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... bereits uns beide?! Dann ist diese Seite mit den untenstehenden Neuigkeiten wahrscheinlich das Richtige für Sie. Lesen und Blättern Sie doch. Sie erfahren dabei, wo und wozu wir in letzter Zeit unterwegs waren.
Auf  dieser  Seite  ... ... informieren wir Sie in der Form eines Journals über Neuigkeiten, die es bei uns bzw. in unserem beruflichen Umfeld gibt: was wir erleben, was uns auffällt, was wir beobachten und was uns fragend macht. Interessiert? Echos freuen uns. Schreiben Sie an ulrike.bittner@bluewin.ch oder an wbittner@bluewin.ch. Wir antworten gerne und so schnell wir können.

Immer  wieder  Neues  ... Samstag, 12. Oktober 2019
Ulrike schreibt: Nun sind Wolfgang und ich schon eine Woche in Österreich unterwegs. Es gibt ein paar Orte, die wir unbedingt besuchen wollen, aber der genaue Verlauf unserer Reise ist offen. Nach einem kurzen Aufenthalt in Innsbruck sind wir nach Gröbming gefahren.

Das ist ein kleiner Ort im Ennstal in der Steiermark. Wolfgang war Ende der 60er Jahre mehrmals da - bei Tagungen der evangelischen Jugend. Hier hat er als Jugendlicher seine ersten Referate gehalten - darüber, wie man als Christ im Alltag lebt. Der damalige Gasthof ist heute ein Hotel. Die evangelische Kirche steht direkt daneben und ich finde, man spürt noch heute, dass sie ein lebendiger Ort ist. ... Für mich war der Besuch auch kulturell interessant: ich habe mit einem Haufen Einheimischer in der hoteleigenen Sauna gesessen. Das ist eine ganz andere Atmosphäre als in der Schweiz. Für meine Ohren: sehr laut, offenherzig und indiskret. Was die Leute sich alles erzählen ...

Wir sind dann weiter durchs Ennstal gefahren: nach Ramsau und Schladming. Mit der Seilbahn sind wir auf den Hauser Kaibling hochgefahren - einen Berg. Das war wirklich schön, rundum auf die vielen Bergketten und den Dachstein zu schauen. Ich bin zu Fuss noch weiter zum Gipfel gestiegen - wobei das nicht so weit ist.

Übernachtet haben wir in Admont - vor allem wegen wegen des Benediktinerklosters Stift Admont und der sehr bekannten Klosterbibliothek. Die Klosterkirche hat mich berührt - wieder eine ganz gute und starke Atmosphäre. Unter dem Triumphbogen - also wo der Chorraum beginnt - hängt ein gekreuzigter Jesus aus Holz (von Andreas Lackner, 1518) Mir kommt es vor, als spiegelt sich in seinem Gesicht ein Leiden, das jenseits dessen ist, was erträglich ist. Meines Erachtens gibt es Leiden und Schmerzen, die man ertragen kann. Die sind Teil unserer Geschöpflichkeit. Es gibt aber auch ein Leiden, das hinter dieser Grenze stattfindet; das jenseits des Erträglichen ist. Bis jetzt habe ich noch nie gedacht, das auch Jesu Leiden jenseits dessen sein könnte, was ertragbar ist. Dem möchte ich nachgehen.

Wir waren in Eisenerz - einem Ort in der Steiermark, an dem im Tagebau Eisen abgebaut wurde und wird. Der Berg mit seinen vielen Stufen des Abbaus beherrscht das Landschaftsbild. Der Ort selbst hat mich an Eisenhüttenstadt erinnert, wo Wolfgang und ich bis 2008 gelebt haben: Leerstand, wohin man schaut. Ziemlich jedes zweite Geschäft in Eisenerz wurde aufgegeben. Wir haben dann Th., eine Freundin aus der Jugendzeit von Wolfgang in Kapfenberg besucht. Wolfgang sagt, sie war der erste Mensch, an dem er als Jugendlicher einen alltagsrelevanten Glauben erlebt hat. Th. ist noch heute glaubend unterwegs und in ihrer katholischen Gemeinde gut aufgehoben. Das tut gut, von einer lebendigen Gemeinden erzählt zu bekommen! Danke!

Wir haben dann überlegt, wo wir übernachten und weil wir uns nicht sicher waren, sind wir Richtung Graz weitergefahren. Wir wohnen in einem Gasthof beim Kloster Stift Rein. Die Führung durch das Zisterzienserkloster war richtig, richtig gut. Wolfgang und ich waren die beiden einzigen Teilnehmer und die Frau, die die Führung gemacht hatte, hatte viel Ahnung von Geschichte, Theologie und Kunstgeschichte. Und sie hatte die Schlüssel zu allen Räumen ... Ich glaube, Wolfgang hätte sich am liebsten ein Zimmer nahe der Klosterbibliothek genommen oder nahe der Kapelle und wäre am liebsten gleich da geblieben. Am Abend haben wir uns mit Freunden aus Liestal in Die Herzl in Graz zum Essen getroffen.

Heute waren wir im Freilichtmuseum Stübing. Da sind etwa hundert originale alte Bauernhäuser und Handwerke aus ganz Österreich hingebracht und wieder aufgebaut worden - nach Regionen geordnet. Das ist ähnlich wie das Freilichtmuseum im Elsass bei Mulhouse, in dem Wolfgang und ich ab und zu sind. Das Wetter war sonnig und wunderschön.

Ab Morgen werden Wolfgang und ich für zwei Tage in Graz sein. Es ist noch ein kleines Problem, morgen in die Stadt hineinzukommen, weil die Strassen wegen eines Marathons gesperrt sind. Auch Trams und Taxis dürfen da nicht reinfahren. Man kann also nur vor dem Marathon in die Stadt - was ein bisschen früh ist - oder nach dem Marathon - was ein bisschen spät ist. Für den Abend haben wir Opernkarten. Karl Maria Brandauer liest Dietrich Bonhoeffer. ... Für den Gottesdienst morgen braucht es auch noch eine gute Idee. Wir würden gern in die Freie Christengemeinde Graz gehen, die ich im letzten Jahr mehrfach besucht habe: bei meinem Studienurlaub über das Leben christlicher Minderheiten. Aber das Problem besteht darin, da hin zu kommen (Marathon) und wieder weg zu kommen. Uns ist noch keine Lösung eingefallen.


Sonntag, 6. Oktober 2019
Ulrike schreibt: Der Studientag über das Segnen im Nidelbad gestern war überraschend schön. Es sind einfach gute Leute, die kommen - viele von ihnen sind Freunde.

Heute Nachmittag sind Wolfgang und ich in den Urlaub gefahren. Wolfgang hat sich Österreich als Reiseziel gewünscht, besonders die Steiermark. Für die ersten beiden Tage sind wir in Innsbruck. Hier war ich nämlich noch nie. Man fährt von Liestal aus auf die Autobahn und dann knapp 4 Stunden ziemlich geradeaus nach Osten. Durch Voralberg sind es viele Tunnel, manche sind mehr als 10 km lang.

Jetzt sind wir in Innsbruck und essen in der Bar unseres Hotels zu Abend - gut haben wir es! Gott sei Dank für viel Gutes und viel Bewahrung. Mal schauen, wie morgen das Wetter wird. Vielleicht fahren wir mit der Seilbahn auf die Nordkette oder wir gehen in die Hofkirche oder ... Wir haben auch Bücher für gemeinsame Lektüre mitgenommen und ich möchte mit Wolfgang gern einige Filme sehen. Ich bin fasziniert von einem Interview, das Günter Gaus Mitte der 1960er Jahre mit Hannah Arendt geführt hat: Hannah Arendt im Gespräch mit Günter Gaus Mit welcher inneren Sicherheit Hannah Arendts redet!


Freitag, 4. Oktober 2019
Ulrike schreibt: Mich haben einige von euch/ von Ihnen gefragt, was ich denn unter einem prophetischen Wort verstehe. Da gibt es mehrere Kriterien, ich nenne nur zwei: Meines Erachtens stellt ein prophetisches Wort immer einen heilsgeschichtlichen Zusammenhang her. Wenn Paulus gesagt wird, dass er in Jerusalem leiden wird (Apg 20,22 und dann Agabus in Apg 21,11), dann ist das ein prophetisches Wort. Denn alle Propheten haben in Jerusalem gelitten und sind dort gestorben. Paulus ordnet seinen Weg - und den seiner Verkündigung - in einen grösseren Weg ein.

Wenn dagegen jemand gesagt hätte, dass Paulus ein Hüftproblem hat, dann wäre das kein prophetisches Wort gewesen ... :-) Zweites Kriterium für ein prophetisches Wort ist, dass es sich bewahrheitet. Es geschieht in der Weise, wie es angesagt worden ist. Und genau das habe ich vermisst, wo ich im deutschsprachigen Raum Konferenzen mit angeblich prophetisch begabten Rednern verfolgt habe. Was nicht eintrifft, ist auch keine Prophetie.


Mittwoch, 2. Oktober 2019
Ulrike schreibt: Ich war am Samstag bei einem Seminar ‹Hörendes Gebet mit dem Fokus auf dem Gebet für Kranke›. Das war in einem Nachbarort von Liestal. Ich hatte den Eindruck, dass ich da hingehen soll und habe mich dementsprechend um Offenheit bemüht. Ausserdem kenne und schätze ich manche der Teilnehmenden sehr. Was von dem Tag bleibt, ist Irritation - jedenfalls was die drei Stunden betrifft, in denen ich dabei war. Vielleicht kam ja am Abend noch etwas anderes ... Es ging darum, dass man als Christin/ als Christ von Gott her manchmal etwas für jemand anderen gezeigt bekommt - weiss, sieht oder spürt. Zum Beispiel: «XY hat Schmerzen in der rechten Schulter» - und wie man dann achtsam mit diesem Eindruck umgeht.

Einverstanden gewesen wäre ich, wenn sie gesagt hätten, dass Gott unsere Intuition gebrauchen kann - und dass es sich lohnt, ihr vertrauen zu lernen. Was wohl auf Zustimmung von fast jedermann treffen würde😎 Denn mehr war es nicht. Ein recht normaler menschlicher Vorgang wurde m.E. geistlich überhöht. ... Unter Prophetie verstehe ich schlichtweg etwas anderes.

Merkwürdig berührt hat mich, dass ich gelogen habe - in einem christlichen Seminar. Wir sollten in kleinen Gruppen ermutigende ‹Eindrücke› füreinander empfangen. Gott hat mir in den zehn Minuten nichts für die beiden Andern gesagt. Was mich jetzt nicht sooooo sehr überrascht hat ... Was ich kann, ist: den andern betend anschauen und ihm aus dem Geschauten heraus etwas zusprechen. Das habe ich getan. Aber das ist nicht ‹Wort von Gott›.

Ich vermute, meine Irritation hat damit zu tun, dass ich Menschen, die sich in seelsorgerlichen Bewegungen engagieren, eine Erneuerung des Lebens in unserer Kirche - gesamthaft gesprochen - zutraue. Und dann bin ich enttäuscht über das, was ich höre. Andere Teilnehmerinnen des Seminars waren es offensichtlich nicht - und dann frage ich mich wiederum: Was ist es, das sie hören und das für sie ausreicht? Warum reicht ihnen das?

Ein grosser Gewinn war für mich die Lektüre von Tom Wright: Von Hoffnung überrascht. Was die Bibel zu Auferstehung und ewigem Leben sagt, 2007 (deutsch 2016). Mein methodistischer Kollege in Liestal und ich bereiten Offene Abende für Januar 2020 vor und haben für unsere Vorbereitung Tom Wright gelesen. Es ist gut verständlich geschrieben, biblisch klar und dennoch differenziert. Wright hat eine super Beobachtungsgabe, was gesellschaftliche Strömungen und Intentionen betrifft. Wer Zeit zum Lesen hat: meine Empfehlung.

Diesen Samstag laden wir - das sind Wolfgang, ich und die Fritz-Blanke-Gesellschaft - zu einem Studientag ins Nidelbad/Rueschlikon ein. Studientag heisst, dass wir uns vertieft mit einem Thema befassen. Wir werden der Bedeutung des Segens und des Segnens in der Welt und in unserem Leben nachgehen. ... Ich finde, dass man persönlich schon recht weit kommt, wenn man alle Bibelstellen, in denen ‹gesegnet› wird, aufmerksam liest. Den Flyer finden Sie gleich hier: 2019-Studientag-SEGNENundFLUCHEN


Freitag, 27. September 2019
Ulrike schreibt: In den letzten beiden Wochen war viel in der Gemeinde los. Am schönsten ist es, in der Gemeinde Menschen zu erleben, die einander vertrauen und mit Offenheit begegnen. Ein grosses Geschenk - auch für mich als Pfarrerin.

Gestern haben wir ein Gemeindemitglied beerdigt, die sechzehn Kinder - und entsprechend viele Gross- und Urgrosskinder hat. Das war auch schön, eine so grosse Familie kennen zu lernen, und interessant war es auch. .... Heute habe ich tatsächlich frei - nichts zu tun. Die Predigt für Sonntag habe ich in den Grundzügen fertig. Herzliche Einladung in den Gottesdienst: 9.30 Uhr in die Stadtkirche Liestal. Heute fahre in die Uni-Bibliothek und arbeite an meinem Buch weiter - über kleine christliche Gemeinden. Zuhause zu arbeiten ist schwieriger - da fällt mir immer etwas ein, was ich gerade jetzt tun könnte oder sollte. Das kennt ihr sicher.

Ich habe unser diesjähriges Stille Wochenende in Wildberg (1.-3. November 2019) bisher kaum beworben. Es hat den Titel «Mir hat geträumt» und es geht um biblisches Träumen und um unser eigenes Träumen. Es sind viele Anmeldungen dieses Jahr, aber wer noch Interesse hat, kann sich gerne - und wenn möglich rasch - melden. Den Flyer finden Sie hier: 2019.11 Stilles Wochenende Wildberg ... Wolfgang wird zeitgleich - also am Samstag, dem 2. November 2019 - ein Seminar zusammen mit Siegfried Zimmer in Zürich halten. Ich bin mir nicht sicher, ob es schon Flyer gibt (?)


Dienstag, 24. September 2019
Ulrike schreibt: Wolfgangs Einführung in die "bessere Gerechtigkeit" in Matthäus 6 und das anschliessende Gespräch im Bibel Salon gestern waren sehr gut. In meinen Augen grossartig. Ich hoffe, dass Wolfgang den Impuls noch auf unserer Homepage zur Verfügung stellt. Das ist meist keine Frage des Wollens, sondern es braucht schon immer ein paar Stunden, einen Beitrag nachzuhören, zu bearbeiten und aufzuschalten.

Morgen Vormittag feiere ich eine Beerdigung. Ein Mensch aus Liestal war verunglückt und über mehrere Jahre hin nicht gefunden worden. Nun wurden seine Gebeine gefunden und morgen werden wir ihn bestatten. Wir spielen eins seiner Lieblingslieder.

Der Geist und die Braut, sie sprechen: Komm!
Und wer es hört, der spreche: Komm!
Und wen dürstet, der komme herbei.
Wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst
(aus Offenbarung 22).

Unglaublich schöne Worte, nicht wahr? Der Geist, das ist Gott, und die Braut ist die himmlische Gemeinde, in die wir gehören und in die wir schlussendlich gerufen sind. Da ist eine Gemeinschaft von Menschen, die Gott aus allen Völkern und Zeiten gesammelt hat und die auf uns wartet.

Ich habe heute das Video von Greta Thunbergs Rede beim Klimagipfel der Vereinten Nationen in New York (23. September 2019) gehört. In meinen Augen hat ihre Stimme prophetische Qualität. Der Beginn ihrer Rede erinnert an den Propheten Jeremia. Er fühlte sich zu jung und am falschen Platz. Greta Thunberg beginnt ihre Rede:

"This is all wrong. I should not be up here. I should be back in school on the other side of the ocean."

Ich habe mich gefragt, ob Gott einer Jugendlichen ein prophetisches Amt gibt, weil unsere Kirchen kaum noch Menschen hervorbringen, die zu solcher Klarheit fähig sind. Das ist eine echte Frage; soll keine Unterstellung sein.

Gretha Thunberg ist ihrer Botschaft unbedingt verpflichtet.
Sie nennt die Lügen beim Namen: "All you can talk about is the money and fairytales of eternal economic growths. How dare you?"
Sie sagt, dass wir versuchen können und sollen umzukehren - aber schon jetzt gibt es keine Garantie mehr dafür, dass eine Umkehr uns retten wird.
Sie kündigt an - wie es die biblischen Propheten tun - dass unser Leben vor einem Umbruch steht: "Change is coming whether you like it or not."
Die Rede dauert knapp 5 Minuten und Sie finden Sie hier: Greta Thunberg, Vereinte Nationen

Was wäre anders, wenn ein Mensch mit dieser Botschaft sich auf Gott und einen prophetischen Auftrag berufen würde? Das tut Greta Thunberg nicht ... Ich weiss nicht, worin der Unterschied bestehen sollte.


Sonntag, 22. September 2019
Ulrike schreibt: Heute wird es wieder spätsommerlich warm in Liestal. Schade, dass die Freibäder letzten Sonntag geschlossen haben. Ich war diesen Sommer oft in Rheinfelden, im Freibad und im Rhein schwimmen. Dafür muss ich jetzt erstmal einen guten Ersatz finden. Das Hallenbad in Liestal ist mir zu miefig.

