Das Neueste ...

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Ulrike Graz<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchgemeinde.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>53</div><div class='bid' style='display:none;'>13917</div><div class='usr' style='display:none;'>157</div>

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... bereits uns beide?! Dann ist diese Seite mit den untenstehenden Neuigkeiten wahrscheinlich das Richtige für Sie. Lesen und Blättern Sie doch. Sie erfahren dabei, wo und wozu wir in letzter Zeit unterwegs waren.
Auf  dieser  Seite  ... ... informieren wir Sie in der Form eines Journals über Neuigkeiten, die es bei uns bzw. in unserem beruflichen Umfeld gibt: was wir erleben, was uns auffällt, was wir beobachten und was uns fragend macht. Interessiert? Echos freuen uns. Schreiben Sie an ulrike.bittner@bluewin.ch oder an wbittner@bluewin.ch. Wir antworten gerne und so schnell wir können.

Immer  wieder  Neues  ... Sonntag, 22. April 2018
Ulrike schreibt: Einen schönen und gesegneten Sonntag wünschen wir euch! Gestern haben Wolfgang und ich mit unserem Besuch einen Ausflug nach Colmar gemacht. Das ist von Liestal aus nicht weit - eine Autostunde - und ist immer schön. In einem Café neben der Kathedrale zu sitzen oder durch die Altstadt zu bummlen tut gut. Es waren ein bisschen viele Touristen, aber das war bei dem Sonnenwetter zu erwarten.

Heute werden wir den Gottesdienst der ICF in Sissach mitfeiern. Das hatte ich mir schon lange einmal vorgenommen. Mich interessieren Gemeindeneugründungen und ihre Entwicklung. Und wir haben als Gemeinden dasselbe ‹Einzugsgebiet›. Am Nachmittag sind Wolfgang und ich und unsere Gäste zum Grillen bei einem Freund eingeladen. Wolfgang hat gestern - als wir es in Colmar so gut hatten - einen Spruch aus dem Talmud erinnert. Da heisst es sinngemäss, dass wir uns im Gericht vor Gott verantworten müssen für jeden Genuss, den wir ohne Grund abgelehnt haben .... 😃


Donnerstag, 19. April 2018
Ulrike schreibt: Für den Besuch einer Gruppe von Vikarinnen und Vikaren bereite ich ein kleines Thesenpapier vor. Sie sind mit der Bitte auf mich zugekommen: «Wir wollen dir in die Karten schauen in deinem eigenen Suchen, Lernen und Gestalten in den vielen Jahren deines Pfarrerinnen-Seins.» Das ist interessant für mich: mich selbst zu fragen, was ich richtig gemacht habe und an welchen Stellen ich mich verrannt oder geirrt habe. ... Ich finde mein persönliches Thesenpapier selbst sehr anregend 😀.

Im Juni geht die erste Etappe des Bibel-Salons in Liestal zu Ende - mit einer kleinen Haus- und Gartenparty bei uns im Küngelbrunnenweg. Wir dachten, dass es gut ist, wenn die Teilnehmenden ein bisschen mehr Zeit miteinander verbringen können. Wer es sich eintragen mag: Es ist der Termin des letzten Bibel-Salons, der 25. Juni, und bereits um 19 Uhr.... Wir werden im September 2018 mit einer zweiten Etappe des Bibel-Salons einsetzen. Die haben wir gestern mit einigen Freunden vorbereitet.

Heute bin ich für einen Kollegen, der erkrankt ist, für einen Gottesdienst im Altenpflegeheim Brunnmatt. Ich sehe zu, dass ich vorher und nachher Besuche bei Gemeindemitgliedern im Heim machen kann. Morgen feiere ich eine Abdankung und am Nachmittag bekommen wir Wochenend-Besuch.


Dienstag, 17. April 2018
Ulrike schreibt: Kleine Szenen aus dem Alltag: Heute habe ich ein Gemeindemitglied besucht. Ich habe ein grosses Bund Tulpen gekauft und wollte das Bund 50:50 zwischen mir und der Besuchten teilen. Kaum bin ich in der Wohnung führt sie mich in die Küche und zeigt auf einen Strauss Tulpen. Den hat sie gerade für mich im Garten geschnitten. Wir haben dann alle durchmischt und geteilt. 🐾🌷🌾

Das Wetter ist wunderbar sonnig und ich fahre wieder mit dem Motorroller. Steht ein etwa sechsjähriges Mädchen mit Schulranzen vor unserer Garage. Sie beobachtet geduldig, wie ich den Roller parat mache und mir den Helm aufsetze. Ich sage zu ihr: "Ich habe es gut, nicht wahr? Du musst laufen und ich darf fahren." Sie sagt: "Wenn ich nicht mehr in die Schule muss, dann fahre ich auch!! 😃😃😃

Ich arbeite immer mal wieder ein halbes Stündchen in unserem Garten, und zwar im Teil, der zur Strasse hin liegt. Das führt zu interessanten Gesprächen, weil ziemlich jeder, der zu Fuss unterwegs ist, stehen bleibt und meine Bemühungen kommentiert. Das hat teilweise philosophische Qualität. Sagt jemand mit Blick auf den moosbefreiten Rasen: "Na, ob sich das überhaupt lohnt?" ... Fast hätte ich zurückgefragt, ob es sich denn lohnen würde, in sein Leben zu investieren. Das habe ich aber nicht gemacht. Ich habe beim weiteren Unkraut zupfen und Büsche zurückschneiden darüber nachgedacht: Ab wann lohnt es sich, in einen Garten, in einen Menschen, in eine Beziehung zu investieren? ... Aufwand und Ertrag miteinander zu verrechnen, ist ein Grundzug unserer Zeit geworden. Alles muss lohnen. ... Das absichtslose Handeln ist eher selten geworden.🎁


Freitag, 13. April 2018
Ulrike schreibt: Für Sonntag sind Sie herzlich in die Abendfeier in die Stadtkirche Liestal eingeladen (18 Uhr). Ich werde Impulse zu Jesaja 58, 1-8 geben. Das ist ein unglaubliches Kapitel. Gott sagt durch den Propheten, dass sein «Heil» (wörtlich: seine «Jeschua») nahe ist, dass sie kommt. Worin zeigt sich diese Jeschua?

Menschen, die von sich gedacht haben, dass sie nicht zur Familie Gottes dazu gehören können, die werden von Gott in sein Haus aufgenommen. Ihnen wird ein Denkmal und ein Name (wörtlich «Jadwaschem») gegeben. Die beiden Persongruppen, die exemplarisch genannt sind, sind die «Fremden», die sich zu Gott halten. Und es sind die «Verschnittenen» - Männer, die aus beruflichen Gründen keine Familie gründen durften. «Verschnittene» sind Menschen, die keine Kinder und damit keine Zukunft haben. An die niemand mehr denken wird.


(1) Was ist mit mir? Die Frage ist beantwortet!
Vielleicht habe ich die Frage, ob ich von Gott gemeint bin. Dass ‹Andere› sich Gott zugehörig fühlen, sehe ich ja. Aber wie ist es mit mir? Bin ich überhaupt dabei, wenn Gott sein Volk sammelt? Was ist mit mir? Bin ich zu anders? Bin ich zu weit weg? Zu dumm? ... Jesaja sagt, dass diese Frage mit dem Kommen der bzw. des Jeschua ein für alle mal beantwortet ist! Gott fügt Menschen zu seinem Volk hinzu, die es nicht von sich dachten.


(2) Im Hause Gottes aufgehoben
Gott gibt den Fremden einen Ort - bei sich selbst. Hier sind sie aufgehoben, hier werden sie erinnert. Gottes Handeln ist über die Massen grosszügig:

«Denn so spricht der HERR: Den Verschnittenen, die meine Sabbate halten und erwählen, was mir wohlgefällt, und an meinem Bund festhalten, denen will ich in meinem Hause und in meinen Mauern ein Denkmal und einen Namen geben; das ist besser als Söhne und Töchter. Einen ewigen Namen will ich ihnen geben, der nicht vergehen soll. Und die Fremden, die sich dem HERRN zugewandt haben, ihm zu dienen und seinen Namen zu lieben, (...) die will ich zu meinem heiligen Berge bringen und will sie erfreuen in meinem Bethaus, (...); denn mein Haus wird ein Bethaus heissen für alle Völker.


(3) Die Grosszügigkeit Gottes bezeugen
Jesaja sagt: Die Fremden und die Verschnittenen wollen den Bund mit Gott halten. Sie wollen Sabbate halten. Man muss sie nicht erst überreden für einen Lebensstil, der die Liebe zu Gott spiegelt. Wo uns solche Menschen begegnen, in denen Gott offensichtlich am Werk ist, dürfen wir nicht ‹klein› von Gott reden. Gott nimmt sie auf, wie er uns aufnimmt. Er gibt ihnen und uns einen Namen und einen Ort bei sich. Was es heisst, einen Namen und einen Ort im Gedächtnis Gottes zu bekommen, hören wir am Sonntag ...😀


Sonntag, 8. April 2018
Ulrike schreibt: Für morgen, Montag Abend, laden wir in den Bibel-Salon in Liestal ein. Wer sich vorbereiten möchte, liest Markus 7,1-8,10. Thematische Schwerpunkte morgen sind: Gottes Gebote — der «Zaun um die Tora»; die Frage nach dem Sabbat; ‹Reinheit› und ‹Unreinheit›. Zum thematischen Umfeld lesen wir gemeinsam einen kurzen Text aus der jüdischen Mischna (Pirke Aboth I,1-3), der uns in die Atmosphäre und die Fragen der Rabbinen um die Zeit Jesu hinein nimmt. Wer möchte kann sich den Text schon vorher herunterladen und ansehen: ABOTHI,1-5 Wir treffen uns um 20 Uhr bei Cornelia und Fritz Friedli, Sichternstrasse 51. Herzliche Einladung!

Die letzte Woche war voll - was Gemeindeaktivitäten und Persönliches betrifft. Heute Vormittag habe ich mit der Gemeinde in Liestal Gottesdienst gefeiert und über Kolosser 2 gepredigt. Wir haben mit Ilja Voellmy einen grossartigen Organisten - er hat auf der Orgel improvisiert, wie die «Mächte und Gewalten» im Triumphzug gefangen geführt werden. Man hat das schwere Stampfen der Krieger gehört und den langen Zug der Gefangenen vor Augen gesehen. Und dann wurde die Musik schliesslich ganz leicht und hell: «Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und über sie triumphiert in Christus.» (Kolosser 2,15)

Drei Tage war ich in Berlin. Ein bisschen kurz für die verschiedenen Verabredungen und Erledigungen, aber trotzdem sehr schön. Wenn man in Berlin ankommt und am Flughafen Schönefeld in den Bus steigen will, sind erst einmal die Fahrkartenautomaten alle (!) kaputt. Dann fährt man ein paar Stationen U-Bahn, kommt aber nicht weit, weil man in den Schienen-Ersatzverkehr wechseln soll. Ich bin dann zu Fuss durch die Stadt gelaufen, was ich sehr mag. Zum Ankommen war ich in einem meiner Lieblingskinos, im Sputnik, und habe den Film The Florida Project gesehen. Wenn der Film bei Ihnen läuft: unbedingt anschauen, er ist grossartig. Der Film erzählt von der achtjährigen Moonie, die mit ihrer Mutter in einem Motel in Florida lebt. Hier ist der Trailer in deutsch:



Wolfgang schreibt: Ulrike hat oben ihren Gottesdienst über Kolosser 2,9-15 erwähnt. Sie können diese Predigt gleich hier anhören. Dazu jedoch eine Vorbemerkung. Mir begegnet bei Gemeindegliedern und auch bei Kolleginnen und Kollegen oftmals die stillschweigende Voraussetzung, eine Predigt müsse einfach und unmittelbar praktisch sein. Ich verstehe die Abwehr gegen eine Verkündigung, die bloss ästhetisch und gebildet daher kommt, mir selbst aber für mein Leben nichts gibt. Das also verstehe ich. Aber das ist nicht alles. Im Evangelium geht es nicht nur einfach zu. Da stehen auch grosse Fragen auf dem Spiel: Wie steht es mit Gott und den Mächten dieser Welt? Und wie steht es dann zwischen uns und diesen Mächten? Das fordert durchaus auch unser Denken heraus. Das Evangelium besteht nicht bloss in einfachen Ratschlägen des täglichen Lebens - obwohl es das ja durchaus auch ist. Das Evangelium fordert uns genau so zum Denken und damit zum anspruchsvollen Unterscheiden heraus. Evangelium ist nicht nur Lebenshilfe. Es ist auch ernsthafte Bildung. Ein Predigttext wie der von heute (Kolosser 2,9-15) lässt sich nicht auf das Niveau einfacher Lebensregeln herunter brechen. Ulrike zeigt in ihrer Predigt, wie man Bildung zugänglich macht, ohne sie zu vereinfachen. Das allein ist schon sehr viel. Die weitere Arbeit - was bedeutet ein solcher Text jetzt für meine praktischen Lebensvollzüge? - ist meine Arbeit als Hörerin und Hörer.

Hier also die Predigt zu Kolosser 2,9-15, die Ulrike heute in der Stadtkirche in Liestal gehalten hat. Sie können Sie gleich hier anhören:



Für einen DOWNLOAD finden Sie diese Predigt auf der Seite DOWNLOADS: AUDIO und dort unter der Rubrik "VORTRÄGE UND PREDIGTEN". Zum Downloaden gehen Sie bitte auf dieser Seite ganz nach unten. Wenn die Schrift auf dem Bildschirm blau wird, sind Sie richtig. Dort - alphabetisch angeordnet - finden Sie die Aufnahme der Predigt unter dem Namen "2018-04-Kolosser 2,9f" (MP3-Datei: 28,12 Minuten; 10,1 MB)

Unser grossartiger Organist Ilya Voellmy-Kudrjavtsev hat nach der Predigt eine aussergewöhnliche freie Improvisation zu Kolosser 2,15 gespielt. Man hört die überwundenen Mächte und Gewalten, die Christus im Triumphzug mit sich herumführt. Es lohnt sich überhaupt, unserem Stadtorganisten zuzuhören. Die freie Improvisation von heute können Sie gleich hier anhören:



Für einen DOWNLOAD finden Sie diese Orgelimprovisation auf der Seite DOWNLOADS: AUDIO und dort unter der Rubrik "VORTRÄGE UND PREDIGTEN". Zum Downloaden gehen Sie bitte auf dieser Seite ganz nach unten. Wenn die Schrift auf dem Bildschirm blau wird, sind Sie richtig. Dort - alphabetisch angeordnet - finden Sie die Aufnahme unter dem Namen "ORGEL: ILYA VOELLMY freie Improvisation zu Kolosser 2,15" (MP3-Datei: 9,15 Minuten; 8,47 MB)



Samstag, 31. März 2018
Ulrike schreibt: Ich bin heute am Vorbereiten und Dekorieren für die Osternacht. Beginn ist Morgen um 5.30 Uhr in der Stadtkirche. Das Vorbereiten hat für mich etwas Meditatives und ich mache es gern. Bis zu dem Zeitpunkt heute früh, wo ich in der Migros einkaufen war und jemand im Parkhaus seine Autotür gegen mein Auto gestossen hat, um seine Sachen einzuräumen. Die Frau sagt aber nicht «Das tut mir leid», sondern: «Sie haben schräg eingeparkt.»🤔 Ich habe noch einen Kaffee getrunken und bin dann wieder gut in meine Ruhe zurück gekommen😍

Wie die Zeit vor Ostern gestalten? Hier ein Auszug aus dem Mail eines Freundes: «Bei uns Zuhause haben wir mit den Kindern – nach der Gründonnerstagsandacht – Lamm gegessen und nochmals das Brot gebrochen und den Kelch des Heils erhoben. Das war sehr schön, das machen wir schon seit 20 Jahren in der Familie. Die Zeit zwischen Palmsonntag und Ostern ist so dicht und intensiv-schön… so empfinde ich das… als lebendige Geschichte des Eintauchens in die Wirklichkeit Jesu. Und Du hast Psalm 22 wunderbar als GANZES geschaut… und auf Jesu Tod bezogen… Danke für alles befruchtende Anteilgeben - das tut gut.

Heute, am Karfreitag, werden wir im Gottesdienst vor allem schauen - staunen - aufsehen zu Jesus. Die Lichter ausblasen, um zu sehen. Leben ist Schatten und Licht. ER ist in allem. ... In unserer Kirche gibt es keine Karfreitagspredigt, sondern nur Sitzen in der Stille mit Blick aufs Kreuz. Ich finde ich spannend.»

Vielleicht ist das eine Anregung für manchen von Ihnen: Dass wir uns heute eine kleine Zeit nehmen, in der wir nichts denken, sondern nur sitzen und Jesus anschauen. Draussen auf der Terrasse, in unserer Kirche, im Lieblingssessel in der Wohnung ...


Donnerstag, 29. März 2018
Wolfgang schreibt: Hier also die vierte Andacht zu Psalm 22, die Ulrike heute in der Stadtkirche in Liestal gehalten hat. Sie zeigt, wie wichtig es ist, den GANZEN Psalm 22 und nicht nur die bekannten Anfangsworte zu hören. Der Beter ruft in seiner Not »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« Auf diesen Ruf aber folgt kein Schweigen Gottes. Es folgt Gottes Antwort. Und darauf folgt der Lobgesang des Beters, in den hinein die ganze Welt eingeladen ist. So können auch wir bereits jetzt einstimmen. Wer das tut, der hat heute schon Anteil am Ganzen. Die vierte Andacht PSALM 22 - TEIL 4 können Sie gleich hier anhören:



Für einen DOWNLOAD finden Sie diese Predigt auf der Seite DOWNLOADS: AUDIO und dort unter der Rubrik "VORTRÄGE UND PREDIGTEN". Zum Downloaden gehen Sie bitte auf dieser Seite ganz nach unten. Wenn die Schrift auf dem Bildschirm blau wird, sind Sie richtig. Dort - alphabetisch angeordnet - finden Sie die Aufnahme der Passionsandacht unter dem Namen "PSALM22-TEIL4" (MP3-Datei: 12'06 Minuten; 11.08 MB)


Wolfgang schreibt: Die Tage in Rasa liegen bereits eine gute Woche zurück. Aber etwas von meinem Inneren ist immer noch da. Selten ist mir die Vorbereitung auf einen Psalm derart schwer gefallen wie diesmal auf Psalm 116 - trotz allen guten Hilfsmitteln, die mir zur Verfügung stehen. Eigentlich hatte ich mit allen Einzelheiten keine Schwierigkeit. Der Psalm ist sprachlich und theologisch sehr zugänglich. Ich aber habe nicht verstanden, wie die einzelnen Aussagen des Psalmes zusammen hängen. Erst in Rasa selbst habe ich von einem Halbtag zum nächsten den Zusammenhang gesehen. Das war schon eine besondere Erfahrung für mich. Es lohnt schon, sich um das Verstehen biblischer Texte zu bemühen.

Nun sitze ich bereits an den Vorbereitungen für die Schweigetage im Sommer. Diesmal wird uns Psalm 51 beschäftigen. Es ist der wohl eindrücklichste Busspsalm in der Bibel. Zurück geführt wird er auf den Ehebruch Davids mit Batseba.Vor einigen Tagen rief mich jemand an. Er würde gerne zu der Schweige-Einkehr in Rasa kommen. Das Thema mache es ihm jedoch schwer … Was soll man dazu sagen? Ist »Busse«, also die Bitte um Vergebung, ein niederdrückendes Thema? Ich glaube, dass das Gegenteil davon zutrifft. Unsere Bitte um Vergebung ist nicht die Voraussetzung, DAMIT es Gnade gibt, sondern sie ist möglich, WEIL es die Gnade, weil es Gottes grosse Barmherzigkeit gibt. Bei der Bitte um Vergebung im Unser Vater darf man wissen: Diese Bitte ist wenn wir sie beten eine immer schon erhörte Bitte. Was das bedeutet kann man wahrscheinlich immer nur erahnen. Die Einleitung zu Psalm 51 nimmt uns auf den Weg des Verstehens gut mit. »Ein Psalm Davids als der Prophet Natan zu ihm kam, nachdem er sich mt Batseba vergangen.« Der Ehebruch und dann noch der Mord am Mann Batsebas stand gewiss nicht in Gottes Plan. Gibt es dafür so einfach Vergebung? Wer die Geschichte Davids bis zum Ende kennt, der kommt zum Staunen. Das zweite gemeinsame Kind von David und Batseba ist Salomo und damit der Nachfolger Davids auf dem Königsthron. Ja, Gott richtet seinen Weg zum Heil der Menschen auf diese Schuldgeschichte hin aus. Ausgerechnet über David und Batseba läuft die Linie der Familie, aus der später Jesus von Nazareth, also der von Gott versprochene Messias, kommen wird bzw. gekommen ist (vgl. Mt 1,6). Gott geht seinen Weg zum Heil der Welt über diese menschliche Schuldgeschichte und nicht an ihr vorbei. Wenn wir heute Psalm 51 beten, dann tun wir es im Wissen, dass Gott diesen Weg mit David gegangen ist. Wahrscheinlich werden wir im Sommer anhand von Psalm 51 sehen, dass es sich dabei um einen ganz grossen Gnadenpsalm der Bibel handelt. Weil es Gottes Gnade gibt, darum - und erst darum - können wir getrost um Vergebung bitten, um Gottes Vergebung wissen.


nochmals am Mittwoch, 28. März 2018
Wolfgang schreibt: Hier können Sie nun die dritte Andacht zu Psalm 22 hören, die Ulrike heute in der Stadtkirche in Liestal gehalten hat. So hat Jesus sich auf sein Sterben vorbereitet. Und so hat ihn dieser Psalm ins Sterben und durch den Tod hindurch begleitet. Es folgt noch eine Andacht: morgen Donnerstag 29. März, in der Stadtkirche Liestal. Beginn um 18:00 Uhr. Mitwirkung von Ilya Völlmy an der Orgel. Die dritte Andacht PSALM 22 - TEIL 3 können Sie gleich hier anhören:



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Mittwoch, 28. März 2018
Wolfgang schreibt: Hier können Sie die zweite Andacht zu Psalm 22 hören, die Ulrike gestern in der Stadtkirche in Liestal gehalten hat. Es ist spannend, den Psalm 22 aus der Perspektive Jesu zu hören. So hat er sich auf sein Sterben vorbereitet. Und so hat ihn dieser Psalm ins Sterben und durch den Tod hindurch begleitet. Es folgen noch zwei Andachten: heute Mittwoch 28. März und morgen Donnerstag 29. März, jeweils in der Stadtkirche Liestal. Beginn um 18:00 Uhr. Immer mit Mitwirkung von Ilya Völlmy an der Orgel. Die zweite Andacht PSALM 22 - TEIL 2 können Sie gleich hier anhören:



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Dienstag, 27. März 2018
Wolfgang schreibt: Gestern hat Ulrike begonnen, in der Stadtkirche die jährlichen Passionsandachten zu halten. Dieses Jahr betrachtet sie den Psalm 22. Dieser Psalm muss Jesus zur Vorbereitung auf sein Sterben begleitet haben. Bis hin zu seinen letzten Worten am Kreuz war er ihm gegenwärtig. Die erste Andacht PSALM 22 - TEIL 1 können Sie gleich hier anhören:



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Sonntag, 25. März 2018
Ulrike schreibt: In den Schweige-Exerzitien in Rasa hat Wolfgang mit den Teilnehmenden den Psalm 116 betrachtet. Im ersten Vers heisst es: «Ich liebe, denn gehört hat Jahwe auf meine Stimme, mein Flehen.» (Psalm 116,1) Hier wird ein Zusammenhang genannt: Der Betende entdeckt in sich die Fähigkeit zum Lieben. Liebe ist die Fähigkeit, absichtslos zu handeln und sich dem Anderen zu schenken. Der Psalmbeter weiss, wie es dazu gekommen ist, dass er liebt. Er sagt: Denn Gott hat meine Stimme gehört. ... Eine Teilnehmerin der Exerzitien hat einen Text über die Erfahrung des Gehörtwerdens geschrieben. Ich finde ihn unglaublich gut.


Du hast mich gehört
und ich habe meine Stimme gefunden
und in meiner Stimme die Welt.
Ich habe die Dinge bei ihrem Namen genannt.
Ich konnte den Dingen ihren Namen geben.
Ich wusste einen Namen, ein Wort
für mich und für dich und für die Dinge.
Und alles war richtig.
Ich ging durch die Strassen
und habe geliebt,
den Himmel,
die Enten im Fluss,
die Menschen
wie schön sie waren
jeder und jede und jedes
war so kostbar
und ich hatte meine Freude
daran, an allem.
Voll Freude.
Ich habe geliebt.
Ich habe die Liebe gekannt,
weil du meine Stimme gehört hast
und ich in deinem Hören meine Stimme gefunden habe.

Claudia Knepper


Freitag, 23. März 2018
Ulrike schreibt: Wir hatten wirklich gute und auch herrlich sonnige Tage in Rasa. Seit gestern sind wir zurück in Liestal, wo es glücklicherweise auch einigermassen sonnig ist ☀️🌱. Ich habe heute Besuche gemacht - im Krankenhaus und im Altenpflegeheim. Heute Nachmittag bin ich mit Hinterbliebenen für ein Beerdigungsgespräch verabredet, denn ich bin in den Osterwochen in Liestal und Seltisberg für Beerdigungen zuständig.

Mit den Besuchen ist es merkwürdig. Mit jedem Besuch, den ich mache, wird meine innere Liste nicht kürzer sondern länger. Denn mit jedem Besuch treffe ich auf ein, zwei Menschen, die ich ebenfalls kenne oder die mich ansprechen, und die auch gerne Besuch hätten. ... Ich hoffe sehr, dass wir bald wieder einen Besuchsdienstkreis in unserer Kirchgemeinde beginnen können. ... Auch an den Abenden ist allerlei los. Ich bin in den Bibelgesprächskreisen, bin bei einem Nachtreffen des Kinderferienlagers unserer Liestaler Zahnärztinnen und anderes.

Am Montag, 26. März, ist Bibel-Salon bei Bittners. Herzliche Einladung zu uns in den Küngelbrunnenweg 1. Es geht darum, was unter Nachfolge, Jüngerschaft und dem Zwölferkreis zu verstehen ist. Die Abende sind so gut besucht, dass ich gern auch in Seltisberg mit Bibel-Salons beginnen würde.


Dienstag, 20. März 2018
Ulrike schreibt: Heute früh ist die Sonne strahlend über dem Schnee aufgegangen - wunderbar. Ich höre mit einem Ohr auf die Psalmauslegung von Wolfgang (Psalm 116). Mit dem anderen Ohr höre ich auf Psalm 22. Den werde ich an vier Abenden der Karwoche mit der Gemeinde betrachten. An manchen Versen habe ich grosse Freude:

"Denn er hat nicht verachtet noch verabscheut das Elend des Elenden
noch sein Angesicht vor ihm verborgen,
und als er zu ihm schrie, hörte er." (Psalm 22, 25)

Menschen neigen dazu, sich vom Elend abzuwenden und damit auch von dem, den das Elend getroffen hat. Gott wendet sich nicht ab. Er wendet sich dem Menschen im Elend zu, zeigt sein Angesicht. Ab morgen werden Bilder von Rut Bischler im Dichter- und Stadtmuseum in Liestal gezeigt. Ihre Bilder gehören zur Art Brut. Die Vernissage der Ausstellung ist heute um 18 Uhr. Ich freue mich sehr über die Ehrung von Rut Bischler als Künstlerin. Dem Museumsleiter Dr. Stefan Hess ist da viel zu verdanken, auch der Katalog zur Ausstellung hier

Rut Bischler war einer der ersten Menschen, die ich in Liestal kennen gelernt habe. Die Bekanntschaft mit ihr war Anlass dafür, dass ich vor einigen Jahren in unserer Kirchgemeinde den Kreis für Menschen mit Depression begonnen habe. Der Kreis leitet sich heute weitgehend selbst und ist ein guter Ort. Wen Elend getroffen hat, der muss sich nicht verstecken. Er bleibt ein angesehener Mensch.


Sonntag, 18. März 2018
Ulrike schreibt: Gestern haben die Schweige-Exerzitien in Rasa/ Tessin begonnen. Es sind sechzehn Teilnehmende, also diesmal eine kleine Gruppe. Hier oben in Rasa ist es ganz still und es schneit in dicken Flocken. Draussen liegt Schnee und drinnen ist wohlige Holzofen-Wärme. Ich fand den Einstieg in Psalm 116 gestern grossartig. Wolfgang hat vorgestellt, wie er den Aufbau des Psalms versteht. Es sind zwei Sätze, zwischen die eine Geschichte gespannt ist. Die beiden Sätze sind Vers 1 («Ich liebe ...») und Vers 10 («Ich glaube ...»).

Der Psalm 116 beginnt in der Lutherübersetzung mit dem Satz:
«Ich liebe den HERRN, denn er hört die Stimme meines Flehens.» (Psalm 116,1)

Im Hebräischen steht das so nicht da. Da heisst es:
«Ich liebe, denn gehört hat Jahwe auf meine Stimme, mein Flehen.»

Da steht also nicht, wen der Psalmbeter liebt, sondern, dass er liebt. Es wird nicht gesagt, wer geliebt wird. Vielmehr weist der Beter auf den Ursprung seines Liebens hin. Er gibt darüber Auskunft, wie er dazu gekommen ist, dass er liebt. Sein Lieben beginnt damit, dass er gehört wurde und gehört wird: «..., denn gehört hat Jahwe meine Stimme». Das steht im Fokus des Psalms.


Ich liebe, weil ich gehört werde
Ich bin ein Mensch, der gehört wird. Aus diesem Gehörtwerden entspringt die Fähigkeit zum Lieben. Liebe, die zweckfrei handelt, Liebe, die sich schenken kann, hängt mit der Erfahrung zusammen, dass ich ein Mensch bin, der gehört wird. Wir kennen das aus der Entwicklungspsychologie. Ein Kind lernt, sich anderen Menschen zuzuwenden, weil seine Eltern und Geschwister sich ihm zuwenden.

◦ Wo bin ich in meiner Geschichte genug gehört worden?
◦ Wo bin ich überhört worden? Wo wurde an mir vorbei gehört? Vielleicht wurde so getan, als ob auf mich gehört wurde. Aber es war nicht so. Ich selbst wurde nicht gehört.

Nun ist nicht nur Vers 1 ungewöhnlich, sondern auch der Vers 10:
«Ich glaube, auch wenn ich sage: Ich werde sehr gebeugt.»
Hier wird ebenfalls nicht gesagt, an wen der Psalmbeter glaubt (z.B.: ich glaube an Jahwe). Vielmehr sagt der Beter, dass er - so wie er die Fähigkeit zum Lieben in sich entdeckt - auch die Fähigkeit zum Glauben in sich entdeckt! Für Glauben gibt es im Hebräischen verschiedene Worte und verschiedene Aspekte:

◦ Das erste Wort für Glauben meint, «ich hänge mich an etwas», ich «klebe an jemanden». Glauben ist ein Sich-Zuordnen. Da stellt man mit Recht die Frage: «An wen hängst du dich denn? Wem vertraust du? Am wem klebst du?»
◦ Das zweite Wort für Glauben meint, dass etwas zuverlässig, vertrauenswürdig und fest ist. Wer «Amen» sagt, der bestätigt: «Das ist vertrauenswürdig.»


In mir ist etwas fest geworden
In Vers 10 begegnet uns dieses zweite Wort für Glauben. Der Beter sagt von sich selbst, dass er fest geworden ist. «Ich bin fest geworden (= ich glaube), auch wenn ich sage: Ich werde sehr gebeugt.» Der Psalmbeter hat erfahren, dass in ihm etwas «fest geworden» ist. Da ist etwas ruhig geworden. Nun gibt es dafür einen Kontext. Der Beter ist fest geworden inmitten der Erfahrung, dass er «gebeugt wird». Luther übersetzt: «geplagt wird». Der Psalmbeter entdeckt seine Festigkeit nicht, weil sich die Situation plötzlich geändert hätte. Die ist nicht anders als vorher! Sondern er merkt plötzlich, dass sich in ihm etwas verwandelt hat: «Ich bin fest geworden». Nicht mehr durcheinander, nicht mehr aufgeregt, nicht mehr erschüttert. So wie ich es früher einmal war. Da hat sich in mir etwas verändert.

Nun fragt man sich, was es ist, das den Beter beugen will und ihn alarmiert sein lässt? Das sagt er gleich im nächsten Satz: «Alle Menschen sind Lügner.» (Vers 11) Angesichts dessen, dass Menschen lügen - dass sie sich nicht der Wirklichkeit entsprechend verhalten - bleibt etwas in mir fest.

Wie kommt es dazu, dass ein Mensch diese beiden Sätze sagen kann:
Ich entdecke an mir, dass ich liebe.
Ich entdecke an mir, dass ich fest geworden bin?

Wer vom Hebräischen her denkt, für den ist klar, dass man das lernt, indem man einen Weg geht. «Einen Weg gehen» heisst, dass es ein Lebensprozess ist. Diesen Weg beschreibt der Psalmbeter in der Mitte des Psalms, in den Versen 3 bis 9. Wolfgang hat heute früh entfaltet, wie diese Verse an den Auszug Israels aus Ägypten erinnern. Die grosse Weg-Erzählung ist der Auszug Israels aus Ägypten. Von dieser Erzählung her fällt ein Licht auf unseren eigenen Lebensweg. Wir lernen auf diesem Weg zu lieben und fest zu werden.


Freitag, 16. März 2018
Ulrike schreibt: Jetzt sind wir schon nahe an der Karwoche. Ich lade mit unserem Organisten Ilja Voellmy zusammen an jedem Abend zu Passionsandachten in die Stadtkirche ein. Wahrscheinlich gibt es dieses Jahr Betrachtungen zum Psalm 22. Wer sich die Abende reservieren möchte:

26. März - 28. März 2018 (Montag bis Mittwoch), 18 Uhr
Gründonnerstag, 29. März, mit Feier des Abendmahls, 18 Uhr
Gründonnerstag, mit Feier des Abendmahls, 16 Uhr, Altenpflegeheim Brunnmatt
Karfreitag, 30. März, Konzert mit Ilja Voellmy und unserem Kammerchor (Leitung: Theresia Gysin), 18.30 Uhr
Osternachtfeier, 1. April, 5.30 Uhr, mit Einladung zum Osterfrühstück (ab 6.15 Uhr)

Es war für mich unglaublich schön, vor der Karwoche und vor Ostern ein paar Tage in Israel zu sein. Ich habe ab und zu mit dem Natel gefilmt, aber total willkürlich. Wer Freude an 2 1/2 Minuten Tel Aviv und mir hat, der kann hier das Video schauen:




Sonntag, 11. März 2018
Wolfgang schreibt: Auf ihre heutige Predigt zu Philipper 1,12-18 hat Ulrike bereits gute und interessierte Echos erhalten. Ich denke, dass auch Sie dadurch gute Anregung und Ermutigung für Ihren Glauben und ihr Leben bekommen werden. Die Predigt zum Thema Was wird daraus? können Sie gleich hier anhören:



Für einen DOWNLOAD finden Sie diese Predigt auf der Seite DOWNLOADS: AUDIO und dort unter der Rubrik "VORTRÄGE UND PREDIGTEN". Zum Downloaden gehen Sie bitte auf dieser Seite ganz nach unten. Wenn die Schrift auf dem Bildschirm blau wird, sind Sie richtig. Dort - alphabetisch angeordnet - finden Sie die Aufnahme des Gottesdienstes unter dem Namen "2018-Was wird daraus?" (MP3-Datei: 22'50 Minuten; 7,83 MB)

Morgen treffen wir uns wieder zum Bibelsalon. Auch neue Besucherinnen und Besucher sind herzlich willkommen: offenes Gespräch, kleine Bewirtung, historische und theologische Informationen … Es braucht dafür keine Vorkenntnisse und keine Anmeldung. Wir treffen uns um 20.00 Uhr bei Eva und Pavel Kraus an der Seltisbergerstrasse 18. Wir lesen Markus 4,35 bis 5,43 (in Aussschnitten). Thematischer Schwerpunkt: Unreine Geister, Dämonen und Besessenheit – Gestalt und Überwindung des Bösen. Hilfreich ist es, wenn man den biblischen Text vorher schon einmal gelesen hat. Bitte die eigene Bibel mitbringen. Auf unser Internet-Seite zum Bibel-Salon kann man den Text auch herunter laden.

Nächster Abend am 26. März 2018 bei uns am Küngelbrunnenweg 1. Text: Markus 6,1-56. Thematischer Schwerpunkt: Was bedeutet Nachfolge Jesu? Der Zwölferkreis und der weitere Kreis der Anhänger Jesu … Weitere Informationen zu Daten, Orten, Texten und Schwerpunkten auf unserer Seite zum Bibel - Salon.


Freitag, 9. März 2018
Ulrike schreibt: Hier ist ein Wort von Dag Hammarskjöld, das Wolfgang und mir viel bedeutet. Vielleicht freut es ja auch den Einen oder Anderen von Ihnen:

«Reife: auch
— seine Stärke nicht verbergen
und nicht aus Scheu, sie zu zeigen,
unter seinem besten Vermögen leben.»
(aus Dag Hammarskjölds Tagebuch Zeichen am Weg)

Am Sonntag - also übermorgen - sind Sie zum Morgengottesdienst (10 Uhr) und zur Abendfeier (18 Uhr) in die Stadtkirche Liestal eingeladen. Am Morgen feiern wir den Gottesdienst mit junger Musik (Bernd Vogel am Klavier und Karen Brubaker mit Querflöte und Beatbox). Am Abend schauen wir wieder hin, wo Gott wohnt: «Und Jesus sprach zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist?» (Lukas 2, 49). Die Musik spielt die Gitarristin Judith Bunk. Ich freue mich sehr auf beide Gottesdienste.


Donnerstag, 8. März 2018
Ulrike schreibt: Ich habe heute eine Frau mit Demenz besucht. Ich kannte sie bisher nur vom Sehen. Sie ist noch jung, keine siebzig und hat etwas Strahlendes. Das Gespräch war freundlich und rege, obwohl mir auf der Sachebene nicht klar war, worüber wir reden. Das hat aber nichts gemacht.

Auf einmal hält die Frau inne, schaut mich an und sagt zu mir: «Sie sind schön.» Huch, habe ich mich gefreut! Ich habe ihr gesagt, dass auch sie ein schönes, freundliches Gesicht hat. Daraufhin hat sie sich auch gefreut und wir haben uns beide gefreut. Zuhause habe ich Wolfgang von der Begegnung erzählt. Ich rätsle immer daran herum, warum die Worte der Schwachen eine so grosse Kraft haben. Wolfgang hat daraufhin etwas Interessantes gesagt. Er meinte: Die Frau hat dich gesegnet. Sie hat Gutes über dir ausgesprochen. ... Wenn man das Gute nicht benennt, dann beginnt es zu verschwinden. Es braucht Menschen, die das Gute beim Namen nennen.


Mittwoch, 7. März 2018
Ulrike schreibt: Manchmal gehen mir Sätze nach, die jemand gesagt hat. Ich denke wie unbewusst an ihnen herum, bis mir klar wird, was an ihnen nicht stimmt. Solch ein Satz fiel beim Pfarrkapitel neulich - siehe den Eintrag vom 28. Februar. Dass es doch etwas Tolles sei, alle möglichen - auch ortsfremden - Flyer in der Kirchgemeinde aufzulegen und den Leuten die Wahl zu geben, an welchen Veranstaltungen sie teilnehmen. .... Woraufhin die anwesenden Pfarrpersonen leicht befremdet geguckt haben. Aber was soll man sagen? Es kommt ja nicht gut, wenn man gegen Vielfalt des Angebots ist, oder?

Mir scheint, dass sich Menschen - auch unsere eigenen Gemeindemitglieder - aus der Kommunikation über Massenverteiler zunehmend verabschieden. Dass sie nur noch ausgewählte Flyer mitnehmen, kaum noch elektronische Rundbriefe oder Werbemails lesen und bei Kommunikationsangeboten eher zum Deabonnieren als zum Abonnieren neigen.

Meines Erachtens bahnt sich ein Rückzug in die Privatheit an. Um diese Privatheit herum wird eine Mauer gebaut. Das fällt mir bei den Häusern in Liestal auf. Neubauten sehen oft aus wie moderne Festungen. Ohne Fenster zu Strasse, ohne Einblick in den persönlichen Raum. Das ist nicht nur eine architektonische Tendenz, sondern Menschen schützen in gleicher Weise ihr soziales Leben. Sie schützen sich und ihre Familie davor, sich ausstellen, rechtfertigen, ständig ins Gespräch bringen zu müssen. ... Meines Erachtens wird sich auch die Kommunikation am Ort nochmals sehr verändern. Wobei es zuerst die gesellschaftlich Erfolgreichen sind, die es sich leisten können, ihr soziales Leben zu schützen. Wenn das tatsächlich so ist, stellt sich die Frage, was das für die Kommunikation unserer Kirchgemeinden mit unseren Gemeindemitgliedern heisst. ... Mehr Gedanken dazu schreibe ich später.


Dienstag, 6. März 2018
Ulrike schreibt: In der kirchlichen Tradition heisst der kommende Sonntag Laetare, übersetzt: Freue dich. Wir sind jetzt in der Mitte der Passionszeit und Ostern leuchtet bereits auf. Der Gottesdienst am Sonntag beruht auf zwei biblischen Texten - auf Johannes 12 und auf Philipper 1.

