, wie er den Aufbau des Psalms versteht. Es sind zwei Sätze, zwischen die eine Geschichte gespannt ist. Die beiden Sätze sind Vers 1 («Ich liebe ...») und Vers 10 («Ich glaube ...»).

Der Psalm 116 beginnt in der Lutherübersetzung mit dem Satz:
«Ich liebe den HERRN, denn er hört die Stimme meines Flehens.» (Psalm 116,1)

Im Hebräischen steht das so nicht da. Da heisst es:
«Ich liebe, denn gehört hat Jahwe auf meine Stimme, mein Flehen.»

Da steht also nicht, wen der Psalmbeter liebt, sondern, dass er liebt. Es wird nicht gesagt, wer geliebt wird. Vielmehr weist der Beter auf den Ursprung seines Liebens hin. Er gibt darüber Auskunft, wie er dazu gekommen ist, dass er liebt. Sein Lieben beginnt damit, dass er gehört wurde und gehört wird: «..., denn gehört hat Jahwe meine Stimme». Das steht im Fokus des Psalms.


Ich liebe, weil ich gehört werde
Ich bin ein Mensch, der gehört wird. Aus diesem Gehörtwerden entspringt die Fähigkeit zum Lieben. Liebe, die zweckfrei handelt, Liebe, die sich schenken kann, hängt mit der Erfahrung zusammen, dass ich ein Mensch bin, der gehört wird. Wir kennen das aus der Entwicklungspsychologie. Ein Kind lernt, sich anderen Menschen zuzuwenden, weil seine Eltern und Geschwister sich ihm zuwenden.

◦ Wo bin ich in meiner Geschichte genug gehört worden?
◦ Wo bin ich überhört worden? Wo wurde an mir vorbei gehört? Vielleicht wurde so getan, als ob auf mich gehört wurde. Aber es war nicht so. Ich selbst wurde nicht gehört.

Nun ist nicht nur Vers 1 ungewöhnlich, sondern auch der Vers 10:
«Ich glaube, auch wenn ich sage: Ich werde sehr gebeugt.»
Hier wird ebenfalls nicht gesagt, an wen der Psalmbeter glaubt (z.B.: ich glaube an Jahwe). Vielmehr sagt der Beter, dass er - so wie er die Fähigkeit zum Lieben in sich entdeckt - auch die Fähigkeit zum Glauben in sich entdeckt! Für Glauben gibt es im Hebräischen verschiedene Worte und verschiedene Aspekte:

◦ Das erste Wort für Glauben meint, «ich hänge mich an etwas», ich «klebe an jemanden». Glauben ist ein Sich-Zuordnen. Da stellt man mit Recht die Frage: «An wen hängst du dich denn? Wem vertraust du? Am wem klebst du?»
◦ Das zweite Wort für Glauben meint, dass etwas zuverlässig, vertrauenswürdig und fest ist. Wer «Amen» sagt, der bestätigt: «Das ist vertrauenswürdig.»


In mir ist etwas fest geworden
In Vers 10 begegnet uns dieses zweite Wort für Glauben. Der Beter sagt von sich selbst, dass er fest geworden ist. «Ich bin fest geworden (= ich glaube), auch wenn ich sage: Ich werde sehr gebeugt.» Der Psalmbeter hat erfahren, dass in ihm etwas «fest geworden» ist. Da ist etwas ruhig geworden. Nun gibt es dafür einen Kontext. Der Beter ist fest geworden inmitten der Erfahrung, dass er «gebeugt wird». Luther übersetzt: «geplagt wird». Der Psalmbeter entdeckt seine Festigkeit nicht, weil sich die Situation plötzlich geändert hätte. Die ist nicht anders als vorher! Sondern er merkt plötzlich, dass sich in ihm etwas verwandelt hat: «Ich bin fest geworden». Nicht mehr durcheinander, nicht mehr aufgeregt, nicht mehr erschüttert. So wie ich es früher einmal war. Da hat sich in mir etwas verändert.

Nun fragt man sich, was es ist, das den Beter beugen will und ihn alarmiert sein lässt? Das sagt er gleich im nächsten Satz: «Alle Menschen sind Lügner.» (Vers 11) Angesichts dessen, dass Menschen lügen - dass sie sich nicht der Wirklichkeit entsprechend verhalten - bleibt etwas in mir fest.

Wie kommt es dazu, dass ein Mensch diese beiden Sätze sagen kann:
Ich entdecke an mir, dass ich liebe.
Ich entdecke an mir, dass ich fest geworden bin?

Wer vom Hebräischen her denkt, für den ist klar, dass man das lernt, indem man einen Weg geht. «Einen Weg gehen» heisst, dass es ein Lebensprozess ist. Diesen Weg beschreibt der Psalmbeter in der Mitte des Psalms, in den Versen 3 bis 9. Wolfgang hat heute früh entfaltet, wie diese Verse an den Auszug Israels aus Ägypten erinnern. Die grosse Weg-Erzählung ist der Auszug Israels aus Ägypten. Von dieser Erzählung her fällt ein Licht auf unseren eigenen Lebensweg. Wir lernen auf diesem Weg zu lieben und fest zu werden.


Freitag, 16. März 2018
Ulrike schreibt: Jetzt sind wir schon nahe an der Karwoche. Ich lade mit unserem Organisten Ilja Voellmy zusammen an jedem Abend zu Passionsandachten in die Stadtkirche ein. Wahrscheinlich gibt es dieses Jahr Betrachtungen zum Psalm 22. Wer sich die Abende reservieren möchte:

26. März - 28. März 2018 (Montag bis Mittwoch), 18 Uhr
Gründonnerstag, 29. März, mit Feier des Abendmahls, 18 Uhr
Gründonnerstag, mit Feier des Abendmahls, 16 Uhr, Altenpflegeheim Brunnmatt
Karfreitag, 30. März, Konzert mit Ilja Voellmy und unserem Kammerchor (Leitung: Theresia Gysin), 18.30 Uhr
Osternachtfeier, 1. April, 5.30 Uhr, mit Einladung zum Osterfrühstück (ab 6.15 Uhr)

Es war für mich unglaublich schön, vor der Karwoche und vor Ostern ein paar Tage in Israel zu sein. Ich habe ab und zu mit dem Natel gefilmt, aber total willkürlich. Wer Freude an 2 1/2 Minuten Tel Aviv und mir hat, der kann hier das Video schauen:




Sonntag, 11. März 2018
Wolfgang schreibt: Auf ihre heutige Predigt zu Philipper 1,12-18 hat Ulrike bereits gute und interessierte Echos erhalten. Ich denke, dass auch Sie dadurch gute Anregung und Ermutigung für Ihren Glauben und ihr Leben bekommen werden. Die Predigt zum Thema Was wird daraus? können Sie gleich hier anhören:



Für einen DOWNLOAD finden Sie diese Predigt auf der Seite DOWNLOADS: AUDIO und dort unter der Rubrik "VORTRÄGE UND PREDIGTEN". Zum Downloaden gehen Sie bitte auf dieser Seite ganz nach unten. Wenn die Schrift auf dem Bildschirm blau wird, sind Sie richtig. Dort - alphabetisch angeordnet - finden Sie die Aufnahme des Gottesdienstes unter dem Namen "2018-Was wird daraus?" (MP3-Datei: 22'50 Minuten; 7,83 MB)

Morgen treffen wir uns wieder zum Bibelsalon. Auch neue Besucherinnen und Besucher sind herzlich willkommen: offenes Gespräch, kleine Bewirtung, historische und theologische Informationen … Es braucht dafür keine Vorkenntnisse und keine Anmeldung. Wir treffen uns um 20.00 Uhr bei Eva und Pavel Kraus an der Seltisbergerstrasse 18. Wir lesen Markus 4,35 bis 5,43 (in Aussschnitten). Thematischer Schwerpunkt: Unreine Geister, Dämonen und Besessenheit – Gestalt und Überwindung des Bösen. Hilfreich ist es, wenn man den biblischen Text vorher schon einmal gelesen hat. Bitte die eigene Bibel mitbringen. Auf unser Internet-Seite zum Bibel-Salon kann man den Text auch herunter laden.

Nächster Abend am 26. März 2018 bei uns am Küngelbrunnenweg 1. Text: Markus 6,1-56. Thematischer Schwerpunkt: Was bedeutet Nachfolge Jesu? Der Zwölferkreis und der weitere Kreis der Anhänger Jesu … Weitere Informationen zu Daten, Orten, Texten und Schwerpunkten auf unserer Seite zum Bibel - Salon.


Freitag, 9. März 2018
Ulrike schreibt: Hier ist ein Wort von Dag Hammarskjöld, das Wolfgang und mir viel bedeutet. Vielleicht freut es ja auch den Einen oder Anderen von Ihnen:

«Reife: auch
— seine Stärke nicht verbergen
und nicht aus Scheu, sie zu zeigen,
unter seinem besten Vermögen leben.»
(aus Dag Hammarskjölds Tagebuch Zeichen am Weg)

Am Sonntag - also übermorgen - sind Sie zum Morgengottesdienst (10 Uhr) und zur Abendfeier (18 Uhr) in die Stadtkirche Liestal eingeladen. Am Morgen feiern wir den Gottesdienst mit junger Musik (Bernd Vogel am Klavier und Karen Brubaker mit Querflöte und Beatbox). Am Abend schauen wir wieder hin, wo Gott wohnt: «Und Jesus sprach zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist?» (Lukas 2, 49). Die Musik spielt die Gitarristin Judith Bunk. Ich freue mich sehr auf beide Gottesdienste.


Donnerstag, 8. März 2018
Ulrike schreibt: Ich habe heute eine Frau mit Demenz besucht. Ich kannte sie bisher nur vom Sehen. Sie ist noch jung, keine siebzig und hat etwas Strahlendes. Das Gespräch war freundlich und rege, obwohl mir auf der Sachebene nicht klar war, worüber wir reden. Das hat aber nichts gemacht.

Auf einmal hält die Frau inne, schaut mich an und sagt zu mir: «Sie sind schön.» Huch, habe ich mich gefreut! Ich habe ihr gesagt, dass auch sie ein schönes, freundliches Gesicht hat. Daraufhin hat sie sich auch gefreut und wir haben uns beide gefreut. Zuhause habe ich Wolfgang von der Begegnung erzählt. Ich rätsle immer daran herum, warum die Worte der Schwachen eine so grosse Kraft haben. Wolfgang hat daraufhin etwas Interessantes gesagt. Er meinte: Die Frau hat dich gesegnet. Sie hat Gutes über dir ausgesprochen. ... Wenn man das Gute nicht benennt, dann beginnt es zu verschwinden. Es braucht Menschen, die das Gute beim Namen nennen.


Mittwoch, 7. März 2018
Ulrike schreibt: Manchmal gehen mir Sätze nach, die jemand gesagt hat. Ich denke wie unbewusst an ihnen herum, bis mir klar wird, was an ihnen nicht stimmt. Solch ein Satz fiel beim Pfarrkapitel neulich - siehe den Eintrag vom 28. Februar. Dass es doch etwas Tolles sei, alle möglichen - auch ortsfremden - Flyer in der Kirchgemeinde aufzulegen und den Leuten die Wahl zu geben, an welchen Veranstaltungen sie teilnehmen. .... Woraufhin die anwesenden Pfarrpersonen leicht befremdet geguckt haben. Aber was soll man sagen? Es kommt ja nicht gut, wenn man gegen Vielfalt des Angebots ist, oder?