Gestern war im Gitterli (Sportstadion) zum siebten Mal Kindertag in Liestal. Er wird gemeinsam von allen Kirchen in Liestal vorbereitet und durchgeführt. Es gibt ein Bühnenprgramm für die Familien, ‹Stationen›, an denen die Kinder spielend Aufgaben lösen und allerlei Stände zum Essen und Trinken. Ich habe am Crȇpe-Stand geholfen - da gibt es nicht viel Spannendes zu erzählen :-)

Heute lade ich Sie zur Abendfeier mit anschliessendem Imbiss in die Stadtkirche ein (18 Uhr) und morgen zum zweiten Abend des Bibel Salons (20 Uhr) zur Bergpredigt. Morgen wird es darum gehen, warum Jesus von einer «besseren Gerechtigkeit» spricht (Matthäus 5,20). Auch die Schriftgelehrten und Pharisäer bemühen sich, so zu leben, dass ihr Leben vor Gott bestehen kann. ... Worin sieht Jesus den Unterschied? Wie will er, dass seine Jünger leben?


Sonntag, 15. September 2019
Ulrike schreibt: Vor einigen Jahren hatten Mitglieder der Bruderhofbewegung in Deutschland und England Wolfgang und mich besucht und zu sich eingeladen. Zur Erklärung: Auf einem Bruderhof zu leben heisst, ein einfaches Leben in der Nachfolge Jesu zu suchen und die neue durch Jesus geschaffene Gemeinschaft täglich verwirklichen wollen.

Im Leben der Bruderhofbewegung nehmen Christoph Blumhardt (1842-1919) und sein Vater Johann Christoph Blumhardt (1805-1880) einen wichtigen Platz ein, weil rund um die beiden das «Reich Gottes» sichtbar gelebt wurde. Wolfgang hatte 1992 die Schrift Gedanken aus dem Reich Gottes vom jüngeren Blumhardt - also dem Sohn Christoph - veröffentlicht (Wolfgang Bittner, ... damit Gott kommt. Gedanken aus dem Reich Gottes, 1992). Die Originalausgaben («Vertrauliche Blätter» und «Gedanken aus dem Reiche Gottes») aus dem Jahr 1895 (es gab keine weitere Auflage) waren und sind bis heute kaum noch erhältlich. Wolfgang hat diese Schrift also erstmals neu herausgegeben und zwar so, dass sie im Text lesefreundlich gegliedert und leicht lesbar ist. ... Die Bruderhofbewegung hat nun Wolfgangs Ausgabe dieses Buchs ins Englische übersetzt und damit erstmals für den englischen Sprachbereich zugänglich gemacht: Make Way for the Spirit. My Father's Battle and Mine, 2019 (Plough Publishing House). Dieses Buch haben sie uns letzte Woche zugeschickt und uns wieder zu sich eingeladen. Wirklich schön!

Ich denke, dass fast jede und jeder weiss, dass durch und um den älteren Blumhardt herum eine Heilungsbewegung in Württemberg eingesetzt hat. Es war über einige Jahre hin genauso wie es zur Zeit Jesu war: Menschen kamen zunächst nach Möttlingen und später nach Bad Boll und wurden innerlich befreit und gleichzeitig von ihren Krankheiten geheilt. Blumhardt musste nicht einmal wissen, worum es genau ging. Oftmals hat es gereicht, dass er über den Briefen gebetet hat. Oft genug wurde es dann gut mit den betreffenden Menschen.

Blumhardt blieb extrem zurückhaltend mit seinen Erfahrungen. Er hat nie für sich geworben. Das Gespräch mit der eigenen Landeskirche wurde von der Landeskirche eingefordert. Lieber hätte er geschwiegen. Umgekehrt war das nicht der Fall. ... Unter seinem Sohn Christoph Blumhardt ging die Heilungsbewegung erst noch weiter und begann dann, sich zu verändern. Christoph Blumhardt hat sich viel für die Arbeiterinnen und Arbeiter seiner Zeit eingesetzt. Er meinte, dass sich das Reich Gottes dort verwirklicht, wo Menschen auf eine neue und gesellschaftlich faire Art und Weise miteinander umgehen. Der jüngere Blumhardt ordnet die Erfahrungen, die sein Vater und er gemacht haben, im Rückblick nochmals neu ein - und das ist unglaublich interessant. Das ist der Inhalt der «Gedanken aus dem Reich Gottes». Die Neueinordnung und Neubewertung der von Gott geschenkten Erfahrungen gerade auch gegenüber nahestehender Freunde. Hier ein kleiner Auszug:

«Es wird sich namentlich darum handeln, darzulegen, dass wir nicht, wie viele meinen, von dem Grund, auf dem wir standen, abgewichen sind. Dieser ist zu fest und zu ewig, nicht von Menschen, sondern von Gott gelegt, als dass an diesem auch nur ein Steinchen könnte abgebrochen werden.

Aber auf diesem Grunde sind Häuser gebaut worden, die nur zeitlich und menschlich waren und darum auch den Abbruch sich gefallen lassen müssen, auch wenn sie seinerzeit ein heimeliges Notdach gewesen sind. Es hat uns gewundert zu bemerken, dass ihrer viele über dem Abbruch menschlicher Einrichtungen so erschrocken sind, dass sie den festen Grund nicht mehr gesehen haben, auf dem wir uns doch befinden. Es war uns das ein Beweis, wie notwendig es war, dass uns Gott aus vielem menschlich Behaglichem herausschüttlelte, denn sonst hätte sich am Ende Menschliches und Vergängliches auch in unseren Kreisen das Ansehen göttlicher Einrichtung erworben, wodurch wir eben auch eine unbewegliche, für die Erfordernisse neuer Zeiten unbrauchbare Richtung geworden wären, denn der Tod des Geistes sind unbewegliche Formen. Das lernen wir schon aus der Natur der Schöpfung, in welcher alles Leben in beweglichen Organismen, nicht in unbeweglichen Schubladen sich befindet.» (S. 32 bei Wolfgang Bittner (Hg.) bzw. S. 204 im Original).

Blumhardt will nur ein paar kleine «Vertrauliche Blätter» herausbringen. Er will kein Buch, keine öffentlichen Auseinandersetzungen. Er schreibt: «Unser Wunsch ist es, dass das, was wir empfangen haben da und dort, wo es hingelangt, in der Stille bewegt werde.» Dieser Satz ist stark, finde ich. Wir leben in einer Zeit, in der Viele ‹gehört› werden wollen. Auch wir als Kirche wollen gehört werden. Blumhardt legt keinen grossen Wert darauf. Obwohl er durch seinen Anschluss an die Arbeiterbewegung seiner Zeit ein öffentlicher Mensch war. ... Merkwürdig, oder?


Donnerstag, 12. September 2019
Ulrike schreibt: Mein Gott - sind die Tage gefüllt ...! Das Stadtfest ist mittlerweile vorbei - an dem wir als Kirchen in Liestal gemeinsam aufgetreten sind. Es hat sich absolut gelohnt, war aber ein Kraftaufwand. Gestern hatten wir ein grösseres Modul im (sogenannten) Strategieprozess, den wir als reformierte Kirchgemeinde gerade durchlaufen. Und heute Nachmittag haben wir als evangelisch-katholisch-freikirchliches Seelsorgeteam im Pflegezentrum Brunnmatt eine Weiterbildung im Rahmen von deren Palliative Care durchgeführt. Was wissen wir als Kirche, was wissen wir als glaubende Menschen über das Abschied nehmen und das Sterben? Welche Hilfen können wir anbieten?... Ich glaube auch dieser Nachmittag war gut. Es gab viel Austausch, viel wechselseitiges Interesse und Wohlwollen.

Wolfgang und ich waren letzte Woche von einigen Pfarrkolleginnen und -kollegen in Winterthur zu Impulsen und Gesprächen über das Verhältnis von Glaube und kulturellem Wandel eingeladen (‹Ewige Wahrheiten oder zeitbedingte Texte?›) Ich war nicht ganz so gut vorbereitet, wie ich es hätte sein sollen. Aber ich meine, dass der (denkerische) Weg, den Wolfgang und ich gehen, gut ist und zum weiteren Anteil-geben geeignet ist. Ladet uns gern in eure Gemeinden ein.

Am Montag starten wir mit einer neuen Reihe von Bibel Salons in Liestal. Wolfgang wird an sechs Abenden (drei Abende im September und drei Abende im November) Impulse zur Bergpredigt geben. Am ersten Abend - Montag, 16. September, 20 Uhr - laden wir zu uns in den Küngelbrunnenweg ein. Interessierte sind willkommen. Nähere Informationen findet man gleich hier: 2019 BIBELSALON Bergpredigt

Was mich zwischendurch immer wieder beschäftigt, ist, dass die Situation, in der wir als Menschen/ als Welt/ als Gesellschaften sind, so offen aufgedeckt liegt. Wir Menschen wissen genau, wie es um uns steht: Was wir andern Menschen antun, welche Menschen wir im Stich lassen, wo wir die Augen verschliessen. Es liegt alles offen auf dem Tisch. Und trotzdem führen viele von uns das Leben weiter wie gewohnt: «Denn wie sie waren in den Tagen vor der Sintflut – sie assen, sie tranken, sie heirateten und liessen heiraten bis an den Tag, an dem Noah in die Arche hineinging» (Matthäus 24,38) ... Ich frage mich, ob ich das auch tue oder ob ich mein Leben anders führe.


Samstag, 31. August 2019
Ulrike schreibt: Manchmal vergehen ein, zwei Tage, und mir kommt es vor, als sei eine ganze Woche vergangen. In der Kirchgemeinde war viel und ausserhalb auch. Über manche Begegnungen freue ich mich. Gestern zum Beispiel war ich ein Stündchen im Dichter- und Stadtmuseum Liestal. Ich dachte, ich schaue mal, was es für Material gibt, um mich auf das 400-Jahre-Kirchturm-Jubiläum vorzubereiten. Der Leiter, Stefan Hess - den ich durch die Ausstellung von Bildern von Rut Bischler schon gut kenne -, hat sich spontan Zeit genommen und mir Bücher und Bildbände gezeigt, in denen das frühe 17. Jahrhundert in Liestal dargestellt wird. Über manches habe ich mir als Deutsche nie Gedanken gemacht ("Gab es den Dreissigjährigen Krieg auch in der Schweiz?") Das ist schön, dass Institutionen hier in Liestal so nahe sind - und man sich kennt.

Gestern habe ich meine Brille abgeholt - die erste Brille meines Lebens. Mein Optiker ist der Bruder meiner Zahnärztin - auch daran merke ich, dass ich mittlerweile in Liestal zuhause bin. So gäbe es manches zu erzählen. Heute Nachmittag/ Abend hatten wir ein kleines Fest in unserer Strasse. Zwei Familien organisieren es in jedem Jahr für alle Anwohnenden. .... Auch das tut gut!

Ich habe mir ein neues Notebook gekauft, aber das erhitzt sich beim Streamen. Also bringe ich es heute in unseren Computerladen in Basel. Und bleibe dann gleich eine Weile in der Uni- Bibliothek. Da habe ich dann - durch einen Zufall - die Praktische Theologin Andrea Bieler getroffen. Ich selbst schreibe an meinem Manuskript über christliche Minderheiten - ausgehend von den Begegnungen und Interviews im Studienurlaub im letzten Jahr (siehe: 3months/blog) Frau Bieler untersucht ganz ähnlich, wie sich Gemeinden durch bewusste Integration von Menschen unterschiedlicher Herkunft verändern: welche Konflikte und welche Lernfelder gibt es, welche Bilder gemeinsamen Kircheseins rücken in die Mitte ... Das freut mich sehr, von anderen etwas hören und lernen zu können, das das Eigene ergänzt.


Mittwoch, 28. August 2019
Ulrike schreibt: Morgen gehen die Schweige-Exerzitien in Rasa zu Ende. Ich selbst habe nur punktuell teilgenommen und daneben allerlei Schreibtischarbeit für die Kirchgemeinde in Liestal erledigt. Und ich habe einige schöne Waldspaziergänge gemacht! Heute sollte ich noch einen Artikel fürs Liestal Aktuell schreiben. Solche Dinge. Hier oben in Rasa regnet es und ich habe ein letztes Mal den Holzofen gefeuert.

Wolfgang und ich werden bereits heute am späten Nachmittag Rasa verlassen - nach dem letzten Meditationsimpuls. Wolfgang hat morgen früh einen Termin in der Orthopädie bzw. der Chirurgie. Wir waren unmittelbar vor Rasa in der Notaufnahme in Liestal und das Problem mit der Hüfte ist immer noch aktuell.

Ein bisschen schade finde ich es, dass ich die Teilnehmenden nicht kennen gelernt habe. Das ist bei Schweige-Exerzitien nicht gut möglich. Es sind so interessante Menschen. Manche sind in der reformierten Kirche, andere in der ICF oder bei Campus für Christus oder in einem evangelischen Orden. So unterschiedliche Menschen, die Gott auf seinen Weg und in seine Kirche in dieser spannenden Zeit gerufen hat!


Freitag, 23. August 2019
Ulrike schreibt: Der erste Kurs der Schweige-Exerzitien schliesst morgen mit dem Gottesdienst. Morgen reisen auch schon die neuen Teilnehmerinnen und Teilnehmer an, manche bleiben auch die ganzen zehn Tage. Ich fahre morgen erst einmal zurück nach Liestal, weil ich am Sonntag mit der Gemeinde Feldgottesdienst auf der Sichtern feiere. Es sind einige Schwyzerörgeler dabei und der "Justin Bieber vom Seltisberg" :-) ..., ein junger Mann, der selbst Lieder schreibt und singt. Herzliche Einladung! In der Predigt hören wir auf das "Sorget nicht!" von Jesus aus der Bergpredigt. Interessanterweise ist es kein guter Ratschlag Jesu, sich nicht um das Morgen zu sorgen, sondern es ist ein Befehl: "Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiss, dass ihr all dessen bedürft."

Dass sie sich nicht sorgen, ist Kennzeichen der Menschen, die sich Jesus angeschlossen haben. Aber: wie geht das?

Hier in Rasa betrachtet Wolfgang mit den Menschen die Psalmen 133 bis 135. Wolfgang hat dabei das segnende Handeln Gottes vom rettenden und helfenden Handeln Gottes unterschieden. Meist reden wir davon, wie Gott in der Geschichte Israels rettend und helfend eingegriffen hat oder wie ER das heute in unserem Leben tut.

In diesen fünf Tagen wurden wir eingeladen, eine Offenheit für Gottes segnendes Handeln zu entwickeln. In Psalm 133 und 134 wird besungen, wie der Zion - das Ziel der Wallfahrt - ein Ort des Segens ist: "Dorthin hat der HERR den Segen befohlen (!), Leben bis in Ewigkeit." (Psalm 133,3) Der Zion ist der Ort, an dem wir gesegnet werden und an dem wir lernen zu segnen. ... Wolfgang meint, dass man hier vielleicht auch sehen lernt, wie Gott einen bisher gesegnet hat. Dass einem die Augen dafür aufgehen, wie viel Gutes Gott einem ins eigene Leben hineingesprochen hat.

Für mich ist verblüffend, dass Gottes segnendes Handeln allen seinen Geschöpfen gilt. Es ist Gottes Art, seine Schöpfung auch heute noch zu begleiten und erhalten und sich an ihr zu freuen. Jesus sagt: "Er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute, über Gerechte und Ungerechte." (Matthäus 5,45) Martin Luther sieht das auch so: Gott gibt das tägliche Brot allen, auch den "Bösen" - siehe die Erklärung des Unser Vaters im Kleinen Katechismus. "Wir" aber sind diejenigen, die Gott Dank sagen.

Der Psalbeter fordert uns auf, das Gute nicht wortlos hinzunehmen. Sondern wir sollen selbst "Gutes über Gott" aussprechen. Wir heben unsere Hände und segnen Gott. "Erhebt eure Hände im Heiligtum und segnet den HERRN." (Psalm 134,2). Die Menschen, die äusserlich oder innerlich nach Jerusalem wallfahrten, die machen das: Sie haben gute Worte über Gott. Sie segnen Gott.


Mittwoch, 21. August 2019
Ulrike schreibt: Seit Montag - also seit vorgestern - sind Wolfgang und ich in Rasa im Tessin. Wolfgang ist zweimal im Jahr hier oben - im März und im August für Schweige-Exerzitien. In diesen 10 Tagen führt Wolfgang in die letzten zwei Wallfahrtspsalmen (133 - 134) und den ersten der beiden 'Zusammenfassungs-Psalmen (135) ein.

Es war verrückt am letzten Wochenende. Kennen Sie das, wenn alles schief zu gehen scheint? Wolfgang läuft seit Ende letzter Woche mit zwei Krücken und das sehr mühsam. Er war vorher ziemlich heftig hingefallen. Es ist nichts gebrochen - was gut ist - aber in der Notaufnahme haben sie dann auch noch anderes gemerkt. Es gibt offensichtlich noch andere Probleme, was sich an den Blutwerten zeigt. Eine Einweisung wäre also ‹normal› und geboten ... Und dann den Ärzten zu sagen: «Sie haben recht, von dem her, was Sie sehen. Aber wir haben mittlerweile auch Erfahrung und gehen jetzt trotzdem nach Hause.» Da muss man einen ziemlich guten inneren Stand haben, um das durchzuziehen. Das Bibelwort für den Sonntag hiess: "Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohlmachen." (Psalm 37,5). Daran haben wir festgehalten - dass dieses "ER macht es wohl" auch für die Ereignisse am Sonntag gilt.

Die Fahrt am Montag ins Tessin war speziell, weil der Gotthard-Tunnel wegen eines Unfalls gesperrt war. Wir sind dann über den Gotthard-Pass gefahren und haben oben - in atemberaubend schöner Landschaft - vier Stunden im Stau gestanden. Bis wir dann über die alte Passstrasse in vielen kleinen Serpentinen abgefahren sind. Das war ein ganz eigenes Naturerlebnis. Vor allem aber waren wir dankbar, dass wir überhaupt unterwegs sind und überhaupt auf dem Weg nach Rasa sind.

Ich versuche, später noch etwas zu den Psalmen - und Wolfgangs Impulsen dazu - zu schreiben. Ich habe mir Arbeit aus der Gemeinde mitnehmen müssen, darum komme ich gerade nicht dazu, euch/ Ihnen mehr an den Schweige-Exerzitien teilzugeben. Heute scheint übrigens zum ersten Mal die Sonne. Die beiden ersten Tage hat es in Strömen geregnet, wir haben den Holzofen gefeuert und die Sachen davor getrocknet.


