Religiös-Sozialistische Vereinigung der Deutschschweiz

Vorstand

Die Vorstandsmitglieder der Religiös-Sozialistischen Vereinigung der Deutschschweiz
steuern die Geschäfte hierarchiefrei!


Nachstehend ist ersichtlich, wer welche Aufgaben übernimmt.

Johannes Bardill-Kindschi (Bulletin)
Pfarrer der ref. Kirchgemeinde Horgen
Im Vorstand seit 2005
Redaktor des RESOS-Bulletin


Hanna Götte (Versand)
Primarlehrerin, Gehörlosenlehrerin, Kirchenbasisaktivistin
Im Vorstand seit 1998 . Präsidentin von 1999 bis 2008.


Hans Walder (Kassier)
Rechnungsführer, Bezirkskirchenpfleger, Sozialdemokrat
Im Vorstand seit 2003


Jochi Weil-Goldstein
Persönliche Vorstellung "Wie bin ich Jude und Sozialist"- siehe unten"
Ehemaliger Primarlehrer mit heilpädagogischer Zusatzausbildung, 1981-2012 Projektverantwortlicher bei medico international schweiz, Arbeitsrichter, Mitglied des ICZ (Israelitische Cultusgemeinde Zürich)
Im Vorstand seit Mai 2011


Verena Keller (Aktuarin Vorstandssitzungen)
Schauspielerin und Schriftstellerin aus Basel
Im Vorstand seit Sommer 2013



Jochi Weil stellt sich vor "Wie bin ich Jude und Sozialist?"

Im Folgenden versucht unser Vorstandsmitglied Jochi Weil die im Titel gestellte Frage in acht kurzen Kapiteln aus seiner Lebensgeschichte rudimentär zu beantworten. Natürlich liesse sich noch viel mehr sagen.

Kindheit
Aufgewachsen bin ich in einer jüdischen Familie in einem Reiheneinfamilienhaus am unteren Zürichberg. Mein Vater kam aus Luzern, meine Mutter aus Hamburg-Altona.
Meine Eltern waren beide Mitglieder der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich, ICZ.
Mein jüngerer Bruder und ich wurden mehr oder weniger jüdisch, aber vor allem weltlich erzogen. So besuchten wir den öffentlichen Kindergarten und die Primarschule.
Wir waren sogenannte „Dreitagesjuden“, d.h. dreimal im Jahr, an hohen Feiertagen nahmen wir am Gottesdienst in der Synagoge an der Löwenstrasse teil, wo wir mit 13 Jahren auch Barmitzwa wurden. An schulfreien Mittwochnachmittagen besuchten wir den Religionsunterricht im Gemeindehaus der ICZ, nahe beim Bahnhof Enge.
Am Ende der ersten Primarklasse war ich während dreier Monate im Israelitischen Kinderheim Wartheim in Heiden AR, das traditionell jüdisch geführt wurde. Ich genoss die warme, jüdische Atmosphäre und den Schabbat. Während der Sekundarschulzeit war ich ein zweites Mal im Wartheim.

Hashomer Hatzair „Der junge Wächter“
1959 trat ich mit 17 Jahren erneut in die jüdisch-zionistisch-sozialistische Jugendorganisation in Zürich ein. Deren Ziel war es, Kinder und Jugendliche mit der Geschichte des jüdischen Volkes und dem sich im Aufbau befindenden jüdischen Staat Israel vertraut zu machen. Bald wurde ich Gruppenleiter für Kinder im Primarschulalter. Pfadfinderei gehörte zu den Aktivitäten jeweils am Schabbatnachmittag, wie auch das Erzählen von Geschichten.
Erstmals wurde ich mit dem Marxismus konfrontiert. Ich verstand diesen als Basis zur Überwindung der kapitalistischen Verhältnisse und der Ausbeutung der werktätigen Bevölkerung. Mit dieser Denkweise bin ich bis heute verbunden.
Bei den älteren Jugendlichen stand die Vorbereitung auf ein sozialistisches Leben im Kibbuz im Vordergrund. Nach Bestehen der Matura oder der Lehrabschlussprüfung sollten wir in Israel in einer solchen landwirtschaftlichen Gemeinschaft leben.
Israel besuchte ich erstmals im Jahre 1963.