Als die Griechen (Johannes 12,20) auf Jesus zukommen, ist das für Jesus - von Jesaja 11,10 her - das Zeichen, dass jetzt sein Leiden beginnt. Jesus sagt darum:

«Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn (= er selbst) verherrlicht wird.» - Verherrlicht kann unterschiedlich übersetzt werden: als ehrend hoch gehoben werden, aber auch als gekreuzigt werden - Jesus fährt fort: «Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.» (Johannes 12,20-24)

Indem Jesus leidet, geschieht etwas. Es geschieht nicht am Leiden vorbei. Das ist die Pointe des Sonntags. So ist das auch bei Paulus. Er erzählt von seinem Leiden. Er schreibt aus dem Gefängnis (Philipper 1, 12-21), also aus einer faktisch unerfreulichen Situation. Und trotzdem klingt der Briefabschnitt nicht traurig. Warum nicht?


(1) «Weil ich euch in meinem Herzen habe»
Paulus ist mit den Freunden in Philippi verbunden. Er hat Brüder und Schwestern - Menschen, mit denen er zusammengehört, die an ihn denken. Er weiss, dass sein Weg von ihrer Liebe zu ihm und ihrem Gebet für ihn getragen ist. ... Mir hat neulich ein Arzt, der aus der östlichen Türkei kommt, gesagt: «Die Menschen in der Türkei brauchen Öffentlichkeit. Sie brauchen Menschen, die um sie wissen, an sie denken, die ihr Schicksal wahrnehmen.» Es seien Zehntausende, die in Gefängnissen verschwinden, ohne dass jemand um sie weiss. Er selbst könne nicht ohne Gefährdung in seine Heimat reisen, aber Menschen wie ich können - und sollten - das tun.


(2) «Sie sind umso kühner geworden»
Die Gefangenschaft von Paulus löst bei den Glaubensgeschwistern etwas aus. Sie werden mutiger. Vorher hat vor allem Paulus öffentlich von Jesus erzählt. Paulus hat das Gespräch mit allen möglichen Menschen geführt. Jetzt werden auch andere Gemeindemitglieder aktiv. ... Das finde ich interessant: Wir wachsen an den Menschen, die uns mit ihrer Liebe zum Evangelium vorausgehen. Denen können wir es dann nachmachen.


(3) «Das ist zur grösseren Förderung des Evangeliums geschehen»
Paulus meint, dass sein Schicksal etwas sichtbar werden lässt. Was ist das? Das Evangelium von Jesus rückt ins Zentrum, wird gross (griechisch: megaluno) und deutlich sichtbar - wenn man Paulus anschaut (Vers 20). Jeder sieht: Das Evangelium von Jesus ist so kostbar, dass Menschen wie Paulus bereit sind, Nachteile zu erleiden. Menschen ertragen auch heute um des Evangeliums willen Nachteile und Leiden. ... Und es gibt Menschen, die nicht Christen sind, aber ebenfalls um etwas Grösseren willen persönliche Opfer bringen. Wieviele Journalistinnen und Journalisten in der Türkei nehmen Nachteile in Kauf, weil sie sich der Regierungs-Doktrin nicht beugen wollen? Die Meinungsfreiheit ist ihnen kostbar. Ich hoffe, dass die deutsche Regierung dem Druck des türkischen Aussenministers Çavuşoğlu nicht nachgeben wird, der heute in Berlin ist.


Freitag, 2. März 2018
Ulrike schreibt: Gestern früh bin ich - weil Schnee lag und noch nicht geräumt war - zu Fuss in die Kirchgemeinde gegangen. Ich bin ausgerutscht und so was von der Länge nach hingeflogen. Ich war mir nicht sicher, ob ich alleine wieder aufstehen kann. Bücken geht immer noch nicht ... Was eine Überleitung dafür ist, dass Wolfgang vorgestern aus dem Bruderholz-Spital entlassen worden ist und sich an Krücken durch die Gegend hangelt. In Sachen Mobilität ist es gerade sehr mühselig und auch aufwändig. What to say? Zumindest verstehe ich die Leute besser, denen es auch so geht. Die auch mit ihrem Nicht-Können umgehen müssen. Das ist eine ziemliche Leistung - und wahrscheinlich auch eine Gnade - wenn man mit dem eigenen Nicht-Können gut umgehen kann. ... Heute habe ich nicht viel in der Gemeinde zu tun: zwei Artikel für das Liestal Aktuell und für ein anderes Blatt muss ich schreiben.


Donnerstag, 1. März 2018
Ulrike schreibt: Vielen Dank für die Gedanken und Beobachtungen, mit denen Sie auf meinen Eintrag von gestern reagiert haben. Manche schreiben, dass es nicht leicht sei für sie, bevormundendes Verhalten zu erkennen. Sie würden die eigene Sichtweise und das eigene Urteil oft der Sichtweise und dem Urteil der Anderen unterordnen.

«Du hast mir gerade sehr geholfen mit deinen Gedanken. Ich greife jetzt das heraus, was mich angesprochen hat: Es ist gut gemeint. ... Jemand weiss schon vorher, was gut für die Gemeinden (= für mich) ist. ... Es wird nicht gefragt, ob und welche Hilfe wir brauchen (= ich brauche). Ich bin momentan und immer wieder sehr unter Druck wegen XY. Es hilft enorm, wenn dann jemand solche Gedanken teilt wie du. Denn in mir kommen solche Gedanken und Fragen auch auf. Ich frage mich aber immer wieder verwirrt, ob es sich so verhält, wie ich denke.

Kurz zusammengefasst: deine Zeilen tragen dazu bei, mir selbst mehr zu vertrauen, sicherer zu werden in Bezug auf meine Bedürfnisse, mich abzugrenzen. Du hast einfach eine gute, klare Sprache!

Du schreibst, dass unsere Gesellschaft aus Menschen besteht, die überwiegend selbst denken und vor allem selbst entscheiden. Überwiegend? Ist das wirklich so? Vielleicht ist das in deinem Umfeld so. Wenn ich meine Kinder fragen würde, würden sie dir wahrscheinlich auch zustimmen. ... Aber dann denke ich an die vielen gebrochenen Biografien, an meine eigene, und dass wir uns gerade dieses «selber Denken und Entscheiden» hart erkämpfen müssen. Es wird uns so oft nicht zugestanden. Dann frage ich mich, ob das Wort «überwiegend» nicht doch eher auf Menschen wie mich zutrifft. ...» So weit das Mail. Danke!

Wie kann ich das lernen - mir und meiner Wahrnehmung zu vertrauen? Wie kann ich prüfen, ob ich richtig wahrnehme? Die FBG (Fritz-Blanke-Gesellschaft) bietet am 26. Mai 2018 einen Studientag in diesem Themenfeld an. Es geht um eine heute weitgehend vergessene Gabe: das Unterscheiden der Geister. Wie ist das, wenn wir uns entscheiden müssen? Oft merken wir erst in der Rückschau, ob wir uns richtig entschieden haben. Die christliche Tradition meint, dass man das vorher wissen kann und soll. Sie nennt das die Kunst der Unterscheidung der Geister. Was also weiss die Tradition darüber? Was können wir von ihr lernen?

Inhalt: Spurensuche im Alten und Neuen Testament, Unterscheidung als geistliche Gabe und als rationale Aufgabe; eine Grundunterscheidung (Römer 8,14f); Entfaltung bei den Wüstenvätern, Teresa von Avila, Johannes vom Kreuz, Ignatius von Loyola und Martin Luther; ein moderner Entwurf (C. S. Lewis). Den Flyer finden Sie hier: STUDIENTAG 2018 UNTERSCHEIDEN Das ist doch spannend, oder?


Mittwoch, 28. Februar 2018
Ulrike schreibt: Wir haben uns diese Woche als Kolleginnen und Kollegen, nämlich als Pfarrkapitel im Baselbiet getroffen. Das ist etwas Schönes, denn wir sind engagierte Pfarrerinnen und Pfarrer, die mit Herzblut und miteinander in ihren Gemeinden arbeiten. Nicht jede/ jeder arbeitet mit jedem zusammen, aber wir bilden regionale Zentren und Bewegungen. Von manchen Kolleginnen und Kollegen und ihren Gemeinden lerne ich viel - ich schaue zum Beispiel immer wieder aufmerksam nach Bubendorf und Lausen.😀 Was aber nicht heisst, dass es nicht auch woanders gut ist!

Uns wurde das neue Erwachsenenbildungskonzept unserer Kantonalkirche vorgestellt. Verwirrend daran ist, dass es wirklich gut gemeint ist: Die Kantonalkirche will den Ortsgemeinden mit ihren Bildungsangeboten helfen und deren Angebote ergänzen. Wir sollen und dürfen unsere Gemeindemitglieder zu Veranstaltungen der Kantonalkirche schicken. Es wird aber nicht gefragt, ob wir Hilfe und welche Hilfe wir brauchen. Da weiss jemand schon vorher, was gut für die Gemeinden ist.


(1) Menschen ordnen sich faktisch selbst zu
Auf Gemeindeebene funktioniert solch ein Kommunikationsverhalten gar nicht. Wenn ich als Pfarrerin zu wissen meine, was gut für die Menschen ist, dann erreiche ich tatsächlich nur diejenigen, die darauf angewiesen sind, das gesagt zu bekommen. Diejenigen aber, die selbst gut unterwegs sind im Leben, die selbst hingucken und selbst entscheiden - die erreicht man nicht. Auch nicht, wenn man ihnen helfen will. Oder wenn man spirituell ergänzen will, was ihnen angeblich fehlt. Bevormundung, auch gut gemeinte, funktioniert heute nicht mehr.

Unsere Gesellschaft besteht aus Menschen, die überwiegend selbst denken und die vor allem selbst entscheiden. Menschen ordnen sich heute faktisch selbst zu. Sie fühlen sich dabei von bestimmten Personen («Wer geht da ausser mir noch hin?»), von kulturellen Ausdrucksformen («vor allem wegen der Musik»), von Sicht- und Denkweisen («Die sind nicht so engstirnig») angezogen. Dass jemand das Evangelium hören kann, das können wir eh nicht machen. Es ist Gott, der uns und anderen Menschen das Hören schenkt und uns zu sich zieht.


(2) Kirchliche Arbeit beruht auf Beziehungen und Vertrauen
Menschen nehmen an unseren Bildungsangeboten teil, weil sie in Beziehung zu denen stehen, die sie durchführen. Sie kommen zu unseren Kursen, weil sie uns kennen und weil sie uns vertrauen. Sie haben erlebt, dass die Veranstaltungen, zu denen wir einladen, Qualität haben. … Was ja auch kein Wunder ist!😎 Bei wem die Erwachsenenbildung gut läuft, der hat auch eine Menge investiert: sich selbst, seine Zeit, Interesse an Menschen, Freundschaft und Netzwerken.

Beziehungen und Vertrauen lassen sich nicht einfach an Dritte übertragen. Wenn Menschen XY hören wollen, weil es letztes Mal so gut für sie war, dann kann ich sie nicht zu ZZ schicken. Beziehungsweise: ich kann schon, aber sie gehen nicht hin. … Es geht ihnen ja nicht zuerst um ein Thema oder um blossen Wissenserwerb. Wir sind heute eine Wissensgesellschaft. Man findet an jeder Ecke Zugang zu jeder Art von Wissen. Über die spirituelle Dimension von Sterbebegleitung zum Beispiel kann ich mich in Liestal auch in der Kantonsbibliothek oder dem Kantonsspital oder beim Roten Kreuz bilden lassen. ... Wenn Menschen zu uns in die Kirche kommen, um sich zu bilden, dann nicht, weil wir besser sind als die anderen Einrichtungen. Sondern Menschen kommen, weil sie uns kennengelernt haben und Vertrauen zu uns persönlich und in die Qualität unserer Beiträge haben.


(3) Die Möglichkeiten der Menschen ernstnehmen
Fast jede und jeder hat heute ein begrenztes Budget an Zeit und Kraft. Die Menschen, mit denen ich zu tun habe, kommen vielleicht 2x im Jahr zu einer Reihe von Erwachsenbildungsabenden. Der Gedanke, dass man sie zusätzlich noch hierhin und dorthin einladen kann, hat keinen Anhalt an der Realität. Das funktioniert nicht. Die Leute wählen von ihrem Zeit- und Kräftebudget her sorgfältig aus, wohin sie gehen. Wenn ich den Ort XY so gut bewerbe, dass unsere Gemeindemitglieder tatsächlich dahin gehen, dann lasse ich konsequenterweise die eigene Veranstaltung ausfallen. Und das will gut überlegt sein. Unsere Gemeinde will ja die Beziehungen und Freundschaften pflegen.


(4) Jeder will bilden, aber keiner will kommen
Wir haben eine grosse Zahl von Kirchenleuten, die andere fortbilden wollen. Wir haben aber einen kleinen Pool an Menschen, die an unseren Veranstaltungen tatsächlich interessiert sind. Wenn ich selbst an eine kirchliche Weiterbildung gehe, dann sehe ich, dass weitgehend immer dieselben Menschen kommen. Die potenziellen Teilnehmer/innen sind - böse gesprochen - zu einer begehrten Ware geworden, die von hier nach da geschoben wird.

Es kann nicht sein, dass Hauptamtliche - um selbst mehr Teilnehmende zu haben - unabgesprochen ihren Einzugsbereich erweitern und die eigenen Veranstaltungen mit den Menschen aus den Nachbarorten füllen. Bzw. man kann das tun, aber dann bitte im Gespräch mit den Kolleginnen und Kollegen der andern Orte.


(5) Was tun?
Als Kirchgemeinden suchen und pflegen wir den Kontakt mit den Menschen. Das ist das wichtigste und das machen wir jetzt schon. Wer selbst nicht mit Menschen unterwegs ist, wer selbst nicht zu ihren Veranstaltungen, Konzerten, Vernissagen usw. geht, keine Freundschaften und Netzwerke pflegt, der wird wenig Publikum für seine eigenen Angebote haben. Leben beruht auf Wechselseitigkeit, auch geistliches Leben. Um die kann man sich bemühen. Dass Menschen bei uns und in unseren Veranstaltungen Gott finden - bzw. von Gott gefunden werden - das wird geschenkt. Das lässt sich nicht organisieren.



Dienstag, 27. Februar 2018
Ulrike schreibt: Wolfgang und ich haben im letzten Jahr mehrmals einen Kurs Meine geistliche Biografie angeboten. Weil wir ausgesprochen viel Rückmeldung bekommen haben und immer noch bekommen, wird es im Sommer 2018 ein weiteres Kurswochenende geben. Es findet vom 29. Juni bis 1. Juli 2018 in Moscia, in Ascona, statt. Veranstalterin für das Kurswochenende ist die VBG.

Wer ein paar Tage an einem ausgesprochen schönen Ort verbringen möchte und sich selbst und Gottes Führen besser verstehen möchte, ist herzlich eingeladen:

◦ Was ist eine Biografie?
◦ Wer deutet mein Leben?
◦ Fakten und Deutungsmuster
◦ Biografie und Gottesbild
◦ Spuren Gottes in meiner Geschichte
◦ Gottes ‚roter Faden’ in meinem Leben?
◦ Segen und Fluch in der Biografie
◦ Unterbrüche und Abbrüche …

Wenn Sie Hilfe bei der Planung der An- und Abfahrt brauchen, können Sie sich gern an mich wenden. Hier ist der Link zum Flyer: Biografie-Moscia-2018


Mittwoch, 21. Februar 2018
Ulrike schreibt: Wolfgang ist heute früh nochmals an der Hüfte operiert worden und die ‹Pfanne› ist nochmals ausgetauscht worden. Mittlerweile habe ich den Eindruck, dass ich nicht nur das Kantonsspital Liestal und das Uni-Spital Basel ganz gut kenne, sondern jetzt auch das Bruderholz-Spital. Es ist noch ganz lustig, dass ich in jeder Spital-Caféteria beim Bezahlen als Mitarbeiterin eingeordnet werde. Ich scheine mich ganz gut an das jeweilige Umfeld zu assimilieren ... 😀

Morgen bin ich in der Kirchgemeinde unterwegs mit einer Beerdigung, einem Altersheimgottesdienst und einer Sitzung. Am Samstag, dem 24. Februar 2018, bin ich Referentin bei einem Frauenfrühstück, zu dem ich herzlich einlade: Gott führt - aber wie? Von Entscheidungen und Vertrauensschritten. Ort ist die Freie Evangelische Gemeinde Grosshöchstetten und Beginn ist um 9 Uhr. Mehr Infos finden Sie hier: www.kapelle.ch/index.php/erwachsene/anlaesse/frauenfruehstueck


Samstag, 17. Februar 2018
Ulrike schreibt: Am 17. März - in genau vier Wochen - beginnen die diesjährigen Schweige-Exerzitien mit Wolfgang in Rasa. Sie gehen vom 17. bis zum 22. März 2018 (Samstag bis Donnerstag) und es sind noch ein paar Plätze frei. In den Exerzitien wird jeweils ein Psalm betrachtet. Das ist im März der Psalm 116.

Wolfgang stellt ihn unter das Thema ENTTÄUSCHUNG — RETTUNG … und wie man darüber reden sollte. Der Beter hat die Überzeugung, dass Gott gut ist. Aber das Leben scheint ihm das Gegenteil zu beweisen. ... Was nun? ... Wolfgang meint, dass man nicht an der Enttäuschung vorbei leben darf, sondern durch die Enttäuschung hindurch gehen muss. Wie kommt man von der unreflektierten Überzeugung, dass Gott ‹gut›, ist zu einer vertieften und echten Erfahrung, dass Gott ‹gut› ist?


Freitag, 16. Februar 2018
Ulrike schreibt: Diesen Sonntag werde ich über die Versuchung Jesu predigen. Wer mitlesen möchte: Die Geschichte wird in Matthäus 4,1-11 erzählt. Fast im selben Moment, in dem Jesus seinen Weg als Gesalbter/ Messias/ Christus beginnt, tritt ihm bereits der Versucher entgegen. Der sucht ihn von seinem Weg abzubringen, noch bevor Jesus überhaupt richtig gestartet ist.

Versucht zu werden heisst, dass man abgebracht werden soll von etwas, was kostbar ist und was zum Herzen des eigenen Lebens gehört. Wovon soll Jesus abgebracht werden? Unmittelbar vorher, als Jesus in den Jordan steigt, um getauft zu werden (Matthäus 3,16-17), heisst es:

«Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf,
und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen.
Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach:
Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.»

Die Wortwahl hier ist nicht zufällig. Jedes Wort atmet, dass sich jetzt Jesaja 42,1-9 erfüllt. Ab jetzt wird alles zurecht gebracht.

In diesem Jahr werde ich drei Aspekte des Versuchtwerdens heraus heben. Es gibt meines Erachtens genau drei Weisen, durch die wir von unserem Eigenen, von unserer Berufung, abgebracht werden können. Das sind die

◦ Bedrohung/ Einschüchterung
◦ Verführung/ Verlockung zu etwas scheinbar Besserem
◦ Enttäuschung

Nicht jeder von uns ist in gleicher Weise anfällig. Manche von uns sind völlig resistent gegenüber Bedrohungen. Sie knicken aber sofort ein, wenn sie umworben und am Gewinn beteiligt werden. ... Dass auch Enttäuschung dazu führt, dass Menschen sich von dem abwenden, was ‹Ihres› ist, ist mir selbst noch recht neu. ... Herzliche Einladung, wenn diese kleine Skizze Sie neugierig gemacht hat.


Mittwoch, 14. Februar 2018
Ulrike schreibt: Heute ist Valentinstag. Früher konnte ich mit dem nichts anfangen, heute finde ich ihn ganz schön, weil er zu einer Bestandsaufnahme einlädt. Im Talmud heisst es:

«Wer ist reich? Jeder, der eine gütige Frau hat.» (b Schabbat 25)

«Man soll für Essen und Trinken weniger ausgeben als man hat,
für Kleidung so viel wie man hat
und für die Frau mehr als man hat.» (b Chullin 84)

Das gefällt mir gut 😀 Hier wird bewusst das ‹Rechnen› beiseite gelegt und nur das ‹Mehr› erscheint als angemessen für den geliebten Menschen. ... Manche von euch wissen, dass Wolfgang am Montag an der Hüfte (zum vierten Mal) operiert worden ist. Im Vergleich zum letzten Jahr sind das Peanuts - aber man weiss ja nie. Damit er nicht wieder an einer Sepsis erkrankt, hängt er prophylaktisch am Tropf für Antibiotika. ... Ich selbst bin mit pfarramtlichen Dingen beschäftigt. Zum Beispiel habe ich Beerdigungsbereitschaft und führe Gespräche, ich habe morgen und in der nächsten Woche Gottesdienste im Altenpflegeheim und am Sonntag feiern wir Gottesdienst in Liestal (9.30 Uhr) und in Seltisberg (11 Uhr).


Sonntag, 11. Februar 2018
Ulrike schreibt: Gestern waren Wolfgang und ich im Theater Basel in Die schwarze Spinne. Jeremias Gotthelf hat 1842 eine Nouvelle geschrieben: Bauern im Emmental werden geknechtet und sehen keinen Ausweg, ihrer Not zu entkommen. Sie schaffen es einfach nicht. Da bietet der Teufel ihnen an, ihre Not zu wenden, wenn er dafür ein neu geborenes ungetauftes Kind erhält. Die Bauern sträuben sich, dann stimmt eine Frau aus der Dorfgemeinschaft zu und alle sind erleichtert. Ihnen ist geholfen - bis dann das erste Kind geboren wird. ... Ich fand es extrem spannend, v.a. das Setting der Erzählung: Die eigene Not ist nur dann zu lindern, wenn dafür Leben geopfert wird. Keiner will es, aber alle machen mit. ... Und die Frage: Wie lässt sich die losgetretene Dynamik - der Teufel verzichtet nicht - wieder stoppen?

In der Inszenierung von Tilmann Köhler wurde die Nouvelle Satz für Satz auf sieben Schauspielerinnen und Schauspieler verteilt: Sie haben gespielt, indem sie ‹erzählt› haben - in der dritten Person von sich selbst. Das hatte einen ziemlich Drive.

Heute ist Sonntag und wir bereiten den Bibel-Salon für morgen vor. Morgen lesen wir in Markus 3 und 4: Jesus nennt seine Jünger ‹Familie›. Er ruft Menschen als seine Familie zusammen. Was heisst das? Was versteht man in der römischen Antike unter einer Familie? Dann geht es darum, dass Jesus Gleichnisse erzählt. Warum macht er das und was sind Gleichnisse überhaupt? Wer morgen kommen möchte: Wir sind von Lukas und Stefanie Mattmüller in die Rütschetenstrasse 5 in Liestal eingeladen.


Montag, 5. Februar 2018
Ulrike schreibt: Für heute Abend, 20 Uhr, laden wir herzlich in den Bibel-Salon ein. Wer kann, möchte bitte vorher im Markusevangelium Kapitel 2,13 bis Kapitel 3,12 lesen. Als thematischen Schwerpunkt haben wir heute Gruppierungen zur Zeit Jesu: Sadduzäer, Pharisäer, Essener, Schriftgelehrte, Herodianer usw. … der Hohe Rat (Synedrium). Ort ist heute der Zirkelirain 15a in Liestal. Willkommen!


Samstag, 3. Februar 2018
Ulrike schreibt: Der Januar ist gut zu Ende gegangen. Ich bin für vieles dankbar, für die ersten Bibel-Salons und für die Offenen Abende. Ich habe die Offenen Abende zur Biografie als sehr dynamisch erlebt. Wir hatten eine schöne Mischung von Leuten da: Bekannte und Neue, Ältere und Jüngere und viele haben sich mit persönlichen Beiträgen beteiligt.


Bedarf an Vorbildern
Am letzten Abend haben wir über das Abschiednehmen gesprochen, besonders über Chancen des Abschiednehmens. Mir ist dabei etwas aufgefallen. Wenn ich von etwas Abschied nehmen muss, dann füllt sich die Leerstelle nicht automatisch. Dann kommt das Neue nicht ganz von allein. Vielmehr brauche ich Vorbilder, an denen ich mir anschauen und abschauen kann, wie man in einer neuen Lebensphase gut lebt. Zum Beispiel: Wie kann man das eigene Frau-sein auch im höheren Lebensalter (Abschied von der Jugendlichkeit) gut leben? Wie geht das, als Frau attraktiv zu bleiben? Oder: Wie kann man mit einer Krankheit gut leben (Abschied von der Gesundheit)? Usw.

Im Umgang mit Krankheit kann ich mir viel von Anderen abschauen. Diese Woche habe ich etwas Spezielles erlebt. Ich war im Thermalbad in Rheinfelden. Als ich im Warmwassersprudelbecken sass, stieg ein Mann mit einer Beinprothese die Stufen hinunter ins Wasser. Ich war beeindruckt davon, wie ‹organisch› die Prothese zum sonst sehr starken Körper passte. Erst, als der Mann wieder aus dem Wasser stieg, habe ich gesehen, dass der Mann auch keine Hände hat. Ich war verblüfft darüber, dass ich das nicht vorher wahrgenommen hatte. Das hat mich aufmerksam gemacht: Dass ‹Neues› entsteht - zum Beispiel ein neues Körpergefühl - wenn etwas ‹vergangen› ist, ist auch eine menschliche Fähigkeit/ Aufgabe. Man kann das gestalten, was man hat.


Danke sagen
Wir haben beim letzten Abend auch darüber gesprochen wie man loslassen kann. Wie kann man Abschiede gestalten? Einzelne haben gesagt: «Ich sage Gott danke - zum Beispiel für diesen Mantel - und gebe ihn dann weg.» Das Bild vom Mantel griff Wolfgang auf. Er sagte, dass er auch dem Mantel (!) danke sagen würde, wenn der ihm wertvoll gewesen war und gute Dienste geleistet hatte. Wolfgang erinnert an die Arie des Colline im 4. Akt der Oper La Bohème. Colline verabschiedet sich wehmütig von seinem geliebten alten Mantel. Er wird ihn ins Leihhaus geben, um Geld für die Behandlung der todkranken Mimi zu bekommen.

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Wolfgang meint, ‹der Mantel› sei ein Stück von Colline selbst geworden. So geht es uns mit einigen Dingen, von denen wir uns verabschieden müssen. Sie sind nicht nur ‹etwas›. Sie sind ein Stück von uns selbst geworden.


Abendfeier - morgen
Morgen Abend sind Sie herzlich zur Abendfeier in der Stadtkirche Liestal eingeladen. Wir haben als Jahresthema: ‹Wo wohnt Gott - von Orten drinnen und draussen›. Morgen betrachten wir die Nathansweissagung in 2. Samuel 7. König David will ein Haus für Gott in Jerusalem bauen. Nathan nimmt das ganz positiv auf. Gott selbst ergreift dann das Wort und sagt, dass ER dem David ein ‹ewiges› Haus bauen wird. Sehr faszinierend dieses Wechselspiel zwischen dem eigenen guten Wollen und dem, dass Gott selbst das Wesentliche an die Hand nimmt.


Montag, 29. Januar 2018
Ulrike schreibt: Wir waren am Wochenende beim Studientag der FBG, bei einer Familienfeier (ein Grosskind von Wolfgang wurde getauft) und einem Gottesdienst der Kirche Kreativ in Basel. Es war für uns ein wirklich schönes Miteinander und vor allem haben wir das Gefühl, mit vielen von Euch unterwegs sein zu dürfen.

Auch diese Woche gibt es mehrmals die Möglichkeit, einander zu sehen. Sie sind zweimal zu ‹Offenen Abenden› eingeladen:

◦ am Dienstag, 19.30 Uhr in die ev.-method. Gemeinde in Liestal: Wolfgang und ich sprechen über ‹Segen und Fluch in der eigenen Biografie›

◦ am Donnerstag, 19.30 Uhr in unsere ref. Kirchgemeinde: Stefan Gassler spricht über ‹Chancen des Abschiednehmens›

◦ Am Montag, dem 5. Februar, laden wir zum dritten Bibel-Salon ein, diesmal in den Zirkelirain 15a. Wir lesen Markus 2 und Themenschwerpunkt sind Gruppierungen zur Zeit Jesu (Sadduzäer, Pharisäer, Essener, Schriftgelehrte, Herodianer usw.). Auch wer neu einsteigen möchte, kann gern dazu kommen.


Montag, 22. Januar 2018
Wolfgang schreibt: Gestern haben die reformierte und die katholische Kirchgemeinde Liestal gemeinsam den Gottesdienst für die Woche zur Einheit der Christenheit gefeiert. Dahinter steht die Frage: Was muss Gott uns schenken - und was können wir dazu tun? Die Predigt zu Markus 5,21-34 hat Pfrn. Ulrike Bittner gehalten. Die Liturgie hat Pfr. Bernhard Schibli von der katholischen Schwestergemeinde gemeinsam mit Pfrn. Ulrike Bittner gestaltet.

Den Gottesdienst zum Thema GLAUBE, den Gott uns gibt können sie gleich hier anhören:



Für einen DOWNLOAD finden Sie diese Predigt auf der Seite DOWNLOADS: AUDIO und dort unter der Rubrik "VORTRÄGE UND PREDIGTEN". Zum Downloaden gehen Sie bitte auf dieser Seite ganz nach unten. Wenn die Schrift auf dem Bildschirm blau wird, sind Sie richtig. Dort - alphabetisch angeordnet - finden Sie die Aufnahme des Gottesdienstes unter dem Namen "2018 GLAUBE, den Gott uns gibt" (MP3-Datei: 19'45 Minuten; 6,78 MB)


Sonntag, 21. Januar 2018
Ulrike schreibt: Ich hatte ein schönes Wochenende in Liestal und Wolfgang hatte ein gutes Wochenende in Bruck an der Mur (dort ist er aufgewachsen) 😃. Wolfgang sitzt gerade im Flugzeug nach Zürich. Ich habe durch Zufall ein aktuelles Video einer Flugzeuglandung in Düsseldorf gesehen. Wer es auch sehen mag, kann das hier tun. Es lohnt sich!



In der nächsten Woche sind es gleich mehrere Anlässe, zu denen wir einladen:

Am Montag ist der zweite Bibel-Salon - diesmal nicht bei uns Zuhause, sondern in der Sichternstrasse 51. Wolfgang wird morgen das Markusevangelium, Kapitel 2 auslegen. Schwerpunktmässig geht es um die ‹Bedeutung der Heilungen›. Herzlich willkommen, auch an Neueinsteiger/innen!

Am Dienstag starten wir mit den Offenen Abenden. Zusammen mit der ev.-methodistischen Gemeinde haben wir das Thema ‹Meine Biografie - was ist das eigentlich?› gewählt. Am Dienstag laden wir in die Kirche der methodistischen Gemeinde ein, am Donnerstag um 19.30 Uhr in unser eigenes Gemeindehaus in der Rosengasse 1.

Am Samstag, dem 27. Januar, laden wir für einen ganzen Studientag ‹Meine Biografie - was ist das?› in's Nidelbad/ Rüschlikon ein (9.45-16.30 Uhr). Wer den Flyer der Fritz-Blanke-Gesellschaft nicht hat, findet die Informationen links auf unserer Seite bei ‹nächster Studientag›. Für den Studientag muss man sich anmelden, auch weil das Mittagessen inclusive ist.

Am Sonntag, dem 28. Januar, ist Gottesdienst der Kirche Kreativ in der Paulus-Kirche in Basel (18 Uhr). Das sind Künstlergottesdienste. Ich darf die Predigt («AUFBRUCH» — WIE, WOZU, WOHIN?) halten, die Musik macht Karen Brubaker mit Beat-Boxing und Flöte.

Im Mai/ Juni 2018 bieten Wolfgang und ich in unserer Kirchgemeinde einen ‹Predigt›-Kurs an. Hier ist ein Ausschnitt aus der Ausschreibung:

«Wir betrachten es als Zukunftsaufgabe unserer Kirchen, Gemeindemitglieder im Umgang mit der Bibel zu begleiten und zu qualifizieren. Wir führen die Teilnehmenden in das Betrachten biblischer Texte ein, befähigen sie, biblische Texte zu strukturieren und das Geschaute in freier Rede einfach und anschaulich zur Sprache zu bringen.

Es gibt Situationen, in denen Menschen gefragt werden «ob sie etwas sagen» können. Das kann bei einer Abdankung sein, einer Feier im Alters- und Pflegeheim, einem Hochzeitsjubiläum oder einem sonstigen Anlass. Dann sagen zu können: «Ja, das mache ich» und zu wissen, wie das geht und Freude an der Aufgabe zu haben, dazu hilft unser Kurs.» Den Flyer werden wir demnächst hier verlinken.


Donnerstag, 18. Januar 2018
Ulrike schreibt: Heute Abend gehen Wolfgang und ich in's Theater Basel, in die Oper Elektra. Das letzte Mal waren wir in ‹Die tote Stadt› von Erich Korngold, was ein grosses Erlebnis für mich war. Ich freue mich auf den Abend und hoffe, dass er wieder so inspirierend wird. Morgen fliegt Wolfgang dann in aller Frühe für das Wochenende nach Graz und besucht seine Schwägerin. Ich bleibe hier in Liestal und bin mir ‹Pfarramtlichem› beschäftigt.

Für Sonntag sind Sie in den Ökumenischen Gottesdienst in der Stadtkirche Liestal (10 Uhr) eingeladen. In der Predigt über Markus 5,21-34 schauen wir auf zwei Menschen: den Synagogenvorsteher Jairus und die Frau mit dem sogenannten Blutfluss. Es ist interessant, wie zielstrebig und gewiss sich beide sind, dass Jesus gerade ihnen persönlich Heilung bringt:

«Und als er (= Jairus) Jesus sah, fiel er ihm zu Füssen und bat ihn sehr und sprach: Meine Tochter liegt in den letzten Zügen; komm und lege ihr die Hände auf, dass sie gesund werde und lebe. Und er ging hin mit ihm.» (Vers 22-24)

«Denn sie (= die erkrankte Frau) sagte sich: Wenn ich nur seine Kleider berühre, so werde ich gesund. Und sogleich versiegte die Quelle ihres Blutes, und sie spürte es am Leibe, dass sie von ihrer Plage geheilt war.» (Vers 28-29)

Woher haben Beide diese Gewissheit? Da ist kein ‹Rätseln› darüber, ob und wie Jesus ihnen helfen wird. Was ist das für ein Glauben und woher kommt solcher Glaube? Manche würden sagen, dass diese beiden Menschen eben einen ‹grossen› Glauben haben, aber das führt auf eine falsche Fährte. Wir wissen, dass Glaube, der «klein ist wie ein Senfkorn», ausreicht. Nicht um die Grösse des Glaubens geht es, sondern darum, «wofür» (!) jemand Glauben bekommen hat. Solchen Glauben kann man nur in sich finden - weil er zuvor vom himmlischen Vater geschenkt worden ist. Darum sagt Jesus auch zur Frau «Meine Tochter, dein Glaube hat dich gesund gemacht; geh hin in Frieden und sei gesund von deiner Plage!».

Es ist wichtig, dass ich weiss, wofür ich von Gott Glauben bekommen habe. Und wofür ich keinen Glauben habe. Wer hier nicht unterscheiden kann, fängt an sich selbst oder Gott zu manipulieren. Dafür werde ich in der Predigt Beispiele nennen. Letztlich geht es in der Predigt darum, dass wir unterscheiden. Es gibt einen Glauben, der sich selbst nicht kennt und sich darum überschätzt - und der darum immer in die Enttäuschung führt. Und es gibt den Glauben, den ich in mir finde und den ich ernst nehmen darf und muss ... Klingt das spannend? Dann einfach kommen am Sonntag.😃


Sonntag, 14. Januar 2018
Wolfgang schreibt: Wir freuen uns schon sehr auf den Beginn des Bibel-Salons — morgen Abend um 20:00 Uhr bei uns am Küngelbrunnenweg. Herzlich willkommen. Bitte die eigene Bibel mitbringen. Informationen und Hilfsmittel finden Sie auf der Seite BIBEL-SALON

Die Impulse der heutigen Abendfeier in der Stadtkirche Liestal von Wolfgang J Bittner zum Thema WO WOHNT GOTT? können sie gleich hier anhören:



Für einen DOWNLOAD finden Sie diese Predigt auf der Seite DOWNLOADS: AUDIO und dort unter der Rubrik "VORTRÄGE UND PREDIGTEN". Zum Downloaden gehen Sie bitte auf dieser Seite ganz nach unten. Wenn die Schrift auf dem Bildschirm blau wird, sind Sie richtig. Dort - alphabetisch angeordnet - finden Sie diese Impulse unter dem Namen "2018-01 WO WOHNT GOTT?" (MP3-Datei; 26'43 Minuten; 9,13 MB)



Donnerstag, 11. Januar 2018
Ulrike schreibt: Seit Anfang der Woche bin ich in unserer Kirchgemeinde in Liestal und Seltisberg unterwegs. Ich nehme an Sitzungen teil, mache Besuche bei Gemeindemitgliedern, bereite mit anderen zusammen Gesprächskreise vor und leite selbst Gesprächskreise. Diesen Sonntag ist übrigens die erste Abendfeier des Jahres in der Stadtkirche Liestal (18 Uhr). Wir haben Wolfgang gebeten, an diesem ersten Abend im neuen Jahr den biblischen Impuls zu übernehmen: «Wo wohnt Gott? Vom Tempel draussen zum Tempel in mir.» Herzlich willkommen!

Heute Nachmittag feiere ich Gottesdienst im Altenpflegeheim Brunnmatt und am Abend haben wir Kirchenpflegesitzung (= Kirchgemeinderat 😯). Für die Einleitung werde ich einen Abschnitt aus Tagebuchnotizen von Edith Stein vorlesen. Es gefällt mir, wie Edith Stein mit den Erfahrungen ihrer Begrenztheit, mit ihrer eigenen Geschöpflichkeit umgeht.

Sie beginnt jeden Arbeitstag mit einer Zeit für die Anbetung Gottes: «Und wenn der Herr dann zu mir kommt in der heiligen Kommunion, dann darf ich Ihn fragen: ‹Was begehrst Du, Herr, von mir?› (hl. Teresia) Und was ich nach stiller Zwiesprache als nächste Aufgabe vor mir sehe, daran werde ich gehen.» Edith Stein erzählt von ihrem Tagesablauf als Lehrerin, und wie sie immer wieder versucht, kurz innezuhalten, bis dann der Abend kommt:

«So wird es den Rest des Tages weitergehen, vielleicht in grosser Müdigkeit und Mühseligkeit, aber in Frieden. Wenn die Nacht kommt und der Rückblick zeigt, dass alles Stückwerk war und vieles ungetan geblieben ist, was man vorhatte, wenn so manches tiefe Beschämung und Reue weckt, dann alles nehmen wie es ist, in Gottes Hände legen und ihm überlassen. So wird man in Ihm ruhen können, wirklich ruhen und den neuen Tag wie ein neues Leben beginnen.» Quelle: http://religionv1.orf.at/radio/erfuelltezeit/er010614.htm


Montag, 8. Januar 2018
Wolfgang schreibt: In den letzten Wochen habe ich mich ziemlich auf die Vorbereitung unserer BIBEL-SALON-Abende konzentrieren können. Nun freue ich mich sehr darauf, dass es in einer Woche damit losgeht. Zur Erinnerung: Auf der Seite finden Sie alle näheren Hinweise zu diesen Abenden. Zu den auf der Seite: BIBEL-SALON veröffentlichten bisherigen Hilfsmitteln zur eigenen Vorbereitung (Flyer zum Weitergeben: 2018-BIBEL-SALON-Januar-bis-Juni; neue Übersetzung des Markusevangeliums Die Gute Nachricht nach Markus-LEON; Verzeichnis von Parallelstellen Mark-Parallelen) habe ich heute noch eine kleine Anleitung zum Lesen biblischer Texte veröffentlicht, die man sich leicht herunterladen kann: BIBEL LESEN – einfache Schritte. Ich hoffe, dass sie für Ihre eigene Bibel-Lektüre hilfreich ist. In den nächsten Tagen wird noch ein kleines Verzeichnis weiterführender Bücher sowie eine Liste mit hilfreichen Internet-Seiten erscheinen.


Samstag, 6. Januar 2018
Ulrike schreibt: Gestern war ich zu Besuch in Eisenhüttenstadt. Ich habe einige Freunde und Gemeindemitglieder von früher besucht, und im grossen und ganzen hat das auch geklappt 😃. Ich habe es sehr genossen, euch wiederzusehen. Danke für euch!

Für die, die es nicht (mehr) wissen: Von 2001-2008 war ich Gemeinde- und Schulpfarrerin in Eisenhüttenstadt. Als Wolfgang und ich dorthin gezogen sind, hatte die Stadt etwa 41.000 Einwohner/innen - heute sind es noch etwa 24.000. Wo wir früher gewohnt haben - im ‹Plattenbau› an der Fürstenberger Strasse - ist heute eine Wiese mit einem NORMA Einkaufsmarkt drauf. Mir kam trotz der abgerissenen Wohngebiete alles merkwürdig vertraut und ‹nahe› vor, das hatte ich nicht erwartet. Was die evangelische Kirche betrifft, ist die sogenannte ‹Strukturreform› weiter voran geschritten. Der Kirchenkreis ‹An Oder und Spree› ist mit anderen Kirchenkreisen zusammengelegt worden und viele Pfarrstellen sind nicht wiederbesetzt worden.