Mittwoch, 14. August 2019
Ulrike schreibt: Ich bin schon ziemlich viel in der Gemeinde unterwegs zur Zeit. Gestern habe ich gedacht, dass ich nachvollziehen kann, dass manche Pfarrpersonen daraus ihre Befriedigung ziehen: an vielen Orten willkommen und "gebraucht" zu sein. Das bringt einen in einen angenehmen Flow .... Wolfgang hat gelacht und gesagt, dass diese Erfahrung für Pfarrererinnen und Pfarrer nicht selbstverständlich sei. Nicht jeder Pfarrer fühlt sich willkommen und gebraucht. Da war ich wiederum verblüfft, weil ich dachte, das sei normal.

Gestern haben wir im Team die erste Abendfeier nach den Ferien vorbereitet. Herzliche Einladung für Sonntag auf 18 Uhr in die Stadtkirche. Die nächsten Male schauen wir hin, wie Jesus betet und was das Besondere ist, dass die Jünger von ihm lernen wollen ("Lehre uns beten" meint: "Lehre uns so mit Gott reden wie du mit Gott redest.")

Heute Abend werde ich dazu ein Bibelgespräch in unserer Gruppe Mt 11:28 - dem Kreis für Menschen mit Depression - anleiten. Ich freue mich darauf.

Und sonst das Übliche: Mein Notebook ist kaputt, ich habe mir vorgestern kurzerhand ein neues gekauft. ... Ich habe es mir zum ersten Mal selbst eingerichtet - was kinderleicht ist. Merkt man aber erst, wenn man es macht. ... Ansonsten haben wir Besuch in Liestal, morgen bekommt Wolfgang eine neue Brille und ich habe mich auch gleich für Beratung angemeldet. Ich sehe nämlich nicht mehr gut. Und lauter solche Sachen. Ich frage mich, ob diese einfachen Dinge früher auch so zeitaufwändig waren???


Samstag, 10. August 2019
Ulrike schreibt: Gestern habe ich mich an Psalm 84 gefreut. Als ich Ende Juni in Selçuk in der Westtürkei war, habe ich in einem Gästehaus übernachtet. Da haben in den Korridoren des Hauses Mauersegler ihre Nester unter die Decke geklebt. Die Vögel haben ihre Nester im Haus angebracht. Was vielleicht auch ein guter Schutz gegen Raubvögel ist (?)

Der Psalmbeter sagt, dass er es macht wie die Schwalbe. Die baut ihr Nest innen drin im Tempel. Das ist der Ort, von dem Gott versprochen hat, dass er dort wohnt. Der Psalmbeter will sich da ansiedeln, wo Gott anzutreffen ist. An Orten, in Gemeinden, wo Gott gelobt wird. Bei Menschen, an denen wir etwas davon sehen, dass sie Gott nahe sind.

Der Psalmbeter sagt, dass er sich sehnt nach einem Ort, wo Gottes Nähe zu spüren ist. Er freut sich daran, dass er sich niederlassen kann, wo Gott sich niedergelassen hat. Und schliesslich: es ist ein dynamisches Bild. Bei Gott zu wohnen, heisst, ihm «von Herzen nachzuwandeln» - da hinzugehen, wo ER auch hingeht:


«Wie lieblich sind deine Wohnungen, HERR Zebaoth!
Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN;
mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott.

Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen –
deine Altäre, HERR Zebaoth, mein König und mein Gott.

Wohl denen, die in deinem Hause wohnen;
die loben dich immerdar.

Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten
und von Herzen dir nachwandeln!» (aus Psalm 84)



Dienstag, 6. August 2019
Ulrike schreibt: Die Tage sind dafür, dass immer noch Ferienzeit 🌞🌳 ist, erstaunlich voll. In der Kirchgemeinde habe ich in diesen Wochen Beerdigungsbereitschaft - feiere also ab und zu eine Abdankung. Das klingt nüchtern, aber man muss bei jeder Familie gut hinschauen. Und es Gott zutrauen, dass ER mit Menschen redet. Also keine Manipulation versuchen ... Ich habe im Autoradio zufällig ein paar Vorträge von der Allianz-Konferenz in Bad Blankenburg gehört. Da gibt es schon Redner, die dem Glauben der Leute ein bisschen nachhelfen wollen.

In unserer Kirchgemeinde nehme ich in den Ferien an Veranstaltungen teil, zu denen ich es sonst eher nicht schaffe - zum Beispiel dem ökumenischen Taizégebet. Und dann sind da noch die ‹eigenen› Gruppen und Kreise und manche Einladung. Wenn ich Zeit habe, gehe ich - wie in den letzten Jahren - abends in Rheinfelden schwimmen. Und ich schreibe weiter an meinem Buch über kleine Gemeinden, die ich im letzten Jahr in der Türkei, in Ägypten, in Ostdeutschland usw. besucht habe. Das ist schön, ich brauche dafür aber immer ein paar Stunden Zeit am Stück.


Donnerstag, 1. August 2019
Ulrike schreibt: Heute ist der 1. August - Nationalfeiertag in der Schweiz. Ab dem späten Nachmittag feiert Liestal - wie jedes Jahr - auf der Sichtern. Das Stedtli liegt im Tal zwischen zwei Hängen. Am einen Hang - dem Schleifenberg - wohnen wir und auf dem gegenüberliegenden Hang ist die Sichtern. In drei Wochen ist dort oben auch Chornschüre-Stubete und dieses Jahr feiere ich dort Gottesdienst.

Gestern hat sich unser ‹Kreis für Menschen mit Depression› getroffen. Der ist überraschend schön und lebendig. Wahrscheinlich, weil alle Beteiligten miteinander «auf Augenhöhe» umgehen. Das Bibelgespräch ist so interessant, dass es auch in den Ferien gewünscht wird - bevor es zum Beispiel Abendessen im Garten gibt. Gestern ging es um die Heilung des Gelähmten in Johannes 5. Was heisst es, dass ein Mensch auf Jesu Wort hin «aufsteht, sein Bett nimmt und geht» (Johannes 5,8)?

Ich habe diese Woche Besuche gemacht und ich bin in dieser und den beiden kommenden Wochen für Beerdigungen/ Abdankungen zuständig. Diesen Dienstag habe ich eine gefeiert und nächste Woche ist es - bis jetzt - ebenfalls eine Abdankung. Auch da ist es gut, wenn Hinterbliebene und Pfarrperson einander auf Augenhöhe begegnen. Es nimmt zu, dass die Hinterbliebenen mir als Pfarrerin ersteinmal mit Skepsis begegnen. Damit meinen sie nicht mich, sondern die Kirche, heisst die Erfahrungen, die sie über Jahrzehnte hin hier und da gemacht haben. ... Da hilft nur, dass wir - als Kirche heute - unsere Arbeit gut machen. Dass wir gut hinschauen und hinhören und davon ausgehen, dass es Gottes Sache ist, Herzen zu finden.


Sonntag, 28. Juli 2019
Wolfgang schreibt: Ulrike hat heute eine besondere Predigt zum Apostel Philippus gehalten. Der kommt in der christlichen Verkündigung kaum einmal vor. So viel ist von ihm auch gar nicht zu erzählen. Er ist nicht der Wissende, wie vielleicht Petrus oder Johannes. Vielleicht ist gerade das das Besondere an ihm: Er stellt Fragen – und er weist andere auf Jesus hin: PHILIPPUS: KOMM UND SIEH! Die Predigt über Johannes 1,35-46 können Sie gleich hier anhören:


Ganz unten auf dieser Seite [dort, wo die Buchstaben blau werden] können Sie diese Predigt herunterladen unter: »2019-PHILIPPUS« .

Zum Anfang der Predigt hat Ulrike der Gemeinde Bilder von Pammukale bzw. Hierapolis und dem Grab des Philippus gezeigt. Näheres mit Bildern vom Grab von Philippus erfährt man bei www.heiligenlexikon.de/Literatur/Martyrion_Grab_Philippus.html.

Sie wollen mehr darüber wissen? Bilder finden Sie unter www.peraair.com/pamukkale-ancient-hierapolis. Am oberen Rand dieser Seite befindet sich eine Bildleiste. Wenn man eines der Bilder anklickt beginnt eine kleine Bilder-Show mit den Sinter-Terrassen von Pammukale, Baudenkmälern aus der römischen Epoche, der allgemeinen Begräbnis-Stätte (Nekropolis) und vom Martyrion des Philippus aus dem 5. Jahrhundert. Ausgesprochen interessant ist der Bericht vom Fund des wesentlich älteren Grabes des Philippus (ohne Bilder) durch italienische Archäologen: www.sendbote.com/content/sensationeller-fund-das-grab-des-apostels-philippus.


Freitag, 26. Juli 2019
Ulrike schreibt: Bei uns ist es so heiss, wie wohl fast überall. In den letzten Tagen haben Wolfgang und ich unser Blumenbeet im Garten neu bepflanzt - mit Rittersporn, Phlox, Lobelien, Blauraute, Echinacea usw. Das sieht schön aus. Wir sitzen jetzt auch viel auf der Terrasse, zum Beispiel für das morgendliche Bibellesen.

Die Tage sind ruhig, aber Wolfgang und ich sind gleichwohl beschäftigt. Bei Wolfgang melden sich Menschen zum Besuch und Gespräch an, er schreibt viele Emails und er bereitet die Schweige-Exerzitien in Rasa vor. Die sind jetzt - nachdem es erst wenige Anmeldungen waren - übrigens ‹voll›.

Ich selbst bin zu Besuchen in der Kirchgemeinde unterwegs. Gestern habe ich mit den Bewohnerinnen und Bewohnern des Pflegezentrums Brunnmatt Gottesdienst gefeiert. Als Seelsorgeteam sind wir aktuell angefragt, einen Weiterbildungstag für die Pflegepersonen des Brunnmatt durchzuführen. ... Übermorgen, am Sonntag, feiere ich Gottesdienst in der Stadtkirche. Herzliche Einladung für 9.30 Uhr.


immer noch Sonntag, 21. Juli 2019
Wolfgang schreibt: Ulrike hat heute über den 'offiziellen' Text zum heutigen Sonntag gepredigt: DIE SENDUNG JESU AN ALLE (Mtatthäus 9,35-10,1; vgl. den Eintrag dazu von Freitag, 19. Juli 2019). Diese Predigt können Sie gleich hier anhören:


Auf der Seite DOWNLOADS-AUDIO können Sie die Aufnahme dieser Predigt auch herunterladen: Ganz unten auf der Seite unter «2019 -Matthäus9».


Sonntag, 21. Juli 2019
Wolfgang schreibt: Endlich ist die Planung für den kommenden Studientag der FBG (Fritz Blanke Gesellschaft) am 5. Oktober 2019 abgeschlossen: «VOM SEGNEN UND VOM FLUCHEN». Worum geht es dabei?

«Segen» und «Fluch» sind grosse Worte. Wir ahnen, dass dahinter eine grosse Wirklichkeit steht, der man sich nur mit Scheu nähert. Was geschieht eigentlich mit mir, wenn ich von einem Menschen oder zusammen mit der Gemeinde in einem Gottesdienst gesegnet werde? Und: Wie ist das, wenn eine Last auf meinem Inneren oder auf meinem Lebenslauf liegt, die man früher Fluch genannt hätte? Bildet man sich so etwas bloss ein? Die Fragen gehen weiter: Kann auch ich andere Menschen segnen? Verändert sich wirklich etwas? Oder täusche ich mich und andere, obwohl alles unverändert bleibt? Wer ist zum Segnen berechtigt? Welche Voraussetzungen sind dafür nötig? Kann man nur Menschen segnen, oder auch Tiere, Gegenstände, Landschaften usw.?

Diesen Fragen gehen wir am Studientag nach. Wie reden die biblischen Texte über Segen und Fluch? Dabei entdecken wir: Segnen und Fluchen sind zwar Vorgänge, die sich auf das Leben von Menschen, Familien, Gruppen und auch von Völkern auswirken und die sich weit über die eigene Lebenszeit hinaus erstrecken. Überraschend aber ist, dass es sich dabei primär gar nicht um religiöse Vorgänge handelt. Sie gehören eher zum Alltag als zur religiösen Dimension unseres Lebens. Und: Im Unterschied zu unserer Vorstellung kann, ja soll in der Sprache der Bibel ein Mensch nicht nur andere Menschen segnen. Wir Menschen sollen auch Gott segnen.

Was bedeutet das alles? An diesem Studientag fragen wir, was man über Segen und Fluch wissen kann. Wo liegen Grenzen, die unserem Verstehen gesetzt sind? Daneben wenden wir uns dem weiten Bereich seelsorgerlicher Fragen zu, die mit der Erfahrung von Segen und Fluch verbunden sind.

Den Flyer für diesen Tag erhalten Sie gleich hier: 2019-Studientag-SEGNENundFLUCHEN. Wir freuen uns, wenn Sie Ihre Freunde sowie Menschen aus Ihrem Bekanntenkreis darauf aufmerksam machen.


Freitag, 19. Juli 2019
Ulrike schreibt: Die letzten Tage war ich in der Kirchgemeinde unterwegs. Jetzt sind Ferien, aber manche Kreise treffen sich trotzdem. Unser Kreis für Menschen mit Depression hat sich zum Beispiel zur Teilnahme am Tai Chi im Nachbarort getroffen. Das hat mich beeindruckt: Auf der Wiese vor dem Schulhaus in Frenkendorf sind am Mittwoch-Abend etwa 60-70 Menschen zusammengekommen. Eine Kursleiterin von der örtlichen Kampfsportschule leitet den Abend jeweils an. Die Bewegung im Freien tut gut, und ich freue mich, Menschen zu treffen, die ich kenne.

Eine andere Gruppe - der Stille-Kreis unserer Gemeinde - war gestern zum ‹Bräteln› im Wald. Heisst, wir haben an Stöcken Brotteig und Wurst über dem Feuer gebraten, Wein getrunken und hinterher Waffeln - im Feuer gebacken - zum mitgebrachten Kaffee gegessen. Das war wirklich schön.

Die Predigt für Sonntag ist in den Grundzügen fertig. Vorgeschlagen für diesen Sonntag sind die letzten Verse aus Matthäus 9 und der Anfang des 10. Kapitels:

«Und Jesus zog umher in alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilte alle Krankheiten und alle Gebrechen. Und als er das Volk sah, jammerte es ihn; denn sie waren geängstet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben. Da sprach er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist gross, aber wenige sind der Arbeiter. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende.» (Matthäus 9, 35-38)

(1) Alle - keine Vorauswahl
Jesus geht in alle Städte und Dörfer. Diesem ‹Alle› will ich nachgehen. Wie ist es, wenn man keinen Vorentscheid trifft? Menschen nicht in ‹interessant› und ‹weniger interessant›, ‹sympathisch› oder ‹nicht sympathisch›, ‹zu nah an mir dran› oder ‹zu weit von mir weg› einteilt??? Jesus geht zu allen. Es wird sich zeigen, dass manche Menschen ihn aufnehmen. Andere nehmen Jesus nicht auf. Aber das weiss Jesus nicht vorher, und wir wissen das auch nicht im Voraus.

(2) Lehren, ansagen, heilen
Jesus tut drei Dinge. Er «lehrt in ihren Synagogen». Es gibt etwas zu wissen und damit etwas zu lehren. Man kann wissen, wie Gottes Weg zu den Menschen und mit den Menschen aussieht. .Das ist mein Beruf als Pfarrerin, dass ich dieses Wissen mit Anderen teile.

Jesus «predigt das Evangelium von dem Reich». Was heisst das? Wörtlich: «Er sagt öffentlich die gute Nachricht von der Königsherrschaft». Gute Nachricht besteht darin, dass Gott die Herrschaft über alles Leben hat. Er befindet über alle - und kein anderer. Es sind nicht die Partner, es sind nicht die Kinder, es sind nicht die Nachbarn oder die Arbeitskollegen, deren Wort das letzte und bleibende Wort ist. Es ist Gottes Wort über mich, das gilt und das bleibt. Gute Nachricht ist es darum, weil ER es ist, der über mich befindet - und kein anderer.

Jesus «heilt alle Krankheit und alle Gebrechen». Dass Gott die Herrschaft in meinem/deinem/unserem Leben hat - dass sein Wort gilt - wird zeichenhaft sichtbar. Nämlich daran, dass diejenigen Menschen, die sich um Jesus sammeln und ihn hören, gesund werden. Die Heilung ist der äussere Ausdruck einer inneren Wirklichkeit. Wolfgang hat einmal ein Buch geschrieben: Heilung - Zeichen der Herrschaft Gottes (vierte Auflage 2006).

(3) Einstimmen in Gottes Anliegen
Es «jammerte» Jesus. Wörtlich heisst es, dass sich ihm die Eingeweide umdrehen. Er ist davon ergriffen und bewegt, dass Menschen nicht bei Gott sind. Sie sind wie Schafe ohne einen Hirten. Jesus will, dass seine Jünger diesen Blick teilen. Sie sollen «den Herrn der Ernte bitten», dass er Menschen sammelt. Dass sie zu Gott finden. Diese Bitte auszusprechen heisst, den erbarmenden Blick Gottes auch zu haben. Wenn wir diesen Blick nicht teilen, können wir die Bitte nicht mitsprechen. Jesus zieht die Jünger auf seinen Weg. Das beginnt damit, dass sie dasselbe sehen wie er.