Mir scheint, dass sich Menschen - auch unsere eigenen Gemeindemitglieder - aus der Kommunikation über Massenverteiler zunehmend verabschieden. Dass sie nur noch ausgewählte Flyer mitnehmen, kaum noch elektronische Rundbriefe oder Werbemails lesen und bei Kommunikationsangeboten eher zum Deabonnieren als zum Abonnieren neigen.

Meines Erachtens bahnt sich ein Rückzug in die Privatheit an. Um diese Privatheit herum wird eine Mauer gebaut. Das fällt mir bei den Häusern in Liestal auf. Neubauten sehen oft aus wie moderne Festungen. Ohne Fenster zu Strasse, ohne Einblick in den persönlichen Raum. Das ist nicht nur eine architektonische Tendenz, sondern Menschen schützen in gleicher Weise ihr soziales Leben. Sie schützen sich und ihre Familie davor, sich ausstellen, rechtfertigen, ständig ins Gespräch bringen zu müssen. ... Meines Erachtens wird sich auch die Kommunikation am Ort nochmals sehr verändern. Wobei es zuerst die gesellschaftlich Erfolgreichen sind, die es sich leisten können, ihr soziales Leben zu schützen. Wenn das tatsächlich so ist, stellt sich die Frage, was das für die Kommunikation unserer Kirchgemeinden mit unseren Gemeindemitgliedern heisst. ... Mehr Gedanken dazu schreibe ich später.


Dienstag, 6. März 2018
Ulrike schreibt: In der kirchlichen Tradition heisst der kommende Sonntag Laetare, übersetzt: Freue dich. Wir sind jetzt in der Mitte der Passionszeit und Ostern leuchtet bereits auf. Der Gottesdienst am Sonntag beruht auf zwei biblischen Texten - auf Johannes 12 und auf Philipper 1.

Als die Griechen (Johannes 12,20) auf Jesus zukommen, ist das für Jesus - von Jesaja 11,10 her - das Zeichen, dass jetzt sein Leiden beginnt. Jesus sagt darum:

«Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn (= er selbst) verherrlicht wird.» - Verherrlicht kann unterschiedlich übersetzt werden: als ehrend hoch gehoben werden, aber auch als gekreuzigt werden - Jesus fährt fort: «Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.» (Johannes 12,20-24)

Indem Jesus leidet, geschieht etwas. Es geschieht nicht am Leiden vorbei. Das ist die Pointe des Sonntags. So ist das auch bei Paulus. Er erzählt von seinem Leiden. Er schreibt aus dem Gefängnis (Philipper 1, 12-21), also aus einer faktisch unerfreulichen Situation. Und trotzdem klingt der Briefabschnitt nicht traurig. Warum nicht?


(1) «Weil ich euch in meinem Herzen habe»
Paulus ist mit den Freunden in Philippi verbunden. Er hat Brüder und Schwestern - Menschen, mit denen er zusammengehört, die an ihn denken. Er weiss, dass sein Weg von ihrer Liebe zu ihm und ihrem Gebet für ihn getragen ist. ... Mir hat neulich ein Arzt, der aus der östlichen Türkei kommt, gesagt: «Die Menschen in der Türkei brauchen Öffentlichkeit. Sie brauchen Menschen, die um sie wissen, an sie denken, die ihr Schicksal wahrnehmen.» Es seien Zehntausende, die in Gefängnissen verschwinden, ohne dass jemand um sie weiss. Er selbst könne nicht ohne Gefährdung in seine Heimat reisen, aber Menschen wie ich können - und sollten - das tun.


(2) «Sie sind umso kühner geworden»
Die Gefangenschaft von Paulus löst bei den Glaubensgeschwistern etwas aus. Sie werden mutiger. Vorher hat vor allem Paulus öffentlich von Jesus erzählt. Paulus hat das Gespräch mit allen möglichen Menschen geführt. Jetzt werden auch andere Gemeindemitglieder aktiv. ... Das finde ich interessant: Wir wachsen an den Menschen, die uns mit ihrer Liebe zum Evangelium vorausgehen. Denen können wir es dann nachmachen.


(3) «Das ist zur grösseren Förderung des Evangeliums geschehen»
Paulus meint, dass sein Schicksal etwas sichtbar werden lässt. Was ist das? Das Evangelium von Jesus rückt ins Zentrum, wird gross (griechisch: megaluno) und deutlich sichtbar - wenn man Paulus anschaut (Vers 20). Jeder sieht: Das Evangelium von Jesus ist so kostbar, dass Menschen wie Paulus bereit sind, Nachteile zu erleiden. Menschen ertragen auch heute um des Evangeliums willen Nachteile und Leiden. ... Und es gibt Menschen, die nicht Christen sind, aber ebenfalls um etwas Grösseren willen persönliche Opfer bringen. Wieviele Journalistinnen und Journalisten in der Türkei nehmen Nachteile in Kauf, weil sie sich der Regierungs-Doktrin nicht beugen wollen? Die Meinungsfreiheit ist ihnen kostbar. Ich hoffe, dass die deutsche Regierung dem Druck des türkischen Aussenministers Çavuşoğlu nicht nachgeben wird, der heute in Berlin ist.


Freitag, 2. März 2018
Ulrike schreibt: Gestern früh bin ich - weil Schnee lag und noch nicht geräumt war - zu Fuss in die Kirchgemeinde gegangen. Ich bin ausgerutscht und so was von der Länge nach hingeflogen. Ich war mir nicht sicher, ob ich alleine wieder aufstehen kann. Bücken geht immer noch nicht ... Was eine Überleitung dafür ist, dass Wolfgang vorgestern aus dem Bruderholz-Spital entlassen worden ist und sich an Krücken durch die Gegend hangelt. In Sachen Mobilität ist es gerade sehr mühselig und auch aufwändig. What to say? Zumindest verstehe ich die Leute besser, denen es auch so geht. Die auch mit ihrem Nicht-Können umgehen müssen. Das ist eine ziemliche Leistung - und wahrscheinlich auch eine Gnade - wenn man mit dem eigenen Nicht-Können gut umgehen kann. ... Heute habe ich nicht viel in der Gemeinde zu tun: zwei Artikel für das Liestal Aktuell und für ein anderes Blatt muss ich schreiben.


Donnerstag, 1. März 2018
Ulrike schreibt: Vielen Dank für die Gedanken und Beobachtungen, mit denen Sie auf meinen Eintrag von gestern reagiert haben. Manche schreiben, dass es nicht leicht sei für sie, bevormundendes Verhalten zu erkennen. Sie würden die eigene Sichtweise und das eigene Urteil oft der Sichtweise und dem Urteil der Anderen unterordnen.

«Du hast mir gerade sehr geholfen mit deinen Gedanken. Ich greife jetzt das heraus, was mich angesprochen hat: Es ist gut gemeint. ... Jemand weiss schon vorher, was gut für die Gemeinden (= für mich) ist. ... Es wird nicht gefragt, ob und welche Hilfe wir brauchen (= ich brauche). Ich bin momentan und immer wieder sehr unter Druck wegen XY. Es hilft enorm, wenn dann jemand solche Gedanken teilt wie du. Denn in mir kommen solche Gedanken und Fragen auch auf. Ich frage mich aber immer wieder verwirrt, ob es sich so verhält, wie ich denke.

Kurz zusammengefasst: deine Zeilen tragen dazu bei, mir selbst mehr zu vertrauen, sicherer zu werden in Bezug auf meine Bedürfnisse, mich abzugrenzen. Du hast einfach eine gute, klare Sprache!

Du schreibst, dass unsere Gesellschaft aus Menschen besteht, die überwiegend selbst denken und vor allem selbst entscheiden. Überwiegend? Ist das wirklich so? Vielleicht ist das in deinem Umfeld so. Wenn ich meine Kinder fragen würde, würden sie dir wahrscheinlich auch zustimmen. ... Aber dann denke ich an die vielen gebrochenen Biografien, an meine eigene, und dass wir uns gerade dieses «selber Denken und Entscheiden» hart erkämpfen müssen. Es wird uns so oft nicht zugestanden. Dann frage ich mich, ob das Wort «überwiegend» nicht doch eher auf Menschen wie mich zutrifft. ...» So weit das Mail. Danke!

Wie kann ich das lernen - mir und meiner Wahrnehmung zu vertrauen? Wie kann ich prüfen, ob ich richtig wahrnehme? Die FBG (Fritz-Blanke-Gesellschaft) bietet am 26. Mai 2018 einen Studientag in diesem Themenfeld an. Es geht um eine heute weitgehend vergessene Gabe: das Unterscheiden der Geister. Wie ist das, wenn wir uns entscheiden müssen? Oft merken wir erst in der Rückschau, ob wir uns richtig entschieden haben. Die christliche Tradition meint, dass man das vorher wissen kann und soll. Sie nennt das die Kunst der Unterscheidung der Geister. Was also weiss die Tradition darüber? Was können wir von ihr lernen?

Inhalt: Spurensuche im Alten und Neuen Testament, Unterscheidung als geistliche Gabe und als rationale Aufgabe; eine Grundunterscheidung (Römer 8,14f); Entfaltung bei den Wüstenvätern, Teresa von Avila, Johannes vom Kreuz, Ignatius von Loyola und Martin Luther; ein moderner Entwurf (C. S. Lewis). Den Flyer finden Sie hier: STUDIENTAG 2018 UNTERSCHEIDEN Das ist doch spannend, oder?


Mittwoch, 28. Februar 2018
Ulrike schreibt: Wir haben uns diese Woche als Kolleginnen und Kollegen, nämlich als Pfarrkapitel im Baselbiet getroffen. Das ist etwas Schönes, denn wir sind engagierte Pfarrerinnen und Pfarrer, die mit Herzblut und miteinander in ihren Gemeinden arbeiten. Nicht jede/ jeder arbeitet mit jedem zusammen, aber wir bilden regionale Zentren und Bewegungen. Von manchen Kolleginnen und Kollegen und ihren Gemeinden lerne ich viel - ich schaue zum Beispiel immer wieder aufmerksam nach Bubendorf und Lausen.😀 Was aber nicht heisst, dass es nicht auch woanders gut ist!

Uns wurde das neue Erwachsenenbildungskonzept unserer Kantonalkirche vorgestellt. Verwirrend daran ist, dass es wirklich gut gemeint ist: Die Kantonalkirche will den Ortsgemeinden mit ihren Bildungsangeboten helfen und deren Angebote ergänzen. Wir sollen und dürfen unsere Gemeindemitglieder zu Veranstaltungen der Kantonalkirche schicken. Es wird aber nicht gefragt, ob wir Hilfe und welche Hilfe wir brauchen. Da weiss jemand schon vorher, was gut für die Gemeinden ist.