Gemeindemitglieder vor Ort nehmen vieles selbst an die Hand. Sie teilen ihr Leben miteinander, treffen sich zum Bibellesen und Beten und engagieren sich für andere Menschen. In Eisenhüttenstadt haben sie das auch früher schon gemacht. Im letzten Herbst hat ein Team aus verschiedenen Kirchen zum Beispiel zu einer gemeinsamen Zelt-Evangelisation nach Eisenhüttenstadt eingeladen. Darüber habe ich schöne Geschichten gehört. Dass zwei Männer kamen und sich im Zelt suchend umgeschaut haben: Wo denn Jesus sei? Es sei doch gesagt worden, dass man ihn hier persönlich treffen könne ... (Nicht schlecht! 😃)

Wie geht es Christinnen und Christen, die die Verantwortung für ihr Gemeindeleben selbst in die Hand nehmen? Erleben sie die Leitung der Kirchgemeinde - die Kirchenpflege bzw. den Gemeindekirchenrat - als Hilfe und Unterstützerin? Oder kostet es zusätzliche Kräfte, sich im Namen der Kirchgemeinde zu engagieren? Interessanterweise entscheiden in einer Kirchgemeinde auch diejenigen mit, die sich an der gewünschten Aktion gar nicht beteiligen. Es muss ein Konsens mit allen gefunden werden, obwohl schon von vorneherein klar ist, wer sich für dieses Anliegen engagieren wird und wer das nicht tun wird.

Ich bekomme von Gemeindemitgliedern - und manchmal auch von Pfarrpersonen - erzählt: ‹Ohne› die Kirchgemeinde ist es ‹einfacher› - und vor allem schneller - als ‹mit› der Kirchgemeinde. Es wäre interessant, von Gemeindemitgliedern einmal zu hören, dass es anders herum ist! Dass sich Dinge beschleunigen, wenn man die Leitung der Kirchgemeinde fragt. Dass es leichter und fröhlicher zugeht, sobald man um Hilfe bittet. Dass weitere Menschen dazu stossen und das Team zu wachsen beginnt, wenn die Kirche dabei ist. Schreiben Sie mir Ihre Geschichte, wenn Sie genau das erlebt haben. Und wenn Sie davon erzählen möchten 💞


Donnerstag, 4. Januar 2018
Ulrike schreibt: Wolfgang und ich waren die letzten beiden Tage in Dresden. Hauptgrund war, dass ich meinen Studienurlaub (‹Kommunikation christlicher Minderheiten›) vorbereite. Prof. Harald Wagner von der Evangelischen Hochschule Dresden hat mir seine Hilfe angeboten und weitere Kollegen angefragt. ... Sie waren sehr freundlich, hilfreich und interessiert - vielen Dank dafür!

Wolfgang und ich haben haben bei der Gelegenheit ‹Freunde von früher› besucht - nämlich das Ehepaar, durch das ich Ende der 90er Jahre hauptberuflich zur ‹Studentenmission in Deutschland› gekommen bin. Ich war damals jung und gerade Pfarrerin in Berlin (in einem missionarischen Projektpfarramt) und sie waren Gemeindemitglieder und haben für die SMD gearbeitet. ... Gewohnt haben wir in Dresden nochmals bei einem anderen Paar, nämlich bei Freunden, die wir durch die Geschwisterschaft Koinonia kennen. Schon cool übrigens, in so einer schönen alten Villa mitten in Dresden zu leben 😀. Die beiden sind Ärzte und tragen Sorge für psychisch kranke Menschen. Da ist mir - abgesehen davon, dass wir es gut miteinander hatten (Danke auch hier!❤️) - etwas aufgefallen:

Wenn Wolfgang Vorträge über Heilung in christlicher Perspektive hält, dann sagt er, dass viele Menschen, die Heilung für sich erbitten, wieder hergestellt werden möchten. Sie möchten weitermachen können wie bisher - und Gott soll dabei helfen. Die Krankheit wird selten als Anlass verstanden, das bisherige Lebenskonzept und -ziel («Wo will ich eigentlich hin?») vor Gott anzuschauen. Gott soll helfen, dass man weiterleben kann wie bisher. Solch ein Verständnis von Heilung kommt in der Bibel nicht vor. ... Wer als Ärztin oder Arzt in der Psychiatrie oder Psychotherapie arbeitet, macht oft ähnliche Erfahrungen: Menschen wollen wieder ‹funktionieren›, den Platz wieder einnehmen, den sie früher einmal eingenommen haben. ... Ich will nicht darüber urteilen, ich verstehe das. Mir scheint aber die Frage, worum es bei der Bitte um Heilung eigentlich geht, eine wichtige Frage.

Ich bin immer beeindruckt, wenn ich Menschen treffe, die zu ihrer Krankheitszeit - für die es tausend Gründe geben kann - stehen, und die in der Folge tatsächlich neue Wege gehen.


Sonntag 31. Dezember 2017
Ulrike schreibt: Wolfgang und ich wünschen Euch und Ihnen einen guten Altjahrsabend und ein gesegnetes neues Jahr 2018! 🍶🍇💞 Wir beide machen an diesem Abend tatsächlich ‹nichts›, ausser dass wir irgendwann zu unserer griechischen Lieblingswirtin Athena in's Nachbarhaus hinübergehen werden. Ich habe die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr genutzt, um mir selbst mehr auf die Spur zu kommen.

Ich habe den Eindruck, dass ich einiges an Lebenskraft/ Energie für die ‹falschen› Dinge brauche. Hans-Joachim Maaz schreibt in seinem neuen Buch ‹Das falsche Leben. Ursachen und Folgen unserer normopathischen Gesellschaft› (2017) über das ‹falsche Selbst›. Persönlichkeitsstörungen entstehen Maaz zufolge in den ersten Jahren der Kindheit. Maaz unterscheidet das bedrohte Selbst, das gequälte Selbst, das ungeliebte, abhängige, gehemmte, vernachlässigte und das überforderte Selbst. Er beschreibt, welche Schutzmechanismen wir aufbauen, damit andere unsere spezielle Beschädigung/ Entfremdung nicht erkennen. Was tun wir alles, damit wir unserer eigenen Verletzheit nicht begegnen müssen?

Maaz' Anliegen ist es, dass wir unsere Verletzheit erkennen und damit auch die Kompensations- und Ersatzhandlungen, mit deren Hilfe wir unser Leben bewältigen. Das können zum Beispiel Süchte sein oder übermässige Leistungs- und Erfolgsorientierung. Maaz schreibt gut verständlich und einleuchtend, finde ich, und für psychotherapeutisch geschulte Menschen ist wahrscheinlich wenig Neues dabei. Aber um ‹neu› geht es ja nicht, sondern darum, der eigenen Verletztheit und den eigenen Mechanismen der Schmerz-Vermeidung auf die Spur zu kommen. ... Neu an Maaz' Buch ist, dass er eine Mehrheit der Bevölkerung für ‹geschädigt› hält und aufzeigt, dass wir unsere Schäden mittlerweile gesellschaftlich reproduzieren. Wir machen sie sogar zur Bedingung eines erfolgreichen Lebens. Wer ein Interview mit dem Autor lesen möchte, findet es online in: Der Tagesspiegel vom 27. Dezember 2017 (David Ensikat: Interview mit Hans-Joachim Maaz. Wir Deutsche sind Größenwahnsinnige).


NICHT IDEOLOGIE, SONDERN BEGEGNUNG
Mir ist wichtig geworden, was mir schon lange wichtig ist: Wir dürfen als Kirche nicht einfach eine neue Ideologie - und sei es auch eine ‹christliche› - anbieten. Es geht vielmehr um echtes Leben. Um die Begegnung mit Gott, mit sich selbst, mit anderen Menschen - das ist ein lebenslanges Unterwegssein. Die Bibel würde sagen: ein lebenslanges Lieben, lebenslange Freundschaft. Aber eben nichts Statisches. Maaz schreibt:

«Wie kommt man zu besseren Beziehungen? Zuallererst, indem man bei sich selbst anfängt. Es geht darum, sich selbst besser zu verstehen, das Sosein als ein Geworden-sein zu erkennen (...). Kaum einer geht diesen anstrengenden Erkenntnisweg aus Übermut. Viel stärker verbreitet ist die Neigung, sich in einer Krisensituation zu garantiert leichten Erfolgswegen verführen zu lassen. Der Markt bietet dazu eine Unmenge von ‹Erkenntnistrips›, die in aller Regel aber nur eine neue Entfremdung verkaufen, mehr profitinterssiert sind, als wirkliche Hilfe gegen das falsche Leben anzubieten. Man erwirbt sich mit ihnen oftmals lediglich eine neue Ideologie, verbunden mit dem zweifelhaften Privileg, sich im falschen Leben illusorisch und überheblich als ‹befreit› dünken zu dürfen.

Die mutige Selbsterfahrung, von der ich spreche, braucht zuerst Raum und Zeit und dann eine hilfreiche Aufnahmemöglichkeit. (...) Das sind Menschen, die vorbehaltlos zuhören, aufzunehmen und zu verstehen bereit sind. Es sind Beziehungspartner, die nicht bewerten, kritisieren, moralisieren, die keinen Rat geben, nichts besser wissen und sich nicht mit ihrer eigenen Erfahrung auf die des anderen draufsetzen. (...) Es ist eine der grössten menschlichen Leistungen, für den anderen dazusein, sich zur Verfügung zu stellen, dabei selbst keine Ansprüche zu haben, oder eigene Interessen zu verfolgen (...)» (Seite 118-119) Das können Maaz zufolge nur Menschen tun, die auch für sich selbst solche Begleitung entgegennehmen.


Mittwoch, 27. Dezember 2017
Ulrike schreibt: Wolfgang und ich verbringen ein paar freie Tage in Berlin. Der Anlass dafür ist, dass wir meine Familie treffen - ich komme ja ursprünglich aus Berlin.

In vieler Hinsicht habe ich 2018 schon vorbereitet oder zumindest angedacht. Im Herbst 2018 werde ich einen dreimonatigen Studienurlaub machen. In einem Studienurlaub kann man eigenen Fragen zu Theologie und Kirche nachgehen, die möglichst auch für das Leben der Gemeinde von Bedeutung sein sollten. Mein Thema - und zwar wirklich von Herzen ‹mein› Thema - sind Kirchen, die in ihrer Gesellschaft eine Minderheit darstellen.

Auf der Lausanner Konferenz für Weltevangelisation in Kapstadt 2010 hat Ziya Meral - ein türkisch-britischer Kulturbeobachter - über christliche Gemeinden in islamischen Gesellschaften gesprochen. Und zwar völlig anders, als ich es bisher gehört hatte. Er hat erzählt, dass viele Christinnen und Christen einen sozialen Tod sterben, weil sie durch ihre Bekehrung zu Jesus von der Teilhabe an der Hauptkultur ausgeschlossen werden.

Mich interessiert, was eine Minderheit dafür tun kann, dass sie nicht von der Hauptkultur stigmatisiert wird. Also: wie kann sie sich selbst treu bleiben, aber im gesellschaftlichen Kontext klug handeln? Ich denke, dass man durch Besuche und Befragung ‹entdecken› kann, wer da was ‹richtig› macht, bzw. welche Minderheitenkirchen ‹erfolgreich› kommunizieren. ... Mein Vorgehen soll sein, dass ich kleine Kirchen in Ostdeutschland, Österreich, Russland und einem muslimischen Land besuche. Und dass es parallel dazu eine Befragung auf breiterer Basis gibt.

Ich bin überrascht und dankbar, dass sich schon einige Menschen gefunden haben, die bereit sind, mitzuarbeiten. Es braucht vor allem Soziologen; Theologin bin ich ja selbst 😇 - und Freunde mit guten Beziehungen in's Ausland. Ich erzähle mehr, wenn die Planungen weiter vorangeschritten sind.


Montag, 25. Dezember 2017
Wolfgang schreibt: Man kann die Weihnachtsgeschichte gar nicht genug hören. Dabei staunen wir, dass man mit ihrer Hilfe wirklich immer wieder Neues hört: Neues für unser Leben und Neues für unsere Orientierung in unserer Zeit,

Sie können die heutige Weihnachts-Predigt von Pfrn Ulrike Bittner über Lukas 2 in der Stadtkirche Liestal
gleich hier anhören:




Für einen DOWNLOAD finden Sie diese Predigt auf der Seite DOWNLOADS: AUDIO und dort unter der Rubrik "VORTRÄGE UND PREDIGTEN". Zum Downloaden gehen Sie bitte auf dieser Seite ganz nach unten. Wenn die Schrift auf dem Bildschirm blau wird, sind Sie richtig. Dort - alphabetisch angeordnet - finden Sie die Predigt unter dem Namen "2017-WEIHNACHTS-GOTTESDIENST" (MP3-Datei; 34.09 Minuten; 11,72 MB)



Sonntag, 24. Dezember 2017
Ulrike schreibt: Wir wünschen Euch und Ihnen - allen, die in irgendeiner Weise mit uns unterwegs sind - ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest. Möchte die Freude an Jesus Christus in euch und in uns gross werden! Danke an alle, die uns Weihnachtspost geschickt haben. An den Beobachtungen eines Kollegen - das ist Uli B. - möchte (und darf!) ich euch hier Anteil geben. Er schreibt:

«Mit Flüchtlingen bin ich immer noch recht umfassend beschäftigt, obwohl sie eigentlich zu einem anderen Bereich gehören. Ein Afghanenbub kam und wollte sich taufen lassen. Warum er Christ werden wolle, fragte ich ihn. Weil der Islam so schlimm oder das Christentum so toll sei? «Weil der Islam so schlimm ist», meinte er. Und dann bricht es aus ihm heraus: «Ich will meinen Gott finden». Er beginnt mich regelmässig zu besuchen und wird dabei immer froher.

Nach ein paar Monaten fragt er, ob er andere mitbringen dürfe. «Ich hab denen gesagt, wie Jesus ist!» Ab da fungiert er bei mir als Dolmetscher und es ist ein Augenschmaus, wenn ich sehe, mit welch einer Emotion und welch einem Strahlen er übersetzt, wenn ich von der Liebe Gottes zu uns erzähle. Ich: steril-schwäbisch und er: freudig-farsi. Ich wollte ihn nicht selber taufen, da er in den Gottesdienst der Volksmission geht. Die sind offen für Fremde. Unsere Evangelischen (Zitat: «Ich war paarmal da, aber die Leute reden nicht mit mir») dagegen nicht. Die Volksmission taucht die Täuflinge unter, und er schickte mir sofort Videos vom Tauchen und eine absolut-happy Voice-Nachricht: «Ich bin sooo glücklich! Das ist mein Tag, jaaa ich freu miiich!» Ich bin heute noch gerührt, wenn ich das abhöre.

Zwei Wochen später kommt er. Ob ich mit ihm beten könne. Er habe Angst. Er glaube, Gott würde ihn strafen. Ich erschrecke. Bereut er die Konversion? Fürchtet er die Strafe Allahs? Haben wir einen Fehler gemacht, ihn zu früh getauft? «Neiiin», sagt er. Aber eine christliche Frau war auf ihn zugekommen, nach der Taufe. Sie hatte gesehen, dass er hinkt. Ein Autounfall vor 12 Jahren in der Heimat und schlecht operiert. «Gott will nicht, dass du hinkst, ausser er straft dich für irgendetwas. Irgendetwas muss in deinem Leben nicht in Ordnung sein...», sagte die Frau zu ihm.

Ich musste den Jungen bitten, mir den Namen der Frau nicht zu nennen. Ich war so unchristlich-zornig, am liebsten hätte ich ihr auch einen Grund zum Hinken gegeben. Sofort nach der Taufe!! Die ersten zwei Wochen seines (offiziellen) Christenlebens lebte der Junge mit dieser Furcht und liess sich quälen, bis er sich traute, zu mir zu kommen! (...)

Freunde, das ist nur ein Beispiel (kein Fake diesmal, leider) für manches, an dem ich momentan leide. Wir denken immer noch in den Kategorien ‹Mission› und ‹Evangelisation›. Die Ungläubigen müssten bekehrt werden. Ist das momentan wirklich dran? Zuallererst? Ich glaube nicht. Die Gemeinden haben weder die Kraft zu evangelisieren und noch weniger, diese Neuankömmlinge liebevoll und adäquat an Jesus heranzuführen. Das oben genannte Beispiel steht für herzlose Frömmigkeit. Mir fallen genügend weitere Beispiele ein! Euch nicht?

Wenn im Pfarrplan um Pfründe gerungen wird und nicht um Menschen, dann ist das herzlos. Wenn ein junger Mensch beim Lobpreis ekstatisch mit den Augen rollt, aber verkündet, dass er keine Kirche betritt, wenn die Orgel spielt – dann ist das herzlos. Denn auch da geht es um Menschen. Wenn in der XY Kirche am Sonntag vor dem Reformationstag nur 10 Besucher/innen da waren (bei über 4000 Gemeindegliedern) und weder die Pfarrer, noch der Kirchgemeinderat (= Kirchenpflege) darüber schockiert sind, dann ist das herzlos.

Ich mache mir Sorgen um meine Kirche. Und zwar mache ich mir Sorgen um die, die schon fromm sind! Nicht um diejenigen, die es noch werden sollen. Denn «herzlos» bedeutet ‹auf theologisch› immer «gottlos».» (Ende des Briefzitats)

Für Morgen ist - wer kann und mitfeiern möchte - um 9.30 Uhr in den Weihnachtsgottesdienst in der Stadtkirche eingeladen. Es wird ein eher schlichter Gottesdienst und wir feiern das Abendmahl. Damit Jesus und seine Liebe in uns Raum gewinnen:

«Eins aber, hoff ich, wirst du mir,
mein Heiland, nicht versagen:
dass ich dich möge für und für
in, bei und an mir tragen.
So lass mich doch dein Kripplein sein;
komm, komm und lege bei mir ein
dich und all deine Freuden.»

(aus: Ich steh an deiner Krippen hier, Paul Gerhardt, 1653)


Freitag, 22. Dezember 2017
Ulrike schreibt: Und schon biegen wir in die Kurve zum 4. Advent bzw. zum Heiligen Abend ein ...😀 Ich habe heute letzte Besuche vor Weihnachten gemacht. Jetzt wird es auch bei uns ruhig. Morgen werde ich den Gottesdienst für den ersten Weihnachtsfeiertag (25. Dezember, 9.30 Uhr in der Stadtkirche) vorbereiten. ... 🎄 Danke übrigens für all die Hinweise auf Weihnachtsgeschichten zum Vorlesen, die Sie/ die Ihr mir geschickt haben /habt. Ich habe mich für die Feier im Brunnmatt für ‹Als Weihnachten verboten war› von Lilija Tenhagen entschieden. Die Geschichte ist einfach und handelt vom Weihnachtsfest einer russlanddeutschen Familie in Lettland Anfang der 70er Jahre. Wer sie lesen mag, kann das hier tun: https://www-weihnachten.de/weihnachtsgeschichten/historische-weihnachtsgeschichten/als-weihnachten-verboten-war.htm

Ich werde am 25. Dezember über die klassische Weihnachtsgeschichte in Lukas 2 predigen. Mir ist etwas ganz neu aufgefallen. Jesus ist Mensch geworden, er ist einer wie wir geworden. Da ist aber überhaupt keine Berührungsangst zu uns Menschen zu spüren! Jesus gibt sich in die Hände von Menschen, das sind seine Eltern, die Hirten, die Dorfgemeinschaft in Nazareth. Jesus hat keine Angst davor, dass er - der Gottes Sohn ist - mit uns, den Sünderinnen und Sündern verwechselt wird, oder dass er sich bei uns ‹anstecken› könnte.

Ich denke, dass manche von uns Christinnen und Christen da ungleich mehr Berührungsängste als Jesus haben. Wir vermeiden die Nähe zu ‹komischen› oder sozial stigmatisierten oder schuldig geworden Menschen. Damit wir selbst nicht als ‹komisch› angesehen werden, stigmatisiert werden oder für schuldig gehalten werden. Die Angst davor, selbst für ‹nicht o.k.› gehalten zu werden, ist meines Erachtens gross. ... Jesus hat keine Angst vor Berührung, er hat keine Angst vor dem Urteil anderer Menschen. Paulus übrigens auch nicht. Das gefällt mir sehr.


Sonntag, 17. Dezember 2017
Ulrike schreibt: Wolfgang und ich waren für ein Familien-Wochenende im Berner Jura, genauer: im Hotel de la Chaux-d'Abel. Das liegt ziemlich einsam auf etwa 1000 m Höhe und mitten im Schnee. Mir ist zum ersten Mal aufgefallen, dass ich den Schnee vermisse. Es ist beruhigend, wenn alles um einen herum in Weiss getaucht ist - nur unterbrochen vom Dunkelgrün der Tannen. Wir haben das gemacht, was man als Familie so macht - zusammen spazierengehen, gut essen, spielen, singen und erzählen. ...

Wer Einsamkeit sucht, dem kann ich das Hotel de la Chaux-d'Abel sehr empfehlen. Es wird persönlich geführt und man fühlt sich in dem alten Haus mit dem vielen Holz, dem offenen Kamin usw. schnell Zuhause. Ich könnte mir vorstellen, eine Woche nur zum Lesen und zum Essen dahin zu ziehen. Was eine Überleitung dahin ist, dass ich von Petros Markaris Offshore (2017) gelesen habe ... Von Markaris habe ich bisher jeden ‹Kostas Charitos› Krimi gelesen, weil man ganz nebenbei viel über Politik und Befindlichkeiten in Athen erfährt.

Falls mir jemand helfen kann: Ich suche noch eine spannende und berührende Weihnachtsgeschichte für die Weihnachtsfeier im Altenpflegeheim Brunnmatt diese Woche. Wer eine gute Geschichte hat - nur her damit! 😀


Montag, 11. Dezember 2017
Wolfgang schreibt: Hier können Sie Ulrikes Predigt von gestern zum zweiten Advent anhören. Thema: DAS WIEDERKOMMEN JESU. Über dieses Thema, das traditionell an diesem Sonntag zu hören ist, wird eher selten gepredigt. Urteilen Sie selbst, wie nahe es unserem Leben ist.




Für einen DOWNLOAD finden Sie diese Predigt auf der Seite DOWNLOADS: AUDIO und dort unter der Rubrik "VORTRÄGE UND PREDIGTEN". Zum Downloaden gehen Sie bitte auf dieser Seite ganz nach unten. Wenn die Schrift auf dem Bildschirm blau wird, sind Sie richtig. Dort - alphabetisch angeordnet - finden Sie die Predigt unter dem Namen "2017-DAS WIEDERKOMMEN JESU" [22 Minuten, 7,53 MB].



Sonnabend, 9. Dezember 2017
Ulrike schreibt: Gestern bin ich zum Telefonieren an den Strassenrand gefahren, und dann ist das Auto nicht mehr angesprungen. Die Elektronik meldet, dass sie den Schlüssel nicht erkennt. ... Zuerst rufe ich XY an, mit denen ich 5 Minuten später verabredet bin, damit sie nicht auf mich warten. Sie fragen, ob sie kommen und helfen sollen. Ich: «Ja 😀» Dann gehe ich um die Ecke zur YZ-Tankstelle und frage, ob sie eine neue Batterie für den Schlüssel haben. Vielleicht ist ja nur die Batterie leer.

Dabei entsteht die Frage, wie man den Autoschlüssel aufbekommt. 3 Männer und die Tankstellenfrau beugen sich andächtig über den Schlüssel. Einer googelt ein Youtube-Video und findet tatsächlich eine Anleitung: ‹So öffne ich einen Nissan-Schlüssel.› Die Tankstellenfrau holt einen Kasten mit ein paar feinen Schraubenziehern. Mittlerweile sind XY angekommen und helfen auch. Sie bezahlen mir die Batterie (Danke nochmals!), denn ich habe mein Portemonnaie vergessen. Das Auto erkennt jetzt den Schlüssel, springt aber trotzdem nicht an, sondern zeigt eine andere Fehlermeldung. Also bleibt das Auto ersteinmal stehen und XY und ich nehmen unsere Verabredung wahr. ... Das war klasse, auf so viele freundliche und geduldige Menschen zu treffen. Danke❤️

Und morgen: Herzliche Einladung um 18 Uhr zur Abendfeier in die Stadtkirche. Hinterher: 🎄adventliches Zusammensein für die, die mögen.❤️❤️


Freitag, 8. Dezember 2018
Wolfgang schreibt: Endlich ist unsere Planung für den ersten BIBEL-SALON so weit. Den Flyer können Sie hier einsehen 2018-BIBEL-SALON-Januar-bis-Juni bzw. ganz unten auf dieser Seite auch herunterladen. Die zwölf Abende beginnen am 15. Januar 2018. Bis Juni lesen wir gemeinsam die ersten zwölf Kapitel des Markusevangeliums. Weitere Details sowie einige Hilfsmittel finden Sie auf der Seite Kurs - Seminar • BIBEL - SALON Sie finden diese Seite gleich hier.


Donnerstag, 7. Dezember 2017
Ulrike schreibt: Wir sind seit ein paar Tagen zurück in Liestal. Im Zug - der knapp 10 Stunden durch verschneites Land fuhr - habe ich von Joachim Meyerhoff ‹Die Zweisamkeit der Einzelgänger› (2017) gelesen. Das ist der vierte Teil seines autobiografisch gefärbten Romans. Den ‹Stoff›, den seine beiden Hauptfiguren - zwei seiner Ex-Freundinnen - liefern, finde ich ein bisschen dünn. Aber die Beschreibung des Theaterbetriebs in Kassel finde ich grossartig - und in ihrer Übertragbarkeit auf kirchliche Institutionen verblüffend.

Besuche machen
Ich habe in Liestal einige Besuche gemacht, und das werde ich auch heute wieder tun. Gestern ist Wolfgang für den Besuch eines Gemeindemitglieds in's Bruderholz-Spital mitgekommen. Wir haben für den Rückweg mehr als eine Stunde gebraucht ... Verrückt, wie voll die Strassen im Baselbiet mittlerweile sind. Am Abend haben Nachbarn unsere ganze Strasse - den Küngelbrunnenweg - zum adventlichen Punschtrinken eingeladen. Das ist schön - so sehen wir uns immer wieder einmal.

Bibelsalon vorbereiten
Wolfgang und ich bereiten den Bibelsalon ab Januar 2018 vor. Notieren Sie sich gern Montag, den 15. Januar, 20 Uhr, bei uns im Küngelbrunnenweg 1. Wolfgang wird mit uns das Markusevangelium lesen und wird die Auslegung jeweils an einer Stelle vertiefen. Man kann dann an einem Abend zum Beispiel etwas über ‹Messiaserwartungen im Judentum› lernen, am nächsten über ‹Heilungen und Wunder› usw..

Zweiten Advent feiern
Bis einschliesslich Sonntag ist bei uns in Liestal Weihnachtsmarkt. Als Kirchgemeinde haben wir den Martinstreff geöffnet, das Kerzenzieh-Atelier ist offen und am Samstag um 17 Uhr laden wir zum Adventssingen in die Stadtkirche ein. Ich feiere am 2. Advent die Gottesdienste in der Stadtkirche (9.30 Uhr) und in Seltisberg (11 Uhr mit Kirchenchor), ausserdem den Advent auf dem Friedhof (17.30 Uhr mit Bläsern) und die Abendfeier in der Stadtkirche (18 Uhr). Zur Abendfeier komme ich etwas später dazu ... 😀. Ihr merkt, dass ich am Vorbereiten bin. Am 2. Advent geht es - wenn man der kirchlichen Tradition folgt - immer um das zweite Kommen von Jesus Christus:

«Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres. Und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.» (aus dem Lukasevangelium, Kapitel 21)

Es gibt eine gute und lesenswerte Predigt von Prof. Michael Welker zu Lukas 21,25-33 (http://www.theologie.uni-heidelberg.de/universitaetsgottesdienste/0712_ws09.html) Gut scheinen mir zum Beispiel Welkers Ausführungen dazu, dass die Endlichkeit irdischen Lebens kein ‹religiöses Thema› ist, sondern Gegenstand naturwissenschaften Denkens. Das Besondere an der christlichen Perspektive ist, dass die von aussen hereinbrechende Katastrophe mit dem Kommen des himmlischen und göttlichen Menschensohns verbunden wird. Die Evangelien verbinden den unvorstellbaren Höhepunkt der Not - mit Trost.


Dienstag, 5. Dezember 2017
Wolfgang schreibt: In diesen Tagen wird der neue Freundesbrief der Fritz Blanke Gesellschaft, bei der ich zu 30% angestellt bin, versandt. Falls Sie ihn (etwa dreimal pro Jahr) erhalten möchten, melden Sie bitte Ihr Interesse bei marco.wuergler@nidelbad.ch. Dem Rundbrief liegt diesmal eine revidierte und erweiterte schriftliche Fassung des Vortrages «sola scriptura», also über das sogenannte Schriftprinzip der Reformation, bei. Ausserdem erhalten Sie den Flyer des nächsten Studientages am 27. Januar 2018 zum Thema «Meine Biografie — Was ist das?». Diesen Flyer können Sie auch hier herunterladen: 2018-01-STUDIENTAG BIOGRAFIE


Sonntag, 3. Dezember 2017
Ulrike schreibt: Heute ist unser letzter ganzer Tag in Graz. Wir geniessen das sonnige Winterwetter, das gute Essen und die viele freie Zeit. Besonders schön war es gestern auf dem Schlossberg: Man schaut von dort über die ganze Stadt. Und wenn man rechtzeitig einen Tisch reserviert, dann hat man auch beim Essen noch diesen grossartigen Blick ⛄️☀️

Jetzt, am Morgen, gehe - bzw. fahre - ich zum Gottesdienst in die Freie Christengemeinde - Pfingstgemeinde Graz. Ich war schon ewig nicht mehr in einer Freikirche. Zwei unserer Freunde sind dort Gemeindemitglieder geworden. Sie waren über Jahrzehnte hin treue und sehr engagierte Mitglieder der evangelisch lutherischen Kirche. Nun haben sie mit über 75 Jahren in die Freikirche gewechselt. Ich selbst war in den letzten Jahren zweimal im evangelischen (landeskirchlichen) Gottesdienst in Graz. Beide Male war es nicht gut: langweilig — das würde ja noch gehen. Aber: Ich habe beide Mal kein Evangelium gehört. Ich fand die Predigt einmal derart schlecht, dass ich es dem Pfarrer am Ausgang persönlich gesagt habe - und dann den ganzen Tag über ein schlechtes Gewissen hatte.

Wolfgang ergänzt: Ich war in diesem Gottesdienst mit dabei und kann Ulrikes Urteil nur bestätigen. Nicht ganz verstehe ich, dass Ulrike danach ein schlechtes Gewissen hatte. Im Grunde müsste es ja umgekehrt sein. Wahrscheinlich sollten noch viel mehr Gottesdienstbesucher den Predigenden regelmässig ein qualifiziertes Echo geben - negativ oder natürlich auch positiv … Als Beispiel: Als Jugendlicher habe ich regelmässig den Gottesdienst in meiner Kirchgemeinde besucht, da ich unseren väterlichen und ernsthaften Pfarrer gut mochte. Allerdings: Ich kann mich an keine einzige Predigt erinnern, die ich verstanden hätte. So hielt ich es sogar für normal, dass eine Predigt unverständlich ist. Wahrscheinlich kann sich jeder meine Überraschung vorstellen, als ich das erste Mal - an einem grossen Jugendtag in Salzburg - die Predigt von Anfang bis zum Ende verstanden habe. Ich wusste ja nicht, dass es so etwas überhaupt gibt. Es muss im Jahr 1965 gewesen sein. Noch heute sind mir die Grundzüge dieser Predigt gegenwärtig.

Ulrike schreibt weiter: Im Stadtmuseum habe ich mir die Ausstellung zur Reformation in der Steiermark angesehen. Sehr viel war mir neu. Im 16. Jahrhundert gab es mehr als tausend evangelische Schulen und Bildungseinrichtungen in Österreich; heute sind es nur noch 85. Mich interessiert, wie die Evangelischen von 1781 an (das für die Minderheit der Evangelischen bis heute wichtige Toleranzedikt) als Minderheit gelebt haben, und warum sie später so anfällig für die Ideologie des Nationalsozialismus waren. 1938 hat die evangelische Heilandskirchengemeinde Graz ihre Schule freiwillig an die Nationalsozialisten übergeben. ... Später mehr.


Donnerstag, 30. November 2017
Ulrike schreibt: In Graz schneit es mittlerweile in dicken Flocken. Wir sind heute nach dem Frühstück durch den Park von Schloss Eggenberg spaziert - sehr romantisch. Vom Hauptplatz aus, wo unser Hotel liegt, kommt man mit der Tram ziemlich überall hin. Das ist praktisch und es ist auch schön, denn auf dem Hauptplatz hat es Buden, Glühweinstände und am Abend Lichtspiele und Musik.

Gestern waren wir im Kino und haben ‹Die beste aller Welten› von Adrian Goiginger (Buch und Regie) gesehen. Er erzählt aus der Perspektive des 7jährigen Adrian vom Leben mit seiner drogensüchtigen Mutter Helga und ihren ebenfalls abhängigen Freunden. Ihr Leben spielt sich in einer Neubausiedlung in einer - meist von Matratzen und Bierdosen zugemüllten - Wohnung ab. Gleichzeitig versucht die Mutter um ihres Kindes willen, ein normales Leben aufrecht zu erhalten. Die Liebe zu Adrian ist das, was ihrem Leben eine Richtung und einen Halt gibt. ... In der Rezension des SPIEGELS heisst es, dass der Film von einem ‹richtigen Leben im Falschen› erzählt. Die Mutter macht vieles richtig gut, das ist berührend; ist aber selbst an ihre Sucht ausgeliefert. Eine lesenswerte Kritik finden Sie hier: www.spiegel.de/kultur/kino/die-beste-aller-welten-filmkritik-ein-richtiges-leben-im-falschen-a-1169786.html


Mittwoch, 29. November 2017
Ulrike schreibt: Gestern Abend waren wir in ‹Hader spielt Hader› - also beim Kabarettisten Josef Hader. Ich kenne ihn bisher nur als Schauspieler aus Filmen wie ‹Silentium›, ‹Der Knochenmann› oder ‹Wilde Maus›. Das Theater (‹Orpheum›) war ausverkauft, und das Publikum war deutlich jünger als Hader selbst. Das fällt schon einmal auf. Dann ist mir aufgefallen, wie unglaublich souverän Hader auftritt: ohne jeden Ehrgeiz, dem Publikum gefallen zu wollen; auch, wenn er oft so tut, als ob er gefallen will 😀.

Und dann diese unglaubliche Beherrschung der Sprache. Ich höre einfach selten, dass jemand eine tragende, variantenreiche Stimme hat und dann noch ‹auf den Punkt› hin formulieren kann. Mir hat der Abend gestern Lust darauf gemacht, in meinem eigenen Metier - der Predigt - noch besser zu werden.


Dienstag, 28. November 2017
Ulrike schreibt: Die Bahnfahrt von Zürich nach Graz gestern war zwar lang, aber ausgesprochen schön und angenehm. Gleich hinter der Grenze, in Vorarlberg, lag Schnee, in Tirol eher nicht, im Salzburger Land lag wieder Schnee und hier, in der Steiermark, ist es kalt und sonnig. Ich habe heute mit einem Kaffee vor einem Café in der Sonne gesessen und auf die Mur geschaut. Wunderbar!

Wir haben ein schönes Zimmer im Hotel Erzherzog Johann, aus dem man auf den Schlossberg schauen kann. Wolfgang hat einen grossen Schreibtisch mit viel Platz ganz für sich alleine 😀. Wir lesen, reden miteinander, schreiben Mails und bereiten den Bibelsalon für das nächste Jahr vor.

Ich habe gestern in der Bahn mit dem Buch ‹Überbitten› von Deborah Feldman angefangen und bin jetzt in der Mitte des Buches - es hat 700 Seiten 😀. Die Autorin erzählt ihren Weg aus der chassidischen Gemeinschaft in Brooklyn in ihr eigenes, selbstbestimmtes Leben. Es ist sehr interessant, wie sie einerseits ‹nach vorne› geht, umzieht, Vorschule und Schule für ihren Sohn sucht, und sich andererseits mit ihrer Herkunft und Familienprägung auseinandersetzt. Das geschicht nicht nur ‹in Gedanken›, sondern sie macht Reisen nach Europa, besucht die Heimat ihrer Grosseltern in Ungarn und fährt nach Schweden, wo ihre Grossmutter nach der Befreiung aus Bergen-Belsen vom Roten Kreuz aufgenommen wurde. Deborah Feldmans Überzeugung ist, dass sie sich nicht von ihren Wurzeln abschneiden darf, wenn sie ihr eigenes Leben entwerfen und gewinnen will. Sehr eindrücklich.


Montag, 27. November 2017
Wolfgang schreibt: Endlich ist auch die Predigt von Ulrike über Maria Magdalena in Lukas 8,1-3 zugänglich:



Für einen DOWNLOAD finden Sie diese Predigt auf der Seite DOWNLOADS: AUDIO und dort unter der Rubrik "VORTRÄGE UND PREDIGTEN". Zum Downloaden gehen Sie bitte auf dieser Seite ganz nach unten. Wenn die Schrift auf dem Bildschirm blau wird, sind Sie richtig. Dort - alphabetisch angeordnet - finden Sie die Predigt unter dem Namen "MARIA MAGDALENA: HÖREN - LEBEN - DIENEN" [11 Minuten, ca. 10 MB].

Ulrike schreibt: Ich war gestern, am Ewigkeitssonntag, auf dem Friedhof in Seltisberg. Die Feier mit der Erinnerung an unsere Auferstehung von den Toten hat mir selbst sehr gut getan. Wolfgang war am Abend in der Paulus Kirche in Basel. Wolfgang ist fasziniert vom Biografie-Thema - vor allem davon, dass eine Biografie nicht feststeht, sondern dass man lernen kann, sie von einem anderen Standpunkt aus zu erzählen.

Ab heute haben wir ein paar Urlaubstage und fahren - wie meist in der Advents- oder Weihnachtszeit - nach Graz in die Steiermark. Diesmal haben wir uns für's Bahnfahren entschieden. Eigentlich freue ich mich darauf. Der Zug fährt von Zürich aus 9h 30 Minuten geradeaus nach Osten bis Graz.


Samstag, 25. November 2017
Ulrike schreibt: Wolfgang und ich wurden in den letzten Monaten von Gemeindemitgliedern, Freunden und Anderen gebeten, öfter mit ihnen Bibel zu lesen. Sie wollen mehr über die Sprache, über die die jüdische bzw. jüdisch-hellenistische Kultur, die geschichtlichen und innerbiblischen Zusammenhänge wissen.

Also haben wir mit einigen Freunden zusammen gesessen und für die erste Jahreshälfte 2018 geplant. Wolfgang wird das Markusevangelium fortlaufend auslegen und zwar immer an einem Montag Abend. Einige Gemeindemitglieder und Freunde werden ihr Haus öffnen, so dass die Bibelvorträge an wechselnden Orten und mit wechselnden Gastgeberinnen und Gastgebern in Liestal stattfinden.

Wir beginnen jeweils mit einem kleinen Apéro, dann folgen der Vortrag und die Möglichkeit für Rückfragen und Diskussion. Die Vorträge sind so angelegt, dass man auch ohne christliches bzw. kirchliches Vorwissen einen inspirierenden und verständlichen Abend hat. Veröffentlichung und Flyer folgen, hier nenne ich euch und Ihnen schon einmal die Termine bis Sommer 2018.

15. und 12. Februar 2018; 12. und 26. März 2018; 9. April 2018; 7. und 14. Mai 2018; 4. und 11. und 25. Juni 2018.
Am 15. Januar starten wir bei uns im Küngelbrunnenweg 1; Anmeldung isr nicht erforderlich - einfach kommen.


Freitag, 24. November 2017
Ulrike schreibt: Gestern hatte ich verschiedene Sitzungen in der Kirchgemeinde und am Nachmittag habe ich Gottesdienst im Altenpflegeheim Brunnmatt gefeiert. Heute war ich bei einem Gemeindemitglied, das auch eine eine Freundin ist, im Krankenhaus zu Besuch.

Wolfgang und ich haben bis Morgen selbst Besuch in Liestal und heute Abend sind wir bei Freunden zu Besuch :-) Das ist gerade ein ganz schönes Hin- und Her. ... Am Ewigkeitssonntag - also übermorgen - werde ich mit dem Musikverein Seltisberg einen kleinen Gottesdienst auf dem Friedhof in Seltisberg feiern (11 Uhr). Herzliche Einladung!

Ich habe in den letzten Wochen extrem viele Rückmeldungen von Menschen bekommen, denen ich irgendwo begegnet bin. Die meisten waren verblüfft, dass sie mir «gut zuhören» konnten. Sie sagen, es sei «einfach», «klar» und «interessant» gewesen. Ich bin der Meinung, dass man solchen Menschen gut zuhören kann, die selbst hinhören und hinschauen. Die nicht (nur) aus dem Eigenen schöpfen, sondern aus dem, was ihnen gezeigt wird.


Dienstag, 21. November 2017
Ulrike schreibt: Ich habe neulich ein Lied gehört, das mir unglaublich gut gefällt. Es ist ein Liebeslied und heisst ‹Alles geben›. Es geht um den Umgang mit den eigenen Grenzen. Man kann halt nicht immer, wie man will ... Ich habe mir die Musik von Simon Becker gekauft und höre sie, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin. Das Lied ‹Alles geben› können Sie - wenn Sie möchten - hier gratis hören: https://simonbecker.bandcamp.com/track/alles-geben. Und das ist der Refrain:

«Ich kann dir nicht alles geben, was du brauchst
Ich kann dir nicht alles geben, was du willst
Doch eins will ich versprechen,
und das gilt mein Leben lang:
Ich will dir alles geben, was ich kann.»