Dienstag, 16. Juli 2019
Ulrike schreibt: Ich war ein paar Tage in Berlin und kehre morgen zurück nach Liestal. Für die Leserinnen und Freunde, die das nicht wissen: ich bin Berlinerin. Sonntag war ich bei und mit meinen Eltern im Gottesdienst in Bergfelde - das liegt nördlich von Berlin. Ich war überrascht, wie gut der Gottesdienst war: da hat jedes Wort und jedes Lied gestimmt. Die Pfarrerin - eine Ferienvertretung aus dem Nachbarort - sieht aus wie die Schauspielerin Heike Makatsch - mit breitem Mund und breitem Lachen :-)

Viel habe ich mir diesmal nicht angeschaut in Berlin. In der Emil-Nolde-Ausstellung im Hamburger Bahnhof war ich bereits gewesen (sehr sehenswert!). Der Fokus der Ausstellung liegt darauf, wie Nolde sein Leben nach 1945 neu erzählt und sich als Opfer des NS Regimes stilisiert hat. Ich habe mir in den letzten Tagen ein paar Bücher gekauft und nach langer Zeit wieder etwas am Stück gelesen.

In die neu eröffnete James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel wollte ich gehen, aber ich war einen Tag zu früh da ... Da kamen nur Kanzlerin Merkel und geladene Gäste und Journalisten hinein. Sieht aber schön aus, der neue Bau! Jetzt, wo ich öfter in der westlichen Türkei und bei Ausgrabungen war, habe ich nochmals einen anderen Bezug zum Beispiel zum Pergamonmuseum (= das antike Pergamon heisst heute Bergama und liegt nördlich von Izmir).

Ab Morgen bin ich in unserer Kirchgemeinde unterwegs. Am Sonntag feiere ich Gottesdienst in Liestal (9.30 Uhr) und Seltisberg (11 Uhr). Und am darauf folgenden Sonntag gleich nochmals. Herzliche Einladung!


Montag, 8. Juli 2019
Ulrike schreibt: Jetzt rücken bei uns langsam die Schweige-Exerzitien in Rasa in den Blick. Wer Erfahrungen mit Gott und mit sich selbst machen möchte, ist herzlich eingeladen, teilzunehmen. Die Schweige-Exerzitien finden vom 19. – 29. August statt. Man kann 5 Tage oder 10 Tage teilnehmen. Mehr Informationen finden Sie, wenn Sie links unter Schweigen im Tessin klicken. Wolfgang wird diesmal mit den Teilnehmenden die Psalmen 133 bis 135 betrachten.

Wolfgang will einer Unterscheidung nachgehen: Es gibt ein rettendes Handeln Gottes und es gibt ein segnendes Handeln Gottes. Von beidem wird uns in der Bibel erzählt. Erfahrungen von Rettung sind meist dramatischer als Erfahrungen von Segen. Es sind die ruhigen und unspektakulären Zeiten im Leben, in denen Gott segnend mit uns unterwegs ist. Um diese Zeiten soll es diesmal gehen.

Die biblische Antwort auf Segen besteht darin, dass Menschen Gott ebenfalls «segnen». Die deutschen Bibeln übersetzen das mit «loben». Vielleicht darum, weil es für unsere Ohren merkwürdig klingt, dass auch Gottes Volk Gott segnet? Das Lob, der Lobpreis, ist die Antwort auf Gottes segnendes Handeln. Was heisst es, sich in das Lob, in das «Gott Segnen» einzuüben? Wie geht das?


Samstag, 6. Juli 2019
Ulrike schreibt: Ich bin schon wieder ein paar Tage zurück aus der Türkei - seit Mittwoch. Neun Tage waren eine gute Zeit - viel länger hätte es ohne Wolfgang auch nicht sein müssen. Den letzten Tag habe ich in Selçuk verbracht, das ich von früheren Besuchen her gut kenne. Diesmal habe ich in einem einfachen Guesthouse gewohnt. Das hat einen wunderschönen Innenhof und ich habe in den Gesprächen mit anderen Gästen einiges neu gehört bzw. gelernt. Eine Frau aus Taiwan hat mir erzählt, dass es in Taiwan nicht mehr üblich sei zu heiraten. Es sei gesellschaftlich akzeptiert, alleine und kinderlos zu bleiben. Das wird gar nicht als Verlust empfunden. Sie selbst würde sich in ihrer Herkunftsfamilie und ihrem Freundeskreis genauso aufgehoben fühlen, wie andere Menschen das in einer Ehe tun. .... Das fand ich interessant. Dass sie es nicht als Einzelerfahrung beschreibt, sondern als gesellschaftliches Phänomen.

Der Flug von Izmir zurück nach Basel mit SunExpress (einer Billig-Airline) war ausgesprochen angenehm. Am Mittwoch Abend haben wir uns gleich noch als ‹Kreis für Menschen mit Depression› getroffen. Der Kreis ist in letzter Zeit sehr gewachsen. Diesmal hat einer von uns zum Bibelgespräch und zum Abendessen zu sich nach Hause/ in den Garten eingeladen. Ich bin sehr beeindruckt und glücklich darüber, welches gute Niveau und welche Offenheit unsere Gespräche haben. So soll es sein. Das alles getragen von Herzlichkeit und Liebe. Es ist schon interessant, wie jede/r Einzelne darin seine Aufgabe und Begabung hat. Es braucht unsere Verschiedenheit.

Wolfgang und ich nutzen die Ferienzeit, um uns mit der Familie und mit Freunden zu treffen. Gestern waren wir zum Beispiel mit Wolfgangs Kindern im Freilichtmuseum Ballenberg. Da kann man schön essen (wirklich) und am Abend dann eine Aufführung im Freilichttheater besuchen. Wir haben gestern ‹Romeo und Julia auf dem Dorfe› von Gottfried Keller gesehen. Eigentlich war es gut, aber ich kannte viele ‹alte› Worte und Wendungen nicht. Heisst, dass ich keine einzige der lustigen Passagen verstanden habe .... :-)


Montag, 1. Juli 2019
Ulrike schreibt: Gestern Nachmittag habe ich Izmir verlassen. Es ist mir diesmal schwer gefallen, einen neuen Ort zum Übernachten zu finden. Das kleine Städtchen Siǧacik, das mir als abgelegen empfohlen worden war, war vollkommen überlaufen - zugeparkt von Ausflüglern.

Jetzt bin ich in einem Küstenort auf halber Strecke zwischen Seferihisar und Kuşadasi. Man kann auf der Strandpromenade entweder nach Westen hin laufen (was wegen der Hitze kaum auszuhalten ist), oder man kann nach Osten hin laufen (was genauso heiss ist). Kühl ist tatsächlich nur das Meer. Ich habe ein Zimmer in einem kleinen Hotel direkt am Meer – also an eben dieser Strandpromenade – gemietet. Das Wasser ist herrlich und ich war heute oft baden. Ich kenne ja bisher nur die griechische Ägäis - nicht die türkische. Morgen fahre ich nach Selçuk/Ephesus weiter - und schaue mir nochmals die Ausgrabungen an.

Ein Eindruck noch aus Izmir: Ich habe mich abends – wie auch beim letzten Besuch 2018 – in einen nahegelegenen Park gesetzt. bzw. ich bin im Park spazieren gegangen. Ab etwa 20 Uhr beginnt sich der Park mit Familien zu füllen. Nachmittags sind vor allem junge Leute von der nahegelegenen Universität da. Am Abend sind es dann ganze Familien. Viele kommen mit kleinen Kindern. Auf den Rasenflächen sitzen Familien auf Decken und Klappstühlen und picknicken. Viele haben einen tragbaren Ofen fürs Teekochen mitgebracht. Der wird erst einmal gefeuert. Die Kinder spielen derweil und lachen und die Atmosphäre ist sehr entspannt. Es sind vor allem Väter, die mit ihren Kindern spielen, während die Mütter sich unterhalten und fürs Essen sorgen.

Auf soviel offensichtlich gutes Miteinander könnte ich fast neidisch werden. Es ist so normal. Für mich gehören die Erinnerungen an gemeinsames Picknicken und Ausflüge in die Kindheit. Da sind unsere Eltern im Sommer jeden Abend mit uns ins Freibad gefahren - sobald mein Vater von der Arbeit gekommen ist. Mit Decke und Essen in Plastikdosen und mit Getränken. Keiner von unserer Familie wäre auf die Idee gekommen, am Kiosk im Freibad Geld auszugeben ... Mit dem Älterwerden haben sich die gemeinsamen Ausflüge dann verloren. Es schien ‹normal›, dass man jetzt seine eigenen Wege geht. Wahrscheinlich hat der Gemeinschaftssinn in der Türkei auch ein paar Nachteile. Er hat aber auch etwas Schönes: das selbstverständliche Zeit-miteinander-haben.


Samstag, 29. Juni 2019
Ulrike schreibt: Ich bin seit zwei Tagen in Izmir. Es ist alles ein bisschen ruhiger als ich es mir gedacht habe. Aber das macht nichts. Heute war ich in der Stadt unterwegs und habe mir das Museum für Kunst und Geschichte (trotz des Namens ein archäologisches Museum) im Kulturpark angeschaut. Ich dachte, ich fahre mit dem Taxi, um entspannt anzukommen, aber der Taxifahrer hatte auch nicht mehr Ahnung als ich...

Im Museum war ich tatsächlich die Einzige, aber vielleicht lag das auch an der frühen Uhrzeit. Ich habe für mich nicht viel Neues entdeckt - brauche einfach mehr Beschriftungen und Erklärungen. Darum war ich dann erstmal schön frühstücken und danach im Arkas Museum für moderne Kunst direkt am Meer. Die Ausstellung über Post-Impressionisten ist wirklich gut - schöne Bilder von Künstlern, die ich überwiegend nicht kannte. Highlight war dann der Spaziergang an der Uferpromenade - wie im letzten Jahr. Die lange Uferpromenade ist in meinen Augen der schönste Ort in der Stadt.

Jetzt werde ich gleich am Gottesdienst der arabisch sprechenden Gemeinde teilnehmen. Ertan, der Pastor, hat mir von aktuellen Gemeindegründungen in und um Izmir erzählt. Es sind oft Flüchtlinge aus dem Iran und dem Irak, die einen Ort für ihren Glauben suchen und um die herum eine Gemeinde entsteht. In der Türkei ist es wichtig, sich als Verein zu registrieren und einen Raum zu mieten. Damit wird die Gemeinde in staatlicher Perspektive ‚offiziell‘. Das Anmieten von Räumen kostet aber Geld, und an dieser Stelle brauchen die Christinnen und Christen Hilfe.

Morgen bin ich im türkischsprachigen Gottesdienst und halte die Predigt. Ich werde über Lukas 10,1-10 sprechen - die Aussendung der 70. An diesem Text entdecke ich selbst ständig Neues. Es ist doch merkwürdig zum Beispiel, dass Jesus seine Jünger nicht anweist, für „die Ernte“ zu bitten. Die Ernte ist bereits da: Menschen, die darauf warten, das Evangelium zu hören, weil Gott sie bereits vorbereitet hat.

Gefreut hat mich ein Link zur Homepage der Gemeinde Istanbulprojekt - einer Neugründung. Ich habe für meine Dissertation von 2010-2012 die Gemeinde Berlinprojekt besucht und junge Menschen interviewt: „Warum fühlt ihr euch in dieser Gemeinde Zuhause?“ Junge Menschen aus dem Berlinprojekt haben danach die Gemeinde Hamburgprojekt gegründet und die wiederum die Gemeinde in Istanbul. Das ist so was von schön und ermutigend.

Heisst auch: Man kann etwas wissen und lernen darüber, wie Gemeinden mit jungen selbstbestimmten Menschen ‚funktionieren‘. Wer mein Buch ‚Gesucht und gefunden. Wie Gemeinde zum Zuhause wird‘ (2019) nicht kennt, der kann überlegen, ob er/sie einmal reinschaut. Erhältlich in jeder Buchhandlung oder auch direkt bei mir. In dem Buch finden sich meine Interviews mit Leuten des Berlinprojekts in Berlin, von dem aus die Gründungen in Hamburg und jetzt in Istanbul ausgegangen sind. Ich bringe m.E. gut auf den Punkt, was sie ‚richtig machen‘ und was ich selbst davon gelernt habe.

Wolfgang ergänzt:Das im Februar 2019 erschienene Buch ist bereits jetzt Juni 2019 in zweiter Auflage neu gedruckt. Aufgrund der lebendigen Interviews ist das Buch nach Zeugnis von vielen Leuten geradezu spannend lesbar. Ich wäre froh, wenn Sie in Ihrem Freundeskreis darauf hinweisen.


Mittwoch, 26. Juni 2019
Ulrike schreibt: Die ersten drei Tage Reisezeit sind vorbei. Gestern habe ich mir die Ausgrabungen von Tripolis (nicht das in Libyen, sondern das in Westanatolien 😋) und von Sardes angeschaut. Zwischendurch habe ich gut zu Mittag gegessen - klassisch mit «in der Küche in die Töpfe gucken» - und am Abend in der Stadt Salihli übernachtet, einfach, weil mein Reiseführer da ein Hotel vorgeschlagen hat und ich keine andere Unterkunft wusste. Die Stadt war wegen Mittwoch=Markttag vollkommen überfüllt. Ich bin froh, dass ich keine zaghafte Autofahrerin bin ...

Am Abend war ich in Salihi essen, in ‹irgendeinem› Lokal. Der gute Umgang mit mir hat mich sehr berührt. Da war ein Kellner, fast schüchtern, mit ganz empfindsamen Augen. Er hat mich herein gebeten, weil es draussen zu warm zum Sitzen sei. Ich habe eine Hühnersuppe bestellt und die beste Hühnersuppe bekommen, die ich in meinem Leben gegessen habe. Und dazu eine Pide mit Käse und Sucuk. Eigentlich ein ‹kleines› Essen.

Dann aber hat der Kellner Tellerchen um Tellerchen gebracht, mit dieser und jener Beilage drauf, dann ein Ballonbrot mit Kreuzkümmel und Sesam und Joghurt. Auf meine verwunderte Frage hin meint der Kellner nur, das sei «umsonst». Schliesslich steht der Tisch voller Tellerchen, und es schmeckt wirklich gut! Der Kellner hat mir bei jedem Erscheinen von neuem einen guten Appetit gewünscht.😍

Zum Schluss war ich auf die Rechnung gespannt. Und sieh an, es waren die ursprünglichen 25 TL (4,40,- CHF), was nicht ansatzweise dem genossenen Essen entsprochen hat. Mich hat das berührt, weil ich keine Berechnung gespürt habe, sondern Freundlichkeit. Ich habe dann schon deutlich mehr Geld hingelegt, aber ich hatte den Eindruck, dass ich das nicht ‹muss›.


immer noch Mittwoch, 26. Juni 2019
Wolfgang schreibt: Meine E-Mail-Verbindung unter wbittner@bluewin.ch funktioniert wieder. Danke für alle Geduld. Allerdings: Mails, die Sie mir zwischen Sonntag, 23. Juni abends [ab 21:00 Uhr] bis soeben gesandt haben, sind vom System gelöscht worden. Falls Sie mir also in dieser Zeit geschrieben haben bitte ich Sie, mir Ihre Zeilen nochmals zu senden. Danke.


Mittwoch, 26. Juni 2019
Ulrike schreibt: Gestern war ich früh um 6.30 Uhr oben auf dem Ausgrabungsgelände von Hierapolis, wo auch die weissen Kalksteinbecken sind, von denen Pamukkale seinen Namen hat. Zwei Stunden später war es schon so heiss, dass ich froh war, zum Frühstück gehen zu können. Bei den Ausgrabungen hat mich am meisten das Grab des Philippus mit der Kirche nebendran berührt. Philippus ist einer der Zwölf und wird mehrmals im Johannesevangelium erwähnt. Wahrscheinlich ist Philippus zusammen mit einer seiner Töchter in Hierapolis (Pamukkale) als chiristlicher Märtyrer gestorben.

Philippus' Grab war in der Antike ein Pilgerort. Man steigt den Berg hoch, überquert ein Flüsschen, steigt eine Treppe hoch, wo auf halber Höhe - vor dem Erreichen der Kirche - ein öffentliches Bad gebaut wurde. Entspannt und gereinigt - so stelle ich mir das jedenfalls vor - kommen die Christen, die Philippus aufsuchen, dann oben am Grab an. ... Ich finde die Frage nach Pilgerorten schon noch wichtig: Wer sind die Menschen - ob lebendig oder schon gestorben - an denen ich mich orientiere und an denen ich wachse? Deren Glauben und Leben ich anschaue, um von ihnen für meinen eigenen Glauben und mein eigenes Leben zu lernen? Lernen verstehe ich dabei nicht nur ‹kognitiv›, sondern als Weg einer persönlichen Aneignung. ... Wer sind die Menschen, an denen ihr wachst/ an denen Sie wachsen?

Gestern war ich auch noch in Laodicea. Das ist einer der sieben Orte in Kleinasien, an die Johannes die sogenannten Sendschreiben (die Offenbarung des Johannes) richtet. Laodicea ist nur etwa 12 km von Pamukkale entfernt. Ich habe nicht viel erwartet und war dann schwer beeindruckt. So sehr, dass ich am Abend ein zweites Mal rausgefahren bin, um die Ruinen abzulaufen. Ich habe selten so grosse und so ambitionierte Ausgrabungen gesehen: Prachtstrassen, öffentliche Bäder, Gymnasien, mehrere Marktplätze, viele Tempel und sieben Kirchen sind ausgegraben und aus den originalen Teilen rekonstruiert worden. Es ist unglaublich. Man sieht sofort, dass Laodicea eine reiche Stadt gewesen ist - auch aus der historischen Distanz. Die Kirchen sind zum Teil im 4. Jahrhundert entstanden (vor 380 v. Chr.)!!

Ich habe in Laodicea zum ersten Mal eine Hauskirche gesehen. Eine Hauskirche wird jetzt gerade freigelegt und war eigentlich noch nicht zur Besichtigung freigegeben. Aber ich stand so neugierig davor herum, dass die Arbeiter mich zum Besichtigen hereingebeten haben 😉 Damals haben wohlhabende Bürgerinnen und Bürger innerhalb ihres Hauses - angrenzend an den grosszügigen Innenhof - einen Raum als Versammlungsort für die christliche Gemeinde geschaffen. Christinnen und Christen haben in ihren Häusern eine Kirche gebaut.