(1) Menschen ordnen sich faktisch selbst zu
Auf Gemeindeebene funktioniert solch ein Kommunikationsverhalten gar nicht. Wenn ich als Pfarrerin zu wissen meine, was gut für die Menschen ist, dann erreiche ich tatsächlich nur diejenigen, die darauf angewiesen sind, das gesagt zu bekommen. Diejenigen aber, die selbst gut unterwegs sind im Leben, die selbst hingucken und selbst entscheiden - die erreicht man nicht. Auch nicht, wenn man ihnen helfen will. Oder wenn man spirituell ergänzen will, was ihnen angeblich fehlt. Bevormundung, auch gut gemeinte, funktioniert heute nicht mehr.

Unsere Gesellschaft besteht aus Menschen, die überwiegend selbst denken und die vor allem selbst entscheiden. Menschen ordnen sich heute faktisch selbst zu. Sie fühlen sich dabei von bestimmten Personen («Wer geht da ausser mir noch hin?»), von kulturellen Ausdrucksformen («vor allem wegen der Musik»), von Sicht- und Denkweisen («Die sind nicht so engstirnig») angezogen. Dass jemand das Evangelium hören kann, das können wir eh nicht machen. Es ist Gott, der uns und anderen Menschen das Hören schenkt und uns zu sich zieht.


(2) Kirchliche Arbeit beruht auf Beziehungen und Vertrauen
Menschen nehmen an unseren Bildungsangeboten teil, weil sie in Beziehung zu denen stehen, die sie durchführen. Sie kommen zu unseren Kursen, weil sie uns kennen und weil sie uns vertrauen. Sie haben erlebt, dass die Veranstaltungen, zu denen wir einladen, Qualität haben. … Was ja auch kein Wunder ist!😎 Bei wem die Erwachsenenbildung gut läuft, der hat auch eine Menge investiert: sich selbst, seine Zeit, Interesse an Menschen, Freundschaft und Netzwerken.

Beziehungen und Vertrauen lassen sich nicht einfach an Dritte übertragen. Wenn Menschen XY hören wollen, weil es letztes Mal so gut für sie war, dann kann ich sie nicht zu ZZ schicken. Beziehungsweise: ich kann schon, aber sie gehen nicht hin. … Es geht ihnen ja nicht zuerst um ein Thema oder um blossen Wissenserwerb. Wir sind heute eine Wissensgesellschaft. Man findet an jeder Ecke Zugang zu jeder Art von Wissen. Über die spirituelle Dimension von Sterbebegleitung zum Beispiel kann ich mich in Liestal auch in der Kantonsbibliothek oder dem Kantonsspital oder beim Roten Kreuz bilden lassen. ... Wenn Menschen zu uns in die Kirche kommen, um sich zu bilden, dann nicht, weil wir besser sind als die anderen Einrichtungen. Sondern Menschen kommen, weil sie uns kennengelernt haben und Vertrauen zu uns persönlich und in die Qualität unserer Beiträge haben.


(3) Die Möglichkeiten der Menschen ernstnehmen
Fast jede und jeder hat heute ein begrenztes Budget an Zeit und Kraft. Die Menschen, mit denen ich zu tun habe, kommen vielleicht 2x im Jahr zu einer Reihe von Erwachsenbildungsabenden. Der Gedanke, dass man sie zusätzlich noch hierhin und dorthin einladen kann, hat keinen Anhalt an der Realität. Das funktioniert nicht. Die Leute wählen von ihrem Zeit- und Kräftebudget her sorgfältig aus, wohin sie gehen. Wenn ich den Ort XY so gut bewerbe, dass unsere Gemeindemitglieder tatsächlich dahin gehen, dann lasse ich konsequenterweise die eigene Veranstaltung ausfallen. Und das will gut überlegt sein. Unsere Gemeinde will ja die Beziehungen und Freundschaften pflegen.


(4) Jeder will bilden, aber keiner will kommen
Wir haben eine grosse Zahl von Kirchenleuten, die andere fortbilden wollen. Wir haben aber einen kleinen Pool an Menschen, die an unseren Veranstaltungen tatsächlich interessiert sind. Wenn ich selbst an eine kirchliche Weiterbildung gehe, dann sehe ich, dass weitgehend immer dieselben Menschen kommen. Die potenziellen Teilnehmer/innen sind - böse gesprochen - zu einer begehrten Ware geworden, die von hier nach da geschoben wird.

Es kann nicht sein, dass Hauptamtliche - um selbst mehr Teilnehmende zu haben - unabgesprochen ihren Einzugsbereich erweitern und die eigenen Veranstaltungen mit den Menschen aus den Nachbarorten füllen. Bzw. man kann das tun, aber dann bitte im Gespräch mit den Kolleginnen und Kollegen der andern Orte.


(5) Was tun?
Als Kirchgemeinden suchen und pflegen wir den Kontakt mit den Menschen. Das ist das wichtigste und das machen wir jetzt schon. Wer selbst nicht mit Menschen unterwegs ist, wer selbst nicht zu ihren Veranstaltungen, Konzerten, Vernissagen usw. geht, keine Freundschaften und Netzwerke pflegt, der wird wenig Publikum für seine eigenen Angebote haben. Leben beruht auf Wechselseitigkeit, auch geistliches Leben. Um die kann man sich bemühen. Dass Menschen bei uns und in unseren Veranstaltungen Gott finden - bzw. von Gott gefunden werden - das wird geschenkt. Das lässt sich nicht organisieren.



Dienstag, 27. Februar 2018
Ulrike schreibt: Wolfgang und ich haben im letzten Jahr mehrmals einen Kurs Meine geistliche Biografie angeboten. Weil wir ausgesprochen viel Rückmeldung bekommen haben und immer noch bekommen, wird es im Sommer 2018 ein weiteres Kurswochenende geben. Es findet vom 29. Juni bis 1. Juli 2018 in Moscia, in Ascona, statt. Veranstalterin für das Kurswochenende ist die VBG.

Wer ein paar Tage an einem ausgesprochen schönen Ort verbringen möchte und sich selbst und Gottes Führen besser verstehen möchte, ist herzlich eingeladen:

◦ Was ist eine Biografie?
◦ Wer deutet mein Leben?
◦ Fakten und Deutungsmuster
◦ Biografie und Gottesbild
◦ Spuren Gottes in meiner Geschichte
◦ Gottes ‚roter Faden’ in meinem Leben?
◦ Segen und Fluch in der Biografie
◦ Unterbrüche und Abbrüche …

Wenn Sie Hilfe bei der Planung der An- und Abfahrt brauchen, können Sie sich gern an mich wenden. Hier ist der Link zum Flyer: Biografie-Moscia-2018


Mittwoch, 21. Februar 2018
Ulrike schreibt: Wolfgang ist heute früh nochmals an der Hüfte operiert worden und die ‹Pfanne› ist nochmals ausgetauscht worden. Mittlerweile habe ich den Eindruck, dass ich nicht nur das Kantonsspital Liestal und das Uni-Spital Basel ganz gut kenne, sondern jetzt auch das Bruderholz-Spital. Es ist noch ganz lustig, dass ich in jeder Spital-Caféteria beim Bezahlen als Mitarbeiterin eingeordnet werde. Ich scheine mich ganz gut an das jeweilige Umfeld zu assimilieren ... 😀

Morgen bin ich in der Kirchgemeinde unterwegs mit einer Beerdigung, einem Altersheimgottesdienst und einer Sitzung. Am Samstag, dem 24. Februar 2018, bin ich Referentin bei einem Frauenfrühstück, zu dem ich herzlich einlade: Gott führt - aber wie? Von Entscheidungen und Vertrauensschritten. Ort ist die Freie Evangelische Gemeinde Grosshöchstetten und Beginn ist um 9 Uhr. Mehr Infos finden Sie hier: www.kapelle.ch/index.php/erwachsene/anlaesse/frauenfruehstueck


Samstag, 17. Februar 2018
Ulrike schreibt: Am 17. März - in genau vier Wochen - beginnen die diesjährigen Schweige-Exerzitien mit Wolfgang in Rasa. Sie gehen vom 17. bis zum 22. März 2018 (Samstag bis Donnerstag) und es sind noch ein paar Plätze frei. In den Exerzitien wird jeweils ein Psalm betrachtet. Das ist im März der Psalm 116.

Wolfgang stellt ihn unter das Thema ENTTÄUSCHUNG — RETTUNG … und wie man darüber reden sollte. Der Beter hat die Überzeugung, dass Gott gut ist. Aber das Leben scheint ihm das Gegenteil zu beweisen. ... Was nun? ... Wolfgang meint, dass man nicht an der Enttäuschung vorbei leben darf, sondern durch die Enttäuschung hindurch gehen muss. Wie kommt man von der unreflektierten Überzeugung, dass Gott ‹gut›, ist zu einer vertieften und echten Erfahrung, dass Gott ‹gut› ist?


Freitag, 16. Februar 2018
Ulrike schreibt: Diesen Sonntag werde ich über die Versuchung Jesu predigen. Wer mitlesen möchte: Die Geschichte wird in Matthäus 4,1-11 erzählt. Fast im selben Moment, in dem Jesus seinen Weg als Gesalbter/ Messias/ Christus beginnt, tritt ihm bereits der Versucher entgegen. Der sucht ihn von seinem Weg abzubringen, noch bevor Jesus überhaupt richtig gestartet ist.

Versucht zu werden heisst, dass man abgebracht werden soll von etwas, was kostbar ist und was zum Herzen des eigenen Lebens gehört. Wovon soll Jesus abgebracht werden? Unmittelbar vorher, als Jesus in den Jordan steigt, um getauft zu werden (Matthäus 3,16-17), heisst es:

«Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf,
und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen.
Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach:
Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.»

Die Wortwahl hier ist nicht zufällig. Jedes Wort atmet, dass sich jetzt Jesaja 42,1-9 erfüllt. Ab jetzt wird alles zurecht gebracht.

In diesem Jahr werde ich drei Aspekte des Versuchtwerdens heraus heben. Es gibt meines Erachtens genau drei Weisen, durch die wir von unserem Eigenen, von unserer Berufung, abgebracht werden können. Das sind die

◦ Bedrohung/ Einschüchterung
◦ Verführung/ Verlockung zu etwas scheinbar Besserem
◦ Enttäuschung

Nicht jeder von uns ist in gleicher Weise anfällig. Manche von uns sind völlig resistent gegenüber Bedrohungen. Sie knicken aber sofort ein, wenn sie umworben und am Gewinn beteiligt werden. ... Dass auch Enttäuschung dazu führt, dass Menschen sich von dem abwenden, was ‹Ihres› ist, ist mir selbst noch recht neu. ... Herzliche Einladung, wenn diese kleine Skizze Sie neugierig gemacht hat.