Wolfgang ist gestern aus Berlin nach Liestal zurück gekommen. Er war am Abend gleich noch unser Referent für einen Vortrag zu seelsorgerlichen Aspekten der Reformation. Die nächsten Offenen Abende finden bereits im Januar 2018 statt - in Zusammenarbeit mit der evangelisch-methodistischen Kirche Liestal: Meine Biografie - was ist das? Es geht an den vier Abenden - 23./ 25. /30. Januar und 1. Februar 2018 - um die Frage, wie man das eigene Leben erzählen und also deuten kann. Mit dem Bereitstellen von Grundregeln für den Umgang mit der eigenen Biografie laufen Wolfgang und ich überall offene Türen ein. Darum habe ich das Biografie-Thema auch auf die Agenda für unsere eigene Kirchgemeinde gesetzt.

Wolfgang ergänzt: Jeder von uns hat eine Biografie bzw. meint, eine zu haben. Ist das wirklich so? Einerseits gibt es Fakten, die für mein Leben feststehen. Das allein aber ist noch keine Biografie. Sie entsteht erst, wenn ich diese Fakten deutend als etwas Ganzes verstehe und so mir selbst und auch anderen erzähle: als Gewinnerin, als Benachteiligter, als Opfer, als derjenige, der immer zu kurz kommt bzw. immer die Zweite, ja gar die Bestrafte ist. Macht man sich das einmal klar kann man auch erkennen, dass man seine eigene Geschichte - von einem anderen Deutungsmuster her - noch einmal und anders als bisher erzählen könnte. Die Konsequenzen sind gross. Sie könnten heilvoll sein. Wie wäre es, wenn ich mein eigenes Leben vom Evangelium, also von Gottes Treue her verstehe und erzähle? Also als ein von Gott gewollter, geliebter, gesegneter und bis an sein Ende getragener und bejahter Mensch?!

Wer davon bereits jetzt eine Kurzfassung hören möchte ist für kommenden Sonntag 26. November 2017 in die Pauluskirche in Basel (Kirche kreativ. Beginn 18:00 Uhr) herzlich eingeladen. Vom 29. Juni bis 01. Juli wird es zur Frage nach der eigenen Biografie einen Wochenendkurs in Moscia TI geben geben. Wer daran interessiert ist kann sich diesen Termin schon einmal vormerken. — Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes am kommenden Sonntag durch das Gitarren-Duo «Schö a Deux» (Noemi Locher und Esther Thommen) wird sicher etwas Besonders sein, auf das wir uns nur freuen können. Wer schon jetzt etwas hören will kann sich auf ihrer Homepage https://soundcloud.com/user-219649874?utm_source=soundcloud&utm_campaign=share&utm_medium=facebook umsehen und hinhören. Hier eine Kostprobe:

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Ulrike fährt weiter. Heute Nachmittag bereite ich mit dem römisch-katholischen Kollegen den Ökumenischen Gottesdienst in Liestal für den Januar 2018 vor. Morgen früh wird die Synode unserer Kantonalkirche in der Stadtkirche zu Gast sein. Ich darf den Eröffnungsgottesdienst mit den Synodalinnen und Synodalen feiern - und bin gespannt!


Mittwoch, 17. November 2017
Ulrike schreibt: Heute ist ein besonderer Tag. Ich habe Wolfgang heute Nacht per Face-Time gratuliert, denn er ist noch in Berlin. Wolfgang nimmt ein Wort seines (verstorbenen) Freundes Edi Buess sehr ernst. Der hatte anlässlich seines eigenen 70 sten Geburtstags zu Wolfgang gesagt: «Was jetzt kommt, das ist alles nur noch Geschenk.» Es heisst nämlich im Psalm 90: «Unser Leben währt 70 Jahre, und wenn's hoch kommt, so sind's 80 Jahre.» Was jetzt noch kommt, das will ich dankbar entgegen nehmen - von Gott, von anderen Menschen, auch von mir selbst.

Für Sonntag lade ich Sie und euch zum Gottesdienst in die Stadtkirche Liestal (9.30 Uhr) und nach Seltisberg (11 Uhr) ein. Am Morgen gehen wir dem nach, was es heisst: ‹Sola Fide› - allein aus Glauben zu leben. Eine herzliche Einladung auch zur Abendfeier (18 Uhr) in die Stadtkirche. ... Wolfgang wird am Montag in unserer Kirchgemeinde einen Vortrag über die seelsorgerlichen Aspekte der Reformation halten (19.30 Uhr im Kirchgemeindehaus). Am Sonntag in der kommenden Woche (26. November 2017) predigt Wolfgang in der Paulus-Kirche in Basel.


Montag, 13. November 2017
Ulrike schreibt: Wir hatten bis gestern ein Schweige-Reformations-Wochenende in Wildberg/Zürich. Es war ein sehr schönes Miteinander, obwohl wir super verschiedene Menschen aus verschiedenen Kontexten und Lebensaltern sind. Das wichtigste ist, dass es nicht nur ein Reden ‹über› Gnade war, sondern dass wir starke Erfahrungen ‹mit› Gnade - mit Gottes Zuspruch und Zuwendung - gemacht haben. Das ist eine gute Erfahrung, wenn das, was man in der Bibel liest/ betrachtet, sich auch bei einem selbst ereignet. Ich bin sehr dankbar. Im nächsten Jahr (2.-4. November 2018) wird Wolfgang die Leitung übernehmen. Ich bin dann im Studienurlaub.

Heute Abend halte ich in der Reihe der ‹Offenen Abende Liestal› ein Impulsreferat über das Schriftverständnis der Reformatoren. Was hat sich in Bezug auf Bibellesen und Bibelauslegung durch die Reformation verändert? Beginn ist um 19.30 Uhr im Kirchgemeindehaus Martinshof. Herzliche Einladung!

Für morgen und übermorgen bin ich am Vorbereiten. Morgen darf ich bei den Rotariern ein Impulsreferat zur ‹Zukunft der evangelischen Kirchen› halten. Haben die Kirchen eine Zukunft, und wenn ja, in welche Richtung muss man denken? ... Am Mittwoch Abend bin ich für eine Podiumsdiskussion an die ETH Zürich (die Eidgenössisch Technische Hochschule) eingeladen. Das geht es im Gespräch mit Vertretern verschiedener Fachbereiche um die Frage, ob das Christentum die Welt zum Besseren verändert hat.


Dienstag, 7. November 2017
Ulrike schreibt: Wir hatten gestern in Liestal den zweiten ‹Offenen Abend› zum Reformationsjubiläum. Der Pfarrer und ehemalige Kirchenratspräsident Markus Christ war Referent und hat in vielen kleinen Geschichten von der Reformation im Baselbiet erzählt. Mir war vieles neu, ich kann es noch nicht nacherzählen ... Aber mir kamen die Berichte gleichzeitig seltsam ‹vertraut› vor. Ich dachte merhmals: Da scheint sich in 500 Jahren nicht viel verändert zu haben in Liestal 😀. Markus Christ hat die Reformation als «prozesshaft» übertitelt. Man könnte auch sagen, dass die damaligen Pfarrpersonen den refomatorischen Entdeckungen eher wenig Begeisterung entgegen brachten («Dann unterschreibt's halt und predigt wie immer»). Wahrscheinlich würde ich Abläufe in Liestal besser verstehen, wenn ich mehr darüber wüsste, wie gesellschaftliche Veränderungen in früheren Jahrhunderten stattgefunden haben. Mal sehen, welche Bücher es gibt.

Wolfgang ist morgen mit dem Pfarrkonvent von Berlin-Schöneberg und Berlin-Tempelhof (das ist mittlerweile ein einziger Kirchenkreis) für einen Einkehrtag in Kloster Lehnin. ... Verrückt, wie beides zu meiner Geschichte gehört. Ich habe in den 90ern drei Jahre in Berlin-Tempelhof in einem Teampfarramt (‹Missionarische initiative Tempelhof›) gearbeitet. Da ging es - vor über zwanzig Jahren! - darum, Menschen zu neuen Zugängen zur Gott und zur Gemeinde zu helfen. «Mission» wurde von kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern damals noch als ungehörig empfunden. Ich weiss noch, dass ein älterer Pfarrkollege uns - drei junge Pfarrerinnen und Pfarrer - als die «mit dem Brett vor dem Kopf» bezeichnet hat🙄. Wir jungen Leute hatten uns die Aufgabe nicht selbst ausgesucht, sondern sind von der Kirche ‹entsandt› worden. Na ja. Na ja ...

Und in Kloster Lehnin war ich natürlich auch oft gewesen. Da haben Wolfgang und ich vor vielen Jahren Einkehrwochenenden angeboten. Wolfgang hatte zudem als Beauftragter für Spiritualität Kurse dort gemacht und Mediationsleiterinnen und -leiter ausgebildet.


Sonntag, 5. November 2017
Ulrike schreibt: Ich habe Wolfgang heute früh zum Bahnhof nach Liestal und zum Zug nach Berlin begleitet. Zweimal am Tag fährt ein Zug von Liestal durch nach Berlin-Hauptbahnhof. Dann war ich zum Reformationsgottesdienst in der Stadtkirche. Der ist in der Schweiz immer am Sonntag nach dem 31. Oktober😀. Den Gottesdienst haben wir im Pfarrteam und mit Kirchenchor und Musikerinnen der Camerata Musica Regio Basiliensis und mit dem Stadtpräsidenten von Liestal gefeiert. Dann gab es noch eine Einladung zum Apéro in's Kirchgemeindehaus. Ich fand alles sehr schön, wohltuend und im besten Sinne evangelisch. ... Kaum bin ich Zuhause, bekomme ich ein SMS von Wolfgang, den ich schon fast in Berlin gewähnt habe:

«Nun sitze ich in Frankfurt im Speisewagen. Der Zug endete in Freiburg wegen eines Suizids - ach, der arme Mensch! Für mich: Umsteigen in Freiburg ohne Lift und ohne Rolltreppe - und in Frankfurt ziemlich weit laufen. ... Ich freue mich sehr auf die Zeit in Berlin.»

Nachdem wir gestern sehr angenehmen Besuch hatten - Wolfgang hat gekocht - nutze ich den Tag heute zum Vorbereiten. Am nächsten Wochenende ist ‹Stilles Wochenende› in Wildberg/ Zürich. Ich freue mich immer sehr auf die gemeinsame Zeit mit den Frauen und auf das gemeinsame Hinschauen auf eine biblische Geschichte. Diesmal geht es um ‹Gnade›. Was heisst es eigentlich, aus Gnade heraus zu leben?


Donnerstag, 2. November 2017
Ulrike schreibt: Wolfgang ist morgen - am Freitag - von den jungen Berufstätigen der VBG (Vereinigte Bibelgruppen) in Bern zu Vortrag und Gespräch eingeladen. Thema ist das Gefühl, nicht mehr weiter zu können oder weiter zu kommen: «Wenn die Lebensumstände ‹Stopp› sagen - vom Beten, Glauben und der Frage nach dem Sinn». Beginn des Vortrags ist um 20 Uhr, Ort ist der Längackerweg 14 in 3048 Worblaufen. Auch Neue sind willkommen, wenn sie für diesen Abend dazustossen wollen. Herzliche Einladung!


Mittwoch, 1. November 2017
Ulrike schreibt: Gestern haben wir uns zum ‹Runden Tisch der Kirchen in Liestal› getroffen. Da ist in den letzten Jahren ein gutes Zusammenspiel der Landeskirchen, evangelischen Freikirchen, der Heilsarmee und der Methodisten entstanden. Weihnachtsfeiern, Vortragsabende, Stadtfest - bei solchen Anlässen engagieren wir uns mittlerweile gemeinsam und es macht auch Spass mit den Kollegen.

Heute Abend trifft sich der ‹Kreis für Menschen in schweren Lebenslagen› zum Abendessen. Einmal im Monat kocht eine/r von uns für die Anderen - das ist immer ausgesprochen schön. Interessant ist, dass die Teilnehmenden selbst ein grosses Herz für Menschen in Not haben, Besuche machen und auch praktische Arbeiten für Andere übernehmen. Ansonsten bin ich heute bei einem Beerdigungsgespräch. In der kommenden Woche feiere ich Abdankungen in Liestal und Seltisberg.


Sonntag, 29. Oktober 2017
Wolfgang schreibt: Die heutige Predigt über Johannes 10 ging auf das sogenannte reformatorische Schriftprinzip SOLA SCRIPTURA (allein die Schrift) ein: Was in der Kirche für wahr erachtet und vertreten wird, muss sich durch die Schrift begründen lassen. Doch was heisst das? Sie können diese Predigt direkt hier anhören:



Für einen DOWNLOAD finden Sie diese Predigt auf der Seite DOWNLOADS: AUDIO und dort unter der Rubrik "VORTRÄGE UND PREDIGTEN". Zum Downloaden gehen Sie bitte auf dieser Seite ganz nach unten. Wenn die Schrift auf dem Bildschirm blau wird, sind Sie richtig. Dort - alphabetisch angeordnet - finden Sie die Predigt unter dem Namen "2017-SOLA-SCRIPTURA" [31 Minuten, 10'7 MB].


Samstag, 28. Oktober 2017
Ulrike schreibt: Gestern habe ich ja Besuche im Altenpflegeheim gemacht. Um die Etage zu verlassen, auf der Bewohnerinnen und Bewohner mit Demenzerkrankungen leben, braucht man einen Zahlencode für die Tür. Also gehe ich in den Gemeinschaftsraum und lasse mir vom Pflegepersonal wie immer die Zahlenfolge sagen.

Als ich den Gemeinschaftsraum verlasse, eilt mir eine zierliche alte Dame hinterher und der wiederum eine Pflegerin, die ihren Namen ruft: «Frau X!» Plötzlich erinnere ich mich. Vor einigen Wochen hatte ich Frau X besucht. Sie hatte alleine und mit geschlossenen Augen am Tisch gesessen, mit sich selbst gesprochen und war ganz mit den Bildern ihrer Vorstellungswelt beschäftigt. ... Miteinander zu reden ging nicht, und ich hatte Frau X gefragt, ob ich ihre Hand halten darf. Ihre Hand hat sie mir gegeben. Aber sie blieb ‹in ihrer Welt› und hat nicht die Augen geöffnet, mich auch nicht angesehen. .. Gestern - Wochen später - geht mir Frau X hinterher und reicht mir ihre Hand und legt sie wieder in meine Hand. ... Ich war dermassen verblüfft und berührt und bin es immer noch. Ich habe der alten Frau gesagt, wie ich mich freue und sie hat geantwortet: «Ich mich auch.» Highlight meines Tages gestern, echte Freude!

Den Gottesdienst ‹Sola Scriptura› für morgen, 29. Oktober, 9.30 Uhr, in der Stadtkirche, habe ich vorbereitet. Ich freue mich sehr auf morgen. Wir haben eine Kindersegnung, es musizieren einige Musikerinnen aus Lettland zusammen mit unserem Organisten Ilja Voellmy und die Predigt (Johannes 10,1-16) hält Wolfgang. Ich bin meinen Husten noch nicht losgeworden und habe Wolfgang gebeten, einzuspringen. Herzliche Einladung!


Freitag, 27. Oktober 2017
Ulrike schreibt: In unserer Kirchgemeinde bin ich gerade viel zu Besuchen unterwegs. Das mag ich sehr. Gleich gehe ich noch in's Altenpflegeheim Brunnmatt, weil ich dort die zugezogenen Gemeindemitglieder begrüsse.

An den Abenden sind jetzt im November immer Veranstaltungen in der Kirchgemeinde, heute zum Beispiel ein Anlass für die freiwillig Mitarbeitenden. Das wird bestimmt gesellig und sehr schön. Hauptpunkt am Abend ist ein Improvisionstheater - die ‹Impronauten› kommen 😀

Ich habe ein paar Bilder zu einem kurzen Video zusammengeschnitten. Sie sind auf dem Weg von Cuxhaven nach Berlin entstanden. Berührt hat mich die Darstellung der ‹Schechina›, der ‹Einwohnung Gottes› von Anselm Kiefer. Was für eine krasse Idee, ein weisses Ballkleid zu nehmen, über dem die Zahlenmystik der Kabbala schwebt, und wo einem zuerst die vielen Verletzungen auffallen. Wer das Video sehen möchte, kann das hier tun:




Mittwoch, 25. Oktober 2017
Ulrike schreibt: Für heute Nachmittag habe ich die Freunde aus dem Besuchsdienstkreis unserer Kirchgemeinde zu uns nach Hause eingeladen. Wolfgang backt Kuchen, und ich freue mich auf's Miteinander.

Am frühen Abend gehen Wolfgang und ich zu einer Vernissage in die Kantonsbibliothek Baselland. Willy Näf, ein langjähriger Freund von Wolfgang, stellt seinen Roman ‹Gesegnet sei das Zeitliche› vor. Vielleicht hat ja von Euch/ von Ihnen noch jemand Lust, zur Vernissage zu kommen? Beginn ist um 18.30 Uhr. ... Hinterher bereiten wir dann im Team die ‹Abendfeier› im November vor.

Für diesen Abend hat die christliche Arche-Buchhandlung in Liestal den Schauspieler Samuel Koch eingeladen. Die Veranstaltung findet im Hotel ‹Engel› statt (19.30 Uhr). Samuel Koch ist durch den schweren Unfall in der Spiel-Show ‹Wetten dass› bekannt geworden. Ich finde Interviews mit ihm immer ausgezeichnet. Informationen gibt es hier: http://www.arche-liestal.ch/index.php/veranstaltungen/arche-im-klang


Freitag, 20. Oktober 2017
Ulrike schreibt: Ich habe zwei wunderbare Bücher gelesen. Das Eine ist von Zülfü Livaneli und heisst «Schwarze Liebe, Schwarzes Meer» (2017). Wolfgang hat mehrere Bücher von Livaneli gelesen. In Schwarze Liebe, Schwarzes Meer geht es um zwei Brüder, Mehmet und Ahmed Arslan. Im Dorf von Ahmed, einem buchliebenden und in gewisserweise autistischen älteren Mann, geschieht ein Mord. Daraufhin kommt eine junge, ungeduldige, aber auch hartnäckige Journalistin in's Dorf und besucht im Zuge ihrer Recherche Ahmed. Die Besuche häufen sich, und Ahmed erzählt ihr - wie in tausendundeiner Nacht - die Geschichte seines Bruders Mehmet. ... Das ist unglaublich spannend und gut geschrieben. Bei Nachlesen bei wikipedia über Zülfü Livaneli bin ich über ein Zitat aus einem seiner Bücher gestolpert:

«In der Abenddämmerung kam ein Mann ins Dorf und sagte, er sei der Prophet. Die Bauern aber glaubten ihm nicht. ,Beweise es!‘, forderten sie. Der Mann zeigte auf die gegenüberliegende Festungsmauer und fragte: ,Wenn diese Mauer spricht […] glaubt ihr mir dann ?‘ ,Bei Gott, dann glauben wir dir‘, riefen sie. Der Mann wandte sich der Mauer zu, streckte die Hand aus und befahl: ,Sprich, o Mauer!‘ Da begann die Mauer zu sprechen: ,Dieser Mann ist kein Prophet. Er täuscht euch. Er ist ein Lügner.‘» – Zülfü Livaneli: Der Eunuch von Konstantinopel (Zitat gekürzt und bearbeitet) Das ist ja mal originell ...! ... Ich lese darin (unter anderem), dass religiöse Phänomene immer mehrdeutig sind. In der Welt der Erscheinungen gibt es keine letzte Eindeutigkeit. Eindeutigkeit entsteht erst durch die Geschichte, durch den Zusammenhang, in dem wir mit unserem Handeln stehen. Was im übrigen auch Jesus (Matthäus 7,20-23) sagt.

Das andere erstaunlich gute Buch ist «Unorthodox» von Deborah Feldmann (2016). Die etwa 30jährige Berlinerin ist in Williamsburg/ New York aufgewachsen und gehörte da zur Gemeinde der Satmarer Juden. Das ist eine chassidische Gruppe, deren Mitglieder sich bewusst von der gesellschaftlichen Mehrheit abgrenzen, die jiddisch und nicht amerikanisch sprechen usw.. Nicht nur die Geschichten, die Deborah Feldmann erzählt, sind interessant, sondern auch, wie sie gelernt hat, mit ihrer Geschichte umzugehen. Ich habe das Buch bereits mehrmals zum Verschenken gekauft.

Noch ein drittes Interessantes für die, die in Berlin leben: Im Hamburger Bahnhof - einem Museum für zeitgenössische Kunst am Berliner Hauptbahnhof - werden wieder vier junge Künstlerinnen mit ihren Werken vorgestellt. Am besten hat mir die Installation mit Film von Sol Calero gefallen. ... Nicht ganz so viel Zeit hatte ich für die Ausstellung über den Bildhauer Rudolph Belling. Von ihm werden Werkstücke aus den 1910er- bis 1970er-Jahren gezeigt. In der NS Zeit war er nach Istanbul ausgewandert. ... Es scheint, dass viele Intellektuelle auf der Flucht vor Hitler nach Istanbul gezogen sind. Das ist ein Aspekt der türkischen Geschichte, den ich bisher nicht kannte.

Und nun noch eine herzliche Einladung zur Abendfeier am Sonntag. Wir betrachten die Geschichte von Jesus und dem Blindgeborenen in Johannes 9. Gelegenheit, sich verblüffen zu lassen, wie wenig Jesus etwas ‹durchsetzen› muss - er geht und kommt wieder, wann es passt. Verblüffend auch, wie ein kollektives Verleugnen aussieht, wenn wir Menschen ein Handeln Gottes nicht wahrhaben wollen. Beginn ist um 18 Uhr in der Stadtkirche Liestal, hinterher wie immer Einladung zu Kaffee, Kuchen, Austausch ☕️🍩❤️🍵


Mittwoch, 18. Oktober 2017
Ulrike schreibt: Wolfgang und ich haben auf der Fahrt nach Hermannsburg einen Abstecher nach Worpswede gemacht. In dem Ort entstand kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert eine Künstlerkolonie. Junge Maler/innen wie Fritz Mackensen, Hans am Ende, Otto Modersohn, Paula Modersohn-Becker, Heinrich Vogeler u.a. haben sich hier niedergelassen und das Moor und die Dorfbewohner/innen gemalt. Als ich jung war, haben mich die starken Farben in den schlichten Landschaftsmotiven fasziniert. ... Es klingt merkwürdig, aber heute habe ich den Eindruck, bei den ‹wesentlichen› Dingen angekommen zu sein. Ich brauche sie nicht mehr zu suchen.

Jetzt gerade sind Wolfgang und ich in Berlin. Ich versuche, ein paar Dinge vorzudenken. In Liestal beginnen bald unsere Gottesdienste und Offenen Abende zum Reformationsjubiläum. Die Offenen Abende sind montags (30. Oktober, 6./13. und 20 November jeweils um 19.30 Uhr) im Kirchgemeindehaus Martinshof.

Als herausfordernd empfinde ich ein Podium an der Universität Zürich, wo ich mitdiskutieren werde zur Frage, ob das Christentum unsere Gesellschaft in irgendeiner Weise - und wenn ja: in welcher? - ‹besser› macht. Ein Rotary Club hat mich zur Frage eingeladen, worin ich die Zukunft der Reformierten Kirche sehe. Ich werde viel eingeladen, nur in der ‹eigenen›, der Baselbieter Kantonalkirche, komme ich eher wenig vor. In unserer Kantonalkirche beginnen jetzt auch Strukturreformen - wie ich sie aus der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg vor über 20 Jahren kenne. Ich würde mir wünschen, dass man sich Denkfehler spart, die andere schon gemacht haben. Der grösste Denkfehler besteht darin, dass man Prozesse, die schon längst hätten stattfinden müssen, nachholen kann. Die Zukunft gehört den Kirchen, die ‹Neuanfänge› fördern und tatsächlich mit Menschen von ‹draussen› zusammen leben.


Sonntag, 15. Oktober 2017
Ulrike schreibt: Für Wolfgang und mich ist das Biografie-Wochenende auf dem Dünenhof (Cuxhaven) zu Ende gegangen. Es waren gute Tage für uns. Lustig war: eine Teilnehmerin meint, dass mein biblischer Impuls zur ‹Rippe› und zur Ergänzungsbedürftigkeit unseres Lebens extrem spannend gewesen sei. Bei ‹ihren› Pfarrern sei das nicht so spannend. Woran das liegen würde?!? Ob es daran liegt, dass ich doktoriert hätte ...? 😀😀😀 - Nein. Daran liegt es nicht. Biblische Geschichten werden dann spannend, wenn wir beginnen, sie aufmerksam und langsam - also betrachtend - zu lesen. Bis wir vor unserem inneren Auge sehen, was uns da erzählt wird.

Wolfgang und ich sind von Hamburg aus mit dem Mietwagen unterwegs, so dass wir ziemlich flexibel sind. Heute Abend sind wir zu Gast bei Freunden in Hermannsburg. Das heisst, dass wir einige Stunden über Land fahren werden.


Immer noch Donnerstag, 12. Oktober 2017
Hier sind ein paar Eindrücke von unserer Fahrt nach Südfrankreich. Wer sie/ uns 😀 sehen möchte, kann das hier tun:




Donnerstag, 12. Oktober 2017
Ulrike schreibt: Wir empfehlen Euch und Ihnen einen sehr lesenswerten Artikel. In ihm kommt Murat Kurnaz zu Wort. Er war als 19jähriger in Pakistan verhaftet und an die USA nach Guantanomo ausgeliefert worden. Murat Kumaz arbeitet als Sozialarbeiter in Bremen: «Ich halte heute Vorträge im Auftrag von Menschenrechtsorganisationen. Aber vor allem arbeite ich als Sozialarbeiter mit Jugendlichen. Als Kultur- und Sprachvermittler, so heißt das. Ich gehe in Bremer Flüchtlingsheime und unterrichte an Bremer Schulen sogenannte Vorschulklassen, in denen die Jugendlichen Deutsch lernen, ehe sie in die regulären Klassen kommen.»

Mich beeindruckt, dass Kurnaz frei von Verbitterung wirkt, obwohl ihm viel Unrecht geschehen ist. Der Artikel ist in ZEIT Online am 11. Oktober 2017 erschienen. Sie finden ihn hier:
www.zeit.de/2017/42/integration-guantanamo-sozialarbeit-fluechtlinge?wt_zmc=sm.ext.zonaudev.mail.ref.zeitde.share.link.x


Dienstag, 10. Oktober 2017
Ulrike schreibt: Wolfgang und ich hatten ein wunderbares Wochenende. Wir haben am Sonntag ziemlich spontan zu meinem Geburtstag eingeladen und es hat super geklappt. Danke an unsere Gäste für den schönen Nachmittag mit euch!

Diese Woche bin ich mit viel Schreibtischarbeit in Liestal. Am liebsten wäre ich zur Buchmesse nach Frankfurt gefahren. Ich bin zum ersten Mal von einem Verlag eingeladen worden ... Aber Wolfgang und ich sind am Wochenende (13.-15. Oktober) für eine BegegnungsTagung im Dünenhof bei Cuxhaven und das Hin- und Herfahren ist mir zu viel. Hier findet man etwas über das Dünenhof Wochenende: http://duenenhof.org/de/tagungendetail/?id=306

Wolfgang und ich bieten Einheiten und Gespräch zu folgenden Themen an:

º Eine Biografie: Was ist das? - David, Nabal und Abigail (1. Samuel 25)
º Mein Leben erzählen - Fakten und wie ich sie deute
º Segen und Fluch in der eigenen Biografie
º Pausen, Unterbrüche, Krankheit – ihre Bedeutung in meinem Leben
º Meine Zeit selbst einteilen – oder „alles Ding hat seine Zeit“?
º Den SPUREN Gottes in meinem Leben nachgehen (Bibelworte, Menschen, Lieder, Bücher, Orte ...). Welche Worte sind ‚abgeschlossen’, welche tragen ‚Zukunft‘ in sich?


Freitag, 6. Oktober 2017
Ulrike schreibt: Heute war unser letzter ganzer Urlaubstag. Morgen gehen wir auf den Markt und fahren dann nach Hause nach Liestal. Wir hatten heute morgen die Idee, meinen Geburtstag am Sonntag ein kleines bisschen zu feiern. Wer sich uns verbunden fühlt und mit mir anstossen mag, ist am Sonntag zwischen 14 und 17 Uhr in den Küngelbrunnenweg eingeladen. 🍸🧀🍇 Herzlich willkommen!


Donnerstag, 5. Oktober 2017
Ulrike schreibt: Wir waren an der Sonne - in Collioure. Das Küstenstädtchen liegt nahe an der spanischen Grenze. Es hat zwei wunderschöne Buchten/ Häfen, zwischen denen eine Burg in's Meer ragt. Coilloure war Ferienort für Künstlerinnen und Künstler wie zum Beispiel Pablo Picasso und Henri Matisse. Wir waren früher schon einmal im Hôtel des Templiers und haben jetzt wieder dort übernachtet. Ich weiss nicht, ob das Hotel jedem gefallen würde. Es ist nicht modern.

Das Haus ist verwinkelt, die Zimmer sind klein, aber es hängen über zweitausend Bilder in der Bar/ im Restaurant, im Treppenhaus, den Fluren und Zimmern. Künstler haben früher - statt bar zu zahlen - dem Wirt des Hôtel des Templiers ein selbstgemaltes Bild dagelassen.

Collioure war auch diese Woche noch voll mit in- und ausländischen Touristen, obwohl die Saison bereits zu Ende ist. Wahrscheinlich wollen viele an der Schönheit des Ortes, der Inspiration und Kreativität, die von hier ausgegangen sind, Anteil bekommen. Aus demselben Grund gehe ich ja auch in die Kirche - um Anteil an IHM zu bekommen, an der Atmosphäre, die bei Gott und seinen Leuten herrscht. Die heilt, beflügelt, die vieles neu sehen lässt. ... Es ist überall dasselbe 😀, ... man geht dahin, wo man Leben spürt.


Dienstag, 3. Oktober 2017
Ulrike schreibt: Gestern war es ein bisschen kühl und hat genieselt und wir sind ‹Zuhause› geblieben. Wir haben uns vorgelesen und auf Youtube ein längeres Interview mit der Schriftstellerin Deborah Feldman gehört (‹Arnon Grunberg meets Deborah Feldman›) - sehr inspirierend! Später habe ich Fotos zu einem Video zusammen gefügt. Wer mag, kann hier schauen:




Sonntag, 1. Oktober 2017
Ulrike schreibt: Gestern waren Wolfgang und ich in Minerve und in Narbonne. Beides sind unglaublich schöne Orte. In Narbonne Plage bin ich lange am Wasser entlang gelaufen. Das hat jetzt - nach Ende der Badesaison - einen ganz eigenen Charme. Der Strand ist riesig gross und fast menschenleer.

Heute sind wir in Lagrasse. Im Juli 2011 waren wir zuletzt hier, damals noch mit Zelt auf dem wunderschönen Campingplatz oberhalb des Ortes. Auf dem Weg hierher haben wir die ehemalige Zisterzienserabtei Fontfroide besucht. Auch hier waren wir früher einmal. Der Besuch hat sich sehr gelohnt. Am meisten beeindruckt hat mich diesmal, dass Gustave und Madeleine Fayet die Abtei anfangs des 20. Jahrhunderts (1908) gekauft haben, damit sie nicht verfällt. Sie hatten eine Vision für den Wiederaufbau und viele Freunde aus dem Künstler-Milieu und haben es tatsächlich geschafft, die Abtei zu restaurieren und wieder zugänglich zu machen. Was eine einzige Familie bewegen kann!

In Lagrasse habe ich Wolfgang angeboten, eine Unterkunft zu suchen, während er in einem Café wartet. Ich habe beim erstbesten B&B geklingelt - also in einem Haus, vor dem wir das Auto eh schon geparkt haben. Eine Frau öffnet, nimmt einen Schlüssel vom Bord und führt mich in ein Gässchen hinter ihrem Haus. Das Häuschen, das sie vermieten, ist wunderbar. Es hat einen kleinen, wild-romantischen Garten. Wenn es morgen regnet, bleiben wir länger hier. Sonst fahren wir weiter nach Carcassone.


Freitag, 29. September 2017
Ulrike schreibt: Heute haben wir Apt und das wunderschöne grosse Haus verlassen. Wir sind am Abend in Bize-Minervois angekommen. Das Haus für unser B&B ist klein und gehört einer älteren, sehr liebenswürdigen Britin. Die zwei anderen Zimmer sind auch von Briten bewohnt. Es ist hellhörig, so dass ich mich fühle wie in einer Wohngemeinschaft. Ich wette, morgen sitzen wir miteinander auf dem Sofa im Wohnzimmer, trinken Tee und diskutieren den Brexit ... 😎.

Ich habe noch gedacht, dass mein Bericht über den Gottesdienst in der Abtei Sénanque missverständlich ist. Ich habe geschrieben, dass die Mönche die Gäste nicht am Gottesdienst beteiligt haben. Es gibt sicher Gottesdienste und Formen von Gebet, in die man nicht jeden, der zufällig hereinkommt, hineinholen kann. Da setzt man sich als Gast still in den Raum, ist einfach nur mit ‹da› und bekommt auf geheimnisvolle Weise Anteil am Gebet der Anderen. In Sénanque hatte ich aber den Eindruck, dass sich die Mönche der Anwesenheit der Gäste sehr wohl bewusst waren und dass diese (= wir) zu Zuschauerinnen und Zuschauern gemacht wurden. Das hat mir nicht gefallen.

Wolfgang und ich waren gestern in der Kathedrale der heiligen Anna in Apt. Der Bau ist in gewisser Weise ‹Flickwerk›. Er ist über die Jahrhunderte hinweg ergänzt und ausgebessert worden. Manches ist renovierungsbedürftig und trotzdem fühlt man sich sofort wie Zuhause. Es genügt, sich hinzusetzen, und das Beten fällt ganz leicht. Als ob man in die Gemeinschaft derer, die hier schon früher gebetet haben, mit hineintritt. Wir Evangelischen betonen die Gemeinschaft mit den Brüdern und Schwestern, mit denen wir ‹aktuell›, hier und heute, zusammengeführt worden sind. Aber es gibt auch eine Gemeinschaft der Brüder und Schwestern über die Jahrhunderte hinweg. An der kann man teilbekommen und man kann sie auch spüren.


Mittwoch, 27. September 2017
Ulrike schreibt: In dem Haus in Apt gefällt es uns so gut, dass wir für eine dritte Nacht verlängert haben. Das Haus ist aus dem 17. Jahrhundert und riesengross, so dass man drin spazieren gehen kann. ... Direkt hinter dem Haus liegt die Altstadt von Apt. Die Fussgängerzone ist schön und etwas touristisch, rechts und links davon sind öffentliche Plätze mit Bars, Museum, Kino. Wenn man dann nochmals weiter geht, werden die Strassen trist und die Häuser zeugen von der Armut ihrer Bewohner.

Wir waren in der Abtei von Sénanque. Wer selbst schon einmal da war, weiss, wie malerisch das Zisterzienserkloster gelegen ist, inmitten von Lavendelfeldern. Im Gottesdienst war ich verblüfft: kein Liturgieblatt, kein Liedblatt, kein Bemühen darum, dass die anwesenden Besucherinnen und Besucher sich am Gottesdienst der Mönche beteiligen können. ... Das habe ich im Frühjahr in St. Paul in London sehr anders erlebt. Die Pfarrpersonen dort hatten ein Konzept, haben die mitfeiernden - und nicht englisch-sprachigen - Besucherinnen orientiert und einbezogen und sind zum Schluss sogar auf einzelne Menschen zugegangen.

In Roussillon - das ist das Städtchen mit dem Ocker-Abbau und der Produktion von Farbpigmenten - waren wir dann auch noch. In der Galerie des Ocres haben wir ein Bild von Robert Laloue gekauft, eins von seinen zweitausend Aquarellen 😀 Wer schauen mag, kann das hier tun: http://galerie-des-ocres.fr/robert-laloue.html. Eindrücklich fand ich die Kirche in Roussillon - die Kirche des heiligen Michael. Ich würde sagen, dass sie ‹nicht gut im Schuss› ist, freundlich ausgedrückt. Und trotzdem stehen auf den Altären die Statuen der Heiligen und ein ramponierter Jesus. Ich habe gedacht: Sieh an, die Heiligen sind noch nicht gegangen. Sie sind in der inneren Armut, die in dieser Kirche zum Ausdruck kommt, immer noch ‹da›. Das war eine gute Erfahrung für mich.


Mittwoch, 27. September 2017
Ulrike schreibt: Gestern Abend sind wir in's Dörfchen Saignon bei Apt gefahren und wollten im Au comptoir de Balthazar essen. Das Lokal ist ganz klein und die fünf Tische waren bereits reserviert. Dann sind wir nach Gargas zum La Petite Ecole gefahren. Wir haben das Lokal richtig lange suchen müssen, aber es hat sich gelohnt. Man, war das lecker. Als Vorspeise hatte Wolfgang paté de foie gras mit Zwiebelmarmelade und ich Bruschetta mit warmem Ziegenkäse und Feigen ..., um nur mal etwas zu nennen. ... Heute fahren wir in's Kloster Senanque, wo wir beide schon öfter waren und sehen zu, dass wir die Messe am Mittag mitfeiern können. Wolfgang war vor über 20 Jahren das erste Mal da. Er hat viele gute Erinnerungen, vor allem an die Gemeinschaft der Mönche.


Dienstag, 26. September 2017
Ulrike schreibt: Wolfgang und ich sind heute in aller Frühe in den Urlaub gefahren. Wir waren schon lange nicht mehr mit dem Auto unterwegs. Ich mag unser Auto – einen Nissan der unteren Mittelklasse –, nicht besonders, weil er aussieht wie die meisten anderen Autos auch. Aber er ist sparsam, wir sind mit einer Tankfüllung bis nach Apt in der Provence gekommen 😀

Die Fahrt war ausgesprochen schön und kam uns beiden ‹kurz› vor. Wolfgang hat mir beim Fahren aus dem Buch ‹Serenade für Nadja› vorgelesen. Wir haben unterwegs gefühstückt und dann in Orange – eine Autostunde vor Apt – einen längeren Halt gemacht. Sehr schön ist die ehemalige Kathdrale Notre Dame. Obwohl Bauarbeiter drinnen beschäftigt waren, hatte sie etwas ganz Freundliches und Beruhigendes.

Die Stadt Orange war für römische Soldaten in Rente (Veteranen) aus dem Heer von Julius Cäsar gebaut worden. Sie ist bekannt für ihr grosses Amphitheater. Die Bühnenwand ist mehr als 60m lang. Einen Eindruck bekommt man hier: http://theatre-antique.com/en/home. Das Theater fasste 10.000 Menschen, das war die ganze damalige Stadtbevölkerung. Der Eintritt war frei und Aufführungen fanden (unter Nero) an 180 Tagen im Jahr statt. Mir scheint es, dass das Theater das ‹RTL der römischen Kaiserzeit› war. Die Aufführungen wurden über die Jahre hin auf schlichte Komödien reduziert. Hauptsache lustig. Die Stücke bekamen einen zunehmend pornographischen Charakter, bis dahin, dass sich Schauspielerinnen auf Wunsch des Publikums auf der Bühne ausziehen mussten. Usw..

In Apt haben wir ein Zimmer in einem B&B gemietet. Es ist ein altes Gebäude mit Garten und mehreren Terrassen zum Sitzen mitten in der Stadt. Wolfgang war früher oft in der Nähe von Apt, im Haus eines Freundes, und darum beginnen wir unseren Urlaub hier.🏁


Sonntag, 24. September 2017
Ulrike schreibt: Ich bin froh, dass die Woche gestern gut zu Ende gegangen ist. Donnerstag habe ich eine Abdankung für ein Gemeindemitglied gefeiert, das in der Chrischona Zuhause war. Und im Altenpflegeheim Brunnmatt habe ich auch Gottesdienst gefeiert.

Gestern waren Wolfgang und ich zum Studientag der Fritz-Blanke-Gesellschaft im Nidelbad/ Rueschlikon. Ich hatte mehrmals davon erzählt. Heute Nachmittag bin ich beim Beauftragungsgottesdienst für die Sozialdiakoninnen und -diakone unserer Kantonalkirche (Stadtkirche, 16 Uhr). ... Und ansonsten ordne ich dies und das, denn Wolfgang und ich wollen in Urlaub fahren.🌍☀️🚘 Wir wünschen Euch und Ihnen einen gesegneten und schönen Sonntag.


Mittwoch, 20. September 2017
Ulrike schreibt: In dieser Woche haben wir den ‹Pfarrkonvent› (Treffen aller Pfarrpersonen der Baselbieter Kirche), das ‹Pfarrteam› (Pfarrpersonen unserer Kirchgemeinde), ‹Ökumenisches Team› (wir plus unsere römisch-katholischen Kolleginnen und Kollegen) und Kirchenpflegesitzung. ... Diese Woche sind auch verschiedene Vorbereitungstreffen und Gesprächskreise.

Heute treffen wir uns zum ‹Kreis für Menschen in schweren Lebenslagen› (Matthäus 11:28). Wir lesen zur Zeit jeweils eine kurze Geschichte über das ‹Dienen›. Heute ist das ein Wort von Jesus aus Matthäus 15, 1-14. Jesus wird gefragt, warum sich seine Jünger nicht an «die Satzungen der Ältesten halten». Da werden Regeln entworfen, und wer die Regeln einhält, der gehört dazu. Jesus nennt die Regeln der Schriftgelehrten und Pharisäer «selbst ausgedacht». Er fragt zurück: «Wie wäre es, wenn ihr euch an den Geboten Gottes orientieren würdet? Anstatt sie durch eure selbst ausgedachten Regeln zu ersetzen?»

Jesus widerspricht den Ältesten seines Volks öffentlich. Im kleinen Kreis - also später - wird er seinen Jüngern sagen: «Alle Pflanzen, die mein himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, werden ausgerissen. Lasst sie, sie sind blinde Blindenführer.»