Heute fahre ich mit dem Mietwagen nach Sardes weiter. Das ist etwa 120 km von hier entfernt. Und morgen früh bin ich zu Gast in der evangelische Gemeinde in Izmir. Am Vormittag treffe ich mich mit Ertan, dem Pastor der Gemeinde, am Nachmittag mit einer jungen Islamwissenschaftlerin an der Universität und am Abend bin ich zum Bibelgespräch wieder in der Gemeinde.

Wolfgangs E-Mailkonto funktioniert gerade nicht. Grund dafür ist, dass ich unseren Telefon-/ bzw. Netzanbieter gewechselt hatte, ohne an die Folgen für unsere Mailkonten zu denken. Bitte schicken Sie dringende Mails an Wolfgang vorerst an mich. Ich gebe dann Wolfgang Bescheid.



Montag, 24. Juni 2019
Ulrike schreibt: Mit dem Mietwagen bin ich von Izmir aus ca. drei Stunden über die Autobahn erst nach Süden und dann über Landstrassen nach Osten gefahren: über Aydin in Richtung Denizli, wo auch das kleine Städtchen Pamukkale/ das antike Hierapolis liegt. Ich habe noch nicht rausgefunden, nach welchen Gesetzmässigkeiten man hier Auto fährt. Alle paar hundert Meter soll man wegen grösseren Kreuzungen, Wohngebieten oder Städtchen von 90 auf 50km/h reduzieren. Aber irgendwie macht das keiner (ausser mir). Mich haben heute massenweise Lastwagen überholt, denen ich zu langsam fahre 😎.

Beim Zwischendurch-Pause-machen ist mir die Hitze entgegengeschlagen. Es ist, als ob man sich mit dem Po auf einen Grill setzt - eine brennende Wärme. In Pamukkale angekommen - kleine Pension, nicht sehr geschmackvoll, aber freundlich und sauber - habe ich mir das Städtchen und die weltberühmten Kalkterassen von unten angeschaut. Man kommt schnell mit allen möglichen Leuten ins Gespräch. Noch sind kaum Touristen da und die Stadt wartet auf Menschen, auf Gäste, auf Gesprächspartner.

Die Kalkterrassen sehen aus wie ein schneebedeckter Hang, aber nicht wie auf den Bildern im Internet. Ich habe sie mir anders vorgestellt, - nicht so trocken. Am Fuss der Kalkterrassen ist ein Park mit einem sehr schönen See und allerhand Ausflugsgastronomie. Mal gucken, was ich morgen sehe.


Sonntag, 23. Juni 2019
Wolfgang schreibt: Seit heute Abend funktioniert mein E-Mail-Programm nicht mehr. Das heisst: Im Moment kann ich keine E-Mails mehr empfangen bzw. versenden. Wenn Sie mich erreichen wollen, dann senden Sie bitte Ihr E-Mail an Ulrike: ulrike.bittner@bluewin.ch. Sie wird es mir dann vorlesen. Auch SMS erreichen mich: 0041 79 632 75 52. Ich hoffe, dass sich das Problem bald lösen lässt.


Samstag, 22. Juni 2019
Ulrike schreibt: Ich bin gestern Abend vom Ferien-/Bibelkurs in Moscia am Lago Maggiore zurückgekommen. Ich brauche den Tag heute in Liestal zum Vorbereiten. Denn ab Montag sind wir in Izmir, in der Türkei, zum Urlaub.

Wolfgang ist heute Nachmittag - nach Abschluss des Kurses - aus Moscia zurückgekommen. Wolfgangs sieben Impulse zum Zusammenhang von Glauben und Gebet waren grossartig. Ich hoffe, dass er sie verschriftlichen lässt.

Eigentlich wollten wir am Montag miteinander nach Izmir fliegen und dort vor allem die evangelischen Geschwister besuchen. Wir haben uns sehr darauf gefreut. Nun ist es aber so, dass Wolfgang Anfang Juni im Krankenhaus war. Er traut sich das Unterwegssein und die Hitze in Izmir nicht zu. Das Tessin ging gut, aber in Izmir steigt die Temperatur auf 38°C. .... Es sieht so aus, dass ich am Montag alleine reisen werde. Das ist nicht soooo toll, besonders im Blick auf die Begegnungen mit der Gemeinde. Aber es ist möglich. Ich habe heute einen Mietwagen gebucht und mir einen Plan für die ersten drei Tage gemacht. Ich werde am Montag vom Flughafen in Izmir aus mit dem Auto nach Hierapolis/ Pamukkale fahren. Die Türkei ist so wunderschön, dass mir das Autofahren über Land Spass macht. Das war letztes Jahr auch so. Die Ausgrabungen in Hierapolis gehören zum UNESCO Welterbe. Es sind Thermalbäder, Brunnen, Theater und Tempel aus dem ersten und zweiten Jahrhundert nach Christus erhalten. Das freut mich, auf diese Weise der Zeit und Kultur des Paulus begegnen zu können.

Auf dem Rückweg nach Izmir - wo ich ab Donnerstag in der Gemeinde bin - möchte ich in Sardes halt machen und übernachten. Das ist eine der sieben Städte, an die Johannes die Sendschreiben der Offenbarung gerichtet hat. ... Für mich noch unbekannt - ich freue mich darauf!


Dienstag, 18. Juni 2019
Ulrike schreibt: Jetzt sind schon die ersten Tage des Ferien-/Bibelkurses in Moscia vorbei. Moscia ist ein kleiner Ort, nahe bei Ascona im Tessin. Das Haus der VBG (= Vereinigte Bibelgruppen der Schweiz) liegt am Seeufer des Lago Maggiore. Auf dem Grundstück grünt und blüht es, man meint, noch viel weiter im Süden zu sein. Das Wasser ist direkt vor der Tür und ich gehe mehrmals am Tag baden. Die meisten andern auch :-) ... An den Vormittagen bieten Wolfgang und ich biblische Impulse zu Glauben und Gebet an. Nach dem Nachtessen ist jeweils eine Stunde Gespräch für die, die das möchten. Wolfgang wird hier einen der Impulse zum Nachhören - oder zum erstmaligen Hören - bereitstellen.

Wolfgang schreibt: Hier also ein Beitrag aus unseren Tagen im Tessin: die Predigt von unserem Gottesdienst am Sonntag. Auch eine rechte Anzahl von Feriengästen des Hauses waren im Gottesdienst mit dabei. In den ersten 15 Minuten gab es einen Rückblick: ZU WEM beten wir? Danach der Hauptteil: ALS WER beten wir? Die Texte sind zwei 'alte Bekannte': Römer 8,14-18 sowie Lukas 15,25-32.
Die Predigt können Sie gleich hier anhören:


Auf der Seite DOWNLOADS-AUDIO können Sie die Aufnahme dieser Predigt auch herunterladen: Ganz unten auf der Seite unter «2019 - Gebet 2-Selbstbild».


Samstag, 15. Juni 2019
Ulrike schreibt: Die Woche war unglaublich voll. Gestern bin ich am Abend zum ersten Mal iin diesem Jahr ins Freibad gegangen. Ich mag das Bad in Rheinfelden (direkt am Rhein) sehr - und gestern Abend war es herrlich leer. Im Rhein war ich nicht - der hat auch in Ufernähe eine Wahnsinnsströmung, aber im Schwimmerbecken.

Heute fahren Wolfgang und ich zur Ferien-/ Kurswoche nach Moscia. Die Abendfeier am Sonntag wird trotzdem in der Stadtkirche gefeiert! Fritz und Cornelia Friedli bereiten den biblischen Impuls zu Lukas 7,36-50 vor - zur Frau, die ‹viel liebt‹, weil ihr ‹viel vergeben wurde‹. Interessant finde ich, dass Jesus vom Verhalten dieser Frau und vom Verhalten des Gastgebers Simon her ableitet, wie es um die beiden steht. Ich nehme an, dass man das von meinem bzw. unserem Verhalten heute genauso ableiten kann. 😎
Die Gitarristn Judith Blunk gestaltet die Abendfeier mit. Herzliche Einladung auf 18 Uhr in die Stadtkirche!


Donnerstag, 13. Juni 2019
Ulrike schreibt: Für den Gottesdienst gehe ich jetzt gleich ins Pflegezentrum Brunnmatt und am Abend bin ich bei einem ‹Stille Kreis› in unserer Gemeinde. Morgen besuche ich jemanden, der wieder in die Kirche eingetreten ist, nehme an einer Arbeitssitzung teil und bin bei einem Empfang zur Zertifizierung der Palliative Care im Pflegezentrum Brunnmatt. Am Wochenende geht es in die Ferien-/Kurswoche in Moscia - siehe Wolfgangs Eintrag unten.

Heute ist für mich ein besonderer Tag. Es ist der letzte Tag, an dem ich noch Pfarrerin der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg - schlesische Oberlausitz - ja, so heisst sie - bin. Vor gut zehn Jahren - 2008 - habe ich mich von meiner Berliner Heimatkirche beurlauben lassen und wurde Pfarrerin der reformierten Kirche in Liestal und Seltisberg.

Indem ich mich aus der Berliner Kirche habe entlassen lassen, kann ich nicht mehr zurückkehren. Das hat arbeitsrechtliche Gründe, denn in Deutschland haben Pfarrerinnen und Pfarrer - anders als in der Schweiz - einen beamtenähnlichen Status. Seit 1992 - mit Abschluss meines Theologiestudiums - habe ich in meiner Kirche gearbeitet: erst als Vikarin in Caputh und Geltow (Kreis Potsdam), dann (ab 1995) in einem Projektpfarramt in Berlin-Tempelhof (‹Missionarische Initiative Tempelhof›). Von 1998 bis 2000 war ich drei Jahre für die Studentenmission in Deutschland (SMD) unterwegs und habe Studierende in Berlin, Greifswald, Magdeburg usw. begleitet. Von 2001 bis 2008 haben Wolfgang und ich in Eisenhüttenstadt gelebt. Ich war Gemeinde- und Schulpfarrerin.

Das sind viele Erfahrungen mit Gott, mit der Berlin-Brandenburgischen Kirche und mit Menschen. Vielen Menschen ‹von früher› bin ich in Jesus verbunden und habe sie in meinem Herzen. Nun gibt es also kein ‹Zurück› mehr, sondern wir ‹bleiben›. Ein ganz neues Gefühl 😳


Mittwoch, 12. Juni 2019
Wolfgang schreibt: Ab Samstag werden wir für eine Woche in Moscia am Lago Maggiore im Tessin sein: BIBEL-IMPULSE und FERIEN. Das Thema lautet «VOM GLAUBEN UND BETEN». Wir freuen uns sehr auf diese Tage. Damit Sie uns ein wenig begleiten können finden Sie hier die Hauptthemen der einzelnen Tage (jeweils am Vormittag). An den Abenden treffen wir uns zum vertiefenden Gespräch über weitere Fragen, die sich mit Glauben und Beten verbinden. Die Liste der möglichen Gesprächsthemen ist lang und wird immer länger … Hier also das Programm für die Vormittage:

Sa 15. Juni 2019 (1) Gebet und Gottesbild
Matthäus 6,5-15; Jesus als Beter Mk 1,35
Quantität oder Beziehung: zu Lk 11,5-9 und 18,1-8

So 16. Juni 2019 (2) Gebet und christliches Selbstbild
Römer 8,14-17; Lk 15,25-32

Mo 17. Juni 2019 (3) Vater und Kinder
Gott als „Abba“ Jesu und als unser „Abba“
Unser-Vater (Aufbau und Praxis) Mt 7,9-13; Lk 11,1-4;
die drohende ‚Infantilisierung‘ des Glaubens und Betens …
der Ernstfall: Verständnis von ‚Führung‘ (Apg 16,6-10)

Di 18. Juni 2019 (4) Jesus findet (und sucht) den Glauben
Joh 1,11-13; Mt 15,21-28; Joh 5,19ff; Mt 8,5-13

Mi 19. Juni 2019 (5) Was der Glaube ist und woher er kommt
Joh 1,11-13; vgl. 6,35-40.44f
das ‚Mass‘ des Glaubens (Römer 12,3ff; 1. Kor 12,9;
vgl. die Talentgleichnisse: Lk 12,48; Mt 25,14-30; Lk 19,11-27
Glaube als ‚Grundlage‘ des Betens: Mk 11,20-24
vgl. Aussagen zum Zusammenhang von Beten und Glauben:
Senfkorn Mt 17,20 par [vgl. 13,31par]
Berge versetzen Mt 17,20; 21,21; Lk
‚Mehre‘ uns den Glaube Lk 17,5ff; vgl. Mk 9,23f

Do 20. Juni 2019 (6) Beten „im Namen Jesu“
Joh 14,10-14; vgl. 15,7.16; 16,23.26
Gibt es ‚Bedingungen‘ für das Gebet? - siehe die biblischen Aussagen
zum Gebet unten …

Fr 21. Juni 2019 (7) der wahrhaftige Ort des Gebets
… Gott in uns … das Gebet in uns
Trinität: Gott als liebendes Gespräch
Beten heisst einstimmen in das innere Gespräch Gottes …

Sa 22. Juni 2019 (8) Gebet und Segen …
Was bedeutet ‚Segen‘?; der Vorgang des Segnens; wer kann segnen?
Um den Segen bitten?! die Unterscheidung zwischen Gebet und
Segen; der Zusammenhang von Beten und Segnen …


Sonntag, 9. Juni 2019
Ulrike schreibt: Dass ich zur Zeit etwas weniger auf unserer Homepage schreibe, liegt nicht daran, dass ich wenig erlebe. Im Gegenteil. Ich habe nicht genug Zeit und Abstand, um aufzuschreiben, was mir durch Kopf und Herz geht.

Heute ist Pfingsten. Ich freue mich daran, dass Jesus und der Vater durch den heiligen Geist in mir Wohnung genommen haben (Johannes 14,23). Ich habe aber den Eindruck, wenn ich es mir nicht selbst sage - predige -, dann sagt es mir auch kein anderer. Wo höre ich Freude daran, dass Gott in uns Wohnung genommen hat? Wer freut sich? Ich fühle mich Theresa von Avila verbunden. Sie schreibt: «Hätte ich früher gewusst, dass solch ein grosser HERR im Palast meiner Seele wohnt, dann hätte ich ihn nicht so oft alleine gelassen.» Als sie begonnen hat, das zu entdecken, hatte sie grosse Freude an Jesus.

Heute hat unsere Kirchgemeinde - mit mir als Pfarrerin - mit den beiden Nachbargemeinden und ihren Pfarrerinnen und Pfarrern Pfingstgottesdienst gefeiert. Unter freiem Himmel. Der war sehr schön und entspannt und reich an Begegnungen.

Die kommende Woche bin ich jeden Tag in unserer Gemeinde unterwegs. Wer dazu kommen will: Am Mittwoch Nachmittag (17.30 Uhr) haben wir unseren Kreis für Menschen mit Depression. Er ist recht gewachsen und das gute Miteinander ist beglückend. Am Abend (19.30 Uhr) startet einer unserer Bibelgesprächskreise neu. Wir treffen uns für den Auftakt im Küngelbrunnenweg 1. Wenn noch jemand dazu kommen will, kann er/ sie sich bei mir melden.


Sonntag, 2. Juni 2019
Wolfgang schreibt: Ulrike hat heute eine eindrückliche Predigt über das Gebet des Jona (Jona Kapitel 2) gehalten. Wie geht es einem Menschen, der sich innerlich und äusserlich aufgegeben hat und nur noch immer weiter in die Tiefe sinkt? Aber hören Sie selbst:



Morgen Abend treffen wir uns zur 'Fortsetzung' – also zu Jona 4 – in Seltisberg. Dabei geht es u. a. um die Frage, wie man mit unguten Gefühlen (bis zum Zorn) gegenüber Gott umgeht, oder besser: Wie geht Gott damit um? Man kann gerne dazu kommen, auch wenn man vorher nicht dabei war. Genaue Angaben links unter "BIBEL-SALON".


Ulrike schreibt Heute fahre ich mit dem Motorroller am Freibad in Liestal vorbei und sehe über Zäune und Hecken hinweg, dass es voll mit Menschen ist. Das hat mich überrascht: dass wir jetzt schon mitten im Sommer sind. Dieses Jahr möche ich öfter ins Freibad Rheinfelden gehen. Das hat einen schönen Liegebereich, wo man auf den Rhein gucken kann, einen Bereich mit Schwimmbecken und einen Badebereich im Rhein. In den letzten beiden Jahren habe ich versucht, gegen die Strömung zu schwimmen, die an manchen Stellen herrscht - und sie auszutricksen. Das hat aber bisher nicht geklappt :-)

Heute habe ich Gottesdienst in Liestal und Seltisberg gefeiert und ich habe Menschen besucht, die einen Hauskreis beginnen werden. Das Wort Hauskreis scheint mir nicht mehr zu passen. Es ist zu statisch. Es ist doch mehr eine Weggemeinschaft: Christinnen und Christen entschliessen sich, verbindlich miteinander unterwegs zu sein. Miteinander auf Gott zu hören, IHN ihre Mitte sein zu lassen.

Am Samstag - gestern - haben Wolfgang und ich mit Freunden in einer Hütte im Grünen verbracht. Wir haben miteinander das Buch Jona gelesen, diskutiert, gebetet und gut gessen. Das würde ich gern sehr viel öfter tun: an guten Orten mit Wolfgang und andern Menschen - mit euch! - Bibel lesen, reden, ausruhen und gut essen. Ich finde, dass die Abendsmatt im Baselbiet ein guter Ort dafür wäre. Da hat sich schon Karl Barth mit seinen Freunden getroffen.