Mittwoch, 14. Februar 2018
Ulrike schreibt: Heute ist Valentinstag. Früher konnte ich mit dem nichts anfangen, heute finde ich ihn ganz schön, weil er zu einer Bestandsaufnahme einlädt. Im Talmud heisst es:

«Wer ist reich? Jeder, der eine gütige Frau hat.» (b Schabbat 25)

«Man soll für Essen und Trinken weniger ausgeben als man hat,
für Kleidung so viel wie man hat
und für die Frau mehr als man hat.» (b Chullin 84)

Das gefällt mir gut 😀 Hier wird bewusst das ‹Rechnen› beiseite gelegt und nur das ‹Mehr› erscheint als angemessen für den geliebten Menschen. ... Manche von euch wissen, dass Wolfgang am Montag an der Hüfte (zum vierten Mal) operiert worden ist. Im Vergleich zum letzten Jahr sind das Peanuts - aber man weiss ja nie. Damit er nicht wieder an einer Sepsis erkrankt, hängt er prophylaktisch am Tropf für Antibiotika. ... Ich selbst bin mit pfarramtlichen Dingen beschäftigt. Zum Beispiel habe ich Beerdigungsbereitschaft und führe Gespräche, ich habe morgen und in der nächsten Woche Gottesdienste im Altenpflegeheim und am Sonntag feiern wir Gottesdienst in Liestal (9.30 Uhr) und in Seltisberg (11 Uhr).


Sonntag, 11. Februar 2018
Ulrike schreibt: Gestern waren Wolfgang und ich im Theater Basel in Die schwarze Spinne. Jeremias Gotthelf hat 1842 eine Nouvelle geschrieben: Bauern im Emmental werden geknechtet und sehen keinen Ausweg, ihrer Not zu entkommen. Sie schaffen es einfach nicht. Da bietet der Teufel ihnen an, ihre Not zu wenden, wenn er dafür ein neu geborenes ungetauftes Kind erhält. Die Bauern sträuben sich, dann stimmt eine Frau aus der Dorfgemeinschaft zu und alle sind erleichtert. Ihnen ist geholfen - bis dann das erste Kind geboren wird. ... Ich fand es extrem spannend, v.a. das Setting der Erzählung: Die eigene Not ist nur dann zu lindern, wenn dafür Leben geopfert wird. Keiner will es, aber alle machen mit. ... Und die Frage: Wie lässt sich die losgetretene Dynamik - der Teufel verzichtet nicht - wieder stoppen?

In der Inszenierung von Tilmann Köhler wurde die Nouvelle Satz für Satz auf sieben Schauspielerinnen und Schauspieler verteilt: Sie haben gespielt, indem sie ‹erzählt› haben - in der dritten Person von sich selbst. Das hatte einen ziemlich Drive.

Heute ist Sonntag und wir bereiten den Bibel-Salon für morgen vor. Morgen lesen wir in Markus 3 und 4: Jesus nennt seine Jünger ‹Familie›. Er ruft Menschen als seine Familie zusammen. Was heisst das? Was versteht man in der römischen Antike unter einer Familie? Dann geht es darum, dass Jesus Gleichnisse erzählt. Warum macht er das und was sind Gleichnisse überhaupt? Wer morgen kommen möchte: Wir sind von Lukas und Stefanie Mattmüller in die Rütschetenstrasse 5 in Liestal eingeladen.


Montag, 5. Februar 2018
Ulrike schreibt: Für heute Abend, 20 Uhr, laden wir herzlich in den Bibel-Salon ein. Wer kann, möchte bitte vorher im Markusevangelium Kapitel 2,13 bis Kapitel 3,12 lesen. Als thematischen Schwerpunkt haben wir heute Gruppierungen zur Zeit Jesu: Sadduzäer, Pharisäer, Essener, Schriftgelehrte, Herodianer usw. … der Hohe Rat (Synedrium). Ort ist heute der Zirkelirain 15a in Liestal. Willkommen!


Samstag, 3. Februar 2018
Ulrike schreibt: Der Januar ist gut zu Ende gegangen. Ich bin für vieles dankbar, für die ersten Bibel-Salons und für die Offenen Abende. Ich habe die Offenen Abende zur Biografie als sehr dynamisch erlebt. Wir hatten eine schöne Mischung von Leuten da: Bekannte und Neue, Ältere und Jüngere und viele haben sich mit persönlichen Beiträgen beteiligt.


Bedarf an Vorbildern
Am letzten Abend haben wir über das Abschiednehmen gesprochen, besonders über Chancen des Abschiednehmens. Mir ist dabei etwas aufgefallen. Wenn ich von etwas Abschied nehmen muss, dann füllt sich die Leerstelle nicht automatisch. Dann kommt das Neue nicht ganz von allein. Vielmehr brauche ich Vorbilder, an denen ich mir anschauen und abschauen kann, wie man in einer neuen Lebensphase gut lebt. Zum Beispiel: Wie kann man das eigene Frau-sein auch im höheren Lebensalter (Abschied von der Jugendlichkeit) gut leben? Wie geht das, als Frau attraktiv zu bleiben? Oder: Wie kann man mit einer Krankheit gut leben (Abschied von der Gesundheit)? Usw.

Im Umgang mit Krankheit kann ich mir viel von Anderen abschauen. Diese Woche habe ich etwas Spezielles erlebt. Ich war im Thermalbad in Rheinfelden. Als ich im Warmwassersprudelbecken sass, stieg ein Mann mit einer Beinprothese die Stufen hinunter ins Wasser. Ich war beeindruckt davon, wie ‹organisch› die Prothese zum sonst sehr starken Körper passte. Erst, als der Mann wieder aus dem Wasser stieg, habe ich gesehen, dass der Mann auch keine Hände hat. Ich war verblüfft darüber, dass ich das nicht vorher wahrgenommen hatte. Das hat mich aufmerksam gemacht: Dass ‹Neues› entsteht - zum Beispiel ein neues Körpergefühl - wenn etwas ‹vergangen› ist, ist auch eine menschliche Fähigkeit/ Aufgabe. Man kann das gestalten, was man hat.


Danke sagen
Wir haben beim letzten Abend auch darüber gesprochen wie man loslassen kann. Wie kann man Abschiede gestalten? Einzelne haben gesagt: «Ich sage Gott danke - zum Beispiel für diesen Mantel - und gebe ihn dann weg.» Das Bild vom Mantel griff Wolfgang auf. Er sagte, dass er auch dem Mantel (!) danke sagen würde, wenn der ihm wertvoll gewesen war und gute Dienste geleistet hatte. Wolfgang erinnert an die Arie des Colline im 4. Akt der Oper La Bohème. Colline verabschiedet sich wehmütig von seinem geliebten alten Mantel. Er wird ihn ins Leihhaus geben, um Geld für die Behandlung der todkranken Mimi zu bekommen.

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Wolfgang meint, ‹der Mantel› sei ein Stück von Colline selbst geworden. So geht es uns mit einigen Dingen, von denen wir uns verabschieden müssen. Sie sind nicht nur ‹etwas›. Sie sind ein Stück von uns selbst geworden.


Abendfeier - morgen
Morgen Abend sind Sie herzlich zur Abendfeier in der Stadtkirche Liestal eingeladen. Wir haben als Jahresthema: ‹Wo wohnt Gott - von Orten drinnen und draussen›. Morgen betrachten wir die Nathansweissagung in 2. Samuel 7. König David will ein Haus für Gott in Jerusalem bauen. Nathan nimmt das ganz positiv auf. Gott selbst ergreift dann das Wort und sagt, dass ER dem David ein ‹ewiges› Haus bauen wird. Sehr faszinierend dieses Wechselspiel zwischen dem eigenen guten Wollen und dem, dass Gott selbst das Wesentliche an die Hand nimmt.


Montag, 29. Januar 2018
Ulrike schreibt: Wir waren am Wochenende beim Studientag der FBG, bei einer Familienfeier (ein Grosskind von Wolfgang wurde getauft) und einem Gottesdienst der Kirche Kreativ in Basel. Es war für uns ein wirklich schönes Miteinander und vor allem haben wir das Gefühl, mit vielen von Euch unterwegs sein zu dürfen.

Auch diese Woche gibt es mehrmals die Möglichkeit, einander zu sehen. Sie sind zweimal zu ‹Offenen Abenden› eingeladen:

◦ am Dienstag, 19.30 Uhr in die ev.-method. Gemeinde in Liestal: Wolfgang und ich sprechen über ‹Segen und Fluch in der eigenen Biografie›

◦ am Donnerstag, 19.30 Uhr in unsere ref. Kirchgemeinde: Stefan Gassler spricht über ‹Chancen des Abschiednehmens›

◦ Am Montag, dem 5. Februar, laden wir zum dritten Bibel-Salon ein, diesmal in den Zirkelirain 15a. Wir lesen Markus 2 und Themenschwerpunkt sind Gruppierungen zur Zeit Jesu (Sadduzäer, Pharisäer, Essener, Schriftgelehrte, Herodianer usw.). Auch wer neu einsteigen möchte, kann gern dazu kommen.


Montag, 22. Januar 2018
Wolfgang schreibt: Gestern haben die reformierte und die katholische Kirchgemeinde Liestal gemeinsam den Gottesdienst für die Woche zur Einheit der Christenheit gefeiert. Dahinter steht die Frage: Was muss Gott uns schenken - und was können wir dazu tun? Die Predigt zu Markus 5,21-34 hat Pfrn. Ulrike Bittner gehalten. Die Liturgie hat Pfr. Bernhard Schibli von der katholischen Schwestergemeinde gemeinsam mit Pfrn. Ulrike Bittner gestaltet.

Den Gottesdienst zum Thema GLAUBE, den Gott uns gibt können sie gleich hier anhören:



Für einen DOWNLOAD finden Sie diese Predigt auf der Seite DOWNLOADS: AUDIO und dort unter der Rubrik "VORTRÄGE UND PREDIGTEN". Zum Downloaden gehen Sie bitte auf dieser Seite ganz nach unten. Wenn die Schrift auf dem Bildschirm blau wird, sind Sie richtig. Dort - alphabetisch angeordnet - finden Sie die Aufnahme des Gottesdienstes unter dem Namen "2018 GLAUBE, den Gott uns gibt" (MP3-Datei: 19'45 Minuten; 6,78 MB)


Sonntag, 21. Januar 2018
Ulrike schreibt: Ich hatte ein schönes Wochenende in Liestal und Wolfgang hatte ein gutes Wochenende in Bruck an der Mur (dort ist er aufgewachsen) 😃. Wolfgang sitzt gerade im Flugzeug nach Zürich. Ich habe durch Zufall ein aktuelles Video einer Flugzeuglandung in Düsseldorf gesehen. Wer es auch sehen mag, kann das hier tun. Es lohnt sich!



In der nächsten Woche sind es gleich mehrere Anlässe, zu denen wir einladen:

Am Montag ist der zweite Bibel-Salon - diesmal nicht bei uns Zuhause, sondern in der Sichternstrasse 51. Wolfgang wird morgen das Markusevangelium, Kapitel 2 auslegen. Schwerpunktmässig geht es um die ‹Bedeutung der Heilungen›. Herzlich willkommen, auch an Neueinsteiger/innen!

Am Dienstag starten wir mit den Offenen Abenden. Zusammen mit der ev.-methodistischen Gemeinde haben wir das Thema ‹Meine Biografie - was ist das eigentlich?› gewählt. Am Dienstag laden wir in die Kirche der methodistischen Gemeinde ein, am Donnerstag um 19.30 Uhr in unser eigenes Gemeindehaus in der Rosengasse 1.

Am Samstag, dem 27. Januar, laden wir für einen ganzen Studientag ‹Meine Biografie - was ist das?› in's Nidelbad/ Rüschlikon ein (9.45-16.30 Uhr). Wer den Flyer der Fritz-Blanke-Gesellschaft nicht hat, findet die Informationen links auf unserer Seite bei ‹nächster Studientag›. Für den Studientag muss man sich anmelden, auch weil das Mittagessen inclusive ist.