Jesus hat nicht die Aufgabe, «auszureissen». Er muss die Schriftgelehrten und Pharisäer nicht belehren oder ‹besiegen›. Mir sind drei Dinge wichtig:

(1) Jesus antwortet den Ältesten, als sie ihn zu Rede stellen. Er kann antworten.
(2) Er stellt sich vor seine Jünger. Er lässt es nicht zu, dass sie verunsichert werden.
(3) Jesus lehrt seine Jüngern so zu leben, wie er selbst das tut.

Heute Abend bin ich dann noch bei einem Bibelgesprächskreis unserer Kirchgemeinde. Da werden gerade die Gideon-Geschichten (Buch Richter, ab Kapitel 6) gelesen. ... Man darf zu den bestehenden Gesprächskreisen gerne dazu stossen oder mich auch fragen, einen neuen Kreis aufzumachen. Ich würde mich freuen, wenn mich mal wieder jemand fragt .... 😀


Sonntag/Montag 17./18. September 2017
Wolfgang schreibt: Das kommt eher selten vor, dass wir für einen Sonntag gleich zwei verschiedene Predigten zum Nachhören anbieten können. Verblüfft hat mich dabei, dass Ulrike und ich ohne jede Absprache eine weitgehend parallele Predigt gehalten haben. Ulrike zum Bettag in Liestal über Jesaja 58: Bettag zum Weitermachen?. Ich hielt zur selben Zeit in Ittigen BE eine Themapredigt: Umgang mit Krankheit und Leiden. Das Thema war von der Gemeinde so gewünscht. Ob Ihnen die Parallelen beim Hören ebenso auffallen wie mir? Ein kurzes Echo würde uns freuen. Es darf ruhig auch kritisch sein.

Hier können Sie Ulrikes Predigt zum Bettag anhören:



Für einen DOWNLOAD finden Sie diese Predigt auf der Seite DOWNLOADS: AUDIO und dort unter der Rubrik "VORTRÄGE UND PREDIGTEN". Zum Downloaden gehen Sie bitte auf dieser Seite ganz nach unten. Wenn die Schrift auf dem Bildschirm blau wird, sind Sie richtig. Dort - alphabetisch angeordnet - finden Sie die Predigt unter dem Namen "2017-BETTAG-ZUM-WEITERMACHEN?" [23'55 Minuten, 18,17 MB].

Und hier können Sie Wolfgangs Predigt anhören:



Für einen DOWNLOAD finden Sie diese Predigt auf der Seite DOWNLOADS: AUDIO und dort unter der Rubrik "VORTRÄGE UND PREDIGTEN". Zum Downloaden gehen Sie bitte auf dieser Seite ganz nach unten. Wenn die Schrift auf dem Bildschirm blau wird, sind Sie richtig. Dort - alphabetisch angeordnet - finden Sie die Predigt unter dem Namen "2017-Umgang mit Krankheit und Leiden" [30'32 Minuten, 11,46 MB].


Samstag, 16. September 2017
Ulrike schreibt: Die letzte Woche war für mich reich an Eindrücken und an Begegnungen. Heute war ich im Altenpflegeheim Brunnmatt, weil das Restaurant dort 5jähriges Jubiläum feiert. Das Brunnmatt inclusive Restaurant bietet jetzt auch Dienstleistungen für Menschen an, die ausserhalb wohnen - zum Beispiel einen Wäscheservice. Ich habe gefragt warum sie sich so breit aufstellen. Die Antwort ist, dass sie die Vernetzung mit dem Quartier anstreben - in dem ja auch Wolfgang und ich wohnen. Für die Bewohnerinnen und Bewohner soll das Brunnmatt ein Ort sein, an dem ganz normale Menschen ein- und ausgehen und sich zuhause fühlen. ... Das leuchtet mir sofort ein. Es braucht Orte, wo Menschen daheim sind. Und es gibt kaum noch Orte im Quartier, wo die Bewohnerinnen und Bewohner selbstverständlich zusammenkommen. ... Ich finde das gut. Aber es stösst mich auf eine Beobachtung, die ich andauernd mache. ‹Funktionen›, die früher einmal von Kirchgemeinden wahrgenommen wurden, sind auf andere Institutionen übergegangen. Und die machen das durchaus gut.

Diese Woche war ich auf zwei Ausstellungseröffnungen. Die eine Ausstellung ist im Tonwerk Lausen, wo Künstlerinnen und Künstler aus der Region ihre Arbeiten zeigen. Das war super inspirierend. Zur Eröffnung sind mehrere hundert Menschen gekommen, mit viel Neugier und Bereitschaft, sich auszutauschen. Ich bin immer noch beeindruckt.

Und ich war bei der Ausstellungseröffnung von Reformation bewegt! - einem Kunstprojekt der Reformierten Kirche Baselland in unserer Kantonsbibliothek. Mir ist nicht klar geworden, was es zu entdecken gegeben hätte, wofür genau die Neugier der Betrachter geweckt werden sollte. Wir waren knapp 50 Besucherinnen und Besucher, vor allem Mitarbeitende der Kantonalkirche, der Kirchgemeinden und einige engagierte Gemeindemitglieder. Wie viele von ‹aussen› waren wohl gekommen?

... Diese Woche war ich für Besuche im Krankenhaus, was eine schöne Mischung ist zwischen ernsthaften und zum Teil witzigen Begegnungen. Ich sehe für viele nicht aus wie eine Pfarrerin und sie kippen ersteinmal aus den Schuhen, wenn sie merken, dass ich keine Ärztin, sondern eine Geistliche bin 😇 Was mir durchaus Spass macht.


Mittwoch, 13. September 2017
Ulrike schreibt: Wolfgang predigt am Sonntag in der Kirchgemeinde Ittigen bei Bern. Sie haben dort gerade eine Gottesdienstreihe ‹Leib-haftig›. In der Ausschreibung heisst es: Wir haben nicht nur einen Leib, wir sind Leib! So wollte es Gott. Wie können wir gut umgehen mit der Kraft, der Schönheit, aber auch der Gebrechlichkeit unseres Körpers? Den Flyer gibt es hier: www.refittigen.ch/fileadmin/user_upload/Flyer_LEIBhaftig_2017.pdf Wolfgang soll zum Thema reden: Der zerbrechliche Leib. Umgang mit Krankheit und Leid. ... Da sind natürlich auch Menschen von ausserhalb - also auch Sie - zum Gottesdienst willkommen.

Freiwillige und unfreiwillige Auszeit
Meine Predigt zu Jesaja 58 ist fertig. Sie wird in einem Punkt identisch sein mit der Predigt von Wolfgang. In Zeiten von Krankheit und Leiden wird ein Mensch wie in eine Auszeit hinein geschickt. Er bekommt Abstand von dem, was sein Lebensfluss und sein Alltag war. In meinem Predigtabschnitt Jesaja 58, 3-8 geht es auch um solche Auszeit, nämlich um das Fasten. Anders als eine Krankheitszeit ist das Fasten eine freiwillige Auszeit. Etwas, das ein Mensch gerne macht. Man denkt, das ist eigentlich eine feine Sache ...

Nicht weitermachen wie vorher
Aber Gott erhebt durch den Propheten Einspruch: «Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe?» Gott ist überhaupt nicht einverstanden mit der Art, wie sein Volk seine Auszeiten gestaltet. Warum nicht? Gott sagt durch den Propheten: «Ihr geht ja doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter.» (Vers 3) Da geben Menschen vor, eine Auszeit zu machen, und machen weiter wie vorher. Es ist gerade kein Loslassen. Es ist gerade keine Hinwendung zu Gott. ... Ich kenne die Variante, dass Menschen sich Auszeiten nehmen, damit sie weiter machen können wie vorher. ... Gott möchte aber, dass in der Auszeit etwas geschieht. Dass es danach nicht weiter geht wie vorher. Darum wird es in den beiden Gottesdiensten in Liestal (9.30 Uhr) und Seltisberg (11 Uhr) gehen. ... Ich finde es ziemlich spannend. Wie können denn Zeiten vor und mit Gott aussehen? ... Nochmals zur Erinnerung: Der Liedermacher Frieder Gutscher ist am Sonntag mit dabei. Und wir feiern das Abendmahl. Herzliche Einladung!


Samstag, 10. September 2017
Ulrike schreibt: In knapp zwei Wochen treffen wir uns zum nächsten Studientag der Fritz-Blanke-Gesellschaft. Ich habe gerade einmal nachgeschaut. Auf unserer Infoseite zu den Studientagen heisst es: ‹Denken will geübt sein, dann wird es einfach.› Denken wollen wir mit Euch und Ihnen am 23. September 2017. Es geht beim nächsten Studientag um die Frage, woran ich erkennen kann, ob ein biblisches Wort zeitbedingte Gültigkeit hat oder ob es bleibende Gültigkeit beansprucht?

Hier ist der Ausschreibungstext für diesen Studientag: In den biblischen Geschichten vernehmen wir Gottes Reden zu uns. Aber: Gilt das für alle Aussagen der Bibel? Es fällt uns nicht schwer, den alttestamentlichen Aufruf zum Krieg und das Gebot des «Banns», demzufolge Gebäude, Besitztum, Tiere und Menschen vernichtet werden sollen, als zeitbedingte Aussagen zu bezeichnen. Wir legen sie auf die Seite.

Schwieriger ist es bei anderen biblischen Texten: Wie ist es mit der Frage, ob eine Frau in der Gemeinde das Wort ergreifen darf? Ist das eine zeitlich gebundene oder eine «ewige» Meinung? Wie ist es mit der Lebensform der Homosexualität? Begegnen uns in der Bibel zeitlich gebundene oder «ewige» Orientierungen? Der Streit bricht allzu leicht los. Die einen halten auch solche Aussagen für zeitbedingt. Andere wehren sich dagegen. Ihre Fragen sind berechtigt: Woran erkenne ich, ob ein biblisches Wort zeitbedingte Gültigkeit hat oder nicht? Und: Wer hat die Autorität, das zu entscheiden? Wir suchen in der Bibel selbst nach Kriterien dafür, welchen Anspruch unterschiedliche biblische Texte haben.

Zum Flyer geht es hier: Studientag Ewige Wahrheiten 23.9.2017

Am Wochenende vom 29. Juni bis zum 1. Juli 2018 wird es ein ganzes Wochenende mit Wolfgang und mir als Referenten zur selben Frage geben. Veranstalter ist dann die VBG und der Kursort ist Rasa/ Tessin.


Freitag, 8. September 2017
Ulrike schreibt: Am Sonntag nächster Woche - der in der Schweiz der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag ist - feiere ich mit der Gemeinde in Liestal (9.30 Uhr) und Seltisberg (11 Uhr) Gottesdienst. Und um 18 Uhr ist in der Stadtkirche Gottesdienst in anderer Form - die Abendfeier. Zu allem eine herzliche Einladung! Den ersten Gottesdienst wird der Liedermacher Frieder Gutscher mitgestalten. Hier können Sie schon einmal das Themalied für den Gottesdienst hören: 13 Jesaja 58 sowie ein weiteres Lied: DONA NOBIS PACEM 14 DONA NOBIS PACEM.


«.... dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen,
und dein Dunkel wird sein wie der Mittag.
Und der HERR wird dich immerdar führen
und dich sättigen in der Dürre und dein Gebein stärken.
Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten
und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt.»
aus Jesaja 58


Dienstag, 5. September 2017
Ulrike schreibt: Wolfgang und ich sind gerade im ‹Ländli›. Das ist ein Tagungszentrum/ Hotel am Ägerisee, das von Diakonissen bzw. einem Diakonieverband geführt wird. Die Sonne scheint immer noch ☀️ und wir haben ein Zimmer mit Blick auf den See 🚣☀️. Die Kolleginnen und Kollegen der Schweizerischen Pfarrgemeinschaft (siehe hier: www.pfarrgemeinschaft.ch/) haben uns zu einer ihrer Tagungen eingeladen:

Heute Abend geht es darum, was wir tun können, damit Menschen ‹Zugang› zu unseren Kirchgemeinden finden. Wo sind die ‹Türen› zu unserer Kirchgemeinde? Sind überhaupt ‹Türen› zu erkennen? Als ich etwa sechzehn Jahre alt war, bin ich alleine in den Gottesdienst der Kirchgemeinde gegangen, in der ich konfirmiert worden bin. In diesem Gottesdienst hat der Pfarrer zu einem Ferien-Frühstück für junge Leute eingeladen. Es hat mich hingezogen und ich bin tatsächlich gegangen, obwohl ich niemanden kannte. Der Pfarrer war überrascht und hat mich ersteinmal ausgefragt. Ich habe gesagt, dass ich «durch Zufall» hier bin, weil ich von der Kirchgemeinde eigentlich nichts mitbekomme. Der Pfarrer war mordsbeleidigt, weil er und seine Gemeinde sehr darum bemüht waren, Kontakt zu den Menschen im Stadtteil zu bekommen. ... So unterschiedlich sieht es oft aus: Die Einen sind wahnsinnsaktiv, die Anderen merken nichts davon, dass es eine Kirche für sie gibt. Sie finden keine ‹Tür›.

Heute sprechen wir darüber, wie solche ‹Türen› aussehen können und welche Rolle sogenannte ‹Drehpunkt-Personen› für die Kirchgemeinde spielen.


Sonntag, 3. September 2017
Ulrike schreibt: Heute ist Sonntag, die Sonne scheint, die Terrassentür steht offen und wir haben viel Zeit. Gestern Abend haben ein paar junge Anwohner/innen einen Grillabend für unsere Strasse - den Küngelbrunnenweg - organisiert. Eine super Idee, weil - zumindest Wolfgang und ich - die Andern gar nicht so richtig kennen. Danke denen, die die Idee und die Arbeit hatten! ❤️

Aus dem Tessin habe ich ein paar schmerzhafte Insektenbisse mitgebracht. Ich habe gegoogelt und denke, dass es Bisse der Grasmilbe🕷🌿 sind. Im Internet steht, dass man gegen Entzündungen erst einmal hochprozentigen Alkohol drauftupfen soll. Also nehme ich die Flasche Wodka, die ich im Sommer von ukrainischen Freunden bekommen habe und tupfe fleissig. Weil es eh schon später Abend ist, trinke ich noch ein paar Schluck vom Wodka. Das Zahnfleisch fühlt sich taub an, aber o.k., nachts stört das nicht. Am nächsten Morgen - also gestern - ist das Zahnfleisch nicht mehr schön rosa, sondern fast weiss ... Na ja. Will nur sagen, dass irgendwie fast jeden Tag etwas ‹los ist›, manchmal richtig abstruse Sachen. Ich habe ein SMS an meine Zahnärztin geschickt und konnte - obwohl Sonnabend - in ihre Praxis kommen ❤️ Danke auch hier! ...

Ich habe noch Besuche bei Gemeindemitgliedern gemacht, v.a. Geburtstagsbesuche. Besuche sind sowieso interessant, und meist sehr schön. Bei unseren hochaltrigen Mitgliedern bekomme ich auch vieles zu hören, was mein Bild über die Schweiz formt. Z.B. wenn jemand heute 95 Jahre ist und sein Leben lang bei der Kantonspolizei gearbeitet hat und davon erzählt - das ist richtig spannend.


Donnerstag, 31. August 2017
Ulrike schreibt: Morgen enden Wolfgangs Schweige-Exerzitien in Rasa. Am Wochenende sind wir - hopefully - Zuhause in Liestal und am Montag beginnt die Gemeinschaft-in-der-Postmoderne Tagung der Schweizerischen Pfarrgemeinschaft im Ländli/ Oberägeri (4.-6. September).

Wolfgang und ich werden jede Themeneinheit in soziologischer (ich) und in biblisch-theologischer Perspektive (Wolfgang) einführen. Es geht darum, wie Kirche als ‹Gemeinschaft› heute aussehen kann - das ist eine ziemlich interessante Frage. Weil viele von uns mit den hergebrachten Vorstellungen von ‹Verbindlichkeit› kaum noch etwas anfangen können. Wahrscheinlich müssten sie ersteinmal definieren, was sie unter ‹verbindlich› überhaupt verstehen. Man hat schliesslich seine eigene Agenda, seine eigenen Prioritäten - und vor allem wenig Zeit für die Kirche. Sich jeden Mittwoch Abend treffen? Wer kann das noch? Wer will das noch? ... Unter Menschen mit unterschiedlichen Werten und Normen die ‹Wahrheit Gottes› bezeugen - wie geht das? Wir wollen doch nicht hoffnungslos altmodisch sein ... In einer Kirche mit höchst unterschiedlichen Menschen ‹Einheit› leben - was ist der Weg dahin? Was ist Einheit überhaupt? Wir finden ja schon in unbedeutenden Dingen kaum noch einen Konsens. ... Weil bei der Tagung vor allem Hauptamtliche sind, geht es auch um die Predigt und die Feier des Abendmahls in postmoderner Gesellschaft.

Hier noch ein Satz für diejenigen, die zur Nacht an etwas Substanziellem herumdenken möchten:
«Einheit beschreibt ein Beziehungsgefüge, das als wechselseitiges und sich stetig erneuerndes Treuehandeln zu verstehen ist.» (Medard Kehl) So ist es! ‹Einheit› ist kein harmonischer, irgendwie überzeitlicher Zustand, sondern ein ständiges, wechselseitiges Treuehandeln.


Mittwoch, 30. August 2017
Ulrike schreibt: Wenn man für Tagungen eingeladen wird, dann muss man bereits Monate vorher Themenformulierungen, die Beschreibung der Workshops, die man zu halten gedenkt usw. schicken. Das wird für die Werbung gebraucht. Heute haben Wolfgang und ich uns im Blick auf Pfingsten 2018 geeinigt. Wir sind zur Akademikon - das ist die Pfingsttagung der Akademiker/innenarbeit der Studentenmission in Deutschland (SMD) - eingeladen. Die SMD ist das Pendant zur VBG, der christlichen Studierendenarbeit in der Schweiz. Hier in Rasa hält Wolfgang seine Kurse auf dem Campus der VBG.

Weil mir unsere Workshops schon jetzt gut gefallen, schreibe ich hier die Titel. Vielleicht hat ja jemand von Ihnen/ von Euch Interesse, vom 18. - 21. Mai im Westerwald mit dabei zu sein. Oder lädt uns zu denselben Themen in seine Gemeinde ein😇:

(1) Glauben und Beten - die Rolle des Glaubens im Gebet
Wir fragen am Beispiel einiger biblischer Geschichten, ob es Voraussetzungen für ein erhörtes Gebet gibt und welche das sind. Was für einen Glauben braucht das Gebet? Wofür darf ich beten, wofür vielleicht auch nicht? Wir schauen hin wie sogenannte Vorbilder beten: warum der Einsatz psychischer Kraft nicht in’s Gebet gehört.

(2) Glauben und Reifen - welche Rolle spielt die Erfahrung für den Glauben?
Menschen, die jung im Glauben sind, machen oft mehr Erfahrungen mit dem Gebet als andere. Warum ist das so? Was ist, wenn ich gar keine Erfahrungen mit Gott mehr mache? Warum auch das in meine Beziehung zu Gott hineingehört und was die Seelsorge darüber weiss.

(3) Glauben und Eins-sein - wo Menschen im Glauben eins werden, ist ihnen von Gott her viel versprochen.
Was aber heisst Eins-sein überhaupt? Jesus spricht von zwei oder drei Menschen, die miteinander beten und von Gott her dasselbe hören (Matthäus 18,19). Wie kann ich unterscheiden, was von Gott kommt und was von mir selbst kommt? Wir fragen nach dem Weg zum Eins-sein mit Gott, zum Eins-sein mit sich selbst, zum Eins-sein mit dem Nächsten.

Wir bemühen uns, Fragen aufzugreifen, von denen wir meinen, dass in der Bibel Entscheidendes überlesen oder missverstanden wird. Und wo wir neu hinschauen wollen: was steht denn in der Bibel wirklich über das Gebet? Über die Rolle der geistlichen Erfahrungen? Über das Einswerden der betenden Gemeinde?


Dienstag, 29. August 2017
Ulrike schreibt: Vorgestern ist die erste Kurswoche in Rasa zu Ende gegangen und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die zweite Kurswoche sind angereist. Wir sind jetzt 24 Menschen. Das Wetter ist überwiegend sonnig und Wolfgangs Impulse zu Psalm 59 sind - meines Erachtens - sehr gut. Ich empfinde auch das, was Wolfgang immer wieder einmal als ‹methodische Hilfen› anbietet, als ungemein hilfreich. Da geht es um Erwartungen an sich selbst, um Spannungsbögen und Zeiteinteilung, um den Umgang mit Gefühlen usw..

Ich erinnere: (1) Der Psalmbeter wird von seinen Feinden bedrängt. Wir hatten gesagt, dass er seine Not und Bedrängnis vor Gott ausspricht. Dadurch ‹verselbständigt› sie sich nicht. Sie wird nicht bedrohlicher als sie ist, sie wird aber auch nicht harmloser als sie ist. (2) Hauptteil der Einkehr ist, wie der Psalmbeter zu der Erfahrung kommt, dass Gott ihm Schutzort, Burg, Festung usw. ist. Worin besteht die Festigkeit, worin auch nicht?

Nun zu einem dritten Aspekt. (3) Der Psalmbeter bittet Gott darum, dass Gott seinen Feinden vergilt:

«Lass sie gefangen werden in ihrem Hochmut
und wegen des Fluchs
und wegen der Lüge, die sie aussprechen. (Vers 13)
Vertilge im Zorn, vertilge, dass sie nicht mehr sind.
Dann wird man erkennen, dass Gott in Jakob herrscht bis an die Enden der Erde!» (Vers 14)

Wie ist das mit der Bitte um Rache? Hinter der Bitte um Rache - die im Psalter 41mal ausgesprochen wird - steht die Frage, wie ich mit der Ungerechtigkeit und mit Menschen, die ungerecht an mir handeln, umgehe. Wie kommen sie in meinem Beten, in meinem Glauben vor? ... Lasse ich ‹das Böse› in meinem Beten einfach weg, ignoriere ich es gleichsam? In der ägyptischen Weisheit - also bei den Nachbarn Israels - gibt es die Vorstellung vom göttlichen Gleichgewicht, die im Bild der ‹maat› personifiziert wird. Im Deutschen sprechen wir von der ausgleichenden Gerechtigkeit. Dieses Denken, dass alles im ‹Gleichgewicht› bleiben muss, führt zu Handlungen der Rache, auch der Blutrache: zur inneren Verpflichtung, dieses Gleichgewicht immer wieder neu herzustellen. Solches Denken kommt in der biblischen Überlieferung nur ganz am Rande vor. Wolfgang fragt, ob solches Gleichgewichtsdenken in unserem Leben eine Rolle spielt.

Wolfgang macht einen historischen Exkurs: Im Judentum, seit Kaiser Augustus in der griechisch-römischen Antike und dann im Abendland, leben Menschen mit einer relativen Rechtssicherheit. Sie müssen nicht selbst für Ausgleich sorgen. In Gesetzen haben sie geregelt, was recht und unrecht ist. Solche relative Rechtssicherheit ist eine grosse Wohltat für Bürgerinnen und Bürger. Aber auch da stellt sich die Frage: «Was tue ich, wenn Unrecht geschieht, und ich mich auf nichts und niemanden berufen kann? Im Fall des Psalmbeters (David) ist es der König selbst (Saul), der gegen David agiert. Auf wen soll er sich da noch berufen?

Psalm 59 sagt nun, dass man über menschliche Autorität und Rechtsprechung hinaus mit Gott rechnen darf. Gott ist zuständig.

* Rachepsalmen werden gebetet in einer Situation grosser innerer und äusserer Not. Sie sind keine Alltagsgebete, sondern Ausnahmegebete. In Ausnahmesituationen stellen mir die Rachepsalmen eine Sprache zur Verfügung. Die Bibel lässt mich auch in äusserster Not nicht allein.

* Rachepsalmen sind genau gesehen Rache-Verzichts-Psalmen. Der Beter legt gerade nicht Hand an seine Feinde. Er verzichtet darauf, die Rache selbst in die Hand zu nehmen. Das bleibt bis in's Neue Testament hinein so. Paulus schreibt im Römerbrief, Kapitel 12, Vers 19: «Die Rache ist mein, ich will vergelten, spricht der Herr.» Hör du - Mensch - auf, die Rache in deine Hand nehmen zu wollen. Wer Wut hat und verletzt worden ist, der darf wütend und verletzt sein. Aber er soll seine Wut und seine Verletztheit an Gott übergeben. Interessant ist auch wie Römer 12 fortfährt: dass der betende Mensch die Vergeltung Gott übergeben soll und seinem Feind zu essen und zu trinken geben soll («das Böse mit Gutem überwinden»).

* Worum geht es in der Bitte um Rache wirklich? Es geht nicht darum, dass ‹der Feind› geschädigt wird. Es geht darum, dass etwas von Gott und seinem Richten und Zurechtbringen sichtbar wird: «Dann wird man erkennen, dass Gott in Jakob herrscht bis an die Enden der Erde!» (Vers 14) Das ist das Ziel der Bitte. Wolfgang weist auf den Schlussvers von Psalm 58 hin: «Dann wird man sagen: Ja, es gibt noch ein göttliches Gericht auf Erden.» Darum geht es im Psalm: dass deutlich wird, dass Gott derjenige ist, der Menschen zu ihrem Recht verhilft. Menschen sollen sich in ihrer Not darauf verlassen können, dass von Gott her alles auf ein Richten (also auf ein «zum Recht bringen») zuläuft.


Freitag, 25. August 2017
Ulrike schreibt: Fortlaufend kann ich nicht von den Exerzitien berichten, weil ich gestern zum Beispiel in Liestal war. Wir hatten nachmittags ein Bibelgespräch und am Abend eine Sitzung in der Kirchgemeinde. Einen Impuls zu Psalm 59 hatte ich aber nach Liestal mitgenommen: Der Psalmbeter macht kein Geheimnis aus der Not, in der er sich befindet. Er beschreibt, wie er belagert und umstellt wird. Seine Feinde verhalten sich wie Hunde, die suchend um ihn herum streunen. ...

Wie rede ich von meiner Not?
Wolfgang lädt uns ein, hinzuschauen, wie der Psalmbeter von seiner Not redet. Das Gebet ist der Ort, an dem David über seine Schwierigkeiten und seine Feinde redet. Es ist der Ort, an dem auch wir über unsere Feinde und Schwierigkeiten reden können. Wolfgang meint, dass viele es anders machen. Sie beten so, dass ihre Feinde ‹draussen vor› bleiben. Ihr Gebet ist die Vorspiegelung einer ‹heilen Welt›. Andere beschäftigen sich in ihrem Inneren mit ihren Schwierigkeiten, kreisen immer wieder um sie und lassen Gott aussen vor.

Der Psalm verbindet beides: Hier wird im Angesicht Gottes über die Feinde und die Not nachgedacht. Sie werden beim Namen genannt. Im Gebet bringt David seine Not zur Sprache - nicht im Gespräch mit sich selbst. Er kreist nicht um seine Not, beisst sich nicht an ihr fest. Im Gegenteil!

Ich aber besinge deine Macht,
juble am Morgen über deine Güte (Vers 17)

Der Beter singt (hebr. schir) und jubelt (hebr. ranan). Das ‹Jubeln› meint den Einsatz des ganzes Körpers, ein rythmisches Stampfen. Wolfgang fragt: Wie oft sagen wir: «Ich aber»!? Die Feinde sind immer noch da. «Ich aber» stampfe und juble! Im ‹Ich aber› kommt eine grosse Freiheit zum Ausdruck. Wenn man mit dem Singen und Tanzen wartet, bis die Feinde ‹weg› sind, dann kommt man nie zum Singen und Tanzen. ... Mich erinnert der Vers an Psalm 23, wo der Betende sagt: «Du deckst mir den Tisch im Angesicht meiner Feinde.» Der wartet auch nicht, bis die Feinde ‹weg› sind, sondern lässt sich voll einschenken, auch wenn die Feinde dabei zusehen. Die eigene Freude darf nicht getrübt werden durch den Widerstand, den der Betende erlebt.

Der Grund dafür, dass der Psalmbeter ‹ich aber› sagt, ist die Gemeinschafts-Treue Gottes. Das war der erste Impuls der Exerzitien. Auch der findet sich im Vers 17:

Ich aber besinge deine Macht,
juble am Morgen über deine Güte (Vers 17)

Die «Güte» (hebr. chäsäd) ist die Treue Gottes, die den ‹Seinen› gilt. Sie hat im Bundesschluss Gottes mit den Seinen ihren Grund und geht von Gott selbst aus. Es gibt auch eine «Güte» Gottes, die allen Menschen gilt (hebr. chen). Die gilt auch denen, mit denen Gott (noch) keinen Bund geschlossen hat. Der Psalmbeter aber freut sich an der Treue, die Gott für die Seinen - für ihn persönlich - hat.


Mittwoch, 23. August 2017
Ulrike schreibt: Der Parkplatz an der Seilbahn Verdasio-Rasa ist vollgeparkt mit Autos. Die August-Sonne scheint (fast 30°C) und Ausflügler fahren mit der Seilbahn nach Rasa hinauf. Es ist Hochsaison hier oben ...

Gestern haben Wolfgangs Schweige-Exerzitien in Rasa begonnen. Gegenstand der Betrachtung ist Psalm 59: ‹Du bist meine Zufluchtsburg› (Vers 10, 17, 18). Jede/r durfte sich in der Vorstellungsrunde ein grosses Foto aussuchen, das etwas in ihm berührt: ein kleines steinernes Haus, das an ein Felsmassiv gelehnt ist; eine steirische Burg, die hoch oben auf einem Berg thront; ein Bild von sich berührenden, schützenden Händen usw..

Wolfgang hat in der Einleitung gesagt, dass in deutschen Übersetzungen oft ‹Schutz› steht, wo im Hebräischen von ‹Burg›, ‹Schutzburg›, ‹Festung› die Rede ist. ‹Schutz› ist ein Abstraktum. Wer das hört, ist auf seine eigenen inneren Bilder angewiesen. Im Hebräischen bekommen wir eine Vorstellung davon, wie der Schutz aussieht. Ich selbst habe an die Festungen von Megiddo, Hazor und Massada gedacht. Für diejenigen unter euch, die auch Zuhause ‹mit dabei› sein möchten, schreibe ich einige Impulse auf:

Wo/ durch wen habe ich Schutz erfahren?
Wolfgang fragt, wo wir in unserem Leben auf eine gute Weise Schutz erfahren haben. Von wem? Wer in meinem Leben steht dafür, dass ich Schutz erfahren habe? War das genug? Oder sehne ich mich nach Schutz?


Die Frage nach mir selbst
Es heisst ‹mein› Schutz, ‹meine› Burg, ‹meine› Zuversicht. Es geht nicht allgemein darum, wo und wie ‹irgendjemand› Schutz finden kann. Kann ich von etwas oder von jemandem mit Überzeugung sagen: Das/ der/ die ist ‹mein› Schutz!?

Geschützt zu werden kann zutiefst ambivalent sein. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn jemand sich zwar beschützt, aber gleichzeitig bevormundet und eingeengt fühlt.


Wir fangen nicht ‹bei Null› an
Der Psalmbeter bittet nicht darum, die Erfahrung von Schutz erst noch machen zu dürfen. Natürlich darf man Gott auch um Schutz bitten. Der Psalmbeter aber bezeugt, dass er diese Erfahrung bereits gemacht hat: «Du, Gott, bist meine Zufluchtsburg». Ich denke, dass ich auch die Erfahrung von anderen Menschen zu meiner Erfahrung machen darf. Und dass ihr Bekenntnis («Gott ist meine Zufluchtsburg») zum Ausgangspunkt meiner eigenen Bitte um Schutz werden darf.

Diesmal haben die Schweige-Exerzitien mit der Feier des Abendmahls begonnen: mit der Vergegenwärtigung dessen, dass Gott bereits da ist. ER baut seine ‹Wohnung› in uns (Johannes 14, 23). Wir können dem Vater und Jesus in uns selbst begegnen. Wolfgang erzählt von Teresa von Avila. Sie weiss von einer ‹inneren Burg›, in die sie jederzeit einkehren kann:
«Wenn ich gewusst hätte, dass ein solch grosser Herr im Palast meiner Seele wohnt,
dann hätte ich ihn nicht so lange allein gelassen.»


Dienstag, 22. August 2017
Ulrike schreibt: Gestern hatten wir den jährlichen Team-Ausflug unserer Kirchgemeinde - einen Stadtpaziergang zur Reformation durch Basel. Er war super vorbereitet (Danke!), der kühle Weisswein war lecker und die Führung durchaus interessant, wobei mir der Bezug zur Reformation nicht klar geworden ist 😃. ... Wolfgang und ich fahren heute nach Rasa - ich werde zwischendurch nach Liestal zurück kehren.

Wir haben sehr spezielle Tage hinter uns, weil Wolfgang im Zusammenhang mit der Medikamenten-Findung - oder wie man das nennen will - in's Kantonsspital musste. Er war - zum ersten Mal in seinem Leben - in ein Delirium gefallen. Was manchmal einer gewissen Komik nicht entbehrt hat. Als wir an einem Abend face-timen (das ist Bild-Telefonie), sitzt Wolfgang auf der Bettkante im Krankenhaus. Er sagt mir, dass noch jemand ausser ihm im Zimmer ist. Ich frage mich wie das geht. Das Zimmer ist klein. Wolfgang fährt fort, dass der zweite Mann Franz heisse und aus Graz komme (seinem eigenen Geburtsort). Ich fange an, mich zu wundern. Das kann doch gar nicht sein ... Ein Mann aus Wolfgangs Heimat bei ihm in Liestal??? Wolfgang fährt fort, dass der zweite Mann eine Priesterausbildung gemacht hat und strahlt mich an. Jetzt bin ich mir sicher, dass da wieder ein Delirium beginnt.

Wolfgang fragt: Soll ich ihn dir zeigen? Ich: Ja, gerne. Wolfgang schwenkt das Natel/ Handy und da sitzt ein freundlicher kleiner Mann im Sessel und winkt mir freundlich in die Kamera. --- Das ist Franz aus Graz, der in der Nacht aufpassen sollte, ob Wolfgang wieder in's Dilirium fällt. ... Das ist schon merkwürdig. Wie sich Schweres, Schönes, Skurilles mischen 😎 - und wir in allem die Führung Gottes glauben.


Sonnabend, 19. August 2017
Ulrike schreibt: In drei Tagen beginnen die Schweige-Exerzitien in Rasa. Die Teilnehmenden haben von Wolfgang noch nicht den vorbereitenden Brief bekommen. Wolfgang hat noch sehr mit dem Einstellen auf neue Medikamente zu tun, das in der REHA begonnen hat. Trotz des gegenwärtigen ‹Schweigens›: Die Exerzitien finden statt, Wolfgang ist gut vorbereitet und freut sich auf die Tage mit Euch und Ihnen. Ihr dürft aber trotzdem gern für ihn beten.


Freitag, 18. August 2017
Ulrike schreibt: Ich war diese Woche viel in der Kirchgemeinde unterwegs. Ein wirkliches Highlight war unser Gesprächskreis ‹Matthäus 11:28›. Das ist ein Kreis für Menschen, die in irgendeiner Weise ‹mühselig und beladen› sind. Wir werden in den nächsten Monaten biblische Geschichten lesen, in denen es um das ‹Dienen› geht. Was meint Jesus damit, dass wir einander ‹dienen› sollen? Gestern haben wir mit Matthäus 20, 20-28 begonnen: Die Mutter von Jakobus und Johannes kommt zu Jesus. Sie bittet ihn um ein Vorrecht für ihre beiden Söhne. Sie sollen neben Jesus sitzen, wenn Jesus zum Vater zurückgekehrt ist. Sie will einen Ehrenplatz für ihre Kinder. ... Jesus fragt zurück: Können denn deine Söhne leiden, wie ich leiden muss? ... Die Frage nach dem Ehrenplatz, die Frage nach der ‹Grösse› der beiden jungen Männer, wird von Jesus mit der Frage nach ihrer ‹Fähigkeit zum Leiden› verbunden. Das ist schon einmal sehr interessant! Genauso interessant ist, wie die Familie die Frage aufnimmt. Die Söhne antworten ohne zu zögern und sagen: «Ja, das können wir.» . ... Jesus erweitert das Gespräch. Er redet diejenigen unter uns an, die gern ‹gross› sein möchten. Vielleicht gibt es ja ausser Jakobus und Johannes noch ein paar ... Für die fügt Jesus ein weiteres Kriterium für echte ‹Grösse› hinzu: Sie zeigt sich in der Fähigkeit, sich dem Andern zuzuordnen und unterzuordnen. Nicht wahllos (= tausend alten Frauen über die Strasse helfen), sondern damit der Andere seinen Weg so gehen kann, wie Gott ihn führen möchte:

«Wer unter euch gross sein will, der sei euer Diener;
und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht,
so wie der Menschensohn (= er selbst) nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse,
sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.»


Dienen ist etwas Freiwilliges
Ich habe gestern ein paar klärende Beobachtungen vorausgeschickt. Es gibt Gesellschaften, in denen es als selbstverständlich gilt, dass manche Menschen höher gestellt sind als andere. Da behandeln die Einen die Anderen ganz selbstverständlich als Sklaven. ... In unseren westlichen, (noch) christlich geprägten Gesellschaften gehen wir von der Gleichwertigkeit aller Menschen aus. Wir gehen miteinander auf Augenhöhe um. Im Judentum ist diese Gleichwertigkeit bereits tief verankert, denn jeder Mensch ist zum Ebenbild Gottes geschaffen. Niemand ist von Natur aus ‹grösser› als der Andere, niemand ist zum ‹Dienen› bestimmt.

Das heisst, dass ‹Dienen› ein grundsätzlich freiwilliger Akt ist. Wer dient, der macht das aus eigenem Entschluss und freiwillig. Auch Jesus tut uns freiwillig Gutes, und nicht, weil er das ‹müsste›. So sollen auch wir einander freiwillig Gutes tun.

Nun ist es aber mit der Freiwilligkeit so eine Sache ... Da sind zum Beispiel die Eltern, die gepflegt werden müssen. Die Freundin, die seit Monaten in einer Krise ist und in der Psychiatrie besucht werden sollte. Der Kreis in der Kirchgemeinde, den niemand anders leiten will usw.. Man hilft dem Anderen, seinen Weg zu gehen - man dient - aber empfindet das eigene Tun oft als nicht sehr ‹freiwillig›.


Was mache ich eigentlich freiwillig?
Wir haben gestern darüber geredet, wie Freiwilligkeit auch dort gelebt werden kann, wo eine Situation als Verpflchtung erscheint. Es lohnt sich, dem einmal nachzuspüren: Wovon würde ich sagen, dass ich es freiwillig mache? Auch wenn da eine Struktur ist, die es von mir einzufordern scheint. ... Jesus hat oft einmal ‹Nein› gesagt. Ich halte seine Fähigkeit zum ‹Nein› für ein Indiz dafür, dass seine Hingabe an uns freiwillig ist. An der Fähigkeit zum ‹Nein› erkennt man m.E. die Freiwilligkeit, mit der jemand sein ‹Ja› ausspricht. Auch wenn es in schwierige Situationen hineingeht. .... Ich hoffe, ihr versteht, was ich meine.


Sonntag, 13. August 2017
Ulrike schreibt: Heute ist der 13. August, der Tag, an dem der Berliner Mauer (1961) gebaut worden ist. Das Gedächtnis daran bedeutet mir etwas: meine Herkunftsfamilie hat im Märkischen Viertel, in einem Hochhaus direkt an der Berliner Mauer gewohnt. Ich bin jeden Tag an der Mauer entlang geradelt, bis ich dann mit 20 Jahren zum Studium nach Tübingen gezogen bin. ... Und heute fahren wir ganz frei in die ehemalige DDR.

Ich bin seit Donnerstag mit einigen Frauen in Berlin. Morgens haben wir Bibel gelesen, dann die Stadt besichtigt. Heute waren wir zum Abschluss in Lutherstadt Wittenberg. Ich habe 1992/93 - nach dem Studium - ein halbes Jahr lang in Wittenberg gewohnt. Dort ist eins der Predigerseminare der Unierten Evangelischen Kirchen der EKD, in dem Vikarinnen und Vikare ausgebildet werden. Es hat sich vieles verändert. Richtig viel. Was mir früher ‹nahe› vorgekommen ist, wirkt jetzt steril auf mich. Früher habe ich im Melanchthon-Haus staunend zwischen hunderten von originalen Büchern und Briefen gestanden. Heute sind die Räume minimalistisch, nur noch symbolisch eingerichtet, ein paar ausgewählte Bücher stehen in Vitrinen. ... Wie soll man da den Geist der reformatorischen Bewegung erfassen? Die Fülle? Die Produktivität? Die Freundschaft unter den Familien der Reformation ahnen?

Wir haben in diesen Tagen viel erlebt, und ich weiss nicht, was ich auswählen und hier erzählen soll. Der Gottesdienst in der Stadtkirche, den Pfarrer Alexander Garth gefeiert hat, war schön und auch gut besucht, also voll. Ich war verblüfft, weil mir die Musik (sehr abwechslungsreich: Band plus Gospelchor plus Orgel und Schlagzeug) und auch die Einbeziehung der Gemeinde ungewohnt ‹handgestrickt› vorkamen. Ich sehe sonst eigentlich nur freikirchliche Gottesdienste, die richtig voll sind. Und da sind dann Menschen und Musik bis in's Kleinste perfektioniert und durchgestylt. ... In Wittenberg hat mir der Mut gefallen, das zu machen, was gerade möglich ist. Mit den Menschen, die kommen, die tatsächlich im Chor oder in den Musikgruppen sind. Das war sehr menschlich und nahe.