Morgen und übermorgen werde ich in Thüringen sein: im Kloster Volkenroda. Das ist verrückt weit weg, nämlich acht Stunden Fahrt mit der Deutschen Bahn. Ich habe darum lange gezögert, mich anzumelden. Gleichzeitig ist mir die Lausanner Bewegung wichtig, deren deutscher Zweig morgen sein Jahrestreffen hat. Es ist ein weltweiter Verbund von Menschen, die sich dem Evangelium, sozialer Verantwortung und einem einfachen Lebensstil verpflichtet wissen. Hauptredner morgen wird Bischof Hans-Jürgen Abromeit sein. Ich kenne ihn von ‹ganz früher›, als ich noch in Berlin-Brandenburg Pfarrerin war. Er ist Bischof in einer Kirche, in der Christinnen und Christen eine gesellschaftliche Minderheit sind - mein Thema!


Samstag, 25. Mai 2019
Ulrike schreibt: Morgen wird eine meiner Nichten in Hannover konfirmiert. Ich habe einen Abstecher nach Berlin gemacht und fahre heute Nachmittag von hier aus mit dem Zug nach Hannover. Heute ist ‹Vorstellungsgottesdienst› der Konfirmandinnen und Konfirmanden. In dem erzählen die jungen Leute einzeln von sich - und ich glaube auch von dem Bibelwort, das sie für sich ausgesucht haben. Ich staune oft, wie klar und sensibel Teenager im Kopf und im Herzen sind - wohltuend im Vergleich mit Menschen meiner Generation.

Berlin ist so etwas von heruntergekommen. Äusserlich und auch vom Verhalten vieler Menschen her. Bei einer Busfahrt gestern war ich erschrocken, dass niemand den Busfahrer beim Einsteigen anschaut, sondern ihm flüchtig sein Ticket hinhält. Als der Bus eh wegen einer Baustelle feststeckt - was öfter der Fall ist - frage ich den Busfahrer. Er sagt, er selbst würde auch nicht mehr grüssen. Manche Leute werden aggressiv und fragen, was er von ihnen will. Interessanterweise sind es oft Ausländer, Zugezogene, die mir sagen: «Als ich vor 20 Jahren nach Berlin gekommen bin, war die Stadt anders. Heute überlege ich, in meine Heimat zurück zu gehen. Die Menschen betrügen und sie sind brutal geworden.»

Die Stadt ist voll - mit Arbeitsmigranten und mit Touristinnen und Touristen. Ich höre viel amerikanisches Englisch. Busse sind voll, Bahnen sind voll und um manche innerstädtischen Hot-Spots mache ich einen Bogen. Ich vermute, dass es in vielen Metropolen Europas so ist (Amsterdan, Wien, Barcelona, Paris usw.) Ich habe neulich gedacht, wie gut, dass ich an vielen Orten schon war - die Atmosphäre heute zieht mich nicht mehr.
Ich weiss noch, wie Wolfgang und ich fast alleine am Grab Jesu in der Grabeskirche in Jerusalem waren. Und fast alleine in den Höfen der Alhambra in Granada. Und wie wir die einzigen Teilnehmer einer öffentlichen Führung durch den Palast von Aranjuez in der Nähe von Madrid waren. Oder wie ich über das Forum Romanum gestreift bin, als die Ruinen noch zugänglich und nicht abgesperrt waren.

Nun aber. Am Montag sind Sie eingeladen zum Bibel-Salon auf den Seltisberg. Wer Näheres wissen möchte, kann links bei Bibel-Salon klicken. Am 2. Juni werde ich die Gottesdienste in Liestal und Seltisberg über Jona 2 halten. Mich haben viele angesprochen, dass es für sie berührend war: Wie der Beter in die ‹Tiefe› hinabsinkt. Ohne sich dagegen zu wehren. Er merkt wie sich «die Riegel der Erde» über ihm schliessen.
Menschen, die sich zum Suizid entschlossen haben, wirken vor ihrer Tat oft entspannt. Sie haben aufgehört zu kämpfen. Ihre Familie, ihre Umgebung atmet auf, weil sie denkt, dass jetzt alles ‹besser› ist. Dabei ist es so, dass der Mensch, der sterben will, entspannt ist, weil er den Entscheid hinter sich liegen hat.

In der jüdischen Auslegung wird der Fisch als Rettungstat Gottes verstanden. Gott rettet, indem er Jona vor dem weiteren Sinken auffängt. Was sind heute solche Schutzräume? Wo Gott - im Verständnis des Prophetenbuches - einen Schutzraum schafft? Hinterher wird der Mensch zurück ins Leben «gespuckt»? (Jona 2,11) Im Hebräischen heisst das übrigens «gek...t». Ich meine, dass auch eine Zeit in der Psychiatrie ein solcher Schutzraum sein kann. Und zu seiner Zeit wird der Mensch wieder ins Leben zurück «gespuckt».


Montag, 20. Mai 2019
Wolfgang schreibt: Wir sind ganz gespannt auf den ersten BIBEL-SALON-Abend über JONA - heute Abend in Seltisberg. Wesentlich sind uns an diesen Abenden zwei Schwerpunkte: Vermittlung von sprachlichem, historischem und theologischem Sachwissen. Alle Teilnehmenden erhalten damit Voraussetzungen zu einem eigenen und eigenständigen Urteil. Das führt zum zweiten Schwerpunkt, der für unsere Kirche wesentlich ist: das offene und freie Gespräch.

Gestern feierten wir Gottesdienst in Nuglar. Es war die sechste und damit letzte Predigt über den Anfang des Auszugs aus Ägypten. AUFBRUCH: AUF UMWEGEN (2. Mose 13,17-22)
Sie können diese Predigt gleich hier anhören:




Eine kleine Einführung in diese Predigtreihe finden Sie hier: 2019-VOM UMBRUCH ZUM AUFBRUCH. Die einzelnen Folgen der Predigtreihe «VOM UMBRUCH ZUM AUFBRUCH» können Sie hier hören:
              (1) UMBRUCH: eine Zeit geht zu Ende
              — 2. Mose 1 [Josef - 400 Jahre in Ägypten- ein neuer Pharao]
              

              (2) EIGENINITIATIVE: Hoffnung und Enttäuschung
              — 2. Mose 2 [Geburt des Mose - eigene Initiative – Flucht]
              

              (3) NEUBEGINN: unerwartet
              — 2. Mose 3 - 4 [Berufung in der Wüste]
              

              (4) KONFRONTATION: es wird schlimmer
              — 2. Mose 5 - 10 [Mose und Pharao - die ägyptischen Plagen]
              

              (5) WENDEPUNKT: keine Zeit verlieren
              — 2. Mose 11,1 - 13,16 [Feier des Passah]
              

              (6) AUFBRUCH: auf Umwegen
              — 2. Mose 13,17 - 22 [Aufbruch aus Ägypten]
              



Samstag, 18. Mai 2019
Ulrike schreibt: Ich habe eine Weile nicht von der ganz normalen Arbeit in der Kirchgemeinde erzählt: von Besuchen, Gruppen, Sitzungen. Für diesen Sonntag lade ich euch und Sie zum Gottesdienst in Nuglar ein. Es ist der letzte Gottesdienst in der Reihe «AUFBRUCH UND UMBRUCH» (2. Mose 13,17-22). Beginn ist zm 10.30 Uhr, Wolfgang predigt.

Für 18 Uhr lade ich Sie und euch in die Stadtkirche Liestal ein. Wir hören in diesem Jahr Geschichten über das Loslassen und Vergeben. Morgen werde ich den Psalm 23, Vers 5 betrachten:

"Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein."

Was für eine unglaubliche Freiheit kommt da zum Ausdruck! Die "Feinde" müssen nicht erst verschwinden, bevor der Psalmbeter sich zum Essen niederlässt. Die Feinde können ihn nicht daran hindern, Ruhe zu haben, sein Essen zu geniessen und sich einschenken zu lassen - und zwar "voll" einschenken zu lassen. Es ist, als ob die Feinde nicht an ihn herankommen. ... Ich denke noch über Alles nach. Von Robert Spaemann gibt es eine grossartige Auslegung von Psalm 23. Vielleicht kann Wolfgang die noch hier verlinken.


Donnerstag, 16. Mai 2019
Wolfgang schreibt: Es klingt banal, aber es ist doch so: «Unglaublich, wie die Zeit vergeht.» Ich komme ins Philosophieren: «Vergeht» die Zeit wirklich, wenn sie «vergeht»? Was vergeht denn da? Was meinen wir eigentlich, wenn uns solch «Vergehen» bewusst wird und wir davon reden?

Die letzten Tage bzw. Wochen waren für mich innerlich ganz angefüllt von der doppelten Frage, was 'News' bzw. 'Fake-News' auf der einen Seite und was 'Wahrheit' auf der anderen Seite bedeutet. Es klingt nach einer ziemlich einfachen Fragestellung. Aber sie scheint mir viel komplexer zu sein, als man das zunächst denkt. Morgen Abend werden Ulrike und ich dazu am ersten VBG-TALK in Zürich in ein wahrscheinlich ganz spannendes Gespräch einführen. Im Einladungstext steht: "Noch nie standen den Menschen so viele Informationen zur Verfügung wie heute. Aber was nützt die Menge an verfügbaren Nachrichten, wenn man nicht weiss, welchen man trauen kann? Meldungen über Fake-News, d.h. gezielt in Umlauf gebrachte Falschmeldungen, haben die Vertrauenswürdigkeit in die verfügbaren Informationen grundsätzlich erschüttert. Wo erfahren wir noch die Wahrheit? Hinzu kommt: Immer mehr begreifen wir, dass hinter Informationen - hinter verlässlichen Informationen ebenso wie hinter Fake-News - Machtinteressen stehen. Wer will mich - durch gute News ebenso wie durch Fake-News - für seine Interessen instrumentalisieren? Welche Machtinteressen stehen auf dem Spiel? Wie mache ich bei diesem Spiel mit?" –
DATUM: Freitag 17. Mai 2019, 18:00 bis 20:00 Uhr.
ORT: Kulturhaus Helferei (Breitingersaal im 1. Stock), Kirchgasse 13, Zürich.


Sonntag, 12. Mai 2019
Ulrike schreibt: Gestern hatten wir einen Studientag der Fritz Blanke Gesellschaft. Diesmal habe ich referiert. Es ging darum, a) wie Gemeinde entsteht, in der sich Menschen Zuhause fühlen, b) warum manche Gemeinden anschlussfähig für Aussenstehende sind und andere nicht und c) was sich von Gemeinden lernen lässt, die in ihrer Gesellschaft eine Minderheit sind. ... Es war ausgesprochen spannend und das, obwohl die Teilnehmenden selbst richtig viele Erfahrungen mit der Kirche haben.

Am Freitag wird Wolfgang im Kulturhaus Helferei in Zürich über Wahrheit im Zeitalter von Fake News sprechen. Anschliessend gibt es die Möglichkeit zur Diskussion. Wir haben einiges ‹neu› für euch und für Sie gedacht. Herzliche Einladung: Wahrheit im Zeitalter von Fake-News

DAS FALLEN UND DER FISCH
Und nun noch eine biblische Beobachtung. Am Montag in einer Woche (20. Mai 2o19) beginnen unsere Bibel-Salons zum Buch Jona. Heute haben Wolfgang und ich nochmals das zweite Kapitel übersetzt und besprochen. Das ist das Gebet des Jona im Bauch des Fisches. Ich finde das Bild des Hinabsinkens unglaublich stark:

Du hattest mich in die Tiefe geworfen, in das Herz der Meere,
und Strömung umgab mich.
Alle deine Wogen und deine Wellen gingen über mich dahin.

Da sprach ich: Verstossen bin ich von deinen Augen hinweg,
Dennoch werde ich wieder hinblicken zu deinem heiligen Tempel.
Wasser umfingen mich bis an die Seele,
die Tiefe umschloss mich, Seetang schlang sich um mein Haupt.
Zu den Gründen der Berge sank ich hinab,
der Erde Riegel waren hinter mir auf ewig geschlossen.

Aber du hast mein Leben aus dem Verderben geführt, HERR, mein Gott!
Als meine Seele in mir verschmachtete, erinnerte ich mich an den HERRN,
und mein Gebet kam zu dir in deinen heiligen Tempel. (...)

Ich aber will dir Opfer bringen mit der Stimme des Lobes,
was ich gelobt habe, werde ich erfüllen. Rettung ist bei dem HERRN

Und der HERR sprach zu dem Fisch, und der spie Jona aus ans Land.
(Jona 2, Vers 4-11)

Mich fasziniert, wie das Hinabsinken ins Wasser und das Umgebensein von Wasser beschrieben wird.
Für den, der in seiner Freizeit gerne schwimmt (zum Beispiel mich) ist das ein positives Bild - das völlige Umgegebensein. Für den, der nicht mehr hochkommt aus dem Wasser, ist das eine Erfahrung tiefsten Schreckens. Ein grenzenloses Fallen und nicht mehr «Gesehen werden». Das erinnert mich gerade daran, dass in Tel Aviv viele Schilder aufgestellt sind, wohin im Falle eines Tsunami zu laufen ist. Um nicht vom Wasser verschlungen zu werden.


SICH ERINNERN IST GEBET
Die Wende für Jona tritt dadurch ein, dass Jona sich an Gott «erinnert». Dieses Erinnern wird in der Parallelformulierung als «Gebet» verstanden. Interessant: das Sich-Gottes-Erinnern ist bereits ein Gebet.
Ihr wisst, wie oft Wolfgang und ich in unsern Vorträgen und besonders bei der Feier des Abendmahls vom ‹Erinnern› - hebräisch sachar - , sprechen. Von dem, was mit ‹Gedächtnis› wirklich gemeint ist. Indem ich etwas erinnere, wird es gegenwärtig! Es geht nicht darum, schöne oder hilfreiche Gedanken zu haben. Es geht darum, Anteil an einer Wirklichkeit - in diesem Fall an Gott selbst - zu bekommen.


ORTE DER RETTUNG
Wolfgang fällt auf, dass hier schon von «Rettung» die Rede ist. Jona ist doch noch gar nicht an Land gekommen. Wolfgang sagt, dass manche Rabbinen diesen Vers so verstehen, dass die Rettung darin besteht, dass Jona vom Fisch ‹aufgefangen› worden ist. Der Fisch ist der ‹Ort›, an dem Jona vor dem Fallen und Entschwinden bewahrt wird. ... Ich habe Wolfgang gefragt, wie er den ‹Fisch› dann übersetzen würde. Was sind Orte, die uns heute zur Rettung werden - aber die erst einmal nicht als solche verstanden werden? Wo man denkt, dieser Ort ist die Katastrophe. Aber eigentlich ist er ein Ort der Rettung - Gott selbst hat den Fisch geschickt - und hindert mich davor, weiter zu fallen und zu entschwinden.


Dienstag, 8. Mai 2019
Ulrike schreibt: Gerade eben ist der Jom ha Zikaron (Tag des Gedenkens) angebrochen. Um Punkt acht gehen die Sirenen los, Busse und Taxen halten eine Minute lang an, Fussgänger bleiben stehen, die Läden schliessen, Lichter gehen aus. An diesem Tag - also heute und morgen - wird der jüdischen Menschen gedacht, die durch Anschläge umgekommen sind.

Ich bin zum „Innehalten“ hier, sehe aber trotzdem einiges.
Mir fällt auf, dass ich vieles, was ich früher in Tel Aviv fotografiert habe - vor allem die vielen Gegensätze auf engstem Raum - jetzt kaum mehr als „besonders“ empfinde. Das Auge hat sich daran gewöhnt, dass Luxushäuser neben Abrisshäusern stehen, dass unterschiedlichste Stile und Menschen nebeneinander existieren. Manches ist neu, zum Beispiel dass ziemlich jeder mit elektrischem Tretroller durch die Stadt düst. Oder dass auf dem Rothschild-Boulevard zwischen den Strassen eine Ruhe- und Picknickzone eingerichtet worden ist: Mit Liegen, Sitzkissen, Hängematten. Da waren richtig viele Leute, vor allem Familien, die hier Mittagspause machen - auf dem Grünstreifen!

An der Strandpromenade laufen die Vorbereitungen für den Eurovision Song Contest, der nächste Woche stattfindet. Da ist viel abgesperrt. Der Strand ist trotzdem schön, das Wasser warm genug zum Baden. Ich lese für mich auch Jona - kann viel mit dem Buch anfangen.


Montag, 7. Mai 2019
Wolfgang schreibt: Die Pflege unserer Homepage macht mehr Arbeit als man das von aussen her ahnt. Man merkt es auch selbst erst, wenn so manches nicht mehr richtig klappt. Soeben ist der Flyer für den BIBELSALON über die Bergpredigt im Herbst erschienen und zugänglich: 2019 BIBELSALON Bergpredigt. Und natürlich erhalten Sie da auch den Flyer zum BIBELSALON über das Thema «Jona: GOTT -und unsere Gottesbilder» 2019-JONA-Flyer: Der beginnt bereits in zwei Wochen!!!. In einem kleinen Kreis haben wir es mit Jona-Texten schon einmal ausprobiert und waren davon fasziniert, was man in diesem Buch alles entdecken kann. Vor allem: Man entdeckt viel in sich selbst. Unbedingt lohnend.

Wissen Sie eigentlich, dass Sie auf der Seite «BIBELSALON» [links anklicken] sowohl zum Buch Jona wie zur Bergpredigt eine ganze Reihe hilfreicher Beigaben finden? Neben alten und neuen Übersetzungen der Texte finden Sie interessante Parallelstellen-Verzeichnisse: Wo in der Bibel finden sich ähnliche Aussagen zu den jeweiligen Aussagen und Gedanken? Eine unglaubliche Fundgrube. Diese Verzeichnisse verführen zu einer eigenständigen thematischen Entdeckungsreise durch die ganze Bibel. Dazu ein wirkliches Highlight: Zur Bergpredigt finden Sie die gesamte Auslegung der Bergpredigt, die Dietrich Bonhoeffer in seinem Buch «Nachfolge» veröffentlicht hat. Am besten stöbern Sie ein wenig auf der Seite «BIBELSALON» herum …

Gerne verweisen wir nochmals auf den Studientag am kommenden Samstag: Den Flyer dazu finden Sie hier: 20190511-Studientag-FLYER.