Am Sonntag, dem 28. Januar, ist Gottesdienst der Kirche Kreativ in der Paulus-Kirche in Basel (18 Uhr). Das sind Künstlergottesdienste. Ich darf die Predigt («AUFBRUCH» — WIE, WOZU, WOHIN?) halten, die Musik macht Karen Brubaker mit Beat-Boxing und Flöte.

Im Mai/ Juni 2018 bieten Wolfgang und ich in unserer Kirchgemeinde einen ‹Predigt›-Kurs an. Hier ist ein Ausschnitt aus der Ausschreibung:

«Wir betrachten es als Zukunftsaufgabe unserer Kirchen, Gemeindemitglieder im Umgang mit der Bibel zu begleiten und zu qualifizieren. Wir führen die Teilnehmenden in das Betrachten biblischer Texte ein, befähigen sie, biblische Texte zu strukturieren und das Geschaute in freier Rede einfach und anschaulich zur Sprache zu bringen.

Es gibt Situationen, in denen Menschen gefragt werden «ob sie etwas sagen» können. Das kann bei einer Abdankung sein, einer Feier im Alters- und Pflegeheim, einem Hochzeitsjubiläum oder einem sonstigen Anlass. Dann sagen zu können: «Ja, das mache ich» und zu wissen, wie das geht und Freude an der Aufgabe zu haben, dazu hilft unser Kurs.» Den Flyer werden wir demnächst hier verlinken.


Donnerstag, 18. Januar 2018
Ulrike schreibt: Heute Abend gehen Wolfgang und ich in's Theater Basel, in die Oper Elektra. Das letzte Mal waren wir in ‹Die tote Stadt› von Erich Korngold, was ein grosses Erlebnis für mich war. Ich freue mich auf den Abend und hoffe, dass er wieder so inspirierend wird. Morgen fliegt Wolfgang dann in aller Frühe für das Wochenende nach Graz und besucht seine Schwägerin. Ich bleibe hier in Liestal und bin mir ‹Pfarramtlichem› beschäftigt.

Für Sonntag sind Sie in den Ökumenischen Gottesdienst in der Stadtkirche Liestal (10 Uhr) eingeladen. In der Predigt über Markus 5,21-34 schauen wir auf zwei Menschen: den Synagogenvorsteher Jairus und die Frau mit dem sogenannten Blutfluss. Es ist interessant, wie zielstrebig und gewiss sich beide sind, dass Jesus gerade ihnen persönlich Heilung bringt:

«Und als er (= Jairus) Jesus sah, fiel er ihm zu Füssen und bat ihn sehr und sprach: Meine Tochter liegt in den letzten Zügen; komm und lege ihr die Hände auf, dass sie gesund werde und lebe. Und er ging hin mit ihm.» (Vers 22-24)

«Denn sie (= die erkrankte Frau) sagte sich: Wenn ich nur seine Kleider berühre, so werde ich gesund. Und sogleich versiegte die Quelle ihres Blutes, und sie spürte es am Leibe, dass sie von ihrer Plage geheilt war.» (Vers 28-29)

Woher haben Beide diese Gewissheit? Da ist kein ‹Rätseln› darüber, ob und wie Jesus ihnen helfen wird. Was ist das für ein Glauben und woher kommt solcher Glaube? Manche würden sagen, dass diese beiden Menschen eben einen ‹grossen› Glauben haben, aber das führt auf eine falsche Fährte. Wir wissen, dass Glaube, der «klein ist wie ein Senfkorn», ausreicht. Nicht um die Grösse des Glaubens geht es, sondern darum, «wofür» (!) jemand Glauben bekommen hat. Solchen Glauben kann man nur in sich finden - weil er zuvor vom himmlischen Vater geschenkt worden ist. Darum sagt Jesus auch zur Frau «Meine Tochter, dein Glaube hat dich gesund gemacht; geh hin in Frieden und sei gesund von deiner Plage!».

Es ist wichtig, dass ich weiss, wofür ich von Gott Glauben bekommen habe. Und wofür ich keinen Glauben habe. Wer hier nicht unterscheiden kann, fängt an sich selbst oder Gott zu manipulieren. Dafür werde ich in der Predigt Beispiele nennen. Letztlich geht es in der Predigt darum, dass wir unterscheiden. Es gibt einen Glauben, der sich selbst nicht kennt und sich darum überschätzt - und der darum immer in die Enttäuschung führt. Und es gibt den Glauben, den ich in mir finde und den ich ernst nehmen darf und muss ... Klingt das spannend? Dann einfach kommen am Sonntag.😃


Sonntag, 14. Januar 2018
Wolfgang schreibt: Wir freuen uns schon sehr auf den Beginn des Bibel-Salons — morgen Abend um 20:00 Uhr bei uns am Küngelbrunnenweg. Herzlich willkommen. Bitte die eigene Bibel mitbringen. Informationen und Hilfsmittel finden Sie auf der Seite BIBEL-SALON

Die Impulse der heutigen Abendfeier in der Stadtkirche Liestal von Wolfgang J Bittner zum Thema WO WOHNT GOTT? können sie gleich hier anhören:



Für einen DOWNLOAD finden Sie diese Predigt auf der Seite DOWNLOADS: AUDIO und dort unter der Rubrik "VORTRÄGE UND PREDIGTEN". Zum Downloaden gehen Sie bitte auf dieser Seite ganz nach unten. Wenn die Schrift auf dem Bildschirm blau wird, sind Sie richtig. Dort - alphabetisch angeordnet - finden Sie diese Impulse unter dem Namen "2018-01 WO WOHNT GOTT?" (MP3-Datei; 26'43 Minuten; 9,13 MB)



Donnerstag, 11. Januar 2018
Ulrike schreibt: Seit Anfang der Woche bin ich in unserer Kirchgemeinde in Liestal und Seltisberg unterwegs. Ich nehme an Sitzungen teil, mache Besuche bei Gemeindemitgliedern, bereite mit anderen zusammen Gesprächskreise vor und leite selbst Gesprächskreise. Diesen Sonntag ist übrigens die erste Abendfeier des Jahres in der Stadtkirche Liestal (18 Uhr). Wir haben Wolfgang gebeten, an diesem ersten Abend im neuen Jahr den biblischen Impuls zu übernehmen: «Wo wohnt Gott? Vom Tempel draussen zum Tempel in mir.» Herzlich willkommen!

Heute Nachmittag feiere ich Gottesdienst im Altenpflegeheim Brunnmatt und am Abend haben wir Kirchenpflegesitzung (= Kirchgemeinderat 😯). Für die Einleitung werde ich einen Abschnitt aus Tagebuchnotizen von Edith Stein vorlesen. Es gefällt mir, wie Edith Stein mit den Erfahrungen ihrer Begrenztheit, mit ihrer eigenen Geschöpflichkeit umgeht.

Sie beginnt jeden Arbeitstag mit einer Zeit für die Anbetung Gottes: «Und wenn der Herr dann zu mir kommt in der heiligen Kommunion, dann darf ich Ihn fragen: ‹Was begehrst Du, Herr, von mir?› (hl. Teresia) Und was ich nach stiller Zwiesprache als nächste Aufgabe vor mir sehe, daran werde ich gehen.» Edith Stein erzählt von ihrem Tagesablauf als Lehrerin, und wie sie immer wieder versucht, kurz innezuhalten, bis dann der Abend kommt:

«So wird es den Rest des Tages weitergehen, vielleicht in grosser Müdigkeit und Mühseligkeit, aber in Frieden. Wenn die Nacht kommt und der Rückblick zeigt, dass alles Stückwerk war und vieles ungetan geblieben ist, was man vorhatte, wenn so manches tiefe Beschämung und Reue weckt, dann alles nehmen wie es ist, in Gottes Hände legen und ihm überlassen. So wird man in Ihm ruhen können, wirklich ruhen und den neuen Tag wie ein neues Leben beginnen.» Quelle: http://religionv1.orf.at/radio/erfuelltezeit/er010614.htm


Montag, 8. Januar 2018
Wolfgang schreibt: In den letzten Wochen habe ich mich ziemlich auf die Vorbereitung unserer BIBEL-SALON-Abende konzentrieren können. Nun freue ich mich sehr darauf, dass es in einer Woche damit losgeht. Zur Erinnerung: Auf der Seite finden Sie alle näheren Hinweise zu diesen Abenden. Zu den auf der Seite: BIBEL-SALON veröffentlichten bisherigen Hilfsmitteln zur eigenen Vorbereitung (Flyer zum Weitergeben: 2018-BIBEL-SALON-Januar-bis-Juni; neue Übersetzung des Markusevangeliums Die Gute Nachricht nach Markus-LEON; Verzeichnis von Parallelstellen Mark-Parallelen) habe ich heute noch eine kleine Anleitung zum Lesen biblischer Texte veröffentlicht, die man sich leicht herunterladen kann: BIBEL LESEN – einfache Schritte. Ich hoffe, dass sie für Ihre eigene Bibel-Lektüre hilfreich ist. In den nächsten Tagen wird noch ein kleines Verzeichnis weiterführender Bücher sowie eine Liste mit hilfreichen Internet-Seiten erscheinen.


Samstag, 6. Januar 2018
Ulrike schreibt: Gestern war ich zu Besuch in Eisenhüttenstadt. Ich habe einige Freunde und Gemeindemitglieder von früher besucht, und im grossen und ganzen hat das auch geklappt 😃. Ich habe es sehr genossen, euch wiederzusehen. Danke für euch!

Für die, die es nicht (mehr) wissen: Von 2001-2008 war ich Gemeinde- und Schulpfarrerin in Eisenhüttenstadt. Als Wolfgang und ich dorthin gezogen sind, hatte die Stadt etwa 41.000 Einwohner/innen - heute sind es noch etwa 24.000. Wo wir früher gewohnt haben - im ‹Plattenbau› an der Fürstenberger Strasse - ist heute eine Wiese mit einem NORMA Einkaufsmarkt drauf. Mir kam trotz der abgerissenen Wohngebiete alles merkwürdig vertraut und ‹nahe› vor, das hatte ich nicht erwartet. Was die evangelische Kirche betrifft, ist die sogenannte ‹Strukturreform› weiter voran geschritten. Der Kirchenkreis ‹An Oder und Spree› ist mit anderen Kirchenkreisen zusammengelegt worden und viele Pfarrstellen sind nicht wiederbesetzt worden.