Sonntag, 6. August 2017
Ulrike schreibt: Von manchen Gesprächen und Mail-Wechseln mit Euch denken wir, dass diese Fragen und Antworten auch für andere Freunde von Interesse sein könnten. 😉 Das ist dann der Fall, wenn die Fragen etwas Grundsätzliches berühren, was eigentlich jeder kennt.

Da schreibt zum Beispiel ein Mensch, dass er gern an einer bestimmten Tagung teilnehmen würde, aber den Beitrag für die Unterkunft/ Kursgebühr nicht aufbringen kann. Wolfgang antwortet, dass er sich bitte ‹frei fühlen› und sich gemäss Selbsteinschätzung beteiligen möchte. ... Der Mensch lehnt nach einigem Bedenken ab. Er würde sich nicht ‹frei fühlen›, wenn er nicht bezahlen kann, was er selbst als angemessen empfindet. Es geht dabei also um das spannungsvolle Verhältnis von Bedürftigkeit und Freiheit. Hier ist Wolfgangs Antwort:

Wolfgang schreibt: «… Ich erlaube mir dennoch eine kleine Bemerkung. Du schreibst, dass du gerne ‹in Freiheit› an diesen Tagen teilnehmen möchtest. Solche Freiheit meinst du nur dann zu haben, wenn du ‹deinen Obulus› dazu beitragen kannst. Ich will deine Überzeugung auf keinen Fall antasten. Meine Erfahrung bzw. Beobachtung dazu ist die: Erfahrung von Freiheit hängt mit menschlicher Reife zusammen. Die aber spricht m.E. eine andere Sprache. Deine Meinung von Freiheit geht, wenn ich es richtig verstehe, in die Richtung, von anderen Menschen unabhängig zu sein. Daran ist sicher manches richtig. Zutiefst aber denke ich, dass es genau umgekehrt ist.

Als kleine Kinder waren wir unglaublich bedürftig. Sonst hätten wir gar nicht leben und erwachsen werden können. Aber nun ist es doch so: Wird man älter, dann wird man wiederum bedürftig. In der letzten Phase unseres Lebens wird es mit uns so sein, wie es mit uns als kleinen Kindern war. Die Kräfte nehmen ab und damit auch unsere Fähigkeit, uns selbst zu versorgen. Wir werden einmal nicht mehr selbst essen können. Andere werden für das Ankleiden, für unsere Körperpflege und für das Füttern zuständig sein müssen usw. Im Leben reif geworden sind wir dann, wenn unsere Freiheit darin besteht, unsere Bedürftigkeit zu bejahen und darum den Dienst anderer Menschen an uns ‹dankbar und insofern frei› entgegen zu nehmen.

Ein reifes Erwachsen-Sein fordert von uns den Lernschritt, dazu immer mehr ein Ja zu finden. Mensch-Sein bedeutet, von Bedürftigkeit zu Bedürftigkeit zu gehen. In der Schöpfungserzählung der Bibel (1. Mose 2) sagt Gott über den Menschen: «Es ist nicht gut, dass der Mensch ‹allein› sei.» Mit ‹allein sein› ist nicht unsere Erfahrung von Einsamkeit gemeint. Gemeint ist unser Verständnis von Freiheit als Unabhängigkeit, unser Wunsch, autonom bzw. autark zu sein bzw. zu werden. Die biblische Aussage sollte man also übersetzen: «Es ist nicht gut, dass der Mensch alles, was er nötig hat, in sich selbst findet bzw. sich selbst besorgen kann.» Im Gegenteil: Es gehört zur Würde des Menschen dass er bedürftig ist, dass er die Hilfe und das Gegenüber in anderen Menschen finden muss. Das ist also kein Mangel, den wir zu überwinden hätten. Es gehört im Gegenteil zu unserer Würde, dass wir das zulassen und auf diese Weise dankbar leben lernen. Vielleicht verstehst du, dass mich deine Sätze über ‹Freiheit› nachdenklich machen?»


Sonnabend 5. August 2017
Ulrike schreibt: Ich kann kaum glauben, dass diese Woche schon wieder vorbei ist ... Im Kinderferienlager der beiden Liestaler Zahnärztinnen war es wirklich schön. Die Kinder haben mir gut gefallen: selbstbewusst und höflich. Ich habe seit Jahren zum ersten Mal wieder Volleyball gespielt - in der Badeanstalt, die gegenüber dem Ferienlager liegt. Einerseits ist es schön zu merken, dass ich es ‹noch kann›, andererseits merke ich auf einem Sandplatz sofort die fehlende Kondition ... 😉 Während die Elfjährigen eine schier unendliche Energie haben. ... Wieder Zuhause war bzw. bin ich in der Kirchgemeinde unterwegs, zum Gottesdienst im Altenpflegeheim Brunnmatt und für Krankenbesuche. Gestern habe ich auf unserer Terrasse mit Freunden den Sommerabend genossen. Das sollten wir viel öfter machen: zusammen sitzen, Wein trinken und den Abend geniessen.

Heute gehen Wolfgang und ich im Aargau essen - irgendwo, wo es einen schönen Ausblick hat. Die Zeit in der Klinik geht auf ihr Ende zu. Wenn Wolfgang nach Hause kommt, werde ich mit einigen Frauen in Berlin sein. Wobei ich zugeben muss, dass das Modell einer Wochenend-Berlin-Reise, die thematisch ‹offen› ist und wo jede Frau ‹selbst bucht›, nicht funktioniert hat 😀. Ich glaube trotzdem, dass es richtig interessant wird. Wir sind zum Beispiel nächsten Sonntag in Lutherstadt Wittenberg und dort mit Alexander Garth verabredet. Von ihm ist gerade ein neues Buch erschienen: ‹Gottloser Westen? Chancen für Glauben und Kirche in einer entchristlichten Welt› (2017). Wer schauen mag, kann das hier tun: www.alexandergarth.de/content/download/Gottloser_Westen.pdf

Wolfgang und ich sind vom 4.-6. September zur selben Frage unterwegs - wie Glaube und Kirche in einer individualisierten und pluralisierten Gesellschaft gelebt werden können. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Gemeinschaft in der Postmoderne aussehen kann. Was heisst es heute, verbindlich miteinander unterwegs zu sein? Was ist heute überhaupt Verbindlichkeit? Den Link zur Tagung finden Sie hier, und ich vermute, dass auch Nicht-Theologinnen bei der Tagung herzlich willkommen sind: http://www.pfarrgemeinschaft.ch/


immer noch Dienstag 1. August 2017
Ulrike schreibt: Wolfgang und ich waren heute auf der Boelchenflue und haben da zu Mittag gegessen. Mit Blick in die Berge, Kühen und Kuhglocken. Das erste Mal waren wir vor genau 8 Jahren dort oben. Die drei Bilder sind von August 2009.

Am Sonntag hat es in Liestal ganz plötzlich begonnen zu hageln. Ich habe noch nie dermassen grosse Hagelkörner gesehen. Unser Auto hat viele kleine Beulen. Ich habe gestern gleich einen Termin bei der Versicherung gemacht und erfahren, dass wir vor x Jahren ein ‹Rundum-sorglos-Paket› abgeschlossen haben. Ich kann das Auto also jederzeit zur Reparatur bringen 😀

Morgen fahre ich zum dritten Mal zum Kinderferienlager nach Sainte Croix. Zwei Liestaler Zahnärztinnen - eine von beiden ist ‹meine› - organisieren das Lager in jedem Jahr, zusammen mit einem Team. Mit den ukrainischen Kindern, denen sie die Zähne reparieren, kommen auch junge Lehrer/innen und eine Ärztin in die Schweiz. Es ist ein bisschen blöd, dass ich weder ukrainisch noch russisch kann. Ich nehme Gitarren mit und wahrscheinlich geht es morgen in's Schwimmbad.


Dienstag 01. August 2017
Wolfgang schreibt: Am vergangenen Sonntag hat Ulrike über Johannes 6,29-35 in der Stadtkirche Liestal gepredigt: über unseren Lebenshunger, unseren Lebensdurst - und davon, dass Jesus von sich als vom Brot des Lebens spricht. Ulrike verweist eindrücklich auf den zeitgenössischen Hintergrund dieser Geschichte von der Speisung der 5000 und auf die grosse Dynamik, die uns in diesem Kapitel des Johannesevangeliums zugemutet wird. Dabei stehen wir heute noch vor denselben Fragen: Woran liegt es, dass Menschen, die durchaus von Jesus angezogen sind - 5000 plus Frauen und Kinder waren es am Anfang - schon bald wieder weggehen? Am Ende bleiben nur noch die zwölf Jünger. Dabei verspricht Jesus den Menschen das, wonach sie sich selbst sehnen.

Hier können Sie Ulrikes Predigt anhören:



Für einen DOWNLOAD finden Sie diese Predigt auf der Seite DOWNLOADS: AUDIO und dort unter der Rubrik "VORTRÄGE UND PREDIGTEN". Zum Downloaden gehen Sie bitte auf dieser Seite ganz nach unten. Wenn die Schrift auf dem Bildschirm blau wird, sind Sie richtig. Dort - alphabetisch angeordnet - finden Sie die Predigt unter dem Namen "2017-LEBENSHUNGER" [30'42 Minuten, 11 MB].


Montag, 31. Juli 2017
Ulrike schreibt: Ich denke, dass Wolfgang die Predigt von gestern zu Johannes 6 noch bearbeitet und auf unsere Seite hochlädt. Sie war - für die Gemeinde und für mich selbst - aussergewöhnlich interessant. Beim Kirchenkaffee hinterher (der war auch schön) haben mir mehrere Menschen gesagt, dass es ‹neu› für sie war, was sie da gehört haben.


Das Lob des Risikos
Ich habe in den letzten Tagen Nachrufe gelesen, die für die unerwartet verstorbene Philosophin und Psychoanalytikerin Anne Dufourmantelle verfasst worden sind. Sie ist beim Versuch gestorben, zwei Kinder aus dem Meer zu retten. Anne Dufourmantelle hat ein Buch geschrieben, das den Titel trägt: Eloge du risque (Lob des Risikos), 2011. In dem nimmt sie eine Zeile aus einem Gedicht von Friedrich Hölderlin (Patmos) auf:

«Wo aber Gefahr ist, da wächst das Rettende auch.»

Dufourmantelles Botschaft ist, dass die Bereitschaft zum Risiko merkwürdiger- und paradoxerweise den sichersten Weg in die Freiheit darstellt. Dieser Satz geht mir seit ein paar Tagen nach, weil ich denke, dass er wahr ist. Mir fallen mehrere Situationen ein, in denen ich nach einigem Überlegen ein Risiko eingegangen bin. ... Mir fallen sogar viele Situationen ein. 😃

Ich ahne, dass man in den wirklich wichtigen Fragen des Lebens bereit sein muss, für seine Meinung einzutreten - und dabei das Risiko einzugehen, möglicherweise auch zu unterliegen. ‹Unterliegen› heisst in meinem Umfeld: nicht verstanden zu werden, belächelt oder gedisst zu werden. In anderen Kulturen ist der Preis für die eigene Meinung bekanntlich höher.

Und jetzt kann man den Satz von Hölderlin/ von Anne Dufourmantelle noch einmal hören:

«Wo aber Gefahr ist, da wächst das Rettende auch.» und
«Die Bereitschaft zum Risiko stellt paradoxerweise den sichersten Weg in die Freiheit dar.»


Freitag, 28. Juli 2017
Ulrike schreibt: Eigentlich könnte ich Eure und Ihre Briefe und Mails mehr in unseren Blog einbeziehen 😘. Hier schreibt ein Pfarrkollege auf meine Ankündigung hin, dass ich am Sonntag - also übermorgen - über Johannes 6,30-35 predigen möchte. Jesus nennt sich dort das ‹Brot des Lebens›. Der Kollege predigt ebenfalls über den vorgeschlagenen Abschnitt:


Gedanken meines Kollegen
«Auch ich bin am Sonntag mit Johannes 6 unterwegs und habe deine Ideen gelesen (...). Gerhard Meier kann schreiben: von Kunst etwa, dass diese «einem Menschen auf Erden etwas bedeuten kann. Manchmal sogar fast ein wenig mehr als Brot. Was aber, um Gottes willen, nicht heissen soll, ich hätte etwas gegen das Brot».

Ich komme darauf, weil mir eine Mitarbeiterin kürzlich von einer Norwegenreise berichtet hat. Sie standen an einem Ort und waren von der Natur so beeindruckt, dass das nicht mehr zu toppen war. Dann hielt eine andere Reisegruppe an und ein pietistischer Reiseleiter stellte sich neben sie. Er sagte: «Das ist ja ganz schön, aber wenn Jesus erst wiederkommt…» Du verstehst…? Die Schöpfung und das volle Leben dürfen nicht schlechter gemacht werden als sie sind.

Jesus hat die Menschen real gesättigt mit Brot, weil er das Brot des Lebens ist. ER! - der Schöpfer! Er verachtet das tägliche Brot nicht. Und er redet es auch nicht platt wie manche nach der Melodie: «Lass alles, was das normale Leben betrifft, getrost beiseite: Hast du Jesus in den Taschen, hast du immer was zu naschen.»

Nein, es hilft mir, zu lesen in ‹Ob die Granatbäume blühen›… dass da einer dankt… «dem lieben Gott, der uns ALLES gibt und ALLES nimmt.»


Meine eigenen Gedanken
Ich, Ulrike, mache mich oft auf den Weg zu Wolfgang in die Klinik. Meistens bin ich mit dem Motorroller unterwegs, was bei dem schönen Wetter eine Freude ist. ... Ich fahre immer mal wieder andere Strecken durch's Baselbiet und bin oft überwältigt von der Schönheit der Landschaft. So eine Weite, so grüne Wiesen, so liebliche Hänge. Das Getreide ist geschnitten und die Stoppeln leuchten in allen Braun- und Gelbtönen auf den Feldern. Gestern habe ich hüpfende Kälber auf einer Wiese gesehen. Für Leute von hier: Die Fahrt über Rünenberg, Kilchberg und Zeglingen ist unglaublich schön. Falls uns da jemand ein Ferienhäuschen vermieten möchte - nur her mit den Angeboten!


Donnerstag, 27. Juli 2017
Ulrike schreibt: Hier geht der Bericht von gestern weiter. Es sind Auszüge aus dem Mail eines befreundeten Pfarrers, das er mir gestern geschrieben hat. Der Kollege arbeitet - anders als ich - nicht mehr in der Kirchgemeinde, sondern in einer anderen kirchlichen Aufgabe. Viel Freude beim Lesen.

«Ich bin jetzt seit neun Jahren beim Roten Kreuz, vor allem bei der Wasserwacht als Rettungsschwimmer. Ich konnte da auch eine Sanitätsausbildung mitmachen und bin jedes Jahr als Ehrenamtlicher im Einsatz (als Rettungsschwimmer und als Ersthelfer). Als Gemeindepfarrer war damals für ein anderes Ehrenamt kein Platz. Ich habe die Bereiche des Roten Kreuzes in XY kennenlernen dürfen und war über die Qualität beeindruckt, auch über die Begleitung der Senioren in den Einrichtungen. Die Leiter vom Roten Kreuz in XY wissen, dass ich Pfarrer bin, aber ich denke, das merkt man nicht gleich. ... Sie merken es bei mir vielleicht im Gespräch, mein Handeln ist ja dasselbe wie bei den anderen Helfern vom DRK. Entscheidend ist, dass wir miteinander etwas tun, das den Menschen zugute kommt. Etwa das Retten eines unterkühlten Jungen beim Elbtreiben oder der Umgang mit alkoholisierten Jugendlichen. Es geht um ein menschliches Miteinander.
Ich mag die Menschen dort, und ich lerne von ihnen und mit ihnen. Und: gemeinsam können wir helfen. Und jeder bringt sich mit seinen Fähigkeiten ein. (...)

In der Kirchengemeinde bin ich nicht mehr aktiv. Manchmal denke ich, ich könnte deswegen ein schlechtes Gewissen haben. Aber das stellt sich bei mir nicht ein. Ich bin anderswo engagiert: in der Schule im Umgang mit Mitarbeitern, Schülern und Eltern, beim Roten Kreuz in der Wasserwacht XY, bei der Pflegefamilie im Haus Kunterbunt. Oder im «Aktivhaus», wo meine Frau und ich einmal in der Woche gemeinsam mit anderen Sport machen. Oder in ZZs Fußballverein, wo wir Eltern mit den Kindern mehrmals die Woche zum Training oder zum Spielen fahren. Da fühle ich mich wohl, da findet unverkrampftes Miteinander statt. Kein aufgesetztes «Wir haben uns alle lieb», keine Erwartung von christlicher Nächstenliebe, einfaches miteinander Leben in Wertschätzung und Respekt, aufeinander hören und miteinander etwas tun. Ähnlich ist es bei der Bahnfahrergemeinschaft, wo wir einander achten, nachfragen, wie es geht, was es Neues gibt, was unsere geflüchteten Mitfahrenden erleben. (...)

Meine Frage ist ähnlich wie deine: wie bringen sich Christen in der Gesellschaft - oder kleiner: in ihrem Umfeld - ein. Als ‹Besserwisser›, die andere bekehren wollen? Oder die andere in ihre Gemeinschaft hineinbugsieren möchten? So empfand ich es früher. Oder als Menschen, die sich nicht scheuen, das Leben des Nächsten für wert zu halten, dass man es mit ihnen teilt - ohne Gedanken an Zweck und Sinn. Hat Jesus nicht genauso das Leben geteilt mit sehr unterschiedlichen Menschen? .... Manchmal fragt mich jemand, ob ich ihn segnen kann - oder ich biete an, wenn es der andere mag, mit ihm zu beten ... . Es gibt keinen Automatismus, sondern es ist (hoffentlich) organisch, so wie das Leben lebendig ist. Und das gibt es im kirchlichen Bereich, aber auch in anderen Bereichen der Gesellschaft - wie dem Roten Kreuz oder dem THW.



Mittwoch, 26. Juli 2017
Ulrike schreibt: Anfang der Woche hatte ich mich für ein Gespräch beim Roten Kreuz Baselland verabredet. Heute Abend bin ich bei einem Anlass der Eingliederungshilfe Baselland. Wir gehen mit einigen Mitgliedern unserer Kirchgemeinde zusammen hin. Für mich ist es noch interessant, weil ich vor einigen Wochen die langjährige Leiterin der Eingliederungshilfe beerdigt habe.


Ehrlich beeindruckt
Beim Roten Kreuz war mein Anliegen, mehr Informationen für eine Ausbildung im Bereich der Palliative Care zu bekommen. Ich habe durchaus Lernbedarf, was den Umgang mit sterbenden Menschen angeht. Ich bin ehrlich beeindruckt, wie präsent und gut aufgestellt das Rote Kreuz darin ist, Menschen im häuslichen Bereich zu unterstützen (Sterbebegleitung; Begleitung von Menschen mit Demenz usw.). Ich habe manches erfahren, was ich vorher nicht wusste: wer die Kurse leitet, wer an ihnen teilnimmt, welche gesellschaftlichen Bedürfnisse es neuerdings gibt, welche Lücken auch das Rote Kreuz nicht füllen kann.


Organisationen treten an die Stelle der Kirchen
Wenn man es nüchtern ansieht, dann treten solche Organisationen an die Stelle der Kirchen. Beziehungsweise: Sie sind bereits an die Stelle der Kirchen getreten. Und viele von uns haben es wahrscheinlich nicht einmal gemerkt. Zuerst aufgefallen ist es mir vor ein paar Jahren beim Verein ‹Senioren für Senioren› in Liestal. Die Seniorenarbeit unserer Kirchgemeinde ist klein geworden, der Verein aber wächst und wächst. Als ich eine ältere Frau in unserer Kirchgemeinde gefragt habe, ob sie im Besuchsdienstkreis der Kirchgemeinde mitarbeiten könnte, sagte sie mir, dass sie dieselbe Aufgabe bereits bei ‹Senioren für Senioren› wahrnimmt. Das heisst, unserer eigenen Mitglieder sind längst prioritär in anderen Netzwerken unterwegs. ... Ich sage das beschreibend, nicht wertend.

Organisationen wie das Rote Kreuz bieten nicht nur pflegerische und alltagsunterstützende Dienstleistungen. Sie engagieren sich auch im Bereich der Sinnstiftung und Sinnvermittlung. Was früher die Pfarrerin oder der Pfarrer am Sterbebett geleistet hat, macht jetzt die ausgebildetete Freiwillige. Mir ist das vor einigen Wochen aufgefallen: ein örtliches Pflegeheim hat für die Sterbebegleitung eines reformierten Gemeindemitglieds nicht die zuständige Pfarrperson (= mich) angerufen, sondern das Rote Kreuz.


Wie sieht unser ‹Begleiten› aus?
Es muss einen Grund haben, dass sinnstiftende und begleitende Prozesse so ‹leicht› in die Hände von anderen Organisationen übergegangen sind. Der Grund ist - meiner Meinung nach - dass ‹wir als Kirchen› im Bereich von Lebens- und Sterbebegleitung so gut wie nicht mehr in Erscheinung treten. Dieses Vakuum wird schnell gefüllt. Und man muss auch sagen: es ist gut, dass es gefüllt wird. Die Frage ist aber, wie unser kirchliches Handeln aussieht. Mit welchen Menschen sind wir unterwegs? Wie sieht unser Begleiten aus? Unsere Sorge für den Andern und füreinander?


Dienstag, 25. Juli 2017
Ulrike schreibt: Ich nutze diese Tage in Liestal, um Besuche bei unseren Gemeindemitgliedern zu machen. Und natürlich auch, um Wolfgang in der Klinik zu besuchen. Wir haben miteinander das Büchlein - es hat nur 40 Seiten - von Gerhard Meier gelesen: Ob die Granatbäume blühen (2017). Es ist eine einzige Anrede an seine verstorbene Frau Dorli. Ich finde unglaublich schön, wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als ‹eines› erscheinen. Es sind keine Thesen oder Behauptungen, die Meier aufstellt, sondern seine Zukunftsschau erwächst aus dem, was er und seine Frau ‹schon hier› miteinander erlebt haben. Ich: Dem, was wir heute leben, dem ist in vieler Hinsicht ein ‹Bleiben› versprochen. Man könnte Jesusworte einmal darauf hin lesen, wem Jesus ein ‹Bleiben› verspricht. Das Büchlein schliesst:

«Dorli, wenn wir wieder zusammen sind und die Wildkirschen blühn und es der Natascha, dem Fürsten Andrej und der Lara nicht gerade ungelegen kommt, gleiten du und ich in deinem Schattenboot von Walden her über die Waldenalp hin, Richtung Lehnfluh, eskortiert von Kohlweisslingen, Distelfaltern, Abendpfauenaugen und einem Admiral.» (39)

Am kommenden Sonntag feiere ich Gottesdienst in der Stadtkirche Liestal (9.30 Uhr). Predigttext wird Johannes 6,30-35 sein.
Es gibt viel zu entdecken. Der Predigtabschnitt endet:

«Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens.
Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern;
und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.»

Ich finde es linteressant, dem eigenen Lebenshunger, dem eigenen Lebensdurst auf die Spur zu kommen. Meines Erachtens ist bei Vielen von uns ein Suchtverhalten an die Stelle von normalem Hunger und Durst getreten. Man ‹braucht› etwas und wird nie wirklich ‹satt›. Die Erfahrung von Sättigung und Glück gibt es nicht mehr. ... Nur der ‹freie› Mensch hungert und dürstet. Und nur er kann Sättigung und Glück erfahren.


Donnerstag, 20. Juli 2017
Ulrike schreibt: Heute feiern Wolfgang und ich unseren 16. Hochzeitstag - wobei wir uns erst morgen sehen. Ich hole noch eine Ikone im Kloster Chrysopigi in Chania ab, die Wolfgang im letzten Jahr bei den Nonnen in Auftrag gegeben hat (‹Die Auferweckung des Lazarus›). Ich freue mich auf den Besuch dort - wir kennen uns über die Jahre hin 💞


Eisenhüttenstadt - Liestal - Rasa - Berlin
Von den 16 gemeinsamen Jahren haben Wolfgang und ich fast acht Jahre in Eisenhüttenstadt gelebt - wo ich Gemeinde- und Schulpfarrerin war. Nun sind wir seit mehr als acht Jahren in Liestal. Ständige Orte über all die Jahre hin sind Rasa und Berlin ... Wolfgangs Schweige-Exerzitien im August in Rasa (ab dem 21. August) sind übrigens doch noch fast voll geworden.

Heute morgen habe ich Josua 5, 2-9 gelesen. In den ersten Kapiteln des Buches wird erzählt, wie die Israeliten unter der Führung Josuas den Jordan überqueren und Kanaan - das Land Israel - einnehmen. Nur die jungen Leute, nur die in der Wüste Geborenen, werden das Land betreten. Das ist sehr interessant. Die ganze ‹alte Garde› ist nicht mehr dabei. Es war mit ihnen «zu Ende gegangen» (Vers 6). Gott hat sie in der Wüste herumlaufen lassen und hat sie da auch erhalten. Aber den Schritt in's Neue konnte Er mit ihnen nicht machen.


Altes und Neues
Hier ist der Bericht aus Josua 5, Vers 4-6: «Und das ist der Grund, warum Josua sie [= die Nachgeborenen] beschnitten hat: Das ganze Volk, das aus Ägypten gezogen war, die Männer, alle Kriegsleute, waren unterwegs in der Wüste gestorben, als sie aus Ägypten zogen. Denn das ganze Volk, das auszog, war beschnitten gewesen; aber das ganze Volk, das unterwegs in der Wüste geboren war, als sie aus Ägypten zogen, das war nicht beschnitten. 6 Denn die Israeliten wanderten vierzig Jahre in der Wüste, bis es mit dem ganzen Volk, den Kriegsmännern, die aus Ägypten gezogen waren, zu Ende gegangen war, weil sie der Stimme des HERRN nicht gehorcht hatten; wie denn der HERR ihnen geschworen hatte, sie sollten das Land nicht sehen, das der HERR, wie er ihren Vätern geschworen hatte, uns geben wollte, ein Land, darin Milch und Honig fliesst.» (Übersetzung Luther 2017)

Da stellt sich die Frage, ob wir (= unsere Kirchen) in weiten Teilen auch ‹alte Garde› sind. Nämlich Menschen, die sich nicht auf das Führen Gottes eingelassen haben. Von der ‹alten Garde› heisst es, dass «sie der Stimme des HERRN nicht gehorcht hatten». Sie sind die Wege nicht mitgegangen, die Gott mit ihnen gehen wollte.


Es ist nicht kompliziert
Erstaunlich: Die «Stimme Gottes» zu hören, ist im Buch Josua überhaupt nichts Mystisches. Es ist nicht schwer und nicht kompliziert. Gott selbst bezeugt sich in der Person des Mose und dann der des Josua. Es ist schon fast penetrant, wie Gott sich bezeugt. ... Wir haben heute andere Leitungsstrukturen als damals - keinen Mose und keinen Josua. Wir sind Gemeinde. Aber auch heute kann man mitkriegen, mit welchen Menschen Gott unterwegs ist und wo er sich bezeugt. ...

Wie dieses ‹Sich-Bezeugen› Gottes aussieht, war übrigens Wolfgangs Promotionsthema. Wolfgang hat über den ‹Zeichenbegriff im Johannesevangelium› geforscht. Woher weiss man - gemäss dem Verständnis der biblischen Schriften - welches Handeln von Gott her kommt und welches nicht? Was sind die Kriterien?


Sonntag, 16. Juli 2017
Ulrike schreibt: In der vergangenen Woche habe ich ein Gedicht von Gerhard Meier in eine Ansprache aufgenommen. Für mich ist dieser Schriftsteller eine Entdeckung, Wolfgang kennt ihn und seine Biografie bereits 😀. Gerhard Meier hat seinen Heimatort Niederbipp kaum verlassen, fängt aber in seinen Erzählungen die ganze Weite des Lebens ein. Hier kopiere ich Ihnen und euch ein Gedicht (‹Ich sah›) von ihm. In fünf kurzen Strophen fängt Gerhard Meier ein, was sein ‹dichtendes Ich› gesehen hat. Man ahnt, dass er Erfahrungen nennt, die er als ‹Schlüssel› zum Leben empfindet. Mir gefällt das Gedicht sehr. Auch die letzte Strophe mit den Murmeln, wo es um die Erfahrung von Leichtigkeit geht. Mir fällt beim Lesen der Bibel immer auf, dass Jesus eine grosse Leichtigkeit hatte. Er stellt sich nie die Frage, ob er etwas besser oder anders hätte machen sollen. Er macht das, was er als ‹seins›, bzw. als Handeln seines himmlischen Vaters erkennt. Und kümmert sich nicht um das Urteil der Umstehenden. Hier also das Gedicht:


Ich sah
wie die Häuser
die Farbe verloren

Und sah
wie der Himmel
die Farbe behielt

Und sah
wie man stirbt
und wie man
geboren

Wie sommers
die Ströme ihr
Wasser
verloren

Und wie
man gläserne
Murmeln
verspielt
(Gerhard Meier)


In Ergänzung zum Gedicht lade ich euch und Sie ein, einen kleinen Filmausschnitt von ‹Dancer in the Dark› anzusehen. Das ist ein Film von Lars von Trier. Die Sängerin Björk singt und spielt die Rolle der ‹Selma›. Selma ist eine tschechische Einwanderin, die durch eine Erkrankung ihrer Augen auf ein Leben in Blindheit zusteuert. Im Lied ‹I have seen it all› (auch ‹train song›) singt sie davon, dass sie alles gesehen hat, was sie sehen wollte und sehen musste. Ein unglaublich schönes Lied. Den Text können Sie googeln. Wie kommt ein Mensch dazu - wie kommen wir dazu - sagen zu können: «Ich habe alles gesehen, was ich sehen wollte und sehen musste»? ... Hier ist der Filmausschnitt:





Samstag, 15. Juli 2017
Ulrike schreibt: Ich habe gemerkt, dass ich in den nächsten Tagen keinen Termin in der Kirchgemeinde habe – es ist Ferienzeit. Ich habe mein Notebook und meinen Kalender eingepackt, Shorts, Badezeug und einen Stapel T-Shirts und bin nach Kreta geflogen. Das geht von Basel aus recht schnell. Ich glaube, so spontan bin ich noch nie gewesen.

Am Flughafen in Heraklion habe ich mir einen Mietwagen geholt und bin ersteinmal nach Vamos gefahren - das liegt in den Bergen in der Nähe von Chania. Wolfgang und ich waren hier schon oft. Der Ort ist traditionell bebaut und wunderschön. Heute Vormittag besuche ich ein paar Leute, und dann fahre ich für drei Tage in den Süden, nach Frangokastello. Das ist eine knappe Stunde Fahrzeit über die Berge. Der Ort ist ‹strange› - so stelle ich mir Texas vor -, aber der Strand ist unglaublich. Sehr abwechslungsreich, zum Teil mit Felsformationen, und man kann kilometerweit am Wasser entlanggehen und ziemlich überall auch baden.

Die Fahrt gestern Abend von Heraklion nach Vamos war anspruchsvoll. Ich habe mir an der Tankstelle (am Abend waren es noch 30°C) als erstes einen Café Frappé gekauft. Mache ich in der Schweiz nie. Im Norden der Insel gibt es - weitgehend parallel zum Meer - eine Nationalstrasse, die jeder benutzen muss. Die ist in beiden Richtungen (meist) einspurig, kurvenreich (Berge) und vor allem unbeleuchtet. Oft fahren die Autos zu langsam (Touristen) und ruck zuck fährt man Kolonne und jeder versucht zu überholen. Oder man fährt eine Weile allein in die Dunkelheit hinein, konzentriert sich auf die Kurven, und plötzlich kommt einem eine blendend helle Kolonne von Autos entgegen. ... Nun ist Morgen, die Hähne krähen, die Grillen zirpen, die Hunde bellen, und der Blick in die Weissen Berge ist wunderschön.


Freitag, 14. Juli 2017
Ulrike schreibt: Gestern habe ich die 'letzte' Abdankung in diesen Wochen gefeiert. Anfang August bin ich wieder 'dran', ich habe mich aus Versehen zu oft eingetragen. Es waren ausgesprochen schöne Erfahrungen mit den Familien der Hinterbliebenen. Gestern Nachmittag haben Ilja Voellmy (unser Organist) und ich dann noch Gottesdienst im Altenpflegeheim Brunnmatt gefeiert. Das war auch sehr lebendig. Jetzt mache ich ein paar Tage etwas ganz Anderes, bevor es hier in der Gemeinde wieder weiter geht. Lassen Sie sich überraschen. ✌️

Das Buch von Olga Grjasnowa (siehe mein Eintrag vom 08. Juli) habe ich dann übrigens nur noch 'quer' gelesen. Von der Flucht der beiden Hauptpersonen aus Syrien nach Deutschland mochte ich nicht weiter lesen, was vor allem an der Erzählweise liegt. ... Jetzt lese ich Böse Absichten, einen Krimi von Keigo Higashino (2017).


Mittwoch, 12. Juli 2017
Wolfgang schreibt: Am vergangenen Sonntag hat Ulrike in Liestal über den zweiten Teil von Psalm 11 gepredigt.
Es ist beinahe unglaublich, wie modern und lebensnah diese alten Worte sind. Ulrike versteht es, uns diesen biblischen Gebets-Text so nahe zu bringen, dass wir uns mit unserem Leben verstanden wissen. Vor allem: Was hat Gott mit meinem Leben, mit meinen Kämpfen und mit jenen Menschen zu tun, die mir schaden wollen? Eben: Was hat Gott mit den Frevlern zu tun? Zunächst (1) entfaltet sie den Unterschied zwischen Vergeben und Vergelten. Danach (2) verweist sie auf die zwei Grundlagen unserer Gewissheit, dass Gott unsere Auseinandersetzungen nicht gleichgültig sind. Endlich (3) geht es um die oft gehörte Aussage, Gott würde die Sünde bzw. den Frevel hassen, den Sünder bzw. den Frevler aber lieben. Psalm 11 jedoch sagt, Gott hasst den Frevler. Wie kann man das verstehen? Dahinter steht die Frage, welche Bedeutung unser Tun für uns Menschen hat. Hängt uns unser Tun bloss wie ein Rucksack an, den man uns bloss abnehmen muss? Im hebräischen Denken ist ein Mensch von seinem Tun nicht zu trennen. Zum "Tun" gehört immer ein Mensch. Zu einem Frevel gehört immer ein Frevler. Darum reicht es nicht, wenn uns Menschen unser frevelhaftes Handeln abgenommen oder abgewischt wird. Was aber dann? … Hören Sie selbst.

Hier können Sie Ulrikes Predigt zum zweiten Teil von Psalm 11 anhören:



Für einen DOWNLOAD finden Sie diese Meditations-Impulse auf der Seite DOWNLOADS: AUDIO und dort unter der Rubrik "VORTRÄGE UND PREDIGTEN". Zum Downloaden gehen Sie bitte auf dieser Seite ganz nach unten. Wenn die Schrift auf dem Bildschirm blau wird, sind Sie richtig. Dort - alphabetisch angeordnet - finden Sie die Predigt unter dem Namen "2017-07-Ps11-FREVLERundGOTT" [PSALM 11]› [26'38 Minuten, 7,62 MB].


Montag, 10. Juli 2017
Ulrike schreibt: Wir sind mit unseren Herzen und Gebeten beim ‹Marsch der Gerechtigkeit› in der Türkei. Möchte Gott die demonstrierenden Menschen und ihr Land bewahren. Hier sind Bilder von Kemal Kılıçdaroğlu und von der Ankunft in Istanbul: www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-07/istanbul-marsch-gerechtigkeit-tuerkei-fs (Quelle: ZEIT.ONLINE am heutigen Montag)


Sonntag, 9. Juli 2017
Ulrike schreibt: Wolfgang und ich haben den nächsten Studientag der Fritz-Blanke-Gesellschaft angedacht. Er findet am Sonnabend, dem 23. September 2017, im Nidelbad/ Rüschlikon statt. Wolfgang und ich sprechen viel darüber, wie wir gesellschaftliche Entwicklungen von der Bibel her verstehen können. «Was sagt die Bibel dazu? Von welchen biblischen Geschichten her fällt ein Licht auf diese und jene Entwicklung?»

Dabei taucht immer wieder dieselbe Frage auf: Sind das ‹zeitlose› Wahrheiten, die in der Bibel stehen, oder sind die Aussagen von Jesus oder Paulus kulturell bedingt und wollen bzw. müssen ‹weiter› gedacht werden? .... Für diejenigen, die überlegen zum Studientag zu kommen, kopiere ich hier schon einmal die Ausschreibung:


EWIGE WAHRHEITEN oder ZEITBEDINGTE TEXTE?
FBG-Studientag, Samstag 23. September 2017, Nidelbad/Rüschlikon

In den biblischen Geschichten vernehmen wir Gottes Reden zu uns. Aber: Gilt das für alle Aussagen der Bibel? Es fällt uns nicht schwer, den Aufruf zu Krieg und das Gebot des ‚Banns’, nach dem Gebäude, Besitztum, Tiere und Menschen vernichtet werden sollen, als zeitbedingte Aussagen zu bezeichnen und auf die Seite zu legen. Schwieriger ist es bei anderen biblischen Texten: Wie ist es mit der Frage, ob eine Frau in der Gemeinde das Wort ergreifen darf? Ist das eine zeitlich gebundene oder eine ‹ewige› Meinung? Wie ist es mit der Lebensform der Homosexualität? Begegnen uns in der Bibel zeitlich gebundene oder ‹ewige› Orientierungen? Der Streit bricht allzu leicht los.

Die einen halten auch solche Aussagen für zeitbedingt. Andere wehren sich dagegen. Ihre Fragen sind berechtigt: Woran erkenne ich, ob ein biblisches Wort zeitbedingte Gültigkeit hat oder nicht? Und: Wer hat die Autorität, das zu entscheiden? Dahinter steht der — wiederum berechtigte! — Vorbehalt: Wenn man einmal damit beginnt, Worte der Bibel als zeitbedingt, für uns heute nicht mehr gültig zu bezeichnen, wohin führt das? Kann man sich dann noch auf die Zusage von Gottes Liebe zu allen Menschen, auf seine Verheissungen und seine Treue verlassen? Öffnet man an einer Stelle die Tür für die Relativierung biblischer Texte, gerät dann nicht unser Zutrauen zur Wahrheit der Bibel grundsätzlich ins Wanken?

Damit brechen berechtigte und grundlegende Fragen nach unserem Verständnis der Bibel auf. Wir gehen ihnen an diesem Studientag nach, indem wir vor allem die Bibel selbst befragen. Wo und wie werden diese Fragen in den biblischen Texten gestellt? Was sagen sie uns dazu, wie sie verstanden werden wollen?

Voraussetzung: Für diesen Studientag sind weder theologische Bildung noch besondere Bibelkenntnis erforderlich. Voraussetzung ist genaues Lesen, das offene Beobachten und die Fähigkeit, Fragen zu stellen. Zugespitzt: Welche Antworten stammen aus unseren eigenen Denkvoraussetzungen — und: Für welche Antworten können wir uns zu Recht auf die Bibel berufen?

Ziel des Studientags ist es, im Gespräch den eigenen Denkvoraussetzungen auf die Spur zu kommen und anhand biblischer Aussagen Kriterien für eine eigene Stellungnahme zu finden: Wie entdecke ich in zeitbedingten Texten Gottes gute, verlässliche und ewige Wahrheit?


Im Spätsommer/ Herbst sind Wolfgang und ich zusammen auf diesen Tagungen:

4. - 6. September 2017: Herbsttagung der Schweizerischen Evangelischen Pfarrgemeinschaft:
Thema: Wenn Kirche ‹Gemeinschaft› ist - postmoderne Community
Tagungsort ist das Zentrum Ländli/ Oberägeri

13. - 15. Oktober 2017: Begegnungstagung
Thema: ‹Meine geistliche Biografie›
Ort ist der Dünenhof in der Nähe von Cuxhaven

Und jetzt bald - vom 22. August – 01. September 2017 - sind Schweige-Exerzitien mit Wolfgang in Rasa/Tessin. Dafür gibt es noch einige freie Plätze. Thema: Du bist meine Rückzugsburg ... (Psalm 59) - vom Singen, vom Kämpfen und von der Entdeckung der eigenen Kraft



Samstag, 8. Juli 2017
Ulrike schreibt: Gestern habe ich zuerst eine Abdankung (Beerdigung) vorbereitet. Danach habe ich das schöne Wetter ausgekostet und war im Freibad in Rheinfelden. Man kann da sowohl im Rhein baden als auch in einem normalen Schwimmbecken. Ist ganz schön. Im Roman von Olga Grjasnowa ‹Gott ist nicht schüchtern› (2017) habe ich die ersten hundert Seiten gelesen. Ihre beiden ersten Bücher haben mir schon gut gefallen. Der neue Roman hat zwei Hauptfiguren, beide jung, modern, gebildet, und erzählt aus ihrer Perspektive vom Leben in Syrien um 2010. Hammoudi, ein junger Arzt, kommt vom Auslandsstudium in Paris nach Syrien zurück, um ein paar Tage lang mit seiner Familie die bestandenen Examina und seinen ersten Arbeitsvertrag zu feiern. Er will/muss seinen Pass verlängern lassen, bekommt die Ausreise aus Syrien aber nicht mehr bewilligt. Er ist arbeitslos in einem Land, das ihm vertraut und zugleich fremd geworden ist.

