News+Berichte: Gemeindereise

Mittwoch, 1. Mai



Beim Frühstück war die Mehrheit angesichts des herrlichen Wetters dafür, die Seilbahn auf die Hohe Tatra zu benutzen. Berge gibt es in der Schweiz zwar auch, aber eben keine Hohe Tatra mit dem Blick auf das Zentrum des einstigen Zipser Bundes. Eine kurze Busfahrt (nach Tatranska Lomnica, etwa gerade nördlich von Poprad) und dann einige Irrwege durch den Wald brachten uns zur Gondelbahn. Auf einer unbemannten Mittelstation wollten alle aussteigen, als sich die Türen automatisch öffneten, und merkten im letzten Moment, dass es ja noch weiterging. Auf 1700m mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass die Bahn auf die Lomnitzer Spitze (Lomnicky stit, nochmals 900m) so ausgebucht war, dass es unser Zeitbudget überschritt. Aber den Blick genossen wir auch von dort. Die Weite löst Gedanken aus an Horden von Tataren, die einst diese Gegend buchstäblich entvölkerten, an beladene Wagen, welche deutsche Bauern auf Einladung des ungarischen Königs in dieses Gebiet brachte, an nationalistische Verblendung, rollende Panzer und Leiterwagen, die nach 700 Jahren die Nachfahren ebendieser Bauern wieder in nach Nordwesten führten. Der 2. Weltkrieg hat diese Gegenden wirklich umgepflügt und manche Wunde auf beiden Seiten hinterlassen.
Unten trafen wir dann diejenigen, welche lieber auf 1000m Höhe spazierengegangen waren (und leider wieder keine rechten Läden gefunden hatten). Und schon ging es weiter auf der Strasse nach Velka Lomnica, südöstlich über Hunkovce nach Vrbov und dann südlich auf die Strasse Nr. 8, der wir folgten, bis wir an einem Abhang Levoca (Lötschau) liegen sahen. Diese Stadt war das zweite Zentrum des Zipser Bundes und ist entsprechend reich ausgestattet. Wieder diese geschlossene Altstadt mit den Befestigungen, in der Mitte des Zentralplatzes das Rathaus und die Kirche. Bemerkenswert beim Rathaus: ein Pranger, der nur für „sündige Frauen“ da war. Die Kirche ist eine Reise wert. Sie wirkt zwar mit ihren zahlreichen geschnitzten und gemalten Altären fast überladen. Aber jeder Altar ist ein Kunstwerk erster Güte. Der Schnitzer Meister Paulus wird heute in eine Reihe gestellt mit Stoss und Riemenschneider. Man braucht ein Fernglas und viel Zeit, um alle Feinheiten zu betrachten. Und hier gab es auch Läden, trotz 1. Mai. Aber schon ging es weiter nach Osten, nach Spisske Podhradie mit seiner eindrucksvollen Burganlage, von der aus man wieder eine herrliche Sicht hatte. Auch hier konnte man die slowakischen Kronen benutzen, was sonst gar nicht so einfach ist, denn wir reisen ja wirklich „alles inbegriffen“.
Zipserburg
Zipserburg

Der kleine Branisko-Pass (bei dem wir etwas Angst um den Bus hatten, weil er immer langsamer wurde) sah einst eine grosse Schlacht zwischen Habsburg und Ungarn, welche die Ungarn zwar gewannen, aber dann kamen die Russen von der anderen Seite. Gewisse Kommentare und Gefühle von slowakischer Seite sind daher verständlich. Nicht in sausender Fahrt, sondern schön vorsichtig ging es auf der anderen Seite hinunter bis nach Presov, wo wir ein weiteres Mal eine dieser schönen Altstädte besichtigten. Dann kam die weite Rückfahrt, die Strasse Nr. 68 südlich bis Kosice, dann südöstlich durch die Satellitenstädte („Plattenbauten“) auf der 552 nach Slanec, Zemplinska Teplica, Zemplinska Nova Ves, Novosad und dann nordöstlich nach Drahnov. Es war tatsächlich ein Heimkommen. Und wir hatten das Gefühl, weit mehr als 2 Tage fort gewesen zu sein.
Die Rückfahrt war übrigens gar nicht besonders schläfrig verlaufen. Es gab genügend Landschaften zu sehen und Sprüche zu klopfen, die immer wieder ein gesundes Lachen hervorriefen. Und die leeren Mägen taten ein Übriges, wir hatten nämlich zum Erstaunen von László Csoma freiwillig auf den Zmittag verzichtet (natürlich für Reiseleiter und Chauffeur nicht verpflichtend). So freuten wir uns richtig auf das Abendessen. Und Pfarrerin Silvia stand schon als Empfangskomitee auf der Treppe, so dass das Essen geschwind auf dem Tisch stand: Knödel mit Kraut und Schweinebraten.
Anschliessend gab es noch einen grossen Run in den ersten Stock, als bekannt wurde, dass dort Produkte der Dorffrauen ausgestellt waren und gekauft werden konnten.