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So schützen wir uns seelisch

Predigt vom 24. Januar 2021 zu Apostelgeschichte 26
Es muss passen. Die Schuhe zu den Füssen, die Füsse in die Schuhe. Ganz einfach, sollte man meinen. Aber es sind ja nicht nur die Füsse, die passen müssen.
Schuhe müssen farblich zu den Kleidern passen, sie sollten bequem sein, aus einem bestimmten Material, zu einem guten Preis, vielleicht ist auch die Marke wichtig und dass sie der Mode entsprechen.
Und manchmal passen die Schuhe eigentlich gar nicht, sondern werden passend gemacht. Es gibt Druckstellen, die wir in Kauf nehmen, oder es muss diese und jene Farbe sein, weil das halt so vorgeschrieben ist.
So viele Gedanken musste sich der Apostel Paulus nicht machen. Seine Füsse steckten wahrscheinlich in Sandalen, wir nennen sie auch Jesuslatschen. Und das passte.

Wenn ich seinen oder auch meinen Lebenslauf anschaue, dann wird mir bewusst, wie viel im Leben für uns einfach so vorgegeben ist. In manche Schuhe, die wir tragen, werden wir hineingeboren und haben uns gar nie bewusst dafür oder dagegen entschieden.
Das kann vom Wohnort, vom Lebensmittelpunkt über soziale Kontakte bis zu Beruf und Hobbys gehen. Die meisten von uns werden von den Eltern oder weiteren Verwandten geprägt, und werden in eine bestimmte Richtung gefördert, die den Interessen und Wertvorstellungen der Eltern entspricht.
Rituale und Anstandsregeln bekommen wir durch die Erziehung mit.
Auch in Bezug auf die Religion ist die Familie sehr prägend. Ob und wie religiöse Fragen thematisiert werden und wie religiöse Traditionen gelebt werden, das entscheidet sich zuerst zu Hause. Auch der Berufswunsch richtet sich vielleicht nach der Tätigkeit der Eltern oder nahen Bezugspersonen, weil der Weg dort schon vorgeebnet ist.

Und manchmal rutscht man einfach irgendwo rein, weil es sich vom Umfeld her so ergibt. Ich habe als Kind nicht Volleyball gespielt, weil mich das besonders interessiert hätte, sondern weil das eben in der Turnhalle vom Dorf angeboten wurde. Da musste man nicht extra irgendwo hin fahren, es war günstig und andere Kinder der Klasse machten auch mit.
Erstaunlich, wenn man sich überlegt, wie weit unser Lebensstil/unsere Geschichte von unserem Umfeld, unserer Sozialisation und unserem Kulturkreis abhängt und gar nicht von einer persönlichen Entscheidung motiviert ist.

Paulus steckte in Jesuslatschen, weil alle die trugen. Er stammte aus einem Ort in der heutigen Südtürkei, in der Nähe von Syrien. Dort gab es eine grössere jüdische Gemeinde. Paulus Familie gehörte zu den Pharisäern, strenggläubige Juden die darauf achteten, nach den Vorschriften der Bibel zu leben.
In Jerusalem wurde er zum Schriftgelehrten ausgebildet. Eigentlich hiess er Saul, aber Juden verwendeten ausserhalb ihrer Gemeinschaft häufig einen anderen Namen, der ähnlich klang. So wurde aus Saul/Saulus Paulus.
In der Gruppe der Pharisäer fühlte sich Paulus wohl. Er war überzeugt von dem, was er lebte und seinen Schüler weitergab. In der Gruppe von Gleichgesinnten wird das Selbstbewusstsein gestärkt, man wird ermutigt, weiter zu machen.
Doch sein strenger Glaube hat ihn zum Christenverfolger gemacht. Er steht auch später dazu, dass er verantwortlich ist dafür, dass Christen zum Tod verurteilt wurden. Weil Paulus sich der Mehrheit anschloss und überzeugt war, das Richtige zu tun.
Ganz selbstverständlich hat er diese Schuhe angezogen, die Kinderschuhe mit dem jüdischen Glauben, die besonderen Schuhe des Pharisäers, sicherlich nicht die bequemsten und einfachsten, aber für ihn die passenden.