Das Buch ist oft brutal zu lesen, weil es erzählt, wie junge Syrer und Syrerinnen gegen Assad demonstrieren und vom Geheimdienst verschleppt werden. ... Mich erinnert ‹Gott ist nicht schüchtern› an den grossartigen Roman ‹Americanah› von Chimamanda Adichie (2014). Da erzählt eine junge, gebildete Nigerianerin von ihrem Frust, der sie als Studentin in Laos ergreift. Vieles funktioniert einfach nicht, sie hat das Gefühl, dass sie ihr Leben mit Warten verbringt und ihre besten Jahre verschwendet. Amerika und London sind Sehnsuchtsorte und die Protagonistin erzählt von den alltäglichen Erfahrungen, als sie und ihr Freund endlich da sind.

Am Nachmittag habe ich Wolfgang in seiner Reha-Klinik besucht. Mir ist die Atmosphäre dort bereits jetzt ‹zu viel› - so viel demonstrative Freundlichkeit -, obwohl ich nur zu Besuch da bin. Aber Wolfgang ist ganz gut im ‹sich Einlassen› auf neue Situationen und Erfahrungen. Er nimmt vieles geduldig entgegen, ohne sich dadurch anstecken oder aus der Ruhe bringen zu lassen. ... Den Tag heute nutze ich zum Schreiben. Klasse, dass die Uni-Bibliothek in Basel fast leer ist. Und schön kühl 😀


Dienstag, 4. Juli 2017
Ulrike schreibt: Ich hoffe, dass Wolfgang mir die Predigt zu Psalm 11 vom Sonntag noch bearbeitet, damit ich sie auf unsere HP laden kann - ich glaube, dass sie ziemlich interessante Hinweise gibt. Ich werde ihm die Aufnahme heute bringen.

Der Psalmbeter sagt, dass Gott den Frevler «hasst». In Kirchgemeinden gehen Formulierungen um wie «Gott liebt den Sünder, aber er hasst die Sünde.» Da wird zwischen dem Menschen und seinem Tun unterschieden.

Im Hebräischen kann ein Mensch nicht ohne seine Taten angesehen werden. Wer der Mensch ist, zeigt sich in dem, was er tut! Das ist auch bei Jesus im Gleichnis vom ‹Baum und seinen Früchten› (Matthäus 7) so: Ein guter Baum trägt gute Früchte und ein fauler Baum trägt faule Früchte. Punkt. Jesus endet damit, dass sich viele von uns über diesen Zusammenhang täuschen. «Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch nie gekannt.» (Matthäus 7,23) Worin besteht denn dann Gottes Liebe zum Menschen, der sündigt? Sie besteht darin, dass Gott diesen Menschen in keiner Sekunde auf seinem unheilvollen Weg lassen will. Gott wirbt darum, ihn/ uns auf seinen Weg zu ziehen. ... Grossartig dazu ist die Lesung aus dem Propheten Hesekiel, Kapitel 18. Lesen Sie einmal das ganze Kapitel.

Gott sagt durch den Propheten Hesekiel mehrmals, dass er die Umkehr des Menschen will. «Meinst du, dass ich Gefallen habe am Tode des Gottlosen, spricht Gott der HERR, und nicht vielmehr daran, dass er sich bekehrt von seinen Wegen und am Leben bleibt?» Interessanterweise muss das eine Umkehr ‹von Innen her› sein: «Macht euch ein neues Herz und einen neuen Geist». Es gibt den Menschen nur als ‹einen› und nicht in der Aufspaltung von dem, was er ist und dem, was er tut. Die Liebe Gottes besteht in der Offenheit und der Sehnsucht Gottes, mit der er den Sünder umwirbt und ihn auf seinen Weg ruft.

Ich feiere in den nächsten Tagen mehrere Beerdigungen (Abdankungsfeiern). Jetzt gleich werde ich in ein örtliches Pflegeheim gehen. Eine Pflegerin hat angerufen für einen Menschen, der im Sterben liegt. Ich finde das sehr gut, wenn die Heime uns Pfarrern und Pfarrerinnen aktiv Bescheid geben und uns bitten zu kommen.



Freitag, 30. Juni 2017
Ulrike schreibt: In den nächsten Wochen habe ich Beerdigungsbereitschaft und darum jetzt Gespräche mit Angehörigen. Am Sonntag - also übermorgen - feiere ich mit der Gemeinde in Liestal (Stadtkirche, 9.30 Uhr) und Seltisberg (11 Uhr) Gottesdienst. Ich werde über Psalm 11 - diesmal über den zweiten Teil - predigen. Wer über Psalm 11 im Blog nachlesen möchte, kann zu den März-Eintragen hinunter scrollen. Der Betende hat seine Hiflosigkeit ausgesprochen («Wenn die Grundfesten eingerissen werden, was kann der Gerechte jetzt noch tun?»). Er fragt, worin sein Halt besteht, was ihm Festigkeit gibt. Es geht also am Sonntag darum, wie man selbst festbleiben kann, wenn man doch eigentlich zutiefst erschüttert ist:

«Jahwe ist in seinem heiligen Tempel.
Jahwes Thron ist im Himmel.»
Seine Augen spähen,
seine Wimpern prüfen die Menschenkinder.

Jahwe prüft den Gerechten,
aber den Frevler hasst seine ‹Seele›
und den, der Gewalttat liebt.

Er wird regnen lassen über die Frevler Feuer und Schwefel
und Glutwind ist ihres Bechers Anteil (= ihr Lohn).

Denn gerecht ist Jahwe und
Taten der Gerechtigkeit liebt er.
Die Aufrechten werden sein Angesicht sehen.»


Donnerstag, 29. Juni 2017
Ulrike schreibt: Gestern und heute habe ich Besuche bei Gemeindemitgliedern gemacht und heute Abend ist Sitzung der Kirchenpflege (= Gemeindekirchenrat). Im Altenpflegeheim Brunnmatt habe ich wieder mit Besuchen begonnen - wie in den ersten Jahren, als ich 2008 nach Liestal gekommen war. Da war der Gottesdienstbesuch sehr viel besser als heute ... Jetzt habe ich mit der Leitung vom Brunnmatt besprochen, dass ich reformierte Gemeindemitglieder gleich dann besuche, wenn sie neu in's Heim ziehen. Auf diese Weise sind wir als Kirche viel mehr anwesend, denn natürlich treffe ich auf dem Weg durch's Haus auch andere Menschen und kann mit ihnen ein paar Worte wechseln.

Wolfgang ist seit ein paar Tagen in einer Klinik im Aargau. Sie schauen ‹gesamthaft› auf die Schmerzen, die körperlichen Einschränkungen und die Medikamente - Sachen, wie Krafttraining und Schwimmen gehören zur Therapie. Das finde ich noch lustig, wenn Wolfgang sagt, dass er «jetzt zum Krafttraining geht». Wolfgang meint, dass es ihm gut geht. Das ist meistens so: Er hat Frieden mit dem, was ‹ist› 😀 💗

Ich gehe gleich zum Zahnarzt, morgen früh zur Friseurin, und mein Motorroller ist auch kaputt. Meine Honda-Werkstatt ist ratlos (ich hatte den Roller zweimal zur Reparatur abgegeben). Wahrscheinlich brauche ich ein neues Fahrzeug.


Dienstag, 27. Juni 2017
Ulrike schreibt: Manche unserer Freunde begleiten Jugendliche und Familien, die aus Syrien geflüchtet sind. Heute gebe ich Euch und Ihnen Anteil an Berichten, die Wolfgang und ich bekommen.

I.L. aus Berlin schreibt: «Wir haben an Pfingstmontag die Eltern meiner syrischen ‹Pflegetochter› begrüsst, die seit drei Jahren versucht haben, nach Deutschland zu kommen. Jetzt sind sie endlich da und erleben gerade den Kulturschock. Keine Sprachkenntnisse, ständig auf andere angewiesen zu sein, nicht arbeiten zu können etc. Für die ersten vier Monate können sie bei unserem früheren Pfarrer K. wohnen.

Ihre 19-jährige Tochter hat in wenigen Wochen ihr deutsches Abitur in der Tasche, obwohl sie erst seit drei Jahren hier ist, hat sie es geschafft - ohne vorherige Deutschkenntnisse. Mein Mann bereitet sie gerade auf ihre letzte mündliche Prüfung in Chemie vor.»


C.T. aus der Prignitz schreibt: «F., ein Schüler, ein unbegleiteter afghanischer Jugendlicher, jetzt 16 Jahre alt, hat Asyl beantragt. Es ist abgelehnt worden. Ich habe seine Fluchtgeschichte, das Protokoll vom entscheidenden Gespräch in Berlin gelesen - schrecklich. Er war von den Taliban entführt worden, als er 14 Jahre alt war, weil er für seinen Bruder Fotos bei Hochzeiten gemacht hatte. Schreckliches ist ihm passiert, seine Familie hat darum Geld für die Flucht gesammelt. Seit September 2015 ist er in der Prignitz, hat sehr gut deutsch (Stufe B1) gelernt, macht gerade seinen Abschluss Klasse 10 und hat mit drei anderen Ausländern als einziger Schüler aus Brandenburg das Deutsche Sprach-Diplom bestanden. Er spricht etliche Sprachen, weil er aus dem Grenzgebiet stammt und hat für andere Flüchtlinge vor Gericht und Ämtern übersetzen können.

Er wird, wenn die Abschiebung durchgesetzt wird, spätestens am 8. Juni zurückgeschickt. Seinen Aussagen zufolge haben die Taliban seinen Vater geschlagen und verprügelt, um den Aufenthaltsort seines Jungen zu finden. Ihm droht dort der Tod. Aus dem Umfeld wissen wir, dass alle Afghanen ausgewiesen werden sollen, weil Afghanistan als sicheres Land gilt. [...] In der Pflegefamilie, in der er wohnt - ich bin dort mit der Klassenlehrerin jede Woche zu Gast -, suchen wir nach Lösungen, damit er bleiben kann.» Wenig später: Wir «haben für alle unbegleiteten Afghanen Einspruch eingelegt. Das musste innerhalb von 14 Tagen nach Bekanntgabe der Ablehnung des Asylantrages geschehen. Erfahren habe wir auch, dass bei Ablehnung des Asylantrages für unbegleitete Minderjährige ein Aufschub bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres gewährt wird - das stand aber nicht im Ablehnungsbescheid. Das würde bedeutet, dass F. seinen Abschluss der Klasse 10 und vielleicht auch noch sein Abitur in P. machen kann. Aber wir müssen jetzt erst einmal die Reaktion der Behörde abwarten. Und vielleicht müssen wir einen Fachanwalt für Asylrecht beauftragen.»


G.B. aus Thüringen hat Geld gesammelt, damit eine syrische Familie nach Deutschland ausreisen kann. Wir haben auf unserer Homepage vor einigen Monaten um Beteiligung an diesem Projekt gebeten.

G. schreibt: «Ihr Lieben, nun kann ich euch die fröhliche Mitteilung machen, dass wir den Vater mit den drei kleinen Töchtern letzte Woche am Flughafen Frankfurt abgeholt haben. O, was sind da die Freudentränen geflossen. Der 16jährige Sohn hatte beim Warten am Flughafen mit seiner Mutter noch gewettet, dass er nicht weinen wird - die Wette hat er verloren.

Der Vater hielt zur Begrüssung an uns eine lange Dankesrede, die ein Schwager versuchte, halbwegs zu übersetzen. Er wolle alle Hilfe wieder gut machen in Deutschland und sich integrieren und, und und ... Als wir in Erfurt mit ihnen ankamen, hatten die Schwägerinnen schon ein Festessen vorbereitet - wir zwei Ehrenamtlichen wollten uns diskret zurückziehen und mit unseren Autos nach Hause fahren - aber nein, das wurde nicht zugelassen. Wir gehörten dazu.

Bis es dazu kam, hatten wir noch viel Ärger. Die Familie wartete auf die Genehmigung des Visums in Amman. Und wir fragten uns, warum das nicht - wie bei anderen - vorwärts ging. Wir riefen im Auswärtigen Amt an und erfuhren, dass die Visumsunterlagen zur Bearbeitung bereits seit 12 Tagen in der Ausländerbehörde in S. ruhen! Sie hätten nur nach Erfurt weitergeleitet werden müssen, weil die Familie ja nun in Erfurt wohnt und S. nicht mehr zuständig ist. [...] Wir beschwerten uns beim Landrat von S. [...] Ja, und dann ging alles ganz schnell, weil Erfurt zur Bearbeitung nur zwei Tage brauchte und, nachdem die Unterlagen in Amman in der Botschaft angekommen waren, die Familie gleich am nächsten Tag ihr Visum in die Pässe gestempelt kriegte.

Nun machen wir die vielen Behördengänge und erfahren dabei in Gesprächen mit der Familie von so manchen schlimmen Details. Z.B. wurden sie - gegen 500 Euro Schmiergeld - von einer Militärmaschine von ihrem Heimatort nach Damaskus befördert, weil die Strassen nach Damaskus zu gefährlich sind. In dem Flugzeug gab es keine Sitze, dafür Waffen, Munition - und Leichen. Um in Damaskus im jordanischen Konsulat ein Visum zur Einreise nach Jordanien zu bekommen, wo sie ihren Termin in der Deutschen Botschaft hatten, mussten sie 3000 Euro hinblättern.

Nicht nur dafür, auch für die Wochen in Amman mit Unterkunft und Verpflegung und für die Flugtickets nach Amman über Beirut und dann nach Deutschland haben eure Spendengelder - manche mit, manche ohne Spendenquittung - gereicht. Noch einmal vielen vielen Dank!!!»


Freitag, 23. Juni 2017
Ulrike schreibt: Wir sind wieder gut in Liestal angekommen. Wenn ich aus den Ferien zurück komme, besuche ich am liebsten immer gleich Menschen in der Gemeinde. Dann bin ich sofort wieder gerne da, wenn ich mit Freunden und Gemeindemitgliedern zusammen bin 🙋👨‍👩‍👧❤️.

Morgen treffen Wolfgang und ich uns mit einigen Ehepaaren zum Bibellesen und zum Essen im Grünen. Am Sonntag bin ich zum Geburtstag eines Gemeindemitglieds eingeladen. Das ist Rut Bischler, die auch Künstlerin ist. Für ihre vielen Bilder habe ich im letzten Jahr ein Museum gesucht - und gefunden! Das Dichter- und Stadtmuseum Liestal unter Leitung von Dr. Stefan Hess hat den gesamten Bestand ihrer Bilder übernommen. 2018 wird es bereits eine Einzelausstellung mit Rut Bischlers Bildern geben. Ich freue mich sehr darauf!

Wolfgang ist jetzt am Wochenende mit mir Zuhause. Am Montag - also in drei Tagen - muss er wieder los. Wolfgang wird für einige Wochen zur Behandlung in einer Klinik im Aargau sein. Das hat er schon eine ganze Weile so geplant. Wolfgang wird Ende Juli/ Anfang August - lange vor den Schweige-Exerzitien in Rasa/ Tessin (22. August bis 1. September 2017) - wieder zurück sein. Vielleicht hüpft er dann ja wie ein junger Hirsch über die Berge ...

An dieser Stelle nochmals eine herzliche Einladung an Sie, fünf oder zehn Tage schweigend mit Gott unterwegs zu sein. Hier ist die Webcam, mit der man von Borgnone aus nach Rasa hinüberschauen kann: http://centoval.li/wbc/auswahl_z_tag.php . Unten muss man den Zeitraum eingeben (z.B. 6 Uhr bis 21 Uhr) und die Geschwindigkeit des Zeitraffers. Die Bilder sind wunderschön. Und hier können Sie einen Rundgang durch das kleine Dorf machen: http://www.camporasa.ch/360grad-rasa. Wenn Sie unsicher sind, ob die Exerzitien etwas für Sie sind, wenn Sie Fragen haben oder mehr Informationen brauchen, können Sie uns gern ein Mail schreiben oder uns anrufen.


Mittwoch, 21. Juni 2017
Ulrike schreibt: Die Tage sind nur so dahingeflogen. Ich habe in den letzten zwei Wochen die vielen Fotos in meinem Notebook durchgesehen. Von den schönsten Fotos habe ich in einem Drogeriemarkt Abzüge machen lassen. Ich denke mir, dass ich, wenn ich einmal alt bin, gern ‹richtige› Bilder in die Hand nehme. Das Anschauen und Erinnern war etwas ganz Eigenes. Vieles hatte ich vergessen, zum Beispiel, dass ich in Hiroshima war oder in Ausgrabungen in Jordanien. Ich habe mich beim Bilder-gucken an die vielen Menschen erinnert, mit denen Wolfgang und ich auf verschiedenen Reisen nach Rom, Israel, in die Türkei, nach Rasa, nach Berlin usw. waren.

In Berlin war ich in einer Ausstellung mit Bildern des Fotografen Jürgen Teller ‹Enjoy your Life› - die ist gut - , und im Film ‹Wonder Woman› war ich auch. Der Film hat einen mythologischen Hintergrund: Prinzessin Diana (gespielt von Gal Gadot) ist Tochter einer Amazone und wurde von Zeus zum Leben erweckt. Sie wächst auf einer abgeschiedenen paradiesischen Insel unter ausschliesslich guten und starken Frauen - nämlich den Amazonen - auf. In diese Welt bricht der flüchtende britische Soldat Steve Trevor (Chris Pine) und damit der erste Weltkrieg herein. Diana Prince schliesst sich Trevor an, um gemeinsam mit ihm ‹die Deutschen› und besonders General Ludendorff aufzuhalten. Diana ist überzeugt, dass hinter dem Krieg nicht nur Menschen wie Ludendorff stehen, sondern der Kriegsgott Ares persönlich. Und den will sie besiegen. ... Interessant ist, dass die griechisch-römische Mythologie bis zur Unkenntlichkeit umgeformt wird und die Message eine jüdisch-christliche ist: Diana steht als weiblicher Messias dem ‹Bösen› gegenüber. Im entscheidenden Moment werden ihr nicht ihre Superkräfte helfen, sondern die Liebe. ... Was mich am Film merkwürdig berührt hat, ist die Vermischung der Genres: Es sind ja ‹wirkliche› Schlachtfelder, die im Film nachgestellt werden, und über die eilt Diana matrixmässig mit ihren Superkräften hinweg.


Sonntag, 18. Juni 2017
Ulrike schreibt: Sonntags ist Berlin anders als in der Woche - wie leergefegt. Ich sitze in der Sonne in einem Café an der St. Paulus Kirche - im Café Zina, einem hübschen kleinen Treffpunkt im Kiez von Moabit. Der Wirt ist Grieche und bringt mir Kaffee und das gewünschte Frischkäse-Bagel. «Aber den Computer weglegen, wenn du frühstückst», sagt er fast vorwurfsvoll. Er hat ja Recht. Das hat etwas mit Wertschätzung gegenüber dem Essen zu tun. Das ist etwas, was mir in den letzten Tagen in Berlin wohltuend aufgefallen ist: Wie gut es ist, wenn man Menschen und dem, was sie tun, die Aufmerksamkeit gibt, die sie verdienen.

Gestern war ich am frühen Abend ‹beim Spanier›, eine Pizza für Wolfgang und mich holen. Ich gehe immer in's Restaurant herein zum Bestellen. Den Wirt kenne ich von letztem Jahr. Ich sage ihm mit einiger Zurückhaltung - ich weiss ja nicht, wie er das findet -, dass er eine neue Brille trägt und sich die Haare gegeelt hat. «Ja», lacht er. «Stimmt beides.» Er möchte gern jünger aussehen. Er stellt sich mit Vornamen vor, spricht mich weiterhin mit ‹Sie› an, wir reden ein bisschen. Zwischendurch verschwindet er immer wieder kurz, um Kunden zu bedienen. Nachdem er mir dann die gewünschten Pizzen gegeben hat, stellt er sich aufrecht vor mich hin, reicht mir feierlich die Hand und sagt: «Es war mir eine Freude, mit dir zu reden. Und es würde mich freuen, wenn du bald wiederkommst.»

Gestern haben Wolfgang und ich Kleider vom Schneider hier in der Strasse abgeholt. Er ist glaube ich Bulgare - ein kleiner, schweigsamer, aufrechter Mann. Er hat das Futter von Wolfgangs zerrissenem Lieblingsjackett ersetzt, an eine Trachtenjacke eine Zierkordel wieder angenäht (zwei Stunden mit der Hand), aufgegangene Nähte und kleine Löcher in weiteren Kleidungsstücken genäht und gestopft. «Das sind 60 Euro», sagt er. Und Wolfgang gibt ihm - wie immer - ein sehr gutes Trinkgeld. Wertschätzung hat in vielen Fällen mit Geld zu tun. Indem man für eine gute Dienstleistung angemessen zahlt, wertschätzt man den Anderen. Dieses ‹Entgelten wollen› vermisse ich manchmal bei uns Deutschen und bei den Schweizerinnen und Schweizern auch manchmal. Wir sind sehr auf unseren Vorteil ausgerichtet und merken nicht, dass wir die Arbeit des Anderen gering achten, wenn wir zu wenig zahlen.

Unter unserem Fenster musizieren öfter Sinti, weil im Nachbarhaus ein griechisches Lokal ist und die Gäste auf der Strasse sitzen. Die Musiker sind richtig gut, spielen Variationen zu allen möglichen Volksliedern. Wolfgang freut sich an der Musik, wenn er am Schreibtisch sitzt, und ich bin auch auf den Balkon gegangen, um ihnen zuzuhören. Als die Musiker aufhören zu spielen, und mit einem Pappbecher an den Tischen entlang gehen, winkt Wolfgang die Musiker aus dem offenen Fenster heraus heran. Und lässt einen Geldschein herabsegeln. Das sehen natürlich alle, die unten essen, und mich freut es für die Musiker, dass sie so offensichtlich ‹geehrt werden›. Dass es eben nicht egal ist, ob sie spielen oder nicht. Ich sage das zu Wolfgang. Wolfgang meint, er sei es doch, der beschenkt worden ist - durch die schöne Musik. ... Das sind nur ein paar Gedanken, Sie haben sicher Ihre eigenen Gedanken und Erfahrungen dazu.


Dienstag, 13. Juni 2017
Ulrike schreibt: Ich denke, das ist vielleicht für Berliner/innen interessant: Ich war in der Ausstellung Der Luthereffekt im Martin-Gropius-Bau in Berlin. Die machen normalerweise richtig gute Ausstellungen, aber irgendwie habe ich diesmal etwas anderes erwartet. Das Versprechen war, die Auswirkungen der Reformation weltweit zu zeigen. Die Idee, das am Beispiel von vier Ländern (USA, Schweden, Korea, Tansania) zu tun, ist gut. Aber eigentlich ist es nur eine Dokumentation: wie der evangelische Glaube in diese Länder kam, Bilder von Versammlungsorten, Darstellung von örtlichen Eigenheiten (Liedgut, Kanzeln, ...), Video-Interviews mit Menschen, die erzählen, was sie mit ihrem Evangelisch-sein verbinden. Ich hatte erwartet, dass in der Ausstellung deutlich wird, ob und wie das Evangelisch-sein einen Unterschied macht und wie Christinnen und Christen ihre Gesellschaft mitgestalten. .... Gut an der Ausstellung ist, dass man ohne Vorkenntnisse reingehen kann und alles versteht. Hier ist ein Link für Interessierte: www.dhm.de/ausstellungen/der-luthereffekt.html.

Ich habe mir ein paar tolle Plateau-Sandalen von TOMS gekauft. Die produzieren vegan und spenden für jedes gekaufte Paar Schuhe ein Paar neue Schuhe in afrikanischen Ländern 👣. Das gefällt mir gut - und für andere grossfüssige Frauen: die Schuhe gehen bis Grösse 43,5. Bei der Gelegenheit kann ich gleich noch von unserer griechischen Lieblingswirtin erzählen. Wir haben eine Platte mit allerlei Verschiedenem drauf bestellt, und da blieb viel übrig. Sie hat uns gesagt, dass sie alles, was von Gästen, a) die sie kennt, b) nicht angerührt wurde (noch nicht auf den Tellern war), ab 22 Uhr an bedürftige Familien gibt, die dann bei ihr vorbei kommen. Sie weiss, dass sie kommen, darum kann sie ihnen die Päckchen schon bereit machen.


Sonntag, 11. Juni 2017
Ulrike schreibt: Ich freue mich über das schöne Wetter in Berlin. Auf dem Balkon habe ich ein paar Geranien gepflanzt, einen Sessel rausgestellt - mit Wolfgang sind es dann abends zwei Sessel - und gucke die Strasse runter. Ein Kaffee, das Notebook im Schoss - perfekt ist der Urlaub!

Zum Gottesdienst gehen wir nachher in das Dominikanerkloster St. Paulus - das ist die rote Backsteinkirche hinter der Arminiusmarkthalle: Normale Liturgie, kein besonderer Aufwand, aber er ist trotzdem ziemlich voll (ca. 150 Leute), obwohl es drei Gottesdienste nacheinander plus Abendgottesdienst sind. Ich höre jedes Mal Evangelium - den Zuspruch und Anspruch, mit Jesus unterwegs zu sein. Das tut gut.

Im Urlaub lesen Wolfgang und ich oft ein biblisches Buch miteinander, diesmal lesen wir Josua. Wir lesen uns den Abschnitt erst auf deutsch vor, dann (deutlich langsamer) miteinander auf hebräisch. Dann haben wir eine Zeit der Stille, in der wir für uns selbst nachlesen, hinhören usw.. Zum Schluss erzählen wir uns, was wir gehört haben, beten und einer spricht den Segen.


Freitag, 9. Juni 2017
Ulrike schreibt: Heute werden es in Berlin 28°C! Mal gucken, was wir Schönes machen. Gestern waren wir mit meinen Eltern unterwegs. Auf dem Rückweg sind wir bei Ullrich am Bahnhof Zoo reingegangen, um im Imbissbereich vorne etwas Warmes zu essen. Als wir nach dem Essen die Tabletts mit den fast leeren Tellern in die Aufräumstation zurück gestellt haben, hat ein Mann den fast leeren Teller meines Vaters wieder herausgenommen, sich an den Tisch gesetzt und weiter gegessen. Ich habe ihn gefragt, ob ich ihm ein neues Essen bestellen (und zahlen) darf. Bezahlt hat dann tatsächlich meine Mutter (danke!). Der Mann war innerlich so durcheinander bzw. betäubt, dass er nicht richtig reden konnte. Wir sind dann zusammen zur Theke gegangen, um ein neues Essen auszusuchen. Wenn ich arme Menschen sehe, denke ich oft: Wer weiss schon, wer von uns wirklich arm ist. Den Kranken, Geschundenen, sieht man es von aussen an. Aber es gibt eine Armut, die man von aussen nicht sieht. Nur Gott weiss, wie es um uns und unsere ❤️❤️ steht. Und wie angewiesen und hilfsbedürftig viele von uns sind.


Dienstag, 6. Juni 2017
Ulrike schreibt: Also, liebe Freunde ... Eigentlich wollten Wolfgang und ich mit dem Auto nach Berlin fahren. Das haben wir seit Jahren nicht mehr gemacht, einfach, weil es weit ist. Nachdem ich die Strecke auf google map und den Seiten des ADAC (Baustellen, Staus usw.) angeschaut habe, habe ich Wolfgang doch das Fliegen vorgeschlagen. 😁😊 Also sind wir heute noch nicht unterwegs, sondern haben einen ruhigen ersten Ferientag Zuhause. Für die, die das mögen, habe ich hier ein paar Hinweise zum Lesen:

In den Nachrichten heute wird berichtet, dass viele aus Mossul/ Irak flüchtende Zivilisten vom IS umgebracht worden sind. Ich frage mich bei derartigen Berichten immer, warum die muslimischen Gemeinschaften nicht selbst Einspruch gegen solche Barbarei erheben und nicht innerhalb des Islam auf Unterscheidung drängen. Sajid Javid, ein britischer Politiker der Conservative Party, fordert das nach dem Anschlag in London erneut ein. Nachlesen kann man seinen Aufruf im Nachrichtenticker von ZEIT.de (5. Juni 2017, 7.15 Uhr):

«In einem aktuellen Times-Artikel fordert Sajid Javid, britischer Staatssekretär für Gemeinden und Lokalverwaltungen, Muslime in Großbritannien auf, mehr gegen Extremismus zu unternehmen.
‹Wir als Muslime müssen uns dringenden Fragen stellen›, schreibt er. ‹Wir kommen nicht umhin festzustellen, dass diese Menschen sich für Muslime halten. Ignoranterweise, beleidigenderweise führen sie ihre Attacken im Namen des Islams aus. Obwohl wir alle im Kampf gegen den Terror gefragt sind, haben wir Muslime eine besondere Aufgabe.
Zum einen müssen wir eine andere Version der Geschichte anbieten, um die Terroristen zu widerlegen. Aber mehr noch müssen wir selbstbewusst zeigen, dass wir für pluralistische, britische Werte stehen und diese sehr wohl zu einem Leben als Muslime passen.› Diese Botschaft müsse aus der muslimischen Gesellschaft selbst kommen, schreibt Javid weiter.»
Quelle: www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-06/london-terroranschlag-pfingsten-london-bridge-liveblog

Dann etwas Anderes. Wolfgang und ich sind zurückhaltend, was die Benutzung der social media betrifft. Wir sind nicht auf den gängigen Plattformen wie twitter, instagram oder facebook unterwegs, sondern haben ‹nur› unsere Homepage. [Ausnahme: Wolfgang verfolgt im Moment den Verlauf des Sechs-Tage-Krieges vor 50 Jahren mit Original-Berichten auf Twitter.] In einem Interview erklärt der kolumbianische Schriftsteller Juan Gabriel Vásquez, warum er selbst nicht auf Twitter und Facebook unterwegs ist. Und warum er sich als Schriftsteller nicht auf das Schreiben von Romanen beschränkt, sondern politische Kolumnen für Tageszeitungen verfasst. Das ganze Interview ist lesenswert, hier ein Ausschnitt:

«Gerade vollzieht sich hierzulande ein enormer Wandel, was die Art und Weise betrifft, wie politische Debatten geführt werden. Soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook verflachen, ja zerstören die politische Diskussion. Debatten sind intoleranter und brutaler geworden. Komplexe Themen werden bis zum Klischee simplifiziert. Der letzte Beweis dafür ist die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA. Ohne Twitter wäre er nie gewählt worden.»

Auf die Frage, wie Juan Gabriel Vásquez es selbst mit dem Gebrauch von Twitter und facebook hält, antwortet er: «Ich bin da vollkommen abstinent. Das ist anachronistisch, ich weiss. Aber als Mensch, der an die Kraft der Komplexität und der Sprache glaubt, um politische Ideen zu schärfen, will ich den Raum der politischen Debatte verteidigen. Neben Kolumnen mag ich übrigens auch öffentliche Diskussionen. Diese erreichen im Vergleich zu Twitter natürlich nur sehr wenige Menschen, aber es ist ein lebendiger Dialog. Die moralische Verpflichtung, mich als Schriftsteller, als Intellektueller einzubringen, empfinde ich zur Zeit stärker denn je.»

Das Interview finden Sie in der Neuen Zürcher Zeitung vom 3. Juni 2017: www.nzz.ch/feuilleton/schriftsteller-juan-gabriel-vasquez-in-politischen-und-sozialen-konflikten-gibt-es-immer-eine-unsichtbare-seite-ld.1298936


Pfingstmontag, 5. Juni 2017
Ulrike schreibt: Wolfgang und ich wünschen euch und Ihnen ein frohes Pfingstfest, Freude am heiligen Geist und Erfahrungen mit dem heiligen Geist. Wolfgang und ich waren gestern in einem Pfingstgottesdienst - nicht in Liestal.

Ich habe gedacht, dass man viel Widerstandskraft braucht, um Gottesdienste wie den gestern durchzuhalten. Die Predigt war eine freundliche, aber lose Ansammlung von Behauptungen und Erinnerungen («endlich freie Tage», «Stau auf der Autobahn», «Keiner weiss, was Pfingsten ist. Darum lese ich jetzt den schwierigen Text aus der Apostelgeschichte vor, der übrigens wirklich schwierig ist» etc.) Die Anlobung der neu gewählten Mitglieder der Kirchenpflege kam ohne liturgische Form, ohne wechselseitige Inpflichtnahme, Zuspruch und Segen aus. Sie war ein «Schön, dass ihr da seid» und «Danke, dass ihr Aufgaben übernehmt». ...

Wie gut, dass die menschlichen Worte nicht das Einzige in diesem Gottesdienst waren. So konnte eines sehr deutlich werden: Das Abendmahl hat ‹getragen› - das ist schon erstaunlich. Es hat seine Wirksamkeit in sich selbst. Hier spürt man auch die Sehnsucht der Menschen - auch die eigene -, bei Gott aufgehoben und von Jesus Christus gemeint zu sein.

Wolfgang und ich räumen auf und bereiten vor. Danach fahren wir nach Berlin in den Urlaub. ‹Urlaub› haben wir schon lange nicht mehr zusammen in Berlin gemacht. Ab Anfang Juli - wenn die Sommerferien beginnen - habe ich dann Gottesdienste und Beerdigungsbereitschaft in unserer Kirchgemeinde. Ich denke viel daran herum, was ich zusätzlich zu dem, was ich in der Gemeinde mache, ‹anfangen› sollte, um mit ‹mehr› Menschen Gemeinde zu sein.


Donnerstag, 01. Juni 2017
Wolfgang schreibt: Endlich sind die Meditationsimpulse vom vergangenen Sonntag zugänglich. Ulrike sprach über die Ankündigung des Verrates des Petrus [Lukas 22,31-34]. Es berührt mich sehr das zu hören: Noch bevor Petrus Jesus verleugnet, hat Jesus bereits für ihn gebetet, dass sein Glaube nicht aufhört. Weil es diese Fürbitte Jesu gibt, die uns vorangeht, darum können wir glauben und bleiben.

Hier können Sie Ulrikes Meditations-Impulse zu diesem unerhörten Wort Jesu anhören:





Für einen DOWNLOAD finden Sie diese Meditations-Impulse auf der Seite DOWNLOADS: AUDIO und dort unter der Rubrik "VORTRÄGE UND PREDIGTEN". Zum Downloaden gehen Sie bitte auf dieser Seite ganz nach unten. Wenn die Schrift auf dem Bildschirm blau wird, sind Sie richtig. Dort - alphabetisch angeordnet - finden Sie die Meditations-Impulse unter dem Namen "2017-GESCHÜTTELT UND GETRAGEN" [Lukas 22,31-34]› [20'40 Minuten, 7 MB].


Mittwoch, 31. Mai 2017
Ulrike schreibt: Gestern haben wir uns als Pfarrerinnen und Pastoren der Liestaler Kirchen und Freikirchen getroffen - mit einem gemeinsamem Mittagessen im Anschluss. Der Kollege von der Chrischona-Gemeinde hat einen Grill zum Burger-Braten aufgestellt, dazu ein paar Festzeltgarnituren - das war ausgesprochen schön!! Wir geben uns Bescheid über Entwicklungen in den Gemeinden und besprechen gemeinsame Projekte (Beteiligung am Stadtfest, Runder Tisch Asyl usw.).

Heute früh haben wir Pfarrerinnen und Pastoren uns bereits wieder getroffen - im Altenpflegeheim Brunnmatt. Wir Evangelische feiern die wöchentlichen Gottesdienste im Wechsel mit den Katholiken, den Methodisten, der Heilsarmee und der Chrischona-Gemeinde. Von der Pflegedienstleitung werden wir in die Palliative Care mit einbezogen - wo Menschen das wünschen. Neu wird ab jetzt sein, dass wir Bescheid bekommen, wenn eins unserer Gemeindemitglieder ins Altenpflegeheim zieht. Dann können wir einen ‹Antrittsbesuch› machen. Eigentlich hätte ich darauf auch schon früher kommen können. Bis jetzt habe ich unsere Gemeindemitglieder eher zufällig im Heim entdeckt.

Heute Nachmittag mache ich einen Besuch bei einer Frau unserer Gemeinde, im Anschluss haben wir Besuchsdiensttreffen. Wir besuchen unsere Gemeindemitglieder zum 75. Geburtstag vom Besuchsdienstteam aus. Die ‹höheren› Lebensalter werden dann von uns Pfarrpersonen besucht. Ob diese Regelung Sinn macht - keine Ahnung. Aber viele Leute freuen sich tatsächlich. ... Am Abend bin ich in einem Bibelgesprächskreis zu Gast. Ich bin jetzt immer mit dem Motorroller unterwegs, was Abkühlung bringt!! Es ist unglaublich heiss.


Montag, 29. Mai 2017
Ulrike schreibt: Nun sind wir endlich im Sommer angekommen. Hier ist eine Einladung für ein paar Spätsommertage in Berlin. Ich bin mit dem Einladen etwas kurzfristig, bin nicht dazu gekommen bisher. Eingeladen sind Frauen aus den verschiedenen ‹Kreisen› unserer Gemeinde, aber auch Frauen, die ich oder wir unterwegs kennengelernt haben. Immer wieder sagen mir Frauen nach einem Vortrag, dass sie gern etwas ausführlicher mit mir reden würden. Mir geht es umgekehrt oft genauso. Darum plane ich ein paar ‹Freundschaftstage› in Berlin - einfach mal Zeit miteinander verbringen.


Sommer in Berlin
Wann? 10.-14. August 2017 - also Donnerstag bis Sonntag.

Was? Zeit miteinander verbringen, Gespräche über "Gott und uns" führen, gemeinsam in die Reformations-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau gehen, Begegnung mit Grossstadt-Christinnen, ein bisschen shoppen :-)

Flug/ Bahnfahrt? Jede bucht selbst. Preiswerte Flüge gibt es z.B. bei airberlin.com, zur Zeit sind es um die 70 Euro/Flug. Ihr könnt natürlich auch früher anreisen oder später abreisen oder von Liestal aus den Zug nehmen. Der fährt bis Berlin-Hauptbahnhof durch.

Als Unterkunft empfehle ich das ‹MotelOne› am Hauptbahnhof (www.motel-one.com/de/hotels/berlin/hotel-berlin-hauptbahnhof/). Von da aus starten wir am Morgen. Auf der anderen Seite vom Hauptbahnhof ist das ‹Steigenberger› - ebenfalls nicht individuell, es hat aber mehr Service für die, die das wollen.

Prinzip: Jede bucht selbst und zahlt selbst. Das macht es für mich einfach und ihr zahlt nichts obendrauf. Wer Hilfe braucht, meldet sich bei mir. Damit wir gut durch die Stadt kommen, ist die Zahl der Teilnehmerinnen auf 15 begrenzt. Wer Interesse hat, gibt mir bitte Bescheid. Bitte darauf achten: Schwerpunkt der Tage ist nicht Sight-Seeing, sondern Gespräch und Begegnung. Wer viel von Berlin sehen will, sollte vielleicht schon früher kommen und auf eigene Faust rumziehen. Tipps gebe ich gern.


Sommer im Tessin
Wolfgang lädt - wie immer im August - zu Schweige-Exerzitien nach Rasa ein:

‹Du bist meine Rückzugsburg ... vom Singen, vom Kämpfen und von der Entdeckung der eigenen Kraft (Psalm 59, 1-10 und 11-18)›

Man kann die ganzen zehn Tage teilnehmen oder nur fünf Tage. Entweder vom 22. August – 1. September 2017 oder vom 22. – 27. August bzw. vom 27. August – 1. September. Rasa: das ist ein Rundumblick in die Berge, Essen unter freiem Himmel und unter Weinreben, schweigende Gemeinschaft.

Manche von euch haben gefragt und darum antworte ich ausdrücklich: Wolfgang geht es gesundheitlich gut - so gut, wie schon lange nicht mehr. Es geht ihm viel, viel besser als noch bei den Exerzitien im März. Das können wir mit gutem Gewissen sagen – und Wolfgang auch mit Vorfreude auf die Zeit mit euch und Ihnen.


Sonnabend, 27. Mai 2017
Ulrike schreibt: Für Morgen, Sonntag, 18 Uhr, sind Sie herzlich in die Abendfeier in der Stadtkirche Liestal eingeladen. Ich habe einen Wortwechsel zwischen Petrus und Jesus ausgesucht (Lukasevangelium, Kapitel 22)

Jesus sagt zu Simon Petrus:
«Simon, Simon, siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen.
Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dann umkehrst, so stärke deine Brüder.»

Er (Petrus) aber sprach zu ihm: «Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen.»
Er (Jesus) aber sprach: «Petrus, ich sage dir: Der Hahn wird heute nicht krähen, ehe du dreimal geleugnet hast, dass du mich kennst.»

Zuerst einmal ist die Einbettung des Gesprächs interessant. Jesus sagt seinen Freunden, dass sie sich - wie er selbst - in eine Haltung des Dienens einüben sollen. Die Bilder vom NATO Gipfel in Brüssel vorgestern sind Anschauungsmaterial. Donald Trump hat den montenegrinischen Premierminister Dusko Markovic zur Seite geschubst, um selbst vorne bei den Kameras zu stehen. «So soll es unter euch nicht sein», sagt Jesus zu uns. «Ihr aber nicht so! Sondern der Grösste unter euch soll sein wie der Jüngste und der Vornehmste wie ein Diener.» (Lukas 22, 25-26)


Unfreiwillig ‹unten› sein
Ich frage mich, ob es diese Einübung ins Zurückstehen braucht, wenn wir dann einmal unfreiwillig ‹unten› sind, beschämt sind, hinter anderen ‹zurück geblieben› sind. Wenn wir nicht getan haben, was wir - auch um uns treu zu bleiben - zu tun gehabt hätten. Simon Petrus wird Jesus verleugnen. Jesus war die Liebe seines Lebens. Tiefer kann man kaum sinken. Für Morgen wird es drei Impulse geben:

(1) Jesus weiss um uns. Er weiss um die Etappen unseres Lebens, in denen wir versagt haben oder noch versagen werden.
Wir brauchen die nicht vor ihm oder vor uns selbst zu verstecken.