Gemeindemitglieder vor Ort nehmen vieles selbst an die Hand. Sie teilen ihr Leben miteinander, treffen sich zum Bibellesen und Beten und engagieren sich für andere Menschen. In Eisenhüttenstadt haben sie das auch früher schon gemacht. Im letzten Herbst hat ein Team aus verschiedenen Kirchen zum Beispiel zu einer gemeinsamen Zelt-Evangelisation nach Eisenhüttenstadt eingeladen. Darüber habe ich schöne Geschichten gehört. Dass zwei Männer kamen und sich im Zelt suchend umgeschaut haben: Wo denn Jesus sei? Es sei doch gesagt worden, dass man ihn hier persönlich treffen könne ... (Nicht schlecht! 😃)

Wie geht es Christinnen und Christen, die die Verantwortung für ihr Gemeindeleben selbst in die Hand nehmen? Erleben sie die Leitung der Kirchgemeinde - die Kirchenpflege bzw. den Gemeindekirchenrat - als Hilfe und Unterstützerin? Oder kostet es zusätzliche Kräfte, sich im Namen der Kirchgemeinde zu engagieren? Interessanterweise entscheiden in einer Kirchgemeinde auch diejenigen mit, die sich an der gewünschten Aktion gar nicht beteiligen. Es muss ein Konsens mit allen gefunden werden, obwohl schon von vorneherein klar ist, wer sich für dieses Anliegen engagieren wird und wer das nicht tun wird.

Ich bekomme von Gemeindemitgliedern - und manchmal auch von Pfarrpersonen - erzählt: ‹Ohne› die Kirchgemeinde ist es ‹einfacher› - und vor allem schneller - als ‹mit› der Kirchgemeinde. Es wäre interessant, von Gemeindemitgliedern einmal zu hören, dass es anders herum ist! Dass sich Dinge beschleunigen, wenn man die Leitung der Kirchgemeinde fragt. Dass es leichter und fröhlicher zugeht, sobald man um Hilfe bittet. Dass weitere Menschen dazu stossen und das Team zu wachsen beginnt, wenn die Kirche dabei ist. Schreiben Sie mir Ihre Geschichte, wenn Sie genau das erlebt haben. Und wenn Sie davon erzählen möchten 💞


Donnerstag, 4. Januar 2018
Ulrike schreibt: Wolfgang und ich waren die letzten beiden Tage in Dresden. Hauptgrund war, dass ich meinen Studienurlaub (‹Kommunikation christlicher Minderheiten›) vorbereite. Prof. Harald Wagner von der Evangelischen Hochschule Dresden hat mir seine Hilfe angeboten und weitere Kollegen angefragt. ... Sie waren sehr freundlich, hilfreich und interessiert - vielen Dank dafür!

Wolfgang und ich haben haben bei der Gelegenheit ‹Freunde von früher› besucht - nämlich das Ehepaar, durch das ich Ende der 90er Jahre hauptberuflich zur ‹Studentenmission in Deutschland› gekommen bin. Ich war damals jung und gerade Pfarrerin in Berlin (in einem missionarischen Projektpfarramt) und sie waren Gemeindemitglieder und haben für die SMD gearbeitet. ... Gewohnt haben wir in Dresden nochmals bei einem anderen Paar, nämlich bei Freunden, die wir durch die Geschwisterschaft Koinonia kennen. Schon cool übrigens, in so einer schönen alten Villa mitten in Dresden zu leben 😀. Die beiden sind Ärzte und tragen Sorge für psychisch kranke Menschen. Da ist mir - abgesehen davon, dass wir es gut miteinander hatten (Danke auch hier!❤️) - etwas aufgefallen:

Wenn Wolfgang Vorträge über Heilung in christlicher Perspektive hält, dann sagt er, dass viele Menschen, die Heilung für sich erbitten, wieder hergestellt werden möchten. Sie möchten weitermachen können wie bisher - und Gott soll dabei helfen. Die Krankheit wird selten als Anlass verstanden, das bisherige Lebenskonzept und -ziel («Wo will ich eigentlich hin?») vor Gott anzuschauen. Gott soll helfen, dass man weiterleben kann wie bisher. Solch ein Verständnis von Heilung kommt in der Bibel nicht vor. ... Wer als Ärztin oder Arzt in der Psychiatrie oder Psychotherapie arbeitet, macht oft ähnliche Erfahrungen: Menschen wollen wieder ‹funktionieren›, den Platz wieder einnehmen, den sie früher einmal eingenommen haben. ... Ich will nicht darüber urteilen, ich verstehe das. Mir scheint aber die Frage, worum es bei der Bitte um Heilung eigentlich geht, eine wichtige Frage.

Ich bin immer beeindruckt, wenn ich Menschen treffe, die zu ihrer Krankheitszeit - für die es tausend Gründe geben kann - stehen, und die in der Folge tatsächlich neue Wege gehen.


Sonntag 31. Dezember 2017
Ulrike schreibt: Wolfgang und ich wünschen Euch und Ihnen einen guten Altjahrsabend und ein gesegnetes neues Jahr 2018! 🍶🍇💞 Wir beide machen an diesem Abend tatsächlich ‹nichts›, ausser dass wir irgendwann zu unserer griechischen Lieblingswirtin Athena in's Nachbarhaus hinübergehen werden. Ich habe die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr genutzt, um mir selbst mehr auf die Spur zu kommen.

Ich habe den Eindruck, dass ich einiges an Lebenskraft/ Energie für die ‹falschen› Dinge brauche. Hans-Joachim Maaz schreibt in seinem neuen Buch ‹Das falsche Leben. Ursachen und Folgen unserer normopathischen Gesellschaft› (2017) über das ‹falsche Selbst›. Persönlichkeitsstörungen entstehen Maaz zufolge in den ersten Jahren der Kindheit. Maaz unterscheidet das bedrohte Selbst, das gequälte Selbst, das ungeliebte, abhängige, gehemmte, vernachlässigte und das überforderte Selbst. Er beschreibt, welche Schutzmechanismen wir aufbauen, damit andere unsere spezielle Beschädigung/ Entfremdung nicht erkennen. Was tun wir alles, damit wir unserer eigenen Verletzheit nicht begegnen müssen?

Maaz' Anliegen ist es, dass wir unsere Verletzheit erkennen und damit auch die Kompensations- und Ersatzhandlungen, mit deren Hilfe wir unser Leben bewältigen. Das können zum Beispiel Süchte sein oder übermässige Leistungs- und Erfolgsorientierung. Maaz schreibt gut verständlich und einleuchtend, finde ich, und für psychotherapeutisch geschulte Menschen ist wahrscheinlich wenig Neues dabei. Aber um ‹neu› geht es ja nicht, sondern darum, der eigenen Verletztheit und den eigenen Mechanismen der Schmerz-Vermeidung auf die Spur zu kommen. ... Neu an Maaz' Buch ist, dass er eine Mehrheit der Bevölkerung für ‹geschädigt› hält und aufzeigt, dass wir unsere Schäden mittlerweile gesellschaftlich reproduzieren. Wir machen sie sogar zur Bedingung eines erfolgreichen Lebens. Wer ein Interview mit dem Autor lesen möchte, findet es online in: Der Tagesspiegel vom 27. Dezember 2017 (David Ensikat: Interview mit Hans-Joachim Maaz. Wir Deutsche sind Größenwahnsinnige).


NICHT IDEOLOGIE, SONDERN BEGEGNUNG
Mir ist wichtig geworden, was mir schon lange wichtig ist: Wir dürfen als Kirche nicht einfach eine neue Ideologie - und sei es auch eine ‹christliche› - anbieten. Es geht vielmehr um echtes Leben. Um die Begegnung mit Gott, mit sich selbst, mit anderen Menschen - das ist ein lebenslanges Unterwegssein. Die Bibel würde sagen: ein lebenslanges Lieben, lebenslange Freundschaft. Aber eben nichts Statisches. Maaz schreibt:

«Wie kommt man zu besseren Beziehungen? Zuallererst, indem man bei sich selbst anfängt. Es geht darum, sich selbst besser zu verstehen, das Sosein als ein Geworden-sein zu erkennen (...). Kaum einer geht diesen anstrengenden Erkenntnisweg aus Übermut. Viel stärker verbreitet ist die Neigung, sich in einer Krisensituation zu garantiert leichten Erfolgswegen verführen zu lassen. Der Markt bietet dazu eine Unmenge von ‹Erkenntnistrips›, die in aller Regel aber nur eine neue Entfremdung verkaufen, mehr profitinterssiert sind, als wirkliche Hilfe gegen das falsche Leben anzubieten. Man erwirbt sich mit ihnen oftmals lediglich eine neue Ideologie, verbunden mit dem zweifelhaften Privileg, sich im falschen Leben illusorisch und überheblich als ‹befreit› dünken zu dürfen.

Die mutige Selbsterfahrung, von der ich spreche, braucht zuerst Raum und Zeit und dann eine hilfreiche Aufnahmemöglichkeit. (...) Das sind Menschen, die vorbehaltlos zuhören, aufzunehmen und zu verstehen bereit sind. Es sind Beziehungspartner, die nicht bewerten, kritisieren, moralisieren, die keinen Rat geben, nichts besser wissen und sich nicht mit ihrer eigenen Erfahrung auf die des anderen draufsetzen. (...) Es ist eine der grössten menschlichen Leistungen, für den anderen dazusein, sich zur Verfügung zu stellen, dabei selbst keine Ansprüche zu haben, oder eigene Interessen zu verfolgen (...)» (Seite 118-119) Das können Maaz zufolge nur Menschen tun, die auch für sich selbst solche Begleitung entgegennehmen.


Mittwoch, 27. Dezember 2017
Ulrike schreibt: Wolfgang und ich verbringen ein paar freie Tage in Berlin. Der Anlass dafür ist, dass wir meine Familie treffen - ich komme ja ursprünglich aus Berlin.

In vieler Hinsicht habe ich 2018 schon vorbereitet oder zumindest angedacht. Im Herbst 2018 werde ich einen dreimonatigen Studienurlaub machen. In einem Studienurlaub kann man eigenen Fragen zu Theologie und Kirche nachgehen, die möglichst auch für das Leben der Gemeinde von Bedeutung sein sollten. Mein Thema - und zwar wirklich von Herzen ‹mein› Thema - sind Kirchen, die in ihrer Gesellschaft eine Minderheit darstellen.

Auf der Lausanner Konferenz für Weltevangelisation in Kapstadt 2010 hat Ziya Meral - ein türkisch-britischer Kulturbeobachter - über christliche Gemeinden in islamischen Gesellschaften gesprochen. Und zwar völlig anders, als ich es bisher gehört hatte. Er hat erzählt, dass viele Christinnen und Christen einen sozialen Tod sterben, weil sie durch ihre Bekehrung zu Jesus von der Teilhabe an der Hauptkultur ausgeschlossen werden.

Mich interessiert, was eine Minderheit dafür tun kann, dass sie nicht von der Hauptkultur stigmatisiert wird. Also: wie kann sie sich selbst treu bleiben, aber im gesellschaftlichen Kontext klug handeln? Ich denke, dass man durch Besuche und Befragung ‹entdecken› kann, wer da was ‹richtig› macht, bzw. welche Minderheitenkirchen ‹erfolgreich› kommunizieren. ... Mein Vorgehen soll sein, dass ich kleine Kirchen in Ostdeutschland, Österreich, Russland und einem muslimischen Land besuche. Und dass es parallel dazu eine Befragung auf breiterer Basis gibt.

Ich bin überrascht und dankbar, dass sich schon einige Menschen gefunden haben, die bereit sind, mitzuarbeiten. Es braucht vor allem Soziologen; Theologin bin ich ja selbst 😇 - und Freunde mit guten Beziehungen in's Ausland. Ich erzähle mehr, wenn die Planungen weiter vorangeschritten sind.