Zum Sechs-Tage-Krieg von 1967
Zu jener Zeit war ich Primarlehrer in einem kleinen Dorf im Kanton Thurgau. Mit den SchülerInnen hörte ich die Nachrichten über den Verlauf des Krieges. Wie selbstverständlich entschloss ich mich unbezahlten Urlaub zu beantragen, um in Israel während gut zwei Monaten zivilen Dienst zu leisten. Meine Frau und ich gehörten zu den ersten, die nach dem Krieg nach Tel Aviv flogen und sich in den Kibbuz Magen, gleich neben dem Gazastreifen begaben, wo bereits JugendkollegInnen von uns lebten. Wir arbeiteten wie andere Freiwillige in der Landwirtschaft. Während des Aufenthaltes erhielten wir auch Gelegenheit, Teile der eroberten und besetzten Gebiete zu besichtigen.
Aufgrund mündlicher Schilderungen von Soldaten, die aus dem Sechstagekrieg heimkehrten, schockierte mich ein Erlebnis, das meine humanistischen Vorstellungen beeinträchtigte. Mit einigen Fragezeichen kehrten wir nach drei Monaten in die Schweiz zurück.

Die 68er-Bewegung in der Schweiz
Diese vorwiegend studentische Bewegung, ausgehend von Protesten in Städten wie Berlin, Paris, in den USA, aber auch in Zürich, hat mich entscheidend und nachhaltig beeinflusst, geprägt. Empörung und Demonstrationen gegen den amerikanischen Krieg in Vietnam standen international im Vordergrund. Aber auch die Verhältnisse an den Universitäten, wie etwa "der Staub von 1’000 Jahren unter den Talaren“ waren ein Thema. Damals war die Befreiung vom bürgerlichen Mief in vielen Lebensbereichen bedeutsam, sowohl in der Erziehung wie auch in den Schulen. Zentral war die Frauenbefreiungsbewegung.
Selber nahm ich damals an verschiedenen Protesten in Zürich teil. Mein Engagement für humanitäre Hilfe manifestierte sich in der Gründung und dem Aufbau von Terre des Hommes im Kanton Thurgau, gemeinsam mit meiner Frau und wenigen anderen Gleichgesinnten. Die Hilfe für Kinder in Biafra, Tunesien, Algerien, Vietnam war zentral. Damals wurde ich Mitglied der SP in diesem Kanton.

Partei der Arbeit, PdA / Israel und Palästina
1978 verliessen wir die Ostschweiz und kehrten nach Zürich zurück, wo meine Frau ihre Tätigkeiten bei der Partei der Arbeit fortsetzte. Ich hatte die SP vor einigen Jahren verlassen und wurde Sympathisant der PdA, der ich bis heute verbunden bin.
Israel hatte mich wieder eingeholt; Verunsicherung gegenüber der Besatzungspolitik des jüdischen Staates machte sich in mir breit. Erstmals begann ich mich mit Arabern, respektive Palästinensern und deren Geschichte zu befassen. 1948 bei der Gründung von Israel waren ca. 750’000 Palästinenser mehr oder weniger vertrieben worden oder aus Angst flüchteten. Sie leben zum grossen Teil bis heute in Flüchtlingslagern. 1979 begann ich mich zuerst zögernd und dann immer intensiver für die Rechte der PalästinenserInnen zu engagieren. Schliesslich wurde ich zum Unterstützer der Zwei Staaten-Lösung. Diese verlangt, dass Israel sich auf die Grenzen vor dem Sechs-Tage Krieg zurückzieht und in der Westbank sowie in Gaza ein palästinensischer Staat geschaffen wird, mit Ostjerusalem als Hauptstadt. 1982 wurde ich Mitbegründer der „Kritischen Jüdinnen und Juden“.
Meine Verbundenheit mit Israel in den Grenzen vor dem Junikrieg 1967 bleibt bestehen. Es gilt mit den PalästinenserInnen lebbare politische Kompromisse zu realisieren.