(2) Für Petrus braucht es diese Etappe, diese Erfahrung, um an das Ziel seines Lebens zu kommen: «Dann (= danach) stärke deine Brüder». Wir dürfen den ‹Moment› - den Schwachpunkt unseres Lebens - nicht für das Letzte, das Endgültige halten. Es gibt möglicherweise solche elenden Etappen im Leben, aber es gibt auch ein Ziel fürs Leben. Und das ist nicht identisch mit einer Lebensphase. Das Ziel steht nicht infrage: Die Jünger sollen mit Jesus in der Ewigkeit zu Tisch sitzen (= Es gut haben, Gemeinschaft mit ihm und miteinander haben, geniessen).

(3) Solch eine ‹Etappe des Versagens› kann gefährlich sein. Petrus ist dabei, seinen Glauben zu verlieren. Jesus nimmt die Gefahr weg, indem er für Petrus betet. Jesus betet für uns, noch bevor wir um die Gefahr wissen. Sogar, wenn wir blind sind für die Gefahr - so wie Petrus blind für das ist, was auf ihn zukommt. Es geht also nicht um ein bisschen Pädagogik («Jeder hat mal schlechte Zeiten und muss da eben durch.») Es geht um die Gefahr, dass wir uns und Gott verlieren. Die Gefahr ist real. Es ist Jesus, der für uns dieser Gefahr begegnet.


Evangelischer Kirchentag
Der eine Tag beim Kirchentag war unglaublich gut. Mir hat er im besten Sinne gereicht. Ich war - wie gesagt - am Vormittag bei Nadja Bolz-Weber und dann bei einem Forum mit evangelisch-lutherischen Kirchenleuten aus Polen, Rumänien, Tschechien, Estland, Russland. Sie - in der Mehrheit übrigens Frauen - haben darüber gesprochen, wie sie als Minderheitenkirchen auf ihre Gesellschaft einwirken. Das war sehr beeindruckend - abgesehen vom Inhaltlichen wegen der Bescheidenheit und Gradlinigkeit der Geistlichen. ... Wenn ich meinen dreimonatigen Studienurlaub Anfang 2018 bewilligt bekomme, dann will ich über die Kommunikation von Minderheitenkirchen in Europa forschen. Beantragt habe ich es.

Den Rest des Tages habe ich beim Markt der Möglichkeiten verbracht und Fremde, Bekannte, Freunde gesehen. ... Ich könnte seitenweise schreiben, auch gute Beobachtungen. Das muss noch warten.


Mittwoch, 24. Mai 2017
Ulrike schreibt: Ich habe mich spontan entschlossen, nach Berlin zu fliegen. Ein Grund ist der Kirchentag, ein anderer, dass ich meine Familie sehen kann, vielleicht noch eine Freundin. Überraschenderweise gab es einen preiswerten Flug, hat alles super geklappt. Hier wird man schon im Taxi vom Flughafen zur Wohnung europapolitisch auf den neuesten Stand gebracht. Der Taxifahrer war gerade aus seiner Heimat, von der Ostgrenze der Türkei, zurück nach Berlin gekommen. Er war entsetzt über den Machtmissbrauch Erdogans und hat bereitwillig seine Ansichten mit mir geteilt. Über die Ungleichbehandlung sunnitischer und schiitischer Flüchtlinge, über den medialen Einfluss der Hodschas usw..

Am Abend war ich beim Eröffnungsgottesdienst des Kirchentags (einem von vieren) am Gendarmenmarkt. Es war schön, aber gefühlt nicht sehr voll, vielleicht 2500 Menschen. Im Vergleich mit der AlphaLive Tagung in London im letzten Monat kommt die deutsche Spiritualität irgendwie ‹kindlich› rüber. Man ist sehr viel bei sich selbst («Ich bin da und du bist da, dubidubidubidubi wir sind da. ...»), während die Angelsachsen musikalisch in die vollen gehen und Gott anbeten. ... Wahrscheinlich nehme ich nur einen Tag am Programm teil. Ich möchte Nadja Bolz-Weber gern einmal persönlich erleben, dann eine Bibelarbeit von Christen und Muslimen, dann ein Podium mit Visionen für Europa. ... Entschuldigung, wenn ich nur so kurz schreibe - der Tag war lang.


Sonntag, 21. Mai 2017
Ulrike schreibt: Wolfgang und ich haben viel Freude an unserem kleinen Garten 🌷🌿🌱🌺💐🍃☄️🌹☀️. Er ist wirklich klein, er ist nicht super gepflegt, aber trotzdem schön. Im letzten Jahr sind einige Rosenstöcke vertrocknet - das ist der Preis dafür, dass wir oft unterwegs sind. Wir haben gestern Rittersporn, Rosenstöcke (gelb, rosa und rosa-gelb), einen neuen Weinstock und für die Terrasse ein paar einjährige blühende Pflanzen gekauft. Jetzt müssen wir nur noch den Brunnen wieder in Gang bringen.

Je älter ich werde, desto mehr merke ich, wie wichtig ein gutes Umfeld zum Leben ist. Früher habe ich mich mit ‹Schöner-Wohnen-Fragen› nicht gross aufgehalten. Jetzt schätze ich es, dass wir Platz haben, dass der Blick aus dem Fenster in die Berge geht, dass wir ‹gut› essen - auch mit einfachen Zutaten usw.. Ich mag es auch, dass ich mir ab und zu ein schönes Kleidungsstück kaufe - bin ganz glücklich über meine rosa Sneakers und den sommerlichen rosafarbenen Pulli. Ich freue mich tatsächlich an vielem. ... Es war eine Entdeckung für mich, dass mein ‹äusserer Mensch› den ‹inneren Menschen› stabilisiert. Wenn meine Seele schwach ist oder durcheinander ist, dann hilft ein schönes Outfit tatsächlich. Dann hilft es, stark auszusehen. Meine Seele sagt ‹Danke› und nimmt wieder ihren Raum ein.

In theologischer Sprache geht es darum, wie sich in unserem Leben erster und zweiter Glaubensartikel verbinden. Der erste ist der von der ‹Schöpfung›. Dass wir unseren Ort in Gottes guter Welt einnehmen. Das betrifft jeden von uns im Hinblick auf Familie, auf Wohnen, auf Kleidung usw.. Der zweite Glaubensartikel ist der von Jesus und der Nachfolge. In dem kommen Familie, Wohnung und Kleidung nicht vor. Jesus sagt: «Wo ich bin, da sollen meine Jünger auch sein.» (Johannes 12,26) Wir sollen da sein, wo er auch ist - und zwar jetzt und heute. ... Beides ist ernst zu nehmen: Dass wir unseren Ort in der Welt bewohnen (erster Glaubensartikel). Und dass wir nicht ‹von der Welt› sind, sondern mit Jesus Christus unterwegs sind (zweiter Glaubensartikel) ... Bei mir hat der zweite Glaubensartikel Priorität gehabt. Ich musste den ersten - das Zuhausesein in der ‹Welt› erst lernen. Wie wird es nun sein, mit dieser Erdung wieder in die Nachfolge einzutreten? Jesus hinterher zu laufen und zu rufen: «Wo du bist, da will ich auch sein ...»

Vielleicht steckt für Euch oder Sie eine Anregung in diesen Sätzen. Eine allgemeine Schlussfolgerung habe ich nicht. Aber den Wunsch für einen guten und gesegneten Sonntag - vielleicht mit der Familie, mit Freunden, vielleicht alleine mit Gott. Beides darf sein.


Mittwoch, 17. Mai 2017
Ulrike schreibt: Vor ein paar Tagen hat jemand zu mir gesagt: «Am Ende stehe ich alleine da. Jeder von Euch hat sein eigenes Leben. Aber ich bin alleine.» Solch ein Satz kann viele Schattierungen haben - je nachdem, wer ihn sagt. Ob es ein kranker oder ein gesunder Mensch ist, ob im Satz ein Vorwurf mitklingt oder eine Einsicht, die tieferen Wahrheiten zueigen ist.

Wer unseren Blog liest, weiss, dass Weggemeinschaft, Gemeinde sein, Freunde haben, sich im Gemeinwesen zu engagieren usw. für Wolfgang und mich Priorität haben. Auch wenn wir - jeder auf seine Art - das Alleinsein sehr mögen. Ich meine, dass unsere westliche Welt vor allem durch eine Gemeinschafts- und Solidaritätskrise gezeichnet ist. ... Eine der wirklich aktuellen und dringendsten Fragen ist, wie Gemeinschaft heute aussehen kann. Vieles andere sind nachgeordnete Fragen. Es braucht Theorie und es braucht vor allem Versuche, gesellschaftliche Experimente, ein «Lasst uns miteinander anfangen!»

Natürlich ist jede und jeder von uns immer auch ‹alleine›. Es gibt die Möglichkeit - wobei es einem in gewisser Weise auch ‹zufallen› muss - dass wir uns mit unserem Alleinsein in etwas Grösserem bergen. In etwas oder in jemandem, der grösser ist als ich selbst es bin. Als glaubende Menschen haben wir es in dieser Hinsicht einfach:

«Jesus antwortete und sprach zu ihm:
Wer mich liebt, der wird mein Wort festhalten;
und mein Vater wird ihn lieben,
und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.» (Johannes 14,23)


Es gibt junge Youtuberinnen und Youtuber, die Worte und Bilder dafür finden, dass man sich ‹in etwas Grösserem› bergen muss, um glücklich zu sein. Gong Bao gehört dazu. Er beginnt sein kleines Story-Time-Video mit dem Satz: «Heute erzähle ich euch etwas über meine Erfahrungen mit dem Glück ...» Ich finde das Video absolut sehenswert. Viel Freude denen, die es anschauen möchten:





Montag, 15. Mai 2017
Ulrike schreibt: In den letzten Tagen habe ich nicht geschrieben, weil ich nicht recht wusste wie. Ich habe ein paar Dinge gesehen, die ich lieber nicht gesehen hätte, was den Umgang mit Menschen betrifft. Wo man sagen muss: ‹So geht man mit Menschen nicht um.› Ich habe viel telefoniert, mich schlau gemacht, meine Beobachtungen aufgeschrieben und werde noch eine Weile damit zu tun haben.

In der Kirchgemeinde ist es ruhig, heute habe ich mehrere Besuche bei Gemeindemitgliedern gemacht. Da gibt es oft schöne Begegnungen, die auch ich - als Besuchende - als beglückend erlebe. Diese Woche sind verschiedene Gesprächskreise, Abendfeiervorbereitung, Pfarrteamsitzung usw. - ganz alltägliche Sachen.

Nebenbei komme ich erstaunlich gut zum Schreiben. Ein Manuskript ‹Ihr seid meine Community› - wie Kirche zur Heimat wird liegt beim Verlag. Ein anderes Manuskript stelle ich gerade fertig: 9 Grundregeln der Traumdeutung ... Vielleicht werden es auch 7 Grundregeln oder 10, darauf kommt es nicht so an ... :-) Idee ist, dass in Wolfgangs Schweige-Kursen ausgesprochen viele Teilnehmende zu träumen beginnen. Wolfgang hat sich über die Jahre hin angeeignet, Menschen beim Deuten ihrer Träume zu begleiten. Was er als Grundregeln formuliert, wird dann im Buch am Beispiel von biblischen Traumgeschichten und einigen wenigen ‹eigenen› Träumen entfaltet. ... Es ist sehr interessant, macht Spass, und ich muss nur noch 60-70 Seiten überarbeiten.


Dienstag, 9. Mai 2017
Ulrike schreibt: Wir gehen mit grossen Schritten auf den Sommer zu. Ich möchte Euch und Sie auf die Schweige-Exerzitien in Rasa/Tessin aufmerksam machen. Wolfgang wird - wie immer bei den Schweige-Exerzitien - in einen biblischen Psalm einführen. Das wird im August der Psalm 59, Vers 11-18, sein: ‹Du bist meine Rückzugsburg - vom Singen, vom Kämpfen und vom Entdecken der eigenen Kraft›.

Man kann die Schweigeexerzitien entweder 5-tägig machen - vom 22. bis 27. August oder vom 27. August bis 1. September. Oder man kann 10 Tage in Rasa verbringen: vom 22. August bis 1. September. Anmelden können Sie sich per Mail bei Wolfgang. Nähere Hinweise findet man auf der Seite RASA — Schweigen im Tessin.

Merkwürdigerweise gibt es noch nicht viele Anmeldungen. Darum die Bitte an diejenigen, die schon einmal in Rasa dabei waren: Ladet doch in eurem Freundes- und Bekanntenkreis ein.


Montag, 8. Mai 2017
Wolfgang schreibt: "Stärke liegt bei den Schwachen". Hier können Sie Ulrikes Predigt zu Matthäus 21,12-17 von gestern anhören:





Für einen DOWNLOAD finden Sie diese Predigt auf der Seite DOWNLOADS: AUDIO und dort unter der Rubrik "VORTRÄGE UND PREDIGTEN". Zum Downloaden gehen Sie bitte auf dieser Seite ganz nach unten. Wenn die Schrift auf dem Bildschirm blau wird, sind Sie richtig. Dort - alphabetisch angeordnet - finden Sie die Predigt unter dem Namen "2017-STÄRKE LIEGT BEI DEN SCHWACHEN" [MT 21,12-17]› [21:39 Minuten, 7 MB].



Samstag, 6. Mai 2017
Ulrike schreibt: Hier ist ein klitzekleines Video, um euch und Ihnen einen Eindruck von der AlphaLive Konferenz zu geben. Vielleicht hat ja jemand Lust, mit Menschen aus seiner Gemeinde im nächsten Jahr zu fahren?!




Freitag, 5. Mai 2017
Ulrike schreibt: Heute hat die Sonne wunderbar geschienen, und ich habe ein paar Stunden im Solebad in Rheinfelden verbracht. Das Bad hat ein weitläufiges Aussengelände mit Rasen, Bäumen und Sonnenliegen, keine Musik, viel Stille - ich kann da wunderbar nachdenken.

Später habe ich ein paar Stunden mit meinem Notebook und diversen Speichermedien verbracht. Ich habe mehr als 1500 Videos und knapp 30.000 Fotos ... Sortieren, rausschmeissen, speichern, das ist richtig viel Arbeit.

Für Montag hat mich die VBG (‹Vereinigte Bibelgruppen›) in der Reihe Fraueninspirationen eingeladen. Wer spontan dazukommen mag, um christliche Frauen zu treffen, kann das gerne tun: www.vbg.net/ueber-uns/agenda/termin/3546.html.

Es wird am Montag um die Geschichte der beiden Hebammen Shifra und Pua gehen (2. Mose 1). Die beiden Frauen werden vom Pharao angewiesen, dass sie die hebräischen neugeborenen Jungen töten sollen. Das Szenarium ist nicht so abwegig, wie man zuerst meint. ... Bei der Leadership Conference in London haben zwei Frauen aus dem Kongo schreckliche Geschichten erzählt. Dass Rebellen sie zum Töten von Säuglingen gezwungen haben. Die Details liegen jenseits dessen, was wir uns vorstellen können. ... In 2. Mose 1 sind es nicht ‹alle›, die Widerstand leisten. Es sind einige wenige, die Widerstand leisten. Die damit auch die Verantwortung für den Widerstand übernehmen. Woher haben sie die Freiheit, sich nicht zu beugen? Wem schulden sie Rechenschaft, wem nicht? ... Ich bin noch dran am Nachdenken.


Mittwoch, 3. Mai 2017
Ulrike schreibt: Ich habe gestern Abend noch ein Video mit Bildern von der Konferenz vorbereitet. Wenn ich von AlphaLive die Erlaubnis bekomme - das betrifft vor allem die Rechte an der Musik -, lade ich es auf youtube und verlinke es hier. Die Musik und die Atmosphäre in der Royal Albert Hall waren einfach der Hammer.

Heute Mittag fliege ich zurück in die Schweiz. Innerlich bin ich schon wieder - also fast - Zuhause angekommen. Ich habe gerade den Gottesdienst für die Menschen im Altersheim morgen vorbereitet. Predigttext wird Matthäus 21,12-17 sein - das ist die Geschichte für den sogenannten Kantate-Sonntag (Sonntag der Kirchenmusik). In unserer Kirchgemeinde Liestal-Seltisberg findet nämlich vom 5.-7. Mai 2017 ein Orgelfestival statt und ich darf an diesem Sonntag den Gottesdienst mit der Festival-Gemeinde feiern.

Matthäus 21: Es sind die Armen («Blinde und Lahme») und die Kinder, die mit ihrem Rufen die ‹Wahrheit› von Jesus bezeugen. Die Hohenpriester und Schriftgelehrten wollen das unterbinden. Warum?... Wer spricht (heute) eigentlich ‹Wahrheit› aus? Und was ist ‹Wahrheit›? Sie ist kein starres Regelwerk, sondern die Fähigkeit, jemanden zu ‹identifizieren›. Die Armen und die Kinder können Jesus ‹identifizeren› - als den Sohn Davids.


immer noch Montag, 1. Mai 2017
Ulrike schreibt: Richtig gut hier in London ist, dass die U-Bahnen andauernd fahren. Manchmal hat gerade eine Bahn die Station verlassen und man sieht schon die Scheinwerfer der nächsten Bahn, die einfährt. Gut finde ich auch, dass ich überall - auch im kleinsten Laden - mit der Kreditkarte bezahlen kann, also nicht besonders viel Geld in Britische Pfund umtauschen muss.

Ich war heute Vormittag bei der LC17 (unten nachlesen, was das ist) in der Royal Albert Hall. Das ist sehr beeindruckend, zu sehen, wie hier ein paar tausend Menschen um ihres Glaubens willen zusammen kommen und die Konzerthalle füllen. Ich war heute Morgen sehr beeindruckt - eigentlich von allem. Den ersten Teil des Vormittags haben Nicky Gumbel und seine Frau, mit denen die AlphaLive Bewegung vor 40 Jahren begonnen hat, über das ‹Leiten› gesprochen. Sehr sympathisch, anschaulich und im besten Sinne evangelisch und gleichzeitig mit ökumenischer Offenheit.

Den zweiten Teil des Vormittags wurde der Erzischof von Manila - Luis Antonio Tagle - von Nicky Gumbel interviewt. Tagle kommt aus einer Kirche, in der viele Menschen von Armut und Naturkatastrophen betroffen sind. Nicky Gumbel hat den Bischof gefragt, worüber er mit politischen Leitern und Wirtschaftsmenschen spricht, wenn die ihn zu ihren Konferenzen wie dem Weltwirtschaftsforum nach Davos, einladen. Der Bischof hat geantwortet, dass es drei Dinge sind:


Fragen an die Reichen
(1) Er fragt sie, was sie in ihrem Innersten antreibt. Sie sollen sich selbst kennenlernen. Was der innere Impuls ihres Lebens ist, wird sich in allen ihren Entscheidungen durchsetzen.

(2) Er fragt sie, ob und wo ‹die Armen› in ihrer Vision vorkommen. Wenn Politiker oder Geschäftsleute einer Vision folgen, in der die Armen nicht vorkommen, werden die Armen auch in ihren politischen und geschäftlichen Entscheidungen keine Berücksichtigung finden.

(3) Luis Antonio Tagle fordert Politiker und Geschäftsleute zur Begegnung mit armen Menschen auf. Sie sollen sie mit ihren Händen anfassen. Erst im Anfassen wird klar, dass es nicht um ‹Ideen› geht, sondern um wirkliche Menschen.


Wenn es keine Lösung gibt
Luis Antonio Tagle sagt, dass er sich als jemanden sieht, der den Menschen bei der Lösung ihrer Probleme helfen will. Das würde er gern: helfen, ihre Probleme zu lösen. Die meisten seiner Kirchenmitglieder würden aber nicht ‹ein Problem› haben. Sie sind vielmehr in einem ‹Dilemma› - zum Beispiel, wenn ein sehr junger Mensch ihn fragt, warum er und seine Geschwister in Obdachlosigkeit leben müssen. In einem Dilemma gibt es keine Lösung. Was Tagle tut, und was man seiner Meinung nach tun muss, ist ‹Geschichten erzählen›. Geschichten geben den Erfahrungen, die leidende Menschen machen, eine Bedeutung. Indem der Bischof Geschichten erzählt, hilft er den Menschen zum Überleben in ihrer Situation. Der Bischof meint, dass man die Fähigkeit, Geschichten zu erzählen, nicht hoch genug einschätzen kann. ... Wenn er das Unglück von Menschen ansieht - was er oft tut - dann würde ihm der heilige Geist die Geschichten aus der Bibel zeigen. Er braucht nicht nachzudenken, sie nicht zu suchen. Mit der Zeit stellt der heilige Geist denen, die regelmässig Bibel lesen, die Geschichten zur Verfügung.


In einer Offenheit Gott gegenüber leben
Ich habe viel gelernt heute Vormittag. Luis Antonio Tagle hat auch über seine Glaubenspraxis gesprochen. Das ist im wesentlichen Gebet, das der römisch-katholischen Leseordnung folgt, und die Betrachtung biblischer Geschichten. Es gehe im Gebet nicht darum, besonders viele geistliche Einsichten zu bekommen. Es geht darum, in einer Offenheit vor Gott zu leben. Offen für Gott und seine Gegenwart zu sein.

Dann hat mich meine Schwäche/ Müdigkeit der letzten Tage heute wieder eingeholt, und ich habe den Nachmittag im Hotel verbracht. Mit den guten Impulsen vom Vormittag war das durchaus in Ordnung. Der nächste Tag beginnt ja in ein paar Stunden schon wieder ...


Montag, 1. Mai 2017
Ulrike schreibt: Heute beginnt die Leadership Conference (LC 17, wie sie hier heisst). Der Abendgottesdienst in Holy Trinitity Brompton - der Londoner Kirche, die vor 40 Jahren mit AlphaLive Glaubenskursen begonnen hatte - war gut, jedenfalls die Predigt war ein echtes Highlight. Der Ortspastor hat über die Berufung des Mose gesprochen: dass Gott einen Menschen mit allen seinen Anteilen beruft, und nicht nur ‹das Beste› von ihm haben will. Mose war 40 Jahre als Schafhirte in der Wüste unterwegs, nachdem er in Ägypten einen Mann erschlagen hatte. Wir selbst sollen nicht bewerten wollen, was Gott mit den Anteilen und Zeiten unseres Lebens anfangen kann, die uns selbst ärgerlich scheinen. ... Das war Evangelium.

Im Anschluss habe ich mit meinem Pfarrkollegen aus Liestal noch ein Bier in einem Pub an der Brompton Road getrunken. War auch schön. Und gestern habe ich mit dem Pastorenehepaar aus der Jahu Gemeinde in Steffisburg zu Abend gegessen. Das sind eigentlich Wolfgangs Freunde, die ich ein bisschen wie ‹geerbt› habe. Es ist schön, mit Kollegen ‹offen› reden zu können. Über «die Kirche» reden alle recht offen, aber von sich selbst offen erzählen zu können, ist eher selten.

Gestern habe ich ein paar Dinge gemacht, die ich immer einmal tun wollte: über die Tower Bridge laufen zum Beispiel. Ich war auch in der British Tate Gallery (also nicht nochmals in der Modern Tate). Ich wollte die David Hockney Ausstellung sehen. Ich hätte gestern und heute aber nur Karten im Zeitfenster der LC17 Konferenz bekommen, und das ist mir zu viel Hin und Her. Die Ausstellung ist völlig überlaufen, und ich frage mich, was die Menschen - und auch mich - an Hockney und seinen Bildern fasziniert. Ich bekomme es nicht ganz zusammen, dass ein dermassen quer und unabhängig lebender Mensch wie Hockney so naiv ‹geordnete›, fast spiessige Bilder malen konnte wie die Swimming Pools von Los Angeles. Als ob er etwas fassen und ordnen will.

Im Grossen und Ganzen sind mir manche Quartiere in London einfach zu voll. Gestern bin ich aus dem Kaufhaus Harrods an der Brompton Road - das hat auch sonntags geöffnet - rückwärts wieder raus. Die Leute stehen da drin Bauch an Bauch. Aus einem Bus bin ich auch wieder ausgestiegen, weil der durch die überfüllten Strassen nur im Schritttempo vorwärts kam und ich zu Fuss - und dann mit der U-Bahn - deutlich schneller bin. Schön sind die vielen Cafés: ich habe mich - glaube ich - noch nie so oft unterwegs in ein Café oder Lokal gesetzt wie hier.


Sonntag, 28. April 2017
Ulrike schreibt: Gestern war ich richtig schwach auf den Beinen, habe gefroren und geschwitzt und mir wohl irgendetwas eingefangen. Was auch kein Wunder wäre bei den Fahrten in den überfüllten U-Bahnen. Nach einer langen Nacht im Hotelbett ist es jetzt wieder besser.

Gestern Vormittag war ich in Cambridge, in meinem alten College Ridley Hall. Es sieht noch genauso aus wie 1989/90, als ich da war: einladend, freundlich. Ich habe mich mit einigen Studierenden unterhalten und gefragt, was sie für eine Meinung zu Alpha Live Kursen haben - morgen beginnt ja eine Alpha Live Konferenz in London. Sie sagen, dass die Kurse mittlerweile ‹Standard› sind. Jede Gemeinde macht Glaubenskurse. ... Von den 86 Studierenden in Ridley Hall trainieren 9 von ihnen als Pioneer Ministers. Das heisst, die anglikanische Kirche bildet Pfarrerinnen und Pfarrer aus, die Gemeinde neu beginnen können - da, wo nichts mehr ist. Das College hat einen eigenen Lehrbeauftagten für ‹Fresh Expressions of Church›. Das heisst, die Studierenden lernen von Anfang an, dass und wie die Kirche in neuen Formen gelebt werden kann. ... Die anglikanische Kirche ist in der Ausbildung ihrer Theologinnen und Theologen m.E. unglaublich gut aufgestellt.

Ich habe mir in London manches angeschaut. Beeindruckend sind die Räume im British Museum über Assyrien im 8. und 7. Jahrhundert vor Christus. Die sind weltberühmt und dokumentieren biblische Geschichte. Das sind meterlange Wandfriese, in denen alle Einzelheiten der Schlachten (z.B. die von Lachisch) nacherzählt werden. Ich zitiere hier - geht schneller - die Erklärung aus wikipedia:

«Das Lachisch-Relief ist ein für den Südwestpalast in Ninive des assyrischen Königs Sanherib angefertigtes Relief aus Alabaster, welches die Eroberung der judäischen Stadt Lachisch unter jenem König im Jahr 701 v. Chr. zeigt. Es hatte eine Höhe von 2,50 Metern und eine Gesamtbreite von 18,90 Metern und verkleidete die Innenwände des Raumes XXXVI im Palast, eines zentralen Raumes der Principal Reception Suite. Insgesamt 12 Platten des Reliefs wurden neben weiteren Reliefs von Sanherib, Asarhaddon und Assurbanipal 1849 durch Austen Henry Layard bei seinen Ausgrabungen gefunden. Diese befinden sich heute in der Sammlung des British Museum in London.» (https://de.wikipedia.org/wiki/Lachisch-Relief)

Dann hat mir noch ein Mittags-Gottesdienst - eine halbstündige Abendmahlsfeier - in der St. Paul's Kathedrale gut getan. Die Pfarrerin hat ihre Gemeinde zwar nicht einmal angeschaut und ist ziemlich durch die Liturgie geeilt, aber die Liturgie (Common Book of Prayer) trägt. Sie ist fest, tröstlich und zumindest mir auch bekannt. Unten in der Kathedrale sind - neben der Krypta - ein Restaurant und ein Café. Das hat mir gut gefallen. Sie haben auch Tische für Leute, die ihr Essen selbst mitbringen. Da sitzen dann ganze indische Familien an grossen Tischen, trinken Tee miteinander und picknicken. Es gibt in Kirchen überhaupt eine Menge Räume, wo man sich aufhalten kann. Die Heilsarmee hat ein grosses Zentrum neben St. Paul's, das wirkt sehr einladend. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass die Engländer eh viele Pubs und gemeinsame Orte haben, an denen sie Zeit miteinander verbringen.


Freitag, 28. April 2017
Ulrike schreibt: Es ging gestern alles super mit der Reise nach London. Das Hotel - wer auch mal eins sucht: Green Rooms - gefällt mir ausgesprochen gut! Es liegt - zwischen vielen Pubs und Läden - an einer Station der Picadilly Line, ein klein bisschen ausserhalb - aber nicht viel. In 10 Minuten ist man in St. Pancras/ King's Cross. Von den Menschen und dem Strassenbild her kommen einem die Schweiz und Deutschland auf einen Schlag kaum noch ‹international› vor. Die Menschen hier sind bunter, vielfältiger. Ich freue mich auf die Tage hier, auf die AlphaLive Konferenz und auf den Besuch in Cambridge.


Mittwoch, 26. April 2017
Ulrike schreibt: Es war bis hierher eine ereignisreiche, in vielem auch eine ‹gute› Woche. Motorroller und Notebook sind repariert, ich habe mein Buchmanuskript abgeben und Wolfgang ist wieder Zuhause angekommen. Auch schön: In der Abendfeier am Sonntag hat eins unserer Team-Mitglieder das erste Mal gepredigt. Sie war richtig, richtig gut. Das darf man, glaube ich, auch sagen. Ich freue mich, dass wir so gute ‹Standards› haben, was unsere Gemeindemitglieder betrifft. Ich erlebe die Kirche als zukunftsfähig, wenn sich ‹normale› Leute vorne hinstellen, mit uns beten, Lieder anstimmen und uns anleiten, auf eine biblische Geschichte zu hören.

Erinnerungen
Am Montag war ich beim Pfarrkonvent unserer Baselbieter Kirche - wir sind jeweils 30 bis 40 Kolleginnen und Kollegen. Unser Kirchenratpräsident hat über die für Schweizer Verhältnisse prekäre finanzielle Situation der Kantonalkirche und die Pensionskasse informiert. Als ich vor 25 Jahren - das war 1992 - in Berlin ins Pfarramt ordiniert wurde, da wurde in den deutschen Landeskirchen gerade das Geld knapp. Es begannen Jahrzehnte voll von Strukturreformen. In unserer Region wurde den älteren Pfarrpersonen zum vorzeitigen Ruhestand geraten. Auch an uns jungen Theologinnen und Theologen wurde gespart und wir wurden in 100% Anstellungen allesamt mit einem 80% Gehalt entlohnt. Die ‹Reformen› begann bei den Anfängern und bei den älteren Pastoren - bei denen, mit denen ‹man es machen kann›.

Die Kirche gehört Gott
Unser Kirchenratspräsident hat mit dem guten Hinweis geschlossen, dass eine Kirche nicht ‹besser› ist, wenn sie viel Geld hat. Und dass sie nicht ‹schlechter› ist, wenn sie wenig Geld hat. Die Kirche gehört Gott und wir sind in jeder Zeit seine Gemeinde.

Was ist Gottes Aufgabe, was ist unsere Aufgabe?
Was heisst es, dass die Kirche Gott gehört? Was ist SEIN Part und was ist unser Part? Was Strukturreformen betrifft, können wir uns mittlerweile viel von Reformprozessen in Ländern wie Grossbritannien und Deutschland abgucken. Die haben 30 jahre Vorsprung. Wir können Workshops à la «Wie träume ich mir meine Kirche?» überspringen und gleich zu Strukturreformmodellen wie dem ‹Modell der kirchlichen Orte› von Uta Pohl-Patalong übergehen. Das Rad brauchen wir nicht neu zu erfinden.

Reform beginnt mit dem Unterscheiden
Aber können wir das - unterscheiden, was Gottes Aufgabe und was unsere Aufgabe in Prozessen von Strukturreform und Erneuerung ist? Den Konvent hat eine Pfarrperson mit einer Andacht über den auferstandenen Jesus eröffnet. Die Andacht mündet da hinein, dass «wir» Kolleginnen und Kollegen «es Ostern werden lassen müssen». Wir zünden in den Gemeinden «viele kleine Lichter» an. Das sei vielleicht «nicht viel», gemessen an den Bedürfnissen. Aber es sei «besser, als wenn nichts geschehen würde». ... Ich habe mich gefragt, was Karl Barth - wenn er noch leben würde - getan hätte. Ob er aufgestanden und gegangen wäre?

Oder ob er sich zu Wort gemeldet hätte: «Mit Verlaub, liebe Kolleginnen und Kollegen: Das stimmt doch nicht.» ... Theologie fängt damit an, dass wir Gottes Tun und Verantwortung von des Menschen Tun und Verantwortung zu unterscheiden wissen. Damit beginnt jedes theologische Denken und jedes Nachdenken über die Kirche. Wie können wir als Kirche auch nur an eine Reform denken, wenn wir ‹Auferstehung› - als Inbegriff für alles Neu-anfangen und jedes grundsätzliche ‹Retten› - für unsere Aufgabe halten und es in unserem Vermögen ansiedeln? Ich frage mich, wie Reform auch nur beginnen kann, wenn niemand von den 30 oder 40 - auch ich nicht! - aufstreckt und sagt: «Das stimmt doch nicht.» Reform beginnt mit der Fähigkeit und dem Mut zum ‹Unterscheiden›.


Sonnabend, 22. April 2017
Ulrike schreibt: In Liestal scheint die Sonne und Wolfgang und ich haben ‹frei›. Ich werde ein bisschen lesen und schreiben. Vorgestern und gestern habe ich von Ferdinand von Schirach ‹Tabu› gelesen (2015). Sehr spannend! Die Hauptperson ist das Kind und dann der Mann Sebastian von Eschburg. Der lebt in seiner eigenen Welt. Die zeichnet sich dadurch aus, dass Sebastian vieles wahrnimmt, das aber mit kaum jemandem teilen kann. Sebastian nimmt seine Einsamkeit wie selbstverständlich hin und seine Lebensgefährtin Sophia darf sie mit ihm teilen. ... Wie immer in den Romanen von von Schirach - der ja nicht nur Schriftstelller, sondern Rechtsanwalt ist - geht es um ein - vermeintliches? - Verbrechen. .... Lesenswert.

Weil ich am nächsten Wochenende für eine Konferenz der AlphaLive Bewegung in London bin, muss ich mich noch vorbereiten. Hier ist der Link zur Tagung, wenn es euch interessiert: http://alpha.org/events/lc17. Ich freue mich vor allem auf London selbst. Ich muss mal gucken, ob ich kurzfristig ein paar Kontakte von ‹ganz früher› - ich habe 1989/90 in Cambridge Theologie studiert - wiederbeleben kann :-)


Donnerstag, 20. April 2017
Ulrike schreibt: Morgen ist Wolfgang - so Gott will und wir leben - wieder Zuhause. Es sind nun vierzehn Tage Aufenthalt im Kantonsspital geworden. Ich finde es immer krass, wie schnell man sich (= ich mich) an einen andern Rhythmus gewöhnt - z.B. morgens und abends ins Spital zu fahren und wie schnell man neue Routinen entwickelt. Auf jeden Fall: Wir freuen uns wieder auf den gemeinsamen Alltag. ... Solche (Krankheits)Zeiten verändern auch etwas in einem. Ich weiss wieder, was wichtig ist im Leben - und was nicht wichtig ist ... :-) Ein gutes Gefühl und ein Gefühl grosser Freiheit.

Am Sonntag ist Abendfeier in der Stadtkirche in Liestal (18 Uhr). Sie sind herzlich eingeladen, mit uns auf Maria - die Mutter Jesu - hinzuschauen. In diesem Jahr schauen wir hin, was einen Menschen ‹stark› werden lässt und warum ‹Schwachheit› keineswegs etwas Schlechtes ist. Ich habe diese Woche noch Beerdigungsbereitschaft, bin morgen für eine Abdankung auf unserem Friedhof: «Lasst euch versöhnen mit Gott.» (2. Korinther 5) ER macht den ersten Schritt und rechnet uns unsere Sünden nicht an. Ein grossartiges Wort!


Dienstag, 18. April 2017
Ulrike schreibt: Ich habe seit der Wahl von Trump zum amerikanischen Präsidenten begonnen, Late Night Shows zu sehen, zum Beispiel Late Night mit Seth Meyers. Ich möchte das Phänomen Trump besser verstehen. Gerade habe ich einen exzellenten Artikel von Adrian Lobe gelesen, den ich Euch und Ihnen empfehle: Donald Trump - Alles ein Fehler in der Matrix?, ist am 30. März 2017 auf ZEITonline erschienen. Ich fasse den Artikel zusammen, aber Selberlesen lohnt sich! Der Journalist Adrian Lobe meint, dass die Vorgänge in den USA an eine Computersimulation erinnern. Das sieht doch aus, also ob ein Spiel gespielt wird.


Sind wir Teil einer Simulation?
«Wenn Donald Trump in kindlicher Naivität verspricht, er werde eine ‹große, schöne Mauer› mit einem ‹wunderschönen Tor› bauen, klingt das so, als würde ein Jugendlicher in der Städtebausimulation SimCity einen Grenzwall errichten, hier und da ein paar Hochhäuser und Kasernen bauen und mehrere Szenarien durchspielen. Politik als Simulation. (...) Und wenn man Trumps Twitterhistorie mit seinen wirren (Programmier-)Befehlen ansieht, wird man das Gefühl nicht los, als sitze da jemand an einem Simulator und spiele ‹PresidentCity›.»

Trump arbeitet daran, die Unterscheidung zwischen Realität und Fiktion aufzuheben. In der gleichen Weise, wie Donald Trump in seiner eigenen Fernsehshow aufgetreten ist, tritt er auch als Präsident auf: «Der Immobilienhändler ist eine fiktionale Figur aus dem Fernsehen, ein Geschöpf der Unterhaltungsindustrie (und sozialer Medien). Seine Wahlversprechen waren fiktiv, sein Gebaren ist Show. Als Trump die skurrile Pressekonferenz vor seinem Amtsantritt mit dem markigen Satz ‹You’re fired› (dem Spruch aus der TV-Show The Apprentice) beendete, fragte man sich: War das nun die Fortsetzung des Reality TV? Scripted Reality? Oder schon Realsatire?»


Es geht nicht um einzelne Lügen - das Bezugssystem stinkt
«Baudrillard sagte, dass in einer Simulation die Unterscheidung zwischen Realem und Fiktivem, zwischen Fakten und Fiktion schwierig sei. Deshalb läuft auch jeder Faktencheck ins Leere, weil er an der falschen Ebene ansetzt. Man weiß, dass Scripted-Reality-Shows wie The Apprentice oder Wrestling-Events, an denen Trump teilnahm, gestellt sind. Jeder Versuch, diesen Plot zu dekonstruieren und in seine faktischen Einzelteile zu zerlegen, wirkt lächerlich. Trump als Lügner zu demaskieren ist so erkenntnisstiftend wie zu schreiben, in der Castingshow ‹Deutschland sucht den Superstar› gehe es gar nicht darum, einen Superstar zu finden. Die Wirklichkeit ist nur simuliert; die Ereignisse finden nur in der Simulation auf dem Bildschirm statt.»


Das Wirkliche wird durch das Fiktive ersetzt
Die Frage ist also nicht, wann genau Trump lügt. Es geht nicht um einzelne Lügen, die man entlarven kann. «Bei Trump ist die Lüge (...) Strukturmerkmal seines eigenen (hyperrealen) Referenzsystems. Die Simulation, schreibt Samuel Strehle in seinem Buch Zur Aktualität von Jean Baudrillard, bestehe bei Baudrillard gerade im ‹Einswerden von Realität und Fiktion. Sie bezeichnet nicht einfach eine Vortäuschung, sondern eine Verwandlung des Wirklichen durch das Fiktive (…)›. Trump nimmt das Reale zu Bestandteilen seiner Fiktion, seiner Erzählung...»


Was wir für die Realität halten, sind oft genug Simulationen
Natürlich kann man eine gesellschaftliche Wirklichkeit simulieren - also etwas vorgeben, was in Wirklichkeit ganz anders ist. Auch im Raum der Kirche geschieht das. Ich bin regelmässig verblüfft, dass die kirchlichen Mitarbeiter, die ‹faken›, damit durchkommen. Und zwar gut durchkommen. Da gibt es zum Beispiel einen grossen kirchlichen Anlass. Im Nachhinein erzählen mir einzelne Teilnehmerinnen regelrecht erschüttert, dass sie sich so etwas nicht nochmals antun werden. Es sei dermassen ärgerlich und banal gewesen. Nun erzählen aber auch diejenigen Personen, die den Anlass durchgeführt haben, davon. Sie behaupten, wie wunderbar es auch diesmal wieder gewesen wäre. Dass sie viel Zuspruch bekommen hätten - und dann gibt es als Beleg eine herzerwärmende Anekdote. Die Realität (kleine Teilnehmerzahlen usw., und die subjektiven Äusserungen von Teilnehmerinnen und Teilnehmern) werden durch gezielt platzierte Behauptungen ersetzt. Und: Es wirkt! Wer selbst nicht beim Anlass war, glaubt den Behauptungen.

Nun wieder zum Artikel von Adrian Lobe. «Im Jahr 1991 publizierte der französische Soziologe Jean Baudrillard drei Artikel in der Tageszeitung Libération (La guerre du Golfe n’a pas eu lieu), in denen er die Realität des Golfkriegs infrage stellte. ‹Wir bevorzugen das Exil des Virtuellen›, schrieb Baudrillard damals, ‹von dem der Fernseher der universelle Spiegel für die Katastrophe des Realen ist›. Baudrillard verwies auf die Derealisierungseffekte der Massenmedien, die letztlich nur Militäraufnahmen eines vermeintlich sauberen Kriegs zeigten. Vor die Realität des Kriegs hätten sich wie eine hyperreale Folie die Simulationen der US-Armee und die Bilder von CNN geschoben.»

«Und wer sagt, dass jene, die die Simulation gestarte
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