Jahre später hat es sich gewandelt. Jetzt ist Paulus angeklagt.
In seinem Prozess vor dem jüdischen König Agrippa und dem römischen Statthalter Festus lässt der Apostel seinen persönlichen Werdegang Revue passieren.
Text Apostelgeschichte 26

Paulus ist eine schillernde Figur. Zuerst hat er sich eifrig gegen die Christen gestellt, aus Überzeugung, das Richtige zu tun. Und dann dieser komplette Wandel zum überzeugten Zeugen des christlichen Glaubens.
Doch da zeigen sich eben menschliche Züge. Wenn wir uns eine Meinung zu einem Thema gebildet haben, gehen wir davon aus, dass die Mehrheit auch diese Meinung teilt, wir haben ja gute Gründe dafür.
Verstärkt wird dieser Glaube dadurch, dass wir uns in Gruppen bewegen, die unsere Ansichten und Vorstellungen teilen. Wir erleben es z.B. bei Demonstrationen. Da stehen Leute zusammen, die sich für ein Anliegen einsetzen, mit Plakaten und Sprechchören. Leider gibt es Kreise, wo die Leute einander anstacheln zu weniger friedlichen Aktionen. So dass Schaufenster zerstört werden oder Menschen zu Schaden kommen.
Wie sich die Gruppendynamik auswirkt, kennen wir aber auch alle aus der Schulzeit. Da lässt man sich in der Gruppe zu Sachen verleiten, die man allein nie machen würde und die vielleicht wenig durchdacht sind. Und wer nicht zu dieser Gruppe passt, der hat es schwer. Der braucht einen dicken Panzer, um sich gegen eine Gruppe zu behaupten.

Es ist natürlich, dass wir uns einer Gruppe anschliessen. Wenn man sich das vorstellt, wie früher gelebt wurde, da war es lebensnotwendig, zu einer Grossfamilie oder einem Clan dazuzugehören, wo man unterstützt wurde, geschützt war und von den Erfahrungen der anderen profitieren konnte.
Das ist immer noch so. Es ist relativ harmlos, wenn man den gleichen Musikgeschmack teilt und beim Konzert einer bestimmten Musikgruppe zusammen mit Tausenden anderen applaudiert. Oder wenn man beim Fussball oder Hockey einer bestimmten Mannschaft zujubelt und stolz ist, Schweizerin zu sein, wenn der Schweizer das Skirennen gewinnt.
Wenn es aber um religiöse, politische oder gesellschaftliche Überzeugungen geht, lohnt es sich, die Gruppendynamik im Auge zu behalten.
Sind meine Argumente stichhaltig, oder bin ich geblendet von meinen Kinderschuhen, die ich trage, meiner Herkunft, meiner Kultur? Oder habe ich mich da beeinflussen lassen von dem Kollegen, der so gut reden kann?
Ist es wirklich meine Meinung, oder fühlt es sich nur gut an, zusammen mit anderen gegen jemanden zu wettern, gegen eine politische Ordnung zu sein oder auf andere mit dem Finger zu zeigen?
Manchmal werden Menschen aus einer Gruppe ausgestossen, nur weil sie einen anderen Lebensstil haben. Oder dann werden Fehler publik gemacht und es wird über Menschen geurteilt, ohne dass man die Umstände kennt. Die anderen hingegen meinen zu wissen, was richtig und was falsch ist.
So soll Carl Spitteler, ein Schweizer Dichter, schon vor mehr als hundert Jahren gesagt haben: «Das scheint menschlicher Stil zu sein: ein Menschenalter über wird gesteinigt, wer an eine Puppe nicht glaubt, und ein Menschenalter später steinigt man jenen, welcher daran glaubt!»

Paulus reagiert da nur menschlich. Versöhnlich stimmt mich, dass er sehr kritisch zu dem steht, was er gemacht hat. Er redet seine Vergangenheit nicht schön, er steht dazu. Er ist immer noch Saul, mit seiner Vergangenheit, die zu ihm gehört.
Er erzählt, wie Jesus ihn aus seinem Irrtum geweckt hat, mit diesem Ruf: «Steh auf und stell dich auf deine Füsse!»
Auf deine Füsse. Jesus stellt Paulus nicht irgend welche Schuhe hin, die zu passen haben. Wenn wir Jesus folgen, dann passen die Schuhe. Wir haben guten Halt und werden getragen auf dem holprigen Weg.
Stell dich auf deine Füsse! Ja, ich darf zu meiner Geschichte stehen, aber manchmal muss ich mich lösen von dem, was mein Umfeld mir vorgibt, bis die Schuhe wieder besser passen und ich meine persönliche Meinung vertreten kann und nicht vorschnell urteile.
Stell dich auf deine Füsse, sagt Jesus, und begegnet dem Menschen auf Augenhöhe. Das ist sehr befreiend. Auch wenn du gestolpert bist, in ein Loch gefallen bist oder anderen kaum in die Augen schauen kannst: Richte dich wieder auf!
Auf Augenhöhe begegnet uns Gott, vielleicht auch in Nachbarn und Freundinnen, in Gefährten oder in Zufallsbekanntschaften, so dass es gelingt, aufzustehen.
Wie Paulus können auch wir mit unserem Paar Schuhe Zeugin/Zeuge der christlichen Hoffnung sein. Ich wünsche uns, dass wir den Mut dazu haben oder dann dazu ermutigt werden. Amen.
Bereitgestellt: 24.01.2021    Besuche: 289 Monat 
aktualisiert mit kirchenweb.ch