Centrale Sanitaire Suisse CSS - medico international schweiz
1981 stiess ich zur CSS. Diese Organisation wurde während des Spanischen Bürgerkriegs 1937 in Zürich gegründet. Im Kampf gegen die Faschisten um Franco versorgte sie die Republikaner mit Ambulanzfahrzeugen und Operationszelten sowie mit Verbandstoff und Medikamenten.
Dieses linke Hilfswerk mit seiner 80-jährigen Geschichte unterstützt heute in Vietnam, in Nicaragua, in El Salvador, in Guatemala, in Palästina/Israel, in Cuba, in Südmexiko sowie in Gebieten, wo KurdInnen leben, basismedizinische Projekte.
Bis Ende 2012 war ich bei medico/CSS Zürich in verschiedenen Funktionen tätig, vor allem im „Brückleinbauen“ zwischen jüdischen und palästinensischen Menschen in Palästina und Israel, aber auch hier in der Schweiz.
Ausserdem gehöre ich zu den MitbegründerInnen der Kampagne Olivenöl (aus Palästina), die ich bis 2012 mit aufgebaut habe.

Judentum, Wiedereintritt in die Israelitische Cultusgmeinde Zürich ICZ
Schon vor längerer Zeit habe ich begonnen, mich wieder etwas mit der Familie meines Vaters zu beschäftigen. Im Herbst 1998 bin ich an drei Orte in Süddeutschland gereist. Als ich nach Zürich heimkehrte war gerade Chanukka, das Lichterfest, und ich besuchte die Synagoge an der Löwenstrasse. Da bin „hängengeblieben“. Seither nehme ich regelmässig am modern-orthodoxen Gottesdienst teil.
Am 1. Mai 2000 trat ich zum dritten Mal (sic!) in die Israelitische Cultusgemeinde Zürich, ICZ ein. Dieser Schritt einer Rückkehr ins Judentum („T’schuva light“) hängt mit verschiedenen Gründen zusammen. Einer davon ist die Tatsache, dass eine politische Kompromisslösung der nahöstlichen Tragödie immer aussichtsloser erscheint.
Die regelmässigen Besuche des Gottesdienstes geben mir Trost und Halt. Im religiösen Judentum erlebe ich mehr und mehr Breite und Tiefe, wobei zu betonen ist, dass ich nur das einhalte, was für mich stimmt. Vom halachischen (religionsgesetzlichen) Leben bin ich weit entfernt.

Religiös-Sozialistische Vereinigung der deutschsprachigen Schweiz
Seit 2011 arbeite ich im Vorstand der ReSos mit. Vorher hat die Vereinigung während längerer Zeit einen Juden und Sozialisten gesucht. Schliesslich ist die Anfrage an mich gelangt. Was mich bei den ReSos überzeugt ist die gelebte Dialektik zwischen Religion und Sozialismus. Mir geht es vor allem darum, wie die jeweilige Botschaft im Alltag umgesetzt und gelebt wird.
Mit meinen VorstandskollegInnen Hanna, Johannes, Verena und Hans arbeite ich gerne zusammen.
Seit längerer Zeit sind wir auf der Suche nach einer Muslimin oder einem Muslimen, die/der unsere Werte teilt.

Jochi Weil







Wir stehen ein für Gerechtigkeit, Friede, Bewahrung der Schöpfung. Wir arbeiten an einem demokratischen Sozialismus in der Hoffnung auf das Reich Gottes.
 
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Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.
Mt. 6.33
Autor: Religiös-Sozialistische Vereinigung der Deutschschweiz     Bereitgestellt: 02.03.2018     Besuche: 15 Monat