Sonntag, 5. Mai 2019
Ulrike schreibt: Ich war in den letzten Monaten beschäftigt. In der Kirchgemeinde in Liestal bin ich über vieles dankbar. Ich habe den Eindruck, wir sind mehr als eine ‹Familie› unterwegs als früher. Das ist für mich beglückend. Als besondere Highlights habe ich im April unseren Barth-Studientag und die Abendmahlsfeier am Tisch am Gründonnerstag empfunden. Das war einfach nur schön, anregend, geborgen.

In meiner freien Zeit habe ich in den letzten Wochen an meinem Buch über christliche Minderheiten geschrieben. [Wolfgang ergänzt: Ulrike stellt die Interviews ihres Studienurlaubes von Oktober bis Dezember 2018 zu einem Buch zusammen. Dabei ging es um die Frage, wie sich Minderheitenkirchen je an ihrem Ort finden, orientieren und auch bemerkbar machen. Interessant sind vor allem die Vergleiche der teilweise kleinen Kirchengemeinden in so unterschiedlichen Orten in fünf kulturell sehr verschiedenen Ländern: Izmir in der Türkei, Banlieues von Paris, Graz, Umfeld von Wien, zwei Orte in Brandenburg mit sehr besonderen Geschichten, Kairo und Anafora in Ägypten]. Eigentlich ist das Buch fertig. Ich bin beim Schreiben ganz froh geworden, das kannte ich vorher gar nicht. Es ist ein Ermutigungsbuch. Denn es gibt viel zu entdecken und zu lernen. Ich lade ein, hinzuschauen und zu verstehen, ‹was genau› manche Gemeinden ‹richtig› machen. Wobei es natürlich nicht um Rezepte geht sondern darum, etwas von Gott und der Gemeinde zu wissen und dem auch zu folgen.

Am kommenden Samstag ist Studientag der Fritz Blanke Gesellschaft. Diesmal bin ich Referentin, Wolfgang übernimmt kleinere Teile. Der Studientag hat den Titel »ICH GEHÖRE DAZU« – wie Gemeinde zu MEINER Gemeinde wird«. Das wird der zweite Hauptteil des Studientages sein: Warum ist es in manchen Gemeinden leicht, sich anzuschliessen, und in andere Gemeinden kommen Menschen einfach nicht herein - so sehr sie sich auch bemühen. ... Sie sind herzlich eingeladen, am Studientag teilzunehmen: zum Erfahrungsaustauch, hoffentlich auch für Aha-Erlebnisse und zur Freude über das, was Gemeinden heute erleben. Mehr Infos finden Sie links unter ‹Nächste Studientage›.

Zwischen heute und nächstem Samstag liegen noch ein paar Tage. Ich hatte den Eindruck, dass ich einmal ‹raus› muss und meine Sehnsucht nach Israel ist gross. Morgen in aller Frühe fliege ich nach Tel Aviv. Am Donnerstag komme ich schon zurück. Ich denke, dass es ausreichen wird: am Strand nach Jaffa laufen, durch die Stadt laufen, ins Tel Aviv Museum of Art gehen, bei Gott und bei mir selbst sein.


Freitag, 3. Mai 2019
Wolfgang schreibt: Seit über 20 Jahren bin ich als Studienleiter der Fritz Blanke Gesellschaft tätig. Diese Anstellung - 30%; seit Beginn auf demselben Lohnniveau – gibt mir die finanzielle Grundlage für meine weitere freiberufliche Tätigkeit. Die Fritz Blanke Gesellschaft wird geleitet von einem ehrenamtlich arbeitenden Vorstand und lebt ausschliesslich von Spenden. Informationen finden Sie auf der Unterseite «Verbindungen: Fritz Blanke Gesellschaft» sowie auf der Internetseite ourserver.ch. Gestern ist der neue Rundbrief erschienen. Marco Würgler, unser Sekretär, schreibt dazu im Eingang:
«Liebe Freundinnen und Freunde der FBG
Im Anhang finden Sie einen wichtigen Rundbrief mit dem Bericht des Studienleiters Wolfgang Bittner. Beides legen wir Ihnen sehr ans Herz. Wir stehen mit unserer Gesellschaft in einer schwierigen Situation und sind auf Ihr Mitdenken und Mittragen mehr denn je angewiesen. …»

Wenn Sie also den Weg der Blanke-Gesellschaft und damit meinen Weg begleiten wollen, dann bitte ich Sie, die Rundbriefe, es sind etwa drei pro Jahr, zu bestellen. Ein formloses Mail an marco.wuergler@nidelbad.ch genügt. Damit bringen Sie Ihre Anteilnahme an unserem Weg zum Ausdruck und machen diese Arbeit erst möglich.


Donnerstag, 25. April 2019
Ulrike schreibt: Bei uns ist es warm und sonnig. Gestern haben wir die Terrasse aufgeräumt und geputzt. Es ist jetzt eine Freude, draussen zu sitzen. Im Garten blühen die weissen Narzissen und der Flieder und der Brunnen plätschert vor sich hin. ... Heute Abend gehen wir ins Stadttheater Basel und schauen Woyzeck von Georg Büchner (Regie Ulrich Rasche). Es ist immer schön, wenn Wolfgang und ich uns etwas gemeinsam anschauen.


Immer noch Ostersonntag, 21. April 2019
Wolfgang schreibt: Den Ostergottesdienst haben wir heute in Nuglar gefeiert. Es war die fünfte Predigt der Reihe «VOM UMBRUCH ZUM AUFBRUCH», diesmal zum Thema: «WENDEPUNKT: keine Zeit zu verlieren» (2. Mose 11,1-13,16). Der Abschnitt beschreibt das erste Passa-Fest Israels, also das erste jüdische Osterfest. Da die Christenheit mit einem Sonnenkalender rechnet, das Judentum dagegen mit einem Mondkalender, kommt es nur selten vor, dass sich jüdisches und christliches Ostern auf unseren Kalendern 'treffen'. Dieses Jahr aber ist es so.

Wir haben versucht, auf diesen Bericht des ersten Passa hinzuhören. Auch Jesus hat das zusammen mit seinen Jüngern getan, mit ihnen darüber gesprochen. Sie können diese Predigt von Wolfgang gleich hier anhören:



Auf der Seite DOWNLOADS-AUDIO können Sie diese Predigt herunterladen. Sie finden sie auf dieser Seite ganz unten unter «2019-UMBRUCH-AUFBRUCH-5-WENDEPUNKT»

Die nächste und letzte Predigt dieser Predigtreihe «VOM UMBRUCH ZUM AUFBRUCH» steht unter dem Titel «AUFBRUCH: auf Umwegen» (2. Mose 13,17-22). Datum zum Vormerken: 19. Mai 2019 in der Kapelle Nuglar. Beginn: 10:30 Uhr. Zum Thema 'Umwege' wird wohl jeder von uns so manches erzählen können. Gott hat Israel bewusst nicht auf direktem Weg aus Ägypten geführt, sonder auf einem geradezu irritierenden Umweg. Gerade das aber war Gottes Weg. Warum hat er das so getan?


Ostersonntag, 21. April 2019
Wolfgang schreibt: Von Herzen wünschen wir Ihnen allen ein frohes Osterfest. Ulrike hat mir heute Morgen einen Satz vorgelesen, der uns beide seltsam berührt. Er lautet etwa: «Die Freude über Ostern ist die reinste Freude, die einem Menschen begegnen kann.» Darüber denken wir weiter nach. Ostern ist eine Freude, zu der wir Menschen nichts beigetragen haben und nichts beitragen werden. Wir sind nur empfangende Menschen. Jedoch: Wer dazu noch Eigenes hinzu tun, sich auf Eigenes berufen will, steht am Ende nicht bloss mit leeren Händen da, sondern mit Händen, die sich zum reinen Empfangen nicht mehr öffnen können. Merkwürdig ist das schon mit unseren Händen. Ich denke an ein Gedicht von Jehuda Amichai: «Auch eine Faust war einmal eine geöffnete Hand.» Was geht da mit uns vor, dass sich die einen die Fähigkeit der offenen Hände bewahren — und dass andere am Morgen mit ihren Fäusten erwachen? Denke ich an Gott, der uns in Jesus begegnet: Es waren seine geöffneten Hände, an denen er gekreuzigt wurde und die bis heute geöffnet geblieben sind. Und wir?

Gleich nach dem wunderbaren Satz über die Reinheit der Osterfreude kam in den Nachrichten jener andere Bericht: Bombenanschläge in Sri Lanka. Bis jetzt über 180 Todesopfer an verschiedenen Orten. Betroffen waren vor allem Menschen, die unterwegs waren zum Ostergottesdienst.

Und nun: Was geschieht mit unseren Händen? Eines ist gewiss: Die Hände Jesu bleiben geöffnete Hände.

Dazu passt die Karfreitagspredigt, die Ulrike in Liestal zu Johannes 19,28-30 gehalten hat: «Es ist vollbracht» Sie können die Predigt gleich hier anhören:


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Karsamstag, 20. April 2019
Ulrike schreibt: Das war eine eindrückliche Karwoche. Für mich war am schönsten, dass sich die Gemeinde in den Passionsandachten - und besonders am Gründonnerstag - als Familie erlebt hat. Ich dachte ja, am Abend des Gründonnerstag kommt kaum jemand in die Kirche, weil das den Menschen zu viel ‹Zeit› ist. Und dann war der Martinstreff voll und alles hatte seinen Platz: die Begegnungen, das einfache Essen, der gute Wein (Danke an den Spender!😀), meine Worte zur Abendmahlsfeier und die Feier des Mahls selbst.

Normalerweise erinnere ich daran, dass die Feier des Abendmahls Vergegenwärtigung dessen ist, was schon stattgefunden hat: Wir sitzen mit Jesus zusammen im Kreis der ersten 12 Jünger und sind Teil dieser ersten Gemeinschaft. Vorgestern habe ich darüber gesprochen, dass wir in der Feier des Mahls auch das Kommende vergegenwärtigen, das was unsere Zukunft ist. Wir werden einmal mit Jesus zusammen am Tisch sitzen, Wein trinken und feiern. Es ist seine Familie - weltweit und über die Zeiten hin zusammen gerufen - mit der Jesus feiern wird: «Ich sage euch: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, an dem ich aufs Neue davon trinken werde mit euch in meines Vaters Reich.» (Matthäus 26,29) ... Dazu habe ich einige Verse aus dem Propheten Jesaja gelesen:

«Und der HERR Zebaoth wird auf diesem Berge allen Völkern ein fettes Mahl machen,
ein Mahl von reinem Wein, von Fett, von Mark, von Wein, darin keine Hefe ist.
Und er wird auf diesem Berge die Hülle wegnehmen, mit der alle Völker verhüllt sind,
und die Decke, mit der alle Heiden zugedeckt sind.
Er wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der HERR wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen
und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen; denn der HERR hat's gesagt. (Jesaja 25,6-8)

Neulich hat mich jemand gefragt, wie er sich seine Zukunft vorstellen kann: «Was kann ich sehen, wenn ich über meinen Tod hinaus schaue?» Das ist es, was ich als glaubender Mensch sehen kann: Dass Jesus mich an seinen Tisch lädt. Dass es einen Platz für mich gibt. Dass ich Menschen wiedersehen werde. Dass Gott selbst mir einschenken, mir die Tränen abwischen und mit mir feiern wird.


… immer noch Mittwoch, 17. April 2019
Wolfgang schreibt: Ulrike und ich sind je auf unsere Weise daran, uns auf die nächsten Veranstaltungen am Gründonnerstag, am Karfreitag und am Ostersonntag vorzubereiten. Wir freuen uns auf das Zusammensein mit Ihnen.

Als Einstimmung können Sie hier die erste Passionsandacht vom Montag nachhören. Ulrike brachte uns das Gespräch zwischen Jesus und dem Schächer, der gleich neben ihm am Kreuz hing, nahe. Der bat darum, über sein Sterben hinaus einen Ort in Jesu Gedächtnis zu bekommen. Und Jesus hat ihm genau das auch versprochen: "Heute wirst du mit mir im Paradies sein" (Lk 23,42-43).
Diese Passions-Andacht können Sie gleich hier anhören:


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Mittwoch, 17. April 2019
Ulrike schreibt: Gestern habe ich in unserer Kirchgemeinde die letzte Abdankung (Beerdigung) in diesem Frühjahr gefeiert. Das war schon viel Arbeit in den letzten Wochen. Heute Abend feiern wir die dritte Passionsandacht in der Stadtkirche (18 Uhr). Morgen Abend - am Gründonnerstag - beginnen wir die Andacht ebenfalls um 18 Uhr in der Stadtkirche (mit Ilja Voellmy, Orgel, und Alexandra Chekmak, Flöte). Wir feiern dann das Abendmahl nebenan, im Martinstreff, mit einem kleinen Abendessen. Wolfgang hat gestern schon einmal Probe-gekocht und ich war Testesserin :-)

Morgen (Gründonnerstag) feiere ich um 16.00 Uhr auch im Brunnmatt - dem Pflegezentrum bei uns um die Ecke - Gottesdienst mit Abendmahl. Daran kann man gerne teilnehmen, auch wenn man noch nicht dort wohnt. Am Karfreitag um 9.30 Uhr ist Abendmahlsgottesdienst in der Stadtkirche. Ich predige über Jesu letztes Wort am Kreuz «Es ist alles vollbracht» (Joh 19,30 Uhr). ... Wer mit Wolfgang und mir Ostern feiern möchte, kann das am Sonntag in Nuglar SO tun: Wir sind als Stellvertretung in dieser sehr liebenswerten Gemeinde. Beginn: 10.30 Uhr. Wir betrachten das Wunder des Passah: Das Blut des Opferlammes an der Haustür ist das Zeichen für den Gerichtsengel, an den Häusern des Vokes Gottes «vorüber zu gehen» [das hebräische Wort «Passah» heisst «vorüber gehen»].

Bei mir ist es auch deshalb dicht, weil ich jeden freien Tag nutze, um an meinem Buch über kleine christliche Kirchen, über die ‹Kommunikation gesellschaftlicher Minderheiten›, zu schreiben. Ich war ja von September bis Dezember 2018 im Studienurlaub. Wer damals nicht mitgelesen hat kann hier nachschauen: 3months. Die Begegnungen in Österreich, der Türkei, Ägypten, Paris, Ostdeutschland ... waren dermassen stark, dass mir das Schreiben leicht fällt. Eigentlich geht es nur um ein Zusammenordnen der Gesprächsnotizen. Die Interviews stellen sich wechselseitig ins Licht. Man ahnt, dass das, was eine Gemeinde in Ägypten erzählt, für Christinnen und Christen in Ostdeutschland usw. ebenso interessant ist wie für uns.


Dienstag, 9. April 2019
Wolfgang schreibt: Nun ist auch die vierte Predigt der Reihe »VOM UMBRUCH ZUM AUFBRUCH« vom gestrigen Sonntag in Büren SO zum Anhören bereit. Text: 2. Mose 5 bis 10. Titel: »Die Konfrontation wird immer härter.« Es ist schon erstaunlich, wie uns die Bibel von Gottes zentraler Befreiungstat erzählt. Da beginnt Gott damit, sein Volk zu retten. Er wird es auch tun. Aber zunächst wird es nicht einfacher, im Gegenteil. Sie können diese Predigt gleich hier anhören.


Herunterladen können Sie diese Predigt auf der Seite »DOWNLOADS-AUDIO«. Dort finden Sie die Datei ganz unten unter dem Namen »2019-UMBRUCH-AUFBRUCH-4-Die Konfrontation wird immer härter«.


Montag, 8. April 2019
Ulrike schreibt: Ich schreibe gerade so wenig, weil ich beschäftigt bin. Gestern habe ich die Gottesdienste in Liestal und Seltisberg gefeiert (‹Jesus vor Pontius Pilatus›) und dann habe ich mit dem Auto Wolfgang abgeholt, der in Büren/ Solothurn Gottesdienst gefeiert hat. Wir waren seit langer Zeit einmal wieder in einer Gaststätte zu Mittag essen und haben das sehr genossen. Wir können uns dann so gut in Ruhe unterhalten.

Am Nachmittag hatte ich ein Beerdigungsgespräch und dann hatten wir die Abendfeier in der Stadtkirche. Das Musikteam ist unglaublich gut, die Moderation durchdacht und freundlich, die biblischen Impulse sind wirklichkeitsnah: Und das alles ohne meine Beteiligung .... :-) Oft leite ich nur noch die Feier des Abendmahls. Auch zum Apéro hinterher sind viele da geblieben und wir haben uns in grosser Runde über die Impulse ausgetauscht.

Unser Karl Barth-Lesetag war auch gut. Das grosse Interesse und die vielen Reaktionen haben mich überrascht. Sehr gefreut habe ich mich zum Beispiel über die hier:

«Ich wollte Dir noch sagen, dass ich mich gestern zum ersten Mal wie „zu Hause“ gefühlt habe in der Gemeinde, zwischen X und Y, mit Z vis-à-vis und Euch am Rednerpult. Die Stimmung war angenehm und die Gipfeli in der Pause eine herrliche Versuchung! Vielen Dank nochmals – Ihr habt alles sehr gut organisiert und wir haben zu Hause noch weiter diskutiert.» So soll es doch sein - dass wir uns in der Kirche Zuhause fühlen.

Wolfgang ergänzt: Nun ist Ulrikes Predigt von gestern zugänglich. »Jesu Königtum - Was ist Wahrheit?« Text: Johannes 18,28 bis 19,5. Jesus steht vor Pilatus. Es geht dabei um die doppelte Bedeutung von Königtum. Wie hat Jesus sich selbst verstanden? Was bedeutet Wahrheit? Dazu die Schändung Jesu und die taktische Preisgabe Jesu an die »gesunde Volksmeinung«. Unglaublich, was da zusammen kommt: entlarvend und erschreckend.

Sie können die Predigt gleich hier anhören:


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Mittwoch, 3. April 2019
Wolfgang schreibt: Endlich erscheinen die Aufnahmen der letzten vier Impulse zu Psalm 111 in Rasa: WAS GOTT FÜR UNS TUT — und wie wir darauf antworten

PSALM 111, Vers 8-9b:  
PSALM 111, Vers 9cd:    
PSALM 111, Vers 10ab:    
PSALM 111, Vers 10c+Überblick:     

Am Samstag von 09:00 bis 13:00 treffen wir uns im Martinshof der Kirchgemeinde Liestal zur Lektüre zweier bedeutender Texte von Karl Barth: Einführung in den zeitgeschichtlichen Hintergrund, Lektüre, Gespräch. Abschluss mit einem einfachen Imbiss. Anmeldungen sind immer noch möglich. Wir erwarten jedoch, dass die Teilnehmenden die entsprechenden Texte einmal durchgelesen haben. — Genauere Hinweise auch auf die Seiten, die wir lesen und besprechen, finden Sie auf der Unterseite »Karl Barth lesen«. Herzlich willkommen.

Am Sonntag sind Sie zu vier Gottesdiensten eingeladen:
09:30 Stadtkirche St. Martin, Liestal, Johannes 18,28-19,5, Ulrike
10:30 Rägebooge, Büren SO, Vom UMBRUCH zum AUFBRUCH: »Die KONFRONTATION nimmt zu« (2. Mose 5 bis 10), Wolfgang
11:00 Gemeindezentrum, Seltisberg, Johannes 18,28-19,5, Ulrike
18:00 Abendfeier, Stadtkirche St. Martin, Liestal, »Sucht den Frieden!« (Römer 12,17-21), Ulrike mit Team


Mittwoch, 27. März 2019
Ulrike schreibt: Wolfgang und ich sind nach dem Schweige-Kurs in Rasa und der Leitertagung der Evangelischen Täufergemeinden pünktlich zur Abendfeier in Liestal angekommen. Diese Woche und nächste Woche sind ausgesprochen viele Sitzungen. Heute trifft sich z.B. der ‹Runde Tisch Sicherheit› der Stadt Liestal. Er dient dem Austausch zwischen Vertreterinnen und Vertretern von öffentlichen Einrichtungen, Schulen und Polizei zu aktuellen Entwicklungen im Bereich von Kriminalität, Alkohol- und Drogenkonsum. ... Morgen haben wir gleich drei kirchliche Sitzungen - in einer bereiten wir den gemeinsamen Beitrag der Kirchen in Liestal zum Liestaler Stadtfest am 7. und 8. September vor. Das ist ein grosser Fortschritt, dass wir als reformierte Kirche nicht nur mit den röm.-katholischen Geschwistern, sondern auch mit den ev.-freikirchlichen Geschwistern so gut unterwegs sind.

Ich bereite den Karl-Barth-Lesetag vor. Wer am Samstag, 6. April, dazukommen möchte, kann mir gerne Bescheid geben. Wir sind mit Wolfgang und mir zur Zeit 14 Personen aus der Kirchgemeinde. Da können gern auch ein paar Interessierte von ausserhalb mitmachen. Herzliche Einladung!


Freitag, 22. März 2019
Wolfgang schreibt: Wir sind gut von Rasa nach Hause gekommen, sind dankbar für die Menschen, die mit uns waren und dankbar für Psalm 111. Ich habe für mich einiges zum Thema Lobpreis gelernt. Drei Impulse sind noch zu bearbeiten. So bald wie möglich werde ich sie hochladen, sodass Sie alle Impulse zu Psalm 111 hören bzw. nachhören können.

Jetzt sind wir schon wieder am Packen. Von heute Abend bis Sonntag Mittag sind wir an der Prediger-Tagung der evangelischen Täufergemeinden Schweiz und Deutschland im Norden von Württemberg. Themen: Glauben, Lesen, Beten, Gesandt Sein … Bei allen vier Einheiten soll es um unsere innere Orientierung nach »oben« gehen: Welche Bedeutung hat sie, wie kann sie Gestalt gewinnen, wie üben wir sie ein? Wir freuen uns auf die Begegnung mit vielen erfahrenen Menschen.

Sonntag Abend sehen wir uns – vorausgesetzt die Bahn lässt uns nicht im Stich – um 18:00 Uhr zur Abendfeier in der Stadtkirche Liestal.


immer noch Dienstag, 19. März 2019
Wolfgang schreibt: Heute haben wir drei inhaltliche Impulse gehört:

PSALM 111, Vers 6a:     
PSALM 111, Vers 6b:     
PSALM 111, Vers 7:      



immer noch Dienstag, 19. März 2019
Ulrike schreibt: Hier gebe ich Ihnen den Impuls vom heutigen Vormittag weiter:

«Die Kraft seiner Taten hat er seinem Volk kundgemacht,
ihnen das Erbe der Nationen zu geben.» Psalm 111, 6 (Elberfelder Übersetzung)

Hier steht nicht, dass Gott seine Taten erzählen lässt. Sondern dass die Kraft oder die Macht seiner Taten kundgemacht wird. Was heisst das? Was ist der Unterschied?

Wolfgang erzählt, wie er als junger Mann mit 21 Jahren in die Schweiz gekommen ist. Da war er mit anderen jungen Menschen nach Graubünden eingeladen. Als die Gastgeber gemerkt haben, dass Wolfgang ein Österreicher ist, haben sie begonnen ihn herum zu führen. Sie haben ihm Orte und Plätze gezeigt und haben dabei erzählt: «Und hier sind wir über die Österreicher hergefallen!»


Nicht nur damals, sondern: Wir heute
Sie haben eine Geschichte erzählt. Sie haben aber nicht erzählt, wie ihre Vorfahren damals über die Österreicher hergefallen sind. Sondern sie haben auch von sich geredet: «Wir waren es!» Das Erzählen gibt Menschen einen Ort. Sie ordnen sich zu, fühlen sich zugehörig.

Und schliesslich: In der Erzählung lag eine Kraft. Sie hat denen, die sie erzählten, noch zweihundert Jahre später Kraft vermittelt. Sie hat gezeigt, wer an der Kraft teil hat und wer nicht teilhat (Wolfgang 😎). Die Erzählung weist denen, die dazugehören, auch die mit ihr verbundene Kraft zu.

Wo mache ich die Erfahrung, dass die Geschichten der Bibel mir einen Ort geben? Und dass mir von diesen Geschichten her eine Kraft zuwächst? Wolfgang nimmt als Beispiel die Erzählung von den «verzweifelten, verschuldeten Männern», die sich um David herum sammeln (1. Samuel 22,2). Vielleicht entdecke ich, dass ich einer von denen bin, der verzweifelt und verschuldet mit David ziehen. Ich bin es, der von David geführt und auch beschützt wird. Zu diesem gemeinsamen Weg gehört auch das Wissen, dass David der Kommende ist. Der, dem die Zukunft gehört. ... Ich kann das auch darauf übertragen, dass ich zu Jesus dazu gehöre. Ich gehöre zum Kommenden, zu dem, dem die Zukunft gehört.


Im Erzählen wächst mir Kraft zu
Es ist eine Krafterfahrung, wenn man von sich sagen kann, ich gehöre zu David. Oder ich gehöre zu Jesus. Die Kraft wächst einem - interessanterweise - durch die Erzählung zu. Weil ich in der Erzählung höre, dass auch ich gemeint bin. Dass durch die Erzählung auch mir ein Ort und eine Zugehörigkeit gegeben wird.
Die Kraft wächst einem also nicht dadurch zu, dass man besondere Begegnungen oder eine besondere Erfahrung im Leben macht.

Wolfgang erzählt eine zweite Beispielgeschichte. Im Mittelpunkt steht ein Kinderheim zur Zeit des Nationalsozialismus. Die jüdischen Kinder werden auf Listen erfasst und sollen deportiert werden. Unter den Kindern ist ein Mädchen, das bisher nichts davon weiss, dass sie Jüdin ist. Sie ist mit den Geschichten der Bibel aufgewachsen, aber in der Annahme, katholisch zu sein.

Wer sagt nun dem Mädchen, dass sie Jüdin ist und in ein Lager gebracht werden wird? Eine Erzieherin meldet sich und übernimmt die Aufgabe. Das Mädchen kommt aus dem Gespräch und geht aufrecht. Sie sagt: «Ich gehöre tatsächlich dazu. Ich habe es bisher nicht gewusst. Ich habe nicht gewusst, dass es mein Volk ist, mit dem Gott schon immer unterwegs ist.»
Dem Mädchen ist die Erzählung davon - mit den Menschen der Bibel zusammen jüdisch zu sein - zur Kraft geworden. Sie konnte von sich selbst sagen: «Ich gehöre dazu.» (Quelle: mündlich)

Wolfgang meint: Die Kraft des Erzählens habe ich dann erfahren, wenn ich über dem Gehörten glücklich werde und sagen kann: «Ich gehöre dazu.» Für die zweite Vershälfte von Psalm 111, 6, bitte ich Sie, die Aufnahme des Impulses zu hören. Vers 6 gibt Rätsel auf, stellt Aufgaben an unser Verstehen.



Dienstag, 19. März 2019
Wolfgang schreibt: Ulrike berichtet ja ausführlich von dem, was uns hier in Rasa bei der Betrachtung von Psalm 111 begegnet. In seiner Mitte steht der Auszug aus Ägypten, d.h. eigentlich: das Passa-Fest. In ihm wird die Bedrückung Israels, der Konflikt mit dem Pharao, die Befreiung aus Ägypten usw. Gegenwart. Im Fest erinnern wir uns nicht bloss an das, was einmal war. Nein: Wir selbst sind es, die aus Ägypten - aus unserem Ägypten - ausziehen. Die längst vergangene Geschichte wird in der Feier und im damit verbundenen Erzählen Gegenwart. Es ist MEINE Geschichte, die mir da erzählt wird. Die ersten fünf Impulse zu Psalm 111 sind hier zugänglich:

PSALM 111, Vers 1:      
PSALM 111, Vers 2:      
PSALM 111, Vers 3:      
PSALM 111, Vers 4a:     
PSALM 111, Vers 4b-5:  

Heute fahren wir mit Vers 6 und Vers 7 weiter. Die Aufnahmen der Impulse zu den Versen 6 bis 10 folgen demnächst.


Montag, 18. März 2019
Ulrike schreibt: Auch heute sind Sie eingeladen, mit Psalm 111 unterwegs zu sein. Heute Morgen haben die Teilnehmenden der Schweige-Exerzitien auf den vierten Vers gehört:

«Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder» Psalm 111, 4 (Luther)

«Er selbst hat Gedenktage gestiftet,
damit seine grossen Taten nicht vergessen werden.» Psalm 111, 4 (Gute Nachricht)


Was sind Wunder? Was sind Zeichen?
‹Wunder› ist kein naturwissenschaftlicher Begriff. ‹Wunder› meint Ereignisse, die man - auch im Alltag - als aussergewöhnlich, als positiv überraschend, als unerwartet erlebt. Da ist mir etwas widerfahren, aber warum gerade jetzt? Warum gerade mir? Warum gerade durch diesen oder jenen Menschen? Das alles mag mir als wunderhaft erscheinen.

Israel liest seine Bibel so, dass es einzelne Leitworte gibt. ‹Wunder› ist eines davon. Spricht man von Wundern, dann taucht ein grosser Zusammenhang auf. Das Wunder ist unlöslich mit den Mosegeschichten und mit dem Auszug aus Ägypten verbunden. Wenn man sagt: «Denke an die Wunder Gottes», dann weiss man, dass die Geschichte des Auszugs gemeint ist.

In dieser Geschichte heisst es, dass Gott sein Volk «durch Zeichen und Wunder» aus Ägypten heraus führte. ‹Wunder› bezeichnen das Aussergewöhnliche. Was aber sind ‹Zeichen›? ‹Zeichen› meinen ein vorher (!) angekündigtes Ereignis. Es wird dieses und jenes geschehen. Indem Mose Zeichen tut, erweist er sich als Prophet. Es ist das Kennzeichen eines Propheten, dass er vorher ansagt, was nachher geschehen wird. Ist er ein echter Prophet, trifft das Angekündigte auch ein.

Später (in Vers 5) heisst es im Psalm 111, dass Gott ‹Speise gibt›. Damit erinnert der Psalmbeter an die Speisung während der Wüstenwanderung. Wenn es in Vers 9 heisst, dass Gott seinem Volk ‹Rettung› sendet, dann denkt man an den Durchzug durchs Rote Meer: als Israel die Truppen des Pharaos abgeschüttelt hat. Usw. ... Die Worte ziehen einen ganzen Zusammenhang von Geschichten hinter sich her.


Nicht Erinnern, sondern Vergegenwärtigen
Nun heisst es in Vers 4, dass Gott ein ‹Gedächtnis› für seine Wunder gemacht hat. Was ist Gedächtnis? Die Gute Nachricht übersetzt: Er hat Gedenktage gestiftet. ... Wolfgang erinnert an das Purim Fest. Jüdische Kinder spielen in jedem Jahr neu nach, wie Königin Esther mit ihrem klugen Handeln ihr Volk vor der Vernichtung bewahrt hat. Im Spiel eignen sich die Kinder die Geschichte ihres Volkes an. Sie spielen die Konflikte nach, empfinden die Bedrohung mit, sind mit Esther zusammen mutig und feiern schliesslich mit dem ganzen Volk Israel, dass sie gerettet worden sind. Im Spiel lernen Kinder, Geschichte nachzuvollziehen und zu verstehen.

Im Psalm 111 bezieht sich das «ein Gedächtnis machen» auf das Passah-Fest. Das Passah-Fest ist der Ort, an dem die grossen Taten Gottes erinnert werden. Nun stimmt aber ‹erinnern› nicht. Die Taten Gottes werden am Passah-Fest vergegenwärtigt! Das ist etwas anderes. Es geht nicht darum, historisches Wissen zu memorieren. Es geht darum, Teil der Ursprungsgeschichte (= der Befreiung aus Ägypten) zu sein und von dieser Geschichte her sein eigenes Leben zu verstehen und zu gestalten.

Der Begriff ‹Gedächtnis›, der in Vers 4 steht, meint nicht das kognitive Erinnern, sondern er meint die Vergegenwärtigung. Das, was früher, was zur Zeit des Mose Gegenwart war, wird heute wieder zur Gegenwart! Die Seele des Menschen hat die Fähigkeit, das Vergangene und auch das Kommende als gegenwärtig zu denken. Im Mittelalter wird diese Fähigkeit als eine der menschlichen Seelenkräfte verstanden. Jeder von uns hat die Fähigkeit, Vergangenes aber auch Kommendes, in die Gegenwart zu holen. Es gibt zwei Weisen, durch die Vergegenwärtigung geschieht:


Das Fest als Ort der Vergegenwärtigung
Um die grossen Taten Gottes zu vergegenwärtigen, feiert man Feste. Im Psalm 111 steht, dass Gott selbst das so will: Er «macht» ein Gedächtnis für seine Wunder.

Im Fest vollziehen wir nach, was damals geschehen ist. In der Passah-Liturgie heisst es: «Heute Nacht sind wir und unsere Väter aus Ägypten ausgezogen». Ein blosses Erinnern würde heissen: «Heute Nacht denken wir daran, dass unsere Väter aus Ägypten ausgezogen sind.»

Vergegenwärtigung meint: die Geschichte des Auszugs zeigt sich als meine Geschichte. Im Fest entdecke ich, dass ich damals mit dabei war. Mit Israel zusammen habe ich das Blut des Lammes an die Türpfosten gestrichen (2. Mose 12, 7). Ich habe mit Israel zusammen gesehen, wie der Engel an mir vorbei gegangen ist. Mit Israel zusammen habe ich am Feuer gesessen und das Fleisch des Lammes gegessen (2. Mose 12, 8). Mit Israel zusammen bin ich in Hast und Eile aus Ägypten aufgebrochen. Usw..

Wie ist es, wenn ich die Geschichte vom Auszug aus Ägypten als meine Geschichte erzähle? Welche Gestalt nimmt der Pharao in meinem Leben an? Oder: Welche Auseinandersetzungen führe ich auf meinem Weg in die Freiheit? ... Wenn Gott auf den Plan tritt und Menschen in die Freiheit führen will, dann ist das mit Konflikten verbunden. Harmonie ist kein Kennzeichen Gottes. Mose hatte eine Menge Konflikte mit dem Pharao auszutragen. Jesus sagt von sich selbst: «Meint nicht, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.» Der Auszug aus Ägypten bringt eine Fülle von Erfahrungen mit sich, und diese Erfahrungen dürfen meine Erfahrungen werden.


Das Erzählen als Ort der Vergegenwärtigung
Erzählen heisst, eine Geschichte immer und immer wieder zu erzählen. In jedem Erzählen vertieft sich mein Verstehen. Ich entdecke Einzelheiten neu, lerne vielleicht, anders zu gewichten. Wenn wir die Bibel lesen, ist das nichts anderes als ein Vergegenwärtigen. Im Lesen der biblsichen Geschichten gehen wir mit Jesus seinen Weg mit: von der Taufe bis zum Kreuz und in die Auferstehung. Im Erzählen seines Weges sind wir mit dabei. Sein Weg wird zu unserem Weg.


Die Feier des Abendmahls
Jesus sagt zu den Zwölfen: «Das tut zu meinem Gedächtnis». Diese Formulierung hat Jesus aus Psalm 111. Die Abendmahlsfeier ist ja Teil der Passahfeier. Wenn wir heute das Abendmahl feiern, dann trete
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