Montag, 25. Dezember 2017
Wolfgang schreibt: Man kann die Weihnachtsgeschichte gar nicht genug hören. Dabei staunen wir, dass man mit ihrer Hilfe wirklich immer wieder Neues hört: Neues für unser Leben und Neues für unsere Orientierung in unserer Zeit,

Sie können die heutige Weihnachts-Predigt von Pfrn Ulrike Bittner über Lukas 2 in der Stadtkirche Liestal
gleich hier anhören:




Für einen DOWNLOAD finden Sie diese Predigt auf der Seite DOWNLOADS: AUDIO und dort unter der Rubrik "VORTRÄGE UND PREDIGTEN". Zum Downloaden gehen Sie bitte auf dieser Seite ganz nach unten. Wenn die Schrift auf dem Bildschirm blau wird, sind Sie richtig. Dort - alphabetisch angeordnet - finden Sie die Predigt unter dem Namen "2017-WEIHNACHTS-GOTTESDIENST" (MP3-Datei; 34.09 Minuten; 11,72 MB)



Sonntag, 24. Dezember 2017
Ulrike schreibt: Wir wünschen Euch und Ihnen - allen, die in irgendeiner Weise mit uns unterwegs sind - ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest. Möchte die Freude an Jesus Christus in euch und in uns gross werden! Danke an alle, die uns Weihnachtspost geschickt haben. An den Beobachtungen eines Kollegen - das ist Uli B. - möchte (und darf!) ich euch hier Anteil geben. Er schreibt:

«Mit Flüchtlingen bin ich immer noch recht umfassend beschäftigt, obwohl sie eigentlich zu einem anderen Bereich gehören. Ein Afghanenbub kam und wollte sich taufen lassen. Warum er Christ werden wolle, fragte ich ihn. Weil der Islam so schlimm oder das Christentum so toll sei? «Weil der Islam so schlimm ist», meinte er. Und dann bricht es aus ihm heraus: «Ich will meinen Gott finden». Er beginnt mich regelmässig zu besuchen und wird dabei immer froher.

Nach ein paar Monaten fragt er, ob er andere mitbringen dürfe. «Ich hab denen gesagt, wie Jesus ist!» Ab da fungiert er bei mir als Dolmetscher und es ist ein Augenschmaus, wenn ich sehe, mit welch einer Emotion und welch einem Strahlen er übersetzt, wenn ich von der Liebe Gottes zu uns erzähle. Ich: steril-schwäbisch und er: freudig-farsi. Ich wollte ihn nicht selber taufen, da er in den Gottesdienst der Volksmission geht. Die sind offen für Fremde. Unsere Evangelischen (Zitat: «Ich war paarmal da, aber die Leute reden nicht mit mir») dagegen nicht. Die Volksmission taucht die Täuflinge unter, und er schickte mir sofort Videos vom Tauchen und eine absolut-happy Voice-Nachricht: «Ich bin sooo glücklich! Das ist mein Tag, jaaa ich freu miiich!» Ich bin heute noch gerührt, wenn ich das abhöre.

Zwei Wochen später kommt er. Ob ich mit ihm beten könne. Er habe Angst. Er glaube, Gott würde ihn strafen. Ich erschrecke. Bereut er die Konversion? Fürchtet er die Strafe Allahs? Haben wir einen Fehler gemacht, ihn zu früh getauft? «Neiiin», sagt er. Aber eine christliche Frau war auf ihn zugekommen, nach der Taufe. Sie hatte gesehen, dass er hinkt. Ein Autounfall vor 12 Jahren in der Heimat und schlecht operiert. «Gott will nicht, dass du hinkst, ausser er straft dich für irgendetwas. Irgendetwas muss in deinem Leben nicht in Ordnung sein...», sagte die Frau zu ihm.

Ich musste den Jungen bitten, mir den Namen der Frau nicht zu nennen. Ich war so unchristlich-zornig, am liebsten hätte ich ihr auch einen Grund zum Hinken gegeben. Sofort nach der Taufe!! Die ersten zwei Wochen seines (offiziellen) Christenlebens lebte der Junge mit dieser Furcht und liess sich quälen, bis er sich traute, zu mir zu kommen! (...)

Freunde, das ist nur ein Beispiel (kein Fake diesmal, leider) für manches, an dem ich momentan leide. Wir denken immer noch in den Kategorien ‹Mission› und ‹Evangelisation›. Die Ungläubigen müssten bekehrt werden. Ist das momentan wirklich dran? Zuallererst? Ich glaube nicht. Die Gemeinden haben weder die Kraft zu evangelisieren und noch weniger, diese Neuankömmlinge liebevoll und adäquat an Jesus heranzuführen. Das oben genannte Beispiel steht für herzlose Frömmigkeit. Mir fallen genügend weitere Beispiele ein! Euch nicht?

Wenn im Pfarrplan um Pfründe gerungen wird und nicht um Menschen, dann ist das herzlos. Wenn ein junger Mensch beim Lobpreis ekstatisch mit den Augen rollt, aber verkündet, dass er keine Kirche betritt, wenn die Orgel spielt – dann ist das herzlos. Denn auch da geht es um Menschen. Wenn in der XY Kirche am Sonntag vor dem Reformationstag nur 10 Besucher/innen da waren (bei über 4000 Gemeindegliedern) und weder die Pfarrer, noch der Kirchgemeinderat (= Kirchenpflege) darüber schockiert sind, dann ist das herzlos.

Ich mache mir Sorgen um meine Kirche. Und zwar mache ich mir Sorgen um die, die schon fromm sind! Nicht um diejenigen, die es noch werden sollen. Denn «herzlos» bedeutet ‹auf theologisch› immer «gottlos».» (Ende des Briefzitats)

Für Morgen ist - wer kann und mitfeiern möchte - um 9.30 Uhr in den Weihnachtsgottesdienst in der Stadtkirche eingeladen. Es wird ein eher schlichter Gottesdienst und wir feiern das Abendmahl. Damit Jesus und seine Liebe in uns Raum gewinnen:

«Eins aber, hoff ich, wirst du mir,
mein Heiland, nicht versagen:
dass ich dich möge für und für
in, bei und an mir tragen.
So lass mich doch dein Kripplein sein;
komm, komm und lege bei mir ein
dich und all deine Freuden.»

(aus: Ich steh an deiner Krippen hier, Paul Gerhardt, 1653)


Freitag, 22. Dezember 2017
Ulrike schreibt: Und schon biegen wir in die Kurve zum 4. Advent bzw. zum Heiligen Abend ein ...😀 Ich habe heute letzte Besuche vor Weihnachten gemacht. Jetzt wird es auch bei uns ruhig. Morgen werde ich den Gottesdienst für den ersten Weihnachtsfeiertag (25. Dezember, 9.30 Uhr in der Stadtkirche) vorbereiten. ... 🎄 Danke übrigens für all die Hinweise auf Weihnachtsgeschichten zum Vorlesen, die Sie/ die Ihr mir geschickt haben /habt. Ich habe mich für die Feier im Brunnmatt für ‹Als Weihnachten verboten war› von Lilija Tenhagen entschieden. Die Geschichte ist einfach und handelt vom Weihnachtsfest einer russlanddeutschen Familie in Lettland Anfang der 70er Jahre. Wer sie lesen mag, kann das hier tun: https://www-weihnachten.de/weihnachtsgeschichten/historische-weihnachtsgeschichten/als-weihnachten-verboten-war.htm

Ich werde am 25. Dezember über die klassische Weihnachtsgeschichte in Lukas 2 predigen. Mir ist etwas ganz neu aufgefallen. Jesus ist Mensch geworden, er ist einer wie wir geworden. Da ist aber überhaupt keine Berührungsangst zu uns Menschen zu spüren! Jesus gibt sich in die Hände von Menschen, das sind seine Eltern, die Hirten, die Dorfgemeinschaft in Nazareth. Jesus hat keine Angst davor, dass er - der Gottes Sohn ist - mit uns, den Sünderinnen und Sündern verwechselt wird, oder dass er sich bei uns ‹anstecken› könnte.

Ich denke, dass manche von uns Christinnen und Christen da ungleich mehr Berührungsängste als Jesus haben. Wir vermeiden die Nähe zu ‹komischen› oder sozial stigmatisierten oder schuldig geworden Menschen. Damit wir selbst nicht als ‹komisch› angesehen werden, stigmatisiert werden oder für schuldig gehalten werden. Die Angst davor, selbst für ‹nicht o.k.› gehalten zu werden, ist meines Erachtens gross. ... Jesus hat keine Angst vor Berührung, er hat keine Angst vor dem Urteil anderer Menschen. Paulus übrigens auch nicht. Das gefällt mir sehr.


Sonntag, 17. Dezember 2017
Ulrike schreibt: Wolfgang und ich waren für ein Familien-Wochenende im Berner Jura, genauer: im Hotel de la Chaux-d'Abel. Das liegt ziemlich einsam auf etwa 1000 m Höhe und mitten im Schnee. Mir ist zum ersten Mal aufgefallen, dass ich den Schnee vermisse. Es ist beruhigend, wenn alles um einen herum in Weiss getaucht ist - nur unterbrochen vom Dunkelgrün der Tannen. Wir haben das gemacht, was man als Familie so macht - zusammen spazierengehen, gut essen, spielen, singen und erzählen. ...

Wer Einsamkeit sucht, dem kann ich das Hotel de la Chaux-d'Abel sehr empfehlen. Es wird persönlich geführt und man fühlt sich in dem alten Haus mit dem vielen Holz, dem offenen Kamin usw. schnell Zuhause. Ich könnte mir vorstellen, eine Woche nur zum Lesen und zum Essen dahin zu ziehen. Was eine Überleitung dahin ist, dass ich von Petros Markaris Offshore (2017) gelesen habe ... Von Markaris habe ich bisher jeden ‹Kostas Charitos› Krimi gelesen, weil man ganz nebenbei viel über Politik und Befindlichkeiten in Athen erfährt.

Falls mir jemand helfen kann: Ich suche noch eine spannende und berührende Weihnachtsgeschichte für die Weihnachtsfeier im Altenpflegeheim Brunnmatt diese Woche. Wer eine gute Geschichte hat - nur her damit! 😀


Montag, 11. Dezember 2017
Wolfgang schreibt: Hier können Sie Ulrikes Predigt von gestern zum zweiten Advent anhören. Thema: DAS WIEDERKOMMEN JESU. Über dieses Thema, das traditionell an diesem Sonntag zu hören ist, wird eher selten gepredigt. Urteilen Sie selbst, wie nahe es unserem Leben ist.




Für einen DOWNLOAD finden Sie diese Predigt auf der Seite DOWNLOADS: AUDIO und dort unter der Rubrik "VORTRÄGE UND PREDIGTEN". Zum Downloaden gehen Sie bitte auf dieser Seite ganz nach unten. Wenn die Schrift auf dem Bildschirm blau wird, sind Sie richtig. Dort - alphabetisch angeordnet - finden Sie die Predigt unter dem Namen "2017-DAS WIEDERKOMMEN JESU" [22 Minuten, 7,53 MB].



Sonnabend, 9. Dezember 2017
Ulrike schreibt: Gestern bin ich zum Telefonieren an den Strassenrand gefahren, und dann ist das Auto nicht mehr angesprungen. Die Elektronik meldet, dass sie den Schlüssel nicht erkennt. ... Zuerst rufe ich XY an, mit denen ich 5 Minuten später verabredet bin, damit sie nicht auf mich warten. Sie fragen, ob sie kommen und helfen sollen. Ich: «Ja 😀» Dann gehe ich um die Ecke zur YZ-Tankstelle und frage, ob sie eine neue Batterie für den Schlüssel haben. Vielleicht ist ja nur die Batterie leer.

Dabei entsteht die Frage, wie man den Autoschlüssel aufbekommt. 3 Männer und die Tankstellenfrau beugen sich andächtig über den Schlüssel. Einer googelt ein Youtube-Video und findet tatsächlich eine Anleitung: ‹So öffne ich einen Nissan-Schlüssel.› Die Tankstellenfrau holt einen Kasten mit ein paar feinen Schraubenziehern. Mittlerweile sind XY angekommen und helfen auch. Sie bezahlen mir die Batterie (Danke nochmals!), denn ich habe mein Portemonnaie vergessen. Das Auto erkennt jetzt den Schlüssel, springt aber trotzdem nicht an, sondern zeigt eine andere Fehlermeldung. Also bleibt das Auto ersteinmal stehen und XY und ich nehmen unsere Verabredung wahr. ... Das war klasse, auf so viele freundliche und geduldige Menschen zu treffen. Danke❤️

Und morgen: Herzliche Einladung um 18 Uhr zur Abendfeier in die Stadtkirche. Hinterher: 🎄adventliches Zusammensein für die, die mögen.❤️❤️


Freitag, 8. Dezember 2018
Wolfgang schreibt: Endlich ist unsere Planung für den ersten BIBEL-SALON so weit. Den Flyer können Sie hier einsehen 2018-BIBEL-SALON-Januar-bis-Juni bzw. ganz unten auf dieser Seite auch herunterladen. Die zwölf Abende beginnen am 15. Januar 2018. Bis Juni lesen wir gemeinsam die ersten zwölf Kapitel des Markusevangeliums. Weitere Details sowie einige Hilfsmittel finden Sie auf der Seite Kurs - Seminar • BIBEL - SALON Sie finden diese Seite gleich hier.


Donnerstag, 7. Dezember 2017
Ulrike schreibt: Wir sind seit ein paar Tagen zurück in Liestal. Im Zug - der knapp 10 Stunden durch verschneites Land fuhr - habe ich von Joachim Meyerhoff ‹Die Zweisamkeit der Einzelgänger› (2017) gelesen. Das ist der vierte Teil seines autobiografisch gefärbten Romans. Den ‹Stoff›, den seine beiden Hauptfiguren - zwei seiner Ex-Freundinnen - liefern, finde ich ein bisschen dünn. Aber die Beschreibung des Theaterbetriebs in Kassel finde ich grossartig - und in ihrer Übertragbarkeit auf kirchliche Institutionen verblüffend.

Besuche machen
Ich habe in Liestal einige Besuche gemacht, und das werde ich auch heute wieder tun. Gestern ist Wolfgang für den Besuch eines Gemeindemitglieds in's Bruderholz-Spital mitgekommen. Wir haben für den Rückweg mehr als eine Stunde gebraucht ... Verrückt, wie voll die Strassen im Baselbiet mittlerweile sind. Am Abend haben Nachbarn unsere ganze Strasse - den Küngelbrunnenweg - zum adventlichen Punschtrinken eingeladen. Das ist schön - so sehen wir uns immer wieder einmal.

Bibelsalon vorbereiten
Wolfgang und ich bereiten den Bibelsalon ab Januar 2018 vor. Notieren Sie sich gern Montag, den 15. Januar, 20 Uhr, bei uns im Küngelbrunnenweg 1. Wolfgang wird mit uns das Markusevangelium lesen und wird die Auslegung jeweils an einer Stelle vertiefen. Man kann dann an einem Abend zum Beispiel etwas über ‹Messiaserwartungen im Judentum› lernen, am nächsten über ‹Heilungen und Wunder› usw..

Zweiten Advent feiern
Bis einschliesslich Sonntag ist bei uns in Liestal Weihnachtsmarkt. Als Kirchgemeinde haben wir den Martinstreff geöffnet, das Kerzenzieh-Atelier ist offen und am Samstag um 17 Uhr laden wir zum Adventssingen in die Stadtkirche ein. Ich feiere am 2. Advent die Gottesdienste in der Stadtkirche (9.30 Uhr) und in Seltisberg (11 Uhr mit Kirchenchor), ausserdem den Advent auf dem Friedhof (17.30 Uhr mit Bläsern) und die Abendfeier in der Stadtkirche (18 Uhr). Zur Abendfeier komme ich etwas später dazu ... 😀. Ihr merkt, dass ich am Vorbereiten bin. Am 2. Advent geht es - wenn man der kirchlichen Tradition folgt - immer um das zweite Kommen von Jesus Christus:

«Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres. Und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.» (aus dem Lukasevangelium, Kapitel 21)

Es gibt eine gute und lesenswerte Predigt von Prof. Michael Welker zu Lukas 21,25-33 (http://www.theologie.uni-heidelberg.de/universitaetsgottesdienste/0712_ws09.html) Gut scheinen mir zum Beispiel Welkers Ausführungen dazu, dass die Endlichkeit irdischen Lebens kein ‹religiöses Thema› ist, sondern Gegenstand naturwissenschaften Denkens. Das Besondere an der christlichen Perspektive ist, dass die von aussen hereinbrechende Katastrophe mit dem Kommen des himmlischen und göttlichen Menschensohns verbunden wird. Die Evangelien verbinden den unvorstellbaren Höhepunkt der Not - mit Trost.


Dienstag, 5. Dezember 2017
Wolfgang schreibt: In diesen Tagen wird der neue Freundesbrief der Fritz Blanke Gesellschaft, bei der ich zu 30% angestellt bin, versandt. Falls Sie ihn (etwa dreimal pro Jahr) erhalten möchten, melden Sie bitte Ihr Interesse bei marco.wuergler@nidelbad.ch. Dem Rundbrief liegt diesmal eine revidierte und erweiterte schriftliche Fassung des Vortrages «sola scriptura», also über das sogenannte Schriftprinzip der Reformation, bei. Ausserdem erhalten Sie den Flyer des nächsten Studientages am 27. Januar 2018 zum Thema «Meine Biografie — Was ist das?». Diesen Flyer können Sie auch hier herunterladen: 2018-01-STUDIENTAG BIOGRAFIE


Sonntag, 3. Dezember 2017
Ulrike schreibt: Heute ist unser letzter ganzer Tag in Graz. Wir geniessen das sonnige Winterwetter, das gute Essen und die viele freie Zeit. Besonders schön war es gestern auf dem Schlossberg: Man schaut von dort über die ganze Stadt. Und wenn man rechtzeitig einen Tisch reserviert, dann hat man auch beim Essen noch diesen grossartigen Blick ⛄️☀️

Jetzt, am Morgen, gehe - bzw. fahre - ich zum Gottesdienst in die Freie Christengemeinde - Pfingstgemeinde Graz. Ich war schon ewig nicht mehr in einer Freikirche. Zwei unserer Freunde sind dort Gemeindemitglieder geworden. Sie waren über Jahrzehnte hin treue und sehr engagierte Mitglieder der evangelisch lutherischen Kirche. Nun haben sie mit über 75 Jahren in die Freikirche gewechselt. Ich selbst war in den letzten Jahren zweimal im evangelischen (landeskirchlichen) Gottesdienst in Graz. Beide Male war es nicht gut: langweilig — das würde ja noch gehen. Aber: Ich habe beide Mal kein Evangelium gehört. Ich fand die Predigt einmal derart schlecht, dass ich es dem Pfarrer am Ausgang persönlich gesagt habe - und dann den ganzen Tag über ein schlechtes Gewissen hatte.

Wolfgang ergänzt: Ich war in diesem Gottesdienst mit dabei und kann Ulrikes Urteil nur bestätigen. Nicht ganz verstehe ich, dass Ulrike danach ein schlechtes Gewissen hatte. Im Grunde müsste es ja umgekehrt sein. Wahrscheinlich sollten noch viel mehr Gottesdienstbesucher den Predigenden regelmässig ein qualifiziertes Echo geben - negativ oder natürlich auch positiv … Als Beispiel: Als Jugendlicher habe ich regelmässig den Gottesdienst in meiner Kirchgemeinde besucht, da ich unseren väterlichen und ernsthaften Pfarrer gut mochte. Allerdings: Ich kann mich an keine einzige Predigt erinnern, die ich verstanden hätte. So hielt ich es sogar für normal, dass eine Predigt unverständlich ist. Wahrscheinlich kann sich jeder meine Überraschung vorstellen, als ich das erste Mal - an einem grossen Jugendtag in Salzburg - die Predigt von Anfang bis zum Ende verstanden habe. Ich wusste ja nicht, dass es so etwas überhaupt gibt. Es muss im Jahr 1965 gewesen sein. Noch heute sind mir die Grundzüge dieser Predigt gegenwärtig.

Ulrike schreibt weiter: Im Stadtmuseum habe ich mir die Ausstellung zur Reformation in der Steiermark angesehen. Sehr viel war mir neu. Im 16. Jahrhundert gab es mehr als tausend evangelische Schulen und Bildungseinrichtungen in Österreich; heute sind es nur noch 85. Mich interessiert, wie die Evangelischen von 1781 an (das für die Minderheit der Evangelischen bis heute wichtige Toleranzedikt) als Minderheit gelebt haben, und warum sie später so anfällig für die Ideologie des Nationalsozialismus waren. 1938 hat die evangelische Heilandskirchengemeinde Graz ihre Schule freiwillig an die Nationalsozialisten übergeben. ... Später mehr.


Donnerstag, 30. November 2017
Ulrike schreibt: In Graz schneit es mittlerweile in dicken Flocken. Wir sind heute nach dem Frühstück durch den Park von Schloss Eggenberg spaziert - sehr romantisch. Vom Hauptplatz aus, wo unser Hotel liegt, kommt man mit der Tram ziemlich überall hin. Das ist praktisch und es ist auch schön, denn auf dem Hauptplatz hat es Buden, Glühweinstände und am Abend Lichtspiele und Musik.

Gestern waren wir im Kino und haben ‹Die beste aller Welten› von Adrian Goiginger (Buch und Regie) gesehen. Er erzählt aus der Perspektive des 7jährigen Adrian vom Leben mit seiner drogensüchtigen Mutter Helga und ihren ebenfalls abhängigen Freunden. Ihr Leben spielt sich in einer Neubausiedlung in einer - meist von Matratzen und Bierdosen zugemüllten - Wohnung ab. Gleichzeitig versucht die Mutter um ihres Kindes willen, ein normales Leben aufrecht zu erhalten. Die Liebe zu Adrian ist das, was ihrem Leben eine Richtung und einen Halt gibt. ... In der Rezension des SPIEGELS heisst es, dass der Film von einem ‹richtigen Leben im Falschen› erzählt. Die Mutter macht viele
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