News+Berichte: Gemeindereise

Dienstag, 30. April



Eine lange Reise lag vor uns. So wurden wir genötigt, beim Frühstück gut zuzugreifen. Und weit war es wirklich. Es ging über Michalovce und Vranov auf der Strasse Nr. 18 weiter nach Hanusovce, dann auf der 545 nördlich weiter Richtung Bardejov. Nach Klusov bogen wir aber kurz westlich ab nach Hervatov, wo wir nochmals eine Holzkirche besichtigten, diesmal eine römisch-katholischer Konfession. Es handelt sich wahrscheinlich um die älteste Holzkirche der Slowakei (ca. 1595).
In Bardejov fanden wir ein Städtchen von mittelalterlichem Charakter, mit Stadtbefestigungen, einem grossen Marktplatz und mitten darin Kirche und Rathaus. Diverse Damen freuten sich auf Souvenirläden, allerdings gab es davon nicht viel. Dafür gab es viel zu essen. László Csoma hatte uns im Restaurant Hubertus eine slowakische Spezialität versprochen – eine Art Spätzli mit ausgelassenem Speck angerichtet und Schafskäse (Bryndzove halusky so slaninou). Kaum jemand mochte den Teller leer essen. Und alle zog es wieder nach draussen, um Läden zu suchen. Wobei wir allerdings durchaus wahrnahmen, wie geschmackvoll diese Stadt renoviert wurde und wird. Die noch vor wenigen Jahren unansehnlichen Häuser werden zu wahren Schmuckstücken, die Fassadenreihen werden geschlossen, der deutlich deutsche Charakter all dieser Städte des Zipser Bundes ist wieder sichtbar. Man rechnet wohl auch mit deutschen Touristen. Die überaus massvollen Preise können dies nur fördern.
Rathaus von Bardejov
Rathaus von Bardejov

Trotz vollem Bauch war die Aufmerksamkeit im Bus gut, als es nun weiter nach Westen ging. Auf der Strasse 77 fuhren wir in Richtung polnischer Grenze. Pittoreske Dörfer aus Holzhäusern kamen ins Blickfeld. Auf der anderen Seite eines Flüsschens waren auch wieder Holzkirchen – so nah, dass sie fast zum Besuch einluden. Wir mussten uns allerdings von der Karte belehren lassen, dass diese schon auf polnischen Boden lagen. Und kurz darauf entdeckten wir im Gebüsch auch ein Schild, auf dem es so viel hiess wie „Achtung, Staatsgrenze“. Die Strasse schwenkt kurz südwestlich und dann nordwestlich (Nr. 58) nach Stara Lubovna, dem ehemaligen Altlublau mit seiner Burg und seiner bemerkenswerten Altstadt, die wir allerdings nur vom Bus aus betrachteten. Denn uns zog es weiter südöstlich ins Zentrum der früheren Karpatendeutschen, nach Käsmark oder, wie es heute heisst, Kezmarok. Wieder einer dieser geschlossenen Altstadtringe, mit der Burg des Fürsten Thököly am einen Ende (dem Namen waren wir in Borsa nahe der ungarischen Grenze schon einmal begegnet im Zusammenhang mit Fürst Rakoczi) und 2 Kirchen am anderen Ende, die alles Bisherige in den Schatten stellten. Es war eigentlich schon spät und weil morgen 1. Mai ist, war ohnehin schon alles zu (auch die Souvenirläden). Aber dann kam eine Frau mit einem herrlichen karpatendeutschen Akzent und fragte, ob wir die erwartete Gruppe seien. Das waren wir natürlich nicht, aber wir liessen uns die Gelegenheit trotzdem nicht nehmen, zumal die erwartete Gruppe dann nicht eintraf. Die lutherische Holzkirche ist absolut nicht typisch lutherisch, aber wunderbar ausgemalt und erhalten, ein Kunstdenkmal erster Güte. Sie wurde einst mit Spenden aus evangelischen Staaten Europas gebaut. Weil sie der Gemeinde dann zu klein schien, gewann sie einen dänischen Architekten, der eine lutherische Kirche in Jerusalem bauen sollte und ihr seine Pläne vermachte. Der Stil ist dementsprechend orientalisch angehaucht und eigentlich auch so gar nicht lutherisch. Zumal die Kirche die Grabkammer des Fürsten Thököly beherbergt, dessen Leichnam nach 200 Jahren aus dem Exil in der Türkei wieder hergeschafft wurde. Sehr eigenartige Kirche, aber auch grandios.
Svatuse
Svatuse

Beide Kirchen luden übrigens zur Erprobung der Akustik ein – schliesslich haben wir ja genug Kirchenchormitglieder bei uns.
Nach einer kleinen Personensuchaktion, die am Abend noch in einer sühnenden Runde Becherovka resultieren sollte, ging es bei Sonnenuntergang in die herzige Altstadt von Georgenberg (Spisska-Sobota, ein Stadtteil von Poprad). Auch hier sind grosse Anstrengungen zur Renovation zu beobachten. Eine Fotoserie zeigte den Werdegang unseres Hotels. Er erinnert an die Fotos im Eingang unseres Ortsmuseums. Ein paar wenige Häuser zeigen noch, welcher Verfall hier aufgehalten wurde.
In dieser himmlisch ruhigen Altstadt genossen wir ein gutes und lustiges Nachtessen und schliefen